Der Vishnuismus
Entstehung und Verbreitung - Seite 1

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1. Einleitung

  1. vom Brahmanismus zum Hinduismus
  2. Kastensystem
  3. Dreiheit: Brahma - Shiva - Vishnu
  4. Mahabarata

2. Entwicklung des Vishnuismus - Gottverehrung in Tempeln

  1. Bhagavatas
  2. Beschreibung Vishnus
  3. Avatara(Inkarnation)-Verehrung
  4. Vyuha-Verehrung

Während der Brahmanismus, literarisch durch den Veda, die Brahmanas und die Upanischaden belegt, inhaltlich durch eine zunehmend starre, ausschließlich am Opferwesen orientierte "Wissenschaft" dargestellt und durch - Kastensystem (Info) - und Wiedergeburtslehre charakterisiert ist, kennt der Hinduismus eigentlich keine in sich geschlossene dogmatische Lehre. Der Hauptgott Brahma wird verdrängt und Shiva und Vishnu nehmen seine Stellung ein.
Shiva als höchster Gott hat den Beinamen Mahadeva und lebt als Asket und Herr der Yogis mit seiner Gattin Parwati und seinen Söhnen Skanda und Ganesha im Himalaya. Während Shiva als "Zerstörer" der Welt gilt, erscheint Visnu in Gestalt der Avataras (Herabsteigende) um die Welt von Dämonen zu befreien und das Dharma zu schützen. Die kulturelle Verehrung von Bildern eines Gottes durch Gebet oder Opfergaben findet vor allem im Tempel statt. Die Mittler zwischen dem Gläubigen und dem Gott sind die Brahmanen, die die Kulthandlungen und Zeremonien bei den zahlreichen Festen vollziehen. Die Brahmanen sind in der Praxis auch eigentlich hauptsächlich diejenigen, welche die Unterschiede Zwischen Shivaisten und Vishnuisten beachten, die in Yogapraktiken und Ritualen ganz grob zu sehen sind.
Nach den ersten Ansätzen in den Texten des Veda beginnt die eigentliche Überlieferung des Hinduismus mit dem Epos "Mahabarata" (einschließlich der Bhagavatgita), das somit seine älteste Quelle ist, er ist jedoch erst in den 18 Puranas (ab ca. 6. Jahrhundert) voll entwickelt.

Fürsten der Gupta-Dynastie (ab ca. 320) und kleine Machthaber im Norden, Süden und in der Mitte Indiens nannten sich Bhagavatas - Anhänger der einen oder anderen Form des Vishnuismus. Diese Konfession gewann ab dem 4. Jahrhundert an Bedeutung im ganzen Land.
Das Pantheon der Gupta-Zeit war noch verhältnismäßig einfach: Vishnu auf dem Garuda (sein vogelähnliches Reittier) sitzend, von Lakshmi, seiner Shakti, begleitet, oder auf der Weltschlange schlafend als Rama oder Krsna als seine Hauptavataras (Repräsentationen).
Dann aber entwickelte sich in erster Linie die Verehrung von Vishnus Avataras weiter, die mit der Ausarbeitung einer Theorie des göttlichen Herabsteigens Hand in Hand ging. So erscheint Vishnu als Eber und brachte die auf den Grund des kosmischen Meeres gesunkene Erde wieder an die Oberfläche des Meeres, nachdem er den großen Schlangenkönig Kaliya besiegt hatte. In einer weiteren Krise der Erde inkarniert Vishnu in die Prinzessin Devaki als Krishna um gegen den Dämon Kalanemi als Inkarnation Kamsa anzutreten. Kamsas Haupstadt war Mathura, bei Delhi, jetzt Brindaban am heiligen Fluss Yamuna (Jumna). Hier befindet sich ein bedeutender Mittelpunkt der Vishnu-Krishna-Verehrung
Mit Krishnas Erscheinen (18.2.3102 BC. - siehe Heinrich Zimmer, Mythen und Symbole) beginnt dann auch das Kali-Yuga, das letzte Yuga einer Epoche, welches 432.000 Jahre dauert.
In dieser Zeit löst sich Dharma vollständig auf. Die Lasterhaftigkeit nimmt solche Ausmaße an, dass am Ende des Yuga der Höchste Herr persönlich als Kalki-avatara erscheint, die Dämonen vernichtet, seine Geweihten rettet und ein neues Satya-Yuga einleitet. Eine komplette Weltepoche dauert etwa 4,3 Millionen Jahre, tausend mal soviel währt die Dauer eines Brahma-Tages (Kalpa). 311.040.000.000.000 Jahre währt ein Brahma-Leben, welches mit einer allgemeinen Auflösung schließt. Der Zustand vollkommener Eingeschmolzenheit regiert dann für ein weiteres Brahmajahrhundert, bis dann der gesamte Zyklus von 311 Billionen Menschenjahren aufs neue mit dem Satya (Krita)-Yuga (1.728.000 Jahre) beginnt, gefolgt von dem Treta-Yuga (1.296.000 Jahre), dem Dvapara-Yuga (864.000 Jahre) und dem Kali-Yuga (Bhagavad Gita, 8.16 ff.).
In der Vyuha-Verehrung erscheint Vishnu als "Einer in Vieren" viergesichtig und mehrarmig, was das Bild "des Größten des Universums und den Erhalter der gesamten Welt darstellt."

Der Versuch, ab dem 6. Jahrhundert, Vishnu und Shiva als gleichwertige Partner zu vereinen, wobei Vishnu mit seiner Tiara die linke und Shiva mit dem Haarknoten die rechte Seite desselben Körpers dargestellt sind, konnte sich nicht durchsetzen, trotz eines gewissen Kultes im Süden seit dem 14. Jahrhundert. Erwähnt sei bei dieser Gelegenheit, dass die Masse der Bevölkerung nach wie vor, ungeachtet etwaiger Bevorzugung eines Kultes, auch andere Gottheiten verehrt und verschiedene Kulte miteinander vereint.


Auszug des Referats: DER VISHNUISMUS - Entstehung und Verbreitung, Studium Religionsgeschichte, FU-Berlin,
vorgetragen am 15. April 1992, Referent: Rainer Kurka.


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