Das Judentum

[Die israelitische Religion] [Jüdische Geschichte] [Thora und Gesetzeslehre] [Die jüdische Gemeinschaft]
[Bet Knesset - Die Synagoge] [Jüdische Gemeinde zu Berlin / Gründung der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel]
[Zerstörung, Auslöschung und Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden]
[Literatur] [www-Links]

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Die israelitische Religion

Im Zentrum der alten israelitischen Religion steht der Bund mit Gott.
Mose hat diesen Bund am Sinai zwischen seinen Anhängern und dem Gott JAHWE geschlossen. Der Name Gottes ist den Juden heilig, er wird ADONAI -"Herr" genannt, um seine Heiligkeit nicht zu verletzen. In deutschen Texten findet man deshalb oft die Schreibweise G'tt.

Die Befreiung der semitischen Stämme, die später das Volk Israel bildeten, und die Errettung vor den Ägyptern, wie sie in der TORA, den fünf Büchern Mose, dargestellt ist, wurde als Heilstat und Auserwählung angesehen.
Die Worte Gottes an das Volk Israel sind:
"Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern sein und ein heiliges Volk." Die Auserwählung wird nicht als Bevorzugung verstanden, sondern als Verpflichtung, das Gesetz Gottes einzuhalten, denn Er hat direkt in ihre Geschichte eingegriffen.
Mose, der Schöpfer des Dekalog - der Zehn Gebote - wird von den Juden weder als Prophet noch als Religionsstifter angesehen, sondern als Führer und Lehrer des Volkes. Mit dem ersten Gebot "ICH BIN DER EWIGE, DEIN GOTT" wird der strenge Monotheismus deutlich, der den damals unter den Stämmen und Völkern Vorderasiens herrschenden Polytheismus in einem Akt freier Willensentscheidung überwindet. TORA bedeutet Lehre, sie ist die erste Quelle des Judentums und wird von den Gläubigen als der geoffenbarte Wille Gottes angesehen. Das Bundesverhältnis zwischen Israel und seinem Gott beruht auf dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz. Als historische frühe Quelle wird über die Zeit der Einwanderung der israelitischen Stämme nach Kanaan und das Hineinwachsen in die dort vorgefundene Kultur berichtet. Die Bücher der Propheten weisen auf die Gefahr des Abfalls vom Gesetz und von dem Glauben an den Einen Gott hin.
Verbindliche Schriften sind neben Tora und Propheten auch die Poesien der Psalmen und andere Bücher, die wir als Altes Testament kennen. Diese Schriften sind in verschiedenen Zeiten entstanden. Der größte Einschnitt in der Geschichte Israels war das Exil, die babylonische Gefangenschaft, die mit der ersten Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahre 586 v. Chr. einherging. Dieses Exil wird als Strafgericht Gottes angesehen und war von Propheten angekündigt worden. Im babylonischen Exil bildeten neue Elemente die Religion der zwölf israelitischen Stämme, von denen zehn verloren gingen, zu einer religiösen Gemeinschaft um, die nicht mehr stammesmäßig begrenzt war. Nach dem Ende des Exils 538 v. Chr. spricht man von der jüdischen Religion. Die Tora, die Bücher der Propheten und ein Teil der KETUWIM sind in Hebräisch abgefasst worden, einige andere in Biblisch-Aramäisch.

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Jüdische Geschichte

Der Tempel in Jerusalem wurde neu errichtet und war für die Zurückkehrenden wieder der Mittelpunkt der Religionsgemeinschaft. Diese stand nun unter der Führung einer Hohepriesterschaft, - der jüdische Hohe Rat, SANHEDRIN, eine Einrichtung, die auf den Priester und Schriftgelehrten Esra zurückgeht. Nach traditioneller Überlieferung soll er 458 v.Chr. vom Perserkönig Artaxerxes I. - Babylonien war von Persern erobert worden, was zur Befreiung der Juden aus dem Exil geführt hatte - mit 1.800 Exulanten nach Jerusalem zurückgesandt worden sein, um das Gesetz Jahwes wieder aufzurichten. Mit der Schaffung eines Priesterrates wurde Esra zum Reformator der jüdischen Gemeinde. Zum Schrifttum der nachexilischen Zeit gehören die Psalmen, Sprüche Salomos und Hiob.
Mit der Eroberung Syriens und Palästinas durch Alexander den Großen und den religiös-kulturellen Einflüssen des Hellenismus musste das Judentum neuen Einflüssen standhalten. Zunächst herrschte unter Alexander ein Höchstmaß an religiöser Freiheit. Seine Nachfolger, die Seleukiden, strebten jedoch die kulturell-religiöse Unterwerfung des ganzen syrisch-palästinensischen Raumes an. Sie verlangten von den Juden die Anerkennung des griechischen Pantheons - der Vielgötterwelt. Die Juden verteidigten ihren monotheistischen Gottesglauben und erlitten dafür Verfolgungen. Unter Antiochus Epiphanes kam es im Jahre 165 v. Chr. zum Aufstand der Juden unter Führung der Makkabäer. Das ursprünglich nur religiös ausgerichtete Judentum erhielt nun eine politische Richtung. Damit wurde das Judentum neu definiert als eine religiösnationale Gemeinschaft.
Zur Erinnerung an die Eroberung Jerusalems und die Säuberung des Tempels von den Spuren der Götterverehrung wird bis heute das Lichterfest CHANUKKA gefeiert.
Es entstand ein unabhängiges jüdisches Staatswesen, regiert durch die Dynastie der Hasmonäer, die für ein Jahrhundert herrschte. Es zerfiel durch innere Zerwürfnisse, im Jahre 63 v. Chr. befestigen römische Legionäre unter Pompeius den Goldenen Adler, das Hoheitszeichen Roms, an den Toren des Tempels. Palästina wird im Jahre 4 zum Protektorat, in Jerusalem sitzen die Landpfleger und üben mit ihren römischen Legionen die Fremdherrschaft aus. Im Jahre 66 n. Chr. bricht der Jüdische Krieg aus, den der Historiker Flavius Josephus, ehemals jüdischer Feldherr, dann Überläufer zu Rom und später Chronist des Geschehens, der Geschichte überliefert hat. Vier Jahre später, 70 n. Chr., wird Jerusalem erobert, der Tempel in Schutt und Asche gelegt. Es beginnt die Zeit der Zerstreuung der Juden, die Diaspora, GALUTH. Die Verteidigung der Felsenfestung Massada beim Toten Meer bis 73 n. Chr. und der Bar Kochba-Aufstand 132-135 n. Chr. sind letzte Zeichen eines jüdischen Widerstandes.

Zur jüdischen Geschichte
Von einigen jüdischen Gelehrten wird die jüdische Geschichte angezweifelt. Wie Shlomo Sand, Professor für Geschichte an der Tel Aviv Universität, 2018 in einem Artikel für die israelische Zeitschrift Haaretz schrieb, habe ein Exodus aus Ägypten nie stattgefunden.
Siehe auch:
The Thirteenth Tribe, Arthur Koestler, 1976
The Invention of the Jewish People, Shlomo Sand, 2014 (in viele Sprachen übersetzt)
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Tora und Gesetzeslehre

Nach jüdischer Überlieferung umfasst die Bibel 24 Bücher. Sie besteht aus drei Abteilungen, die in der Zusammenfassung TENACH (Tanach) genannt werden. Dieses Wort setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Abteilungen zusammen: T(ora), N(ewiim) K(etuwim).

  1. Tora (Pentateuch) enthält die fünf Bücher Moses:

    1. Genesis (Bereschit)
    2. Exodus (Schemot)
    3. Leviticus (Wajikra)
    4. Numeri (Bamidbar)
    5. Deuteronomium (Dewarim)

  2. Propheten (Newiim)

    1. Die "Ersten" Propheten

      1. Josua
      2. Richter (Schoftim)
      3. Samuel l-ll
      4. Könige (Melachim) l-ll

    2. Die "Späteren" Propheten

      1. Jesaja
      2. Jeremia
      3. Ezechiel
      4. Tre Assar (Zwölf kleine Propheten)
  1. Hagiographen (Ketuwim)

    1. Psalmen (Tehillim)
    2. Sprüche (Mischle)
    3. Hiob
    4. Hoheslied
    5. Ruth
    6. Klagelieder
    7. Ekklesiates (Koheleth)
    8. Esther
    9. Daniel
    10. Esra, Nechemia
    11. Chronik l-ll

Der Talmud
Der Talmud (Lehre, Belehrung) ist in seiner äußeren Form in Mischna und Gemara (Erläuterung) eingeteilt.
Man unterscheidet den babylonischen Talmud, der in einem ostaramäischen Dialekt abgefasst ist und den Jerusalemer Talmud, der westaramäisch-galiläisch geschrieben wurde. Ihr Abschluss fällt in das 5. Jahrhundert v. Chr. An Bedeutung steht der babylonische Talmud über dem Jerusalemer.
Seine innere Form ist gegliedert in Halacha (Wegweisung) und Aggada (Aussage).
Im Talmud werden 613 Gebote genannt. Es sind religiöse Pflichten, Rechts- und Sittlichkeitsvorschriften, Bestimmungen der jüdischen Lebensweise.
Daneben steht das rabbinische Schrifttum mit den berühmten Kodifikationen des Maimonides (12. Jahrhundert) und des Josef Caro (16. Jahrhundert). Jeder einzelne Jude ist zum Toralernen verpflichtet, nicht nur die Gelehrten. Sie gilt den Juden bis heute zusammen mit der mündlichen Lehre als das Fundament ihrer Religion und ihrer Gemeinschaft als Religionsvolk, wo immer sie leben.

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Die jüdische Gemeinschaft

In den jüdischen Gemeinden gilt die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Das Vorrecht der Leviten, die als Hohepriester aus dem Stamme Levi bis zur zweiten Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. für den Dienst am Heiligtum auserwählt waren, war religiöser Art. In Staat und Gesellschaft genossen sie keinen Vorzug.

Der Rabbiner ist Gelehrter und Führer einer Gemeinde. Er ist nicht Diener einer Kirche als Mittler oder Stellvertreter Gottes. Jeder einzelne ist selbst vor Gott verantwortlich. Wo immer zehn erwachsene Männer zusammenkommen, können sie eine Gemeinde bilden. Der Vorsteher einer Gemeinde heißt Parness (Ernährer). Gemäß der Tora ist die öffentliche Wohlfahrt ein wichtiges Prinzip der Gemeinden. Der Talmud lehrt "Gebet acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen wird die Lehre ausgehen." Die Forderung nach Gerechtigkeit Zedaka als Wohltätigkeit gilt auch Nicht-Juden, Fremden gegenüber.
Das Gebot der Nächstenliebe war die Lehre des Alten Bundes und wird auch im Evangelium als solche zitiert.

Innerhalb einer jüdischen Gemeinde ist die Wohltätigkeit gegenüber den wirtschaftlich Schwächeren eine vorgeschriebene religiöse Pflicht. So werden unmündige Waisen versorgt, Witwen aus der Armenkasse der Gemeinde unterstützt. Es gibt den Freitisch für durchwandernde Glaubensgenossen, Brautausstattung für arme Mädchen, Unterstützung von Studenten. Die Mittel werden durch Pflichtbeiträge und freiwillige Spenden aufgebracht. Die Kassen werden durch anerkannte Gemeindepersönlichkeiten ehrenamtlich verwaltet.

Brit Mila - Bund der Beschneidung
"Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und zwischen euch und zwischen deinen Nachkommen. Beschnitten wird bei euch alles Männliche. Beschneiden sollt ihr das Fleisch eurer Vorhaut, und es sei zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Ein jegliches Knäblein, wenn es acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen." (Gen. 17:10-12)
Die Beschneidung gilt bis heute den Juden als sichtbares Zeichen der Aufnahme in den Bund Abrahams. Es ist eine feierliche Zeremonie, die häufig in der Synagoge durch einen gesetzestreuen und chirurgisch ausgebildeten Mann durchgeführt wird. Die Beschneidungsbank hat zwei Sitze, einen für den Paten - SANDEK -, der das Kind auf dem Schoß hält, und den zweiten für den Propheten Elias. Das Kind wird auf einem Kissen mit den Worten "Baruch haba" (Gesegnet sei der da kommt!) an den Sandek übergeben. Der Beschneider - MOHEL - holt vor der Ausführung noch einmal die Erlaubnis des Vaters ein. Dieser berührt den Messergriff und spricht einen Segen. Nach der Beschneidung wird der hebräische Name des Kindes genannt und man trinkt auf sein Wohl. Dann bringt der Gevatter das Kind zur Gevatterin, sie überreicht es der Mutter zum Stillen. Bei einem Festmahl wird das Neugeborene beschenkt und gesegnet: "Er wachse heran zur Tora, zur Chuppa (Eheschließung, wörtl. 'Hochzeitsbaldachin') und zu allen guten Werken."
Ist ein Mädchen geboren, so erhält es seinen Namen am Schabbat (Samstag) nach der Geburt.

Bar Mizwa - Sohn des Gesetzes
Mit der Vollendung des 13. Lebenjahres erlangt ein Junge die religiöse Mündigkeit und wird gebotspflichtig. Er darf zum ersten Mal das Morgengebet mit den Gebetsriemen (Tefillim) sprechen und darf zu den zehn Männern zählen, die in einer Gemeinde benötigt werden (Minjan - aramäisch: Zahl), um einen Gottesdienst abzuhalten. Das Fest ist deshalb von großer Bedeutung für einen Jungen. Anlässlich der Bar Mizwa-Feier gibt es ein Festmahl, er wird beschenkt und hält eine kurze Rede, bei der er seine Torakenntnisse zeigen kann. Dabei dankt er auch seinen Eltern für ihre Mühe in der Erziehung. Zum Abschluss der Feier darf er vor allen Gästen das Tischgebet vortragen.

Der jüdische Kalender und seine Festzeiten
Nach jüdischer Tradition beginnt der Kalender mit der Erschaffung der Welt, dem Jahre 3988 v. Chr.
Die Datierung der Sintflut wird auf 2332 v. Chr. gelegt, der Auszug aus Ägypten und die Gesetzgebung am Sinai auf das Jahr 1455 v. Chr. Die Juden betrachten ihre gesamte Geschichte als sakrale Heilsgeschichte. So liegen allen jüdischen Festtagen wichtige historische Ereignisse zugrunde.
Der jüdische Kalender kombiniert Mond- und Sonnenjahr. Das Mondjahr hat 12 Monate mit jeweils 29 oder 30 Tagen und ist um 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr. Bei Zeitrechnungen, die sich ausschließlich nach dem Mond richten, wie der islamische Kalender, wandern die Feiertage im Laufe von etwa 30 Jahren einmal rund um das Jahr. Da viele jüdische Feiertage an eine Jahreszeit gebunden sind, wird das Mondjahr korrigiert. In einem Mondzyklus von 19 Jahren werden sieben Schaltjahre eingeschoben, die 13 statt 12 Monate haben. Der 13. zusätzliche Monat heißt "Adar 2" und wird an "Adar 1" angehängt. Auf diese Weise wird das Mondjahr dem Sonnenjahr weitgehend angepasst und die Feiertage liegen immer in der gleichen Jahreszeit. Der Monatsanfang liegt am Neumondtag (Rosch Chodesch), mit Ausnahme des Monats Tischri (Sept./Okt.), der zugleich Jahresanfang ist.

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Bet Knesset - Die Synagoge

Der gottesdienstliche Versammlungsraum der Juden ist das Zentrum des Gemeindelebens. Das hebräische Wort 'Bet Knesset' bedeutet 'Haus der Versammlung', während 'Synagoge' dieselbe Bedeutung in griechischer Sprache hat. Die Ostjuden sagten auf jiddisch 'Schul'. Der Synagoge angeschlossen sind die Gemeindeinstitutionen wie das Rabbinat, die Bet Midrasch (religiöse Schule), die Mikwe (ein rituelles Tauchbad), der Cheder (religiöse Elementarschule) und häufig die Jeschiwa (Schule für Talmudstudien).

Die Richtung des Baus weist nach Jerusalem.
Gegenüber dem Synagogeneingang befindet sich der Toraschrein (Aron Hakodesch) mit den Torarollen, der von einem meist kunstvollen Vorhang verdeckt ist. Davor hängt eine 'Ewige Lampe'. In der Mitte ist ein erhöhtes Podium, das der Vorlesung aus der Tora dient. Der Vorbeter steht vor dem Pult, nicht weit entfernt vom Toraschrein und ihm zugewandt. Auch die Gemeinde schaut in diese Richtung, wobei die Frauen gesonderte Sitzplätze haben und an der Gebetsordnung keinen Anteil nehmen können.
Der Gottesdienst besteht aus Bekenntnis, Gebet, Schriftverlesung mit anschließender Auslegung und dem Aaronsegen. Eine sakramentale Kultpraxis, wie sie sich später im Christentum ausgebildet hat, kennt der jüdische Gottesdienst ursprünglich nicht.
Die Torarolle enthält die fünf Bücher Moses. Sie wird mit großer Ehrfurcht behandelt, was die Gemeinde durch ihr Aufstehen beim Ein- und Ausheben der Thorarolle aus dem Schrein bezeugt.
Die hebräischen Texte sind von einem Toraschreiber (Sofer) mit Spezialtinte und einem Federkiel auf Pergament geschrieben. Die Tora wird durch einen Wimpel zusammengehalten und in einer kostbaren Stoffhülle aufbewahrt. Die Torarolle ist mit einem Toraschild versehen, einer kunstvollen Metallarbeit, als besonderem sakralen Schmuck, der häufig mit einer Krone verziert ist. Damit die Schrift beim Vorlesen nicht von der Hand des Vorlesers berührt wird, benutzt dieser als eine Art Zeigestock einen Torazeiger, der an seiner Spitze als Hand geformt ist. Torarollen, die für den Gottesdienst nicht mehr brauchbar sind, dürfen wegen ihrer Heiligkeit nicht vernichtet werden, man begräbt sie an geweihten Orten. Im Judentum gilt die Torarolle als das Heiligste aller Kultgegenstände.

Die Synagogen waren Zufluchtstätten der Juden in Zeiten der Verfolgung. Da ihnen das Gebot der Bildlosigkeit gilt, - "Du sollt dir kein Bild machen von dem, was im Himmel oben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist" (Ex. 20:4), gibt es keine religiösen Bilderdarstellungen oder Plastiken. Dafür hat sich das Kunsthandwerk in der Schaffung von Kultgegenständen und Tempelgeräten zu hoher Blüte entwickelt.

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Jüdische Gemeinde zu Berlin / Gründung der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel

Jüdische Gemeinde zu Berlin
Die jüdische Gemeinde in Berlin war vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus mit 150.000 bis 200.000 Mitgliedern eine der größten in Mitteleuropa.
Die Gemeindebildung geht auf das Jahr 1671 zurück, Erwähnung finden die Juden in der Mark Brandenburg schon Jahrhunderte früher in alten Urkunden.
Das Emanzipationsedikt von 1812 bedeutete formal eine Gleichstellung der Juden als deutsche Staatsbürger, in juristischer und sozialer Hinsicht blieb eine Diskriminierung der jüdischen Minderheit jedoch weiter bestehen.
Die erste Berliner Synagoge wurde 1714 in der Heidereutergasse 4 errichtet. Vorher hatte es schon vier private Synagogen gegeben. Im Zuge der Emanzipation kam es zu einer Auseinandersetzung innerhalb der Berliner Judenschaft um Ritual- und Kultusfragen. Es bildeten sich Parteien der "Assimilationisten" oder "Liberalen" und der "Traditionalisten" oder "Orthodoxen" heraus. Die einen erstrebten im Vertrauen auf das Entstehen bürgerlicher Institutionen die Angleichung an ihre nichtjüdische Umgebung, die anderen trachteten danach, ihre jüdischen Traditionen umfassend zu bewahren.
Der jüdische, in Berlin lebende Philosoph Moses Mendelssohn (1729- 1786), Verfechter der Aufklärung und Freund Lessings, setzte sich für eine bürgerliche Gleichstellung der Juden ein, ohne dass die Bedingung der Assimilation daran geknüpft sein sollte:
"Wenn die bürgerliche Vereinigung unter keiner anderen Bedingung zu erhalten ist, als wenn wir von dem (jüdischen) Gesetze abweichen, das wir für uns noch für verbindlich halten, so tut es uns herzlich leid, was wir zu erklären für nötig erachten: So müssen wir lieber auf bürgerliche Vereinigung Verzicht tun. Von dem Gesetze können wir mit gutem Gewissen nicht weichen, und was nützen euch Mitbürger ohne Gewissen."
Schon 1846 hatte sich eine jüdische Reformgemeinde gebildet, die 1854 ihre Synagoge in der Johannesstraße 16, Berlin-Mitte einweihte. Sie führte die deutsche Sprache und das Orgelspiel in ihren Gottesdienst ein, es gab eine Predigt, eine deutliche Annäherung an die protestantische Umwelt.

Gründung der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel
Als 1864 der liberale Theologe Dr. Aub als Hauptrabbiner an die Hauptsynagoge berufen wurde, führte er dort auch Reformen ein. Dagegen erhob sich Protest. Zweihundert orthodoxe Gemeindemitglieder richteten eine Petition an den Vorstand, in der sie die Berufung eines anderen Rabbiners, der über ein gründliches talmudisches Wissen verfügen sollte, verlangten. Die Petition bewirkte nichts weiter als die Berufung eines zweiten liberalen Rabbiners. Es kam zur Spaltung, ein privater Religionsverein, die "Gesetzestreue jüdische Religionsgesellschaft Adass Jisroel" wurde 1869 gegründet. Als Rabbiner beriefen die Orthodoxen Dr. Esriel Hildesheimer. Hildesheimer war weder den jüdischen Liberalen noch den Anhängern des osteuropäischen Chassidismus willkommen. Den einen war er zu religiös und den anderen zu weltlich. Schon einige Jahre später, 1873, eröffnete Adass Jisroel ein Rabbinerseminar mit Synagoge und Quellbad in Berlin-Mitte, Gipsstraße 12 a.
Die Gemeindemitglieder waren jahrelang gezwungen, auch der Hauptgemeinde ihren Beitrag zu zahlen, bis das königliche "Austrittsgesetz" sie 1876 davon befreite. Aber auch ihr offizieller Austritt hatte noch Folgen: Sie mussten einen eigenen Friedhof einrichten, weil die Hauptgemeinde ihnen untersagte, den Friedhof jüdischen Hauptgemeinde in Weißensee zu benutzen. Seit 1880 gab es deshalb einen gemeindeeigenen Friedhof, ebenfalls in Weißensee (heute Wittlicher Straße), wo bis in die Nazizeit hinein um 3.000 Beerdigungen stattgefunden haben. Im Gegensatz zu den Liberalen vermieden die orthodoxen Juden bei ihren Begräbnissen jeden Prunk. So gibt es keine Tempel oder Mausoleen, sondern nur schlichte Grabsteine, Tafeln und Obelisken.
Erst 1885 erhielt Adass Jisroel als zweite Jüdische Gemeinde in Berlin die Rechte einer Synagogengemeinde. Zum jüdischen Neujahrsfest im Juni 1904 wurde in der Artilleriestraße 31 ein neues Gemeindegebäude eingeweiht. Neben Verwaltungsgebäuden waren darin die Synagoge und das Rabbinerseminar untergebracht.

1928 eröffnete Adass Jisroel im Hansaviertel, Siegmundshof 11, ihre Schule, bestehend aus einer Grundschule, Mädchen-Lyzeum, Realgymnasium und Religionsschule. Auch eine neue Synagoge gehörte dazu. So gab es in Berlin zwei Zentren, in denen das religiöse Judentum seine Wirkungsstätten hatte.
In den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann die Auswanderungswelle der Juden aus Osteuropa, die vor Pogromen und Verfolgung flüchteten. Zwischen 1880 und 1914 verließen etwa zweieinhalb Millionen Juden Osteuropa. 80% wanderten davon nach Amerika aus. Nach Deutschland kam eine verhältnismäßig kleine Gruppe, die nur 2,5% der Gesamtauswanderung ausmachte, etwa 65.000. Etwa 20.000 von ihnen ließen sich in Berlin nieder, bildeten Wohnghettos in Berlin-Mitte - das "Scheunenviertel" hinter dem Alexanderplatz - und im Norden und Osten Berlins. Diese meist galizischen Zuwanderer integrierten sich nicht in die Reformgemeinden, ein Teil ging in die Adass Jisroel, andere bildeten kleinere Privatsynagogen, wie im Bezirk Prenzlauer Berg (Franseckistraße 3) der 1908 gegründete Synagogenverein 'Lew Jehudo e. V.' Das osteuropäische Judentum stand vorwiegend dem Chassidismus nahe.

chanukka

Die Beziehung zwischen ihnen und den alteingesessenen Glaubensbrüdern, die zu großen Teilen völlig assimiliert sich als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens fühlten, war durchaus ambivalent. Die soziale und gesellschaftliche Kluft zwischen beiden Gruppen - Ostjuden und Westjuden - war nicht einfach zu überbrücken. 1914 gab es in Berlin zehn Gemeinde- und sechzehn Vereinssynagogen, außerdem zahlreiche Kulturvereine, Betstuben, Schulen, Wohlfahrtsorganisationen. Es gab aber unter den Berliner Juden, die in höhere gesellschaftliche Schichten aufsteigen wollten und durch ihr Judentum daran gehindert waren, auch eine Taufbewegung. Auch Mischehen führten zur Konvertierung zum Christentum.
Der erstarkende deutschkonservative Nationalismus hatte vor der Jahrhundertwende eine Welle von Antisemitismus ausgelöst, die von breiten Volksschichten getragen wurde und auch in akademischen Kreisen Eingang gefunden hatte. Dagegen organisierte sich der 1893 in Berlin gegründete "Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der 1926 über 60.000 Mitglieder hatte. Im gesellschaftlichen und kulturellen Leben waren die Berliner Juden stark repräsentiert, das religiöse Leben galt ihnen als Privatsache. Für die jüdischen Neuzuwanderer aus Osteuropa dagegen war ihre Religion das Zentrum ihres Lebens.

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Die Zerstörung und Auslöschung der jüdischen Gemeinden

Bereits vor der Machtübernahme Hitlers und der Nationalsozialisten kam es Anfang der dreißiger Jahre schon zu Übergriffen auf jüdische Einrichtungen in Berlin. Synagogenbesucher wurden belästigt, Fensterscheiben zersplitterten durch Steinwürfe. Vor den Reichstagswahlen rief Rabbiner Munk öffentlich zu einer geschlossenen Stimmenabgabe gegen die Nazipartei in der Adass Jisroel-Gemeinde auf. Sehr bald wurde vielen Juden klar, dass schlimme Zeiten für sie anbrachen. Das Ausmaß der Katastrophe der totalen Vernichtung konnte niemand voraussehen.
Eine Emigrationsbewegung setzte schon bald ein, insgesamt sind etwa 90.000 Berliner Juden aus Berlin emigriert, nicht alle konnten sich dadurch retten. In Holland, Frankreich, Belgien, wo sie vorübergehend in Sicherheit waren, sind viele Opfer der Deportationen geworden.

1934 wurden die jüdischen Gemeinden in Berlin von der allgemeinen Nazifizierung getroffen. Genehmigungen für Baumaßnahmen wurden verweigert, die Berliner Behörden taten alles, um das Gemeindeleben zu erschweren. Der orthodoxen Gemeinde Adass Jisroel wurde 1937 von der Gestapo nahegelegt, sich freiwillig aufzulösen und der Hauptgemeinde anzuschließen. Sie verweigerte diese "geordnete Selbstliquidierung."
Der 9. November 1938, der als "Reichskristallnacht" in die Geschichte eingegangene Pogrom an den Berliner Juden, war das Fanal zur Liquidierung des Judentums in Deutschland. Adass Jisroel wurde aufgelöst, ihr Eigentum beschlagnahmt. 1941 fand im Synagogenraum von Siegmundshof ein Abschiedsgottesdienst statt. Bis zum Laubhüttenfest (Sukkot) 1941 konnten die Juden noch die Synagoge in der Levetzowstraße in Moabit benutzen, bevor diese Synagoge zum Sammelplatz für die Deportation der Berliner Juden und ihrer Vernichtung in deutschen Konzentrationslagern wurde.

Der Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde nach 1945

Bei Kriegsende hatten insgesamt 8.000 Berliner Juden die Vernichtung überlebt. 90.000 waren ausgewandert, 45.000 in Konzentrationslagern ermordet, 7.000 gestorben, viele durch Selbstmord. Die Gruppe der Überlebenden setzte sich folgendermaßen zusammen: 4.700 überlebten in sogenannten Mischehen, 1.900 kehrten aus den Konzentrationslagern zurück, und 1.400 überlebten im Untergrund.
Ein sehr großer Teil emigrierte in den nächsten Jahren aus dem in Trümmern liegenden Berlin ins Ausland. Die jüdische Gemeinde wurde in der ersten Nachkriegszeit als Liquidationsgemeinde betrachtet. Doch schon im Sommer 1945 wurden an fünf verschiedenen Stellen in Berlin wieder jüdische Gottesdienste abgehalten. Auch das Jüdische Krankenhaus wurde trotz Kriegsbeschädigungen sofort in Betrieb genommen, vor allem für die mit schweren gesundheitlichen Schäden aus den Konzentrationslagern entkommenen Juden, die dringend ärztliche Hilfe brauchten.
Im Februar 1946 wurde die Gemeinde wieder als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt. 1948 gab es die ersten Wahlen zu einer Repräsentantenversammlung.
Durch die Teilung Berlins wurde auch die Jüdische Gemeinde geteilt. In Ost-Berlin konstituierte sie sich im Rahmen des "Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR" zur "Jüdischen Gemeinde von Groß-Berlin". Ihre Mitgliederzahl war gering, Ende der 1980er Jahre gab es etwa 300 Mitglieder. Insgesamt existierten in der ehemaligen DDR acht jüdische Gemeinden in Dresden, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Schwerin, Erfurt. Schon in der Frühzeit der DDR haben viele dort überlebende Juden den stalinistischen deutschen Staat verlassen, der sich zwar auf seine antifaschistische Haltung viel zugute tat, aber die Judenvernichtung im Dritten Reich nicht stärker im Geschichtsunterricht berücksichtigte als das andere Deutschland es nach dem Krieg getan hat.

In Deutschland lebt heute hinter Frankreich und England die drittgrößte jüdische Gemeinschaft in Europa. Die jüdische Gemeinde zu Berlin hat heute mit mehr als 12.000 Mitgliedern (Stand 2008) die größte jüdische Gemeinde in Deutschland. Fast 70% kommen aus den ehemaligen GUS-Staaten (Russland-Deutsche). Diese Leute wissen jedoch nur wenig über jüdische Religion oder Traditionen.

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    Literatur

    Der Artikel entstammt der Broschüre "Einheit in der Vielheit - Weltreligionen in Berlin" (Autorin: Gabriele Yonan; Erscheinungsjahr: 1993) und durfte mit Genehmigung der damaligen Ausländerbeauftragten von Berlin (Herausgeberin der Broschüre) in Auszügen auf der Webseite von muz-online.de (2000-2017) veröffentlicht werden.
    Der Original-Text wurde von muz-online.de an einigen Stellen leicht modifiziert und wird ab 04-2020 unter meiner neuen Webseite my-europe.de von Zeit zu Zeit aktualisiert.

  • Zu Gabriele Yonan:
    G.Y. wurde 1998 aufgrund fehlerhafter Selbstbezeichnungen von Seiten der FU-Berlin verwarnt.


www-Links

 Neue Weltordnung

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