Das islamische Gebet

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Der Gebetsaufruf (Adzan)

...Noch bevor die Sonne gegen 06:00 aufgeht, beginnt der Morgen...mit dem aus knarrenden Lautsprechern ertönenden überlauten Gebetsaufruf des Ankündigers bzw. Rufers (muŽazzin), der für die Sunniten sieben Kurzformeln enthält:
(1) Allah ist größer! - Allahu akbar! Allah - der Gott - ist größer! Allah ist größer als z.B. Hubal (syrischen Ursprungs), dem Herrn der Ka'aba, höchste Lokalgottheit von Mekka vor Mohammeds Verkündung; Als Mohammed nach Mekka kam, zerstörte er die Statuen von Hubal und den anderen 359 arabischen Lokalgottheiten und verkündete: Allahu akbar, i.e. Allah bzw. der Gott ist größer. Die Formen ALLAH und ILAH als Bezeichnung Gottes oder eines Gottes waren bei den Arabern bereits in vorislamischer Zeit vorherrschend - sie sind keine Entlehnung. Ebenso war die Form IL, als Bezeichnung des einen Gottes bekannt. IL ist gleichbedeutend mit dem im hebräischen und aramäischen Begriff EL.




Die Formen IL (assyrisch-babylonisch) bzw. ILU (Maskulinform; als Eigenname bezeichnet IL den babylonischen Obergott ILU) oder auch ILAH (im aramäischen Sprachgebiet die ausschließlich herrschende appellativische Gottesbezeichnung) waren ebenso gebräuchlich. IL steht für Gott als Quelle aller Götter. IL steht über allen, IL ist unfassbar, es gibt keinen Bild- und Opferkult; IL steht an der Spitze des babylonischen Göttersystems; ihm schließen sich an: Anu, Bel, Ea, der manäischen Mondgott Sin (von dem sich der Name Sinai ableitet), Samas, Bin, Marduk, Nabiuv.
Von ILU kommen wir zur Mystikerin und Theosophin Helena Blavatsky, die in ihrem Buch "Die Geheimlehre" von 1901 mehrfach von einer Zentralsonne spricht, ein unsichtbarer Mittelpunkt im Universum, um die herum alle anderen Sonnen und Planetensysteme kreisen - Ursprung und Brennpunkt allen Daseins - "das schöpferische Licht", "Zentrum der universalen Lebenselektrizität", im modernen Sinne: der Urknall - "eine Art energiegeladene Finsternis am Anfang aller Dinge", ähnlich dem "Atman-Brahman" der indischen Kosmologie, "das stille Atmen einer unsichtbaren Weltseele" vor aller Schöpfung, aus deren Lufthauch allmählich der materielle Kosmos entsteht. Das Mysterium der "Zentralsonne", symbolisiert auch als "schwarzes Licht" bzw. "schwarze Sonne", verbindet Blavatsky mit der Lehre der Arier im hohen Norden, und kommt so auf die "hyperboreische Rasse" als das polare Urvolk (nach Blavatsky taucht die Lehre von der Zentralsonne und dem schwarzen Licht als ihr Symbol auch in der jüdischen Kabbalah auf, ihr Ursprung sei aber arisch). Völkisch-theosophische Autoren in Deutschland und Österreich führten den Gedanken weiter, bis er später bei den deutschen Nazis ab den 1920er Jahren und bei den Neo-Nazis ab den 1950er Jahren landete (siehe: Schwarze Sonne, Rüdiger Sünner, S.146 f.).
Der eigentliche Mythos der "Schwarzen Sonne" geht auf Sumer zurück. Diese magische Sonne (bei den Babyloniern "Bab Chomet", auf Deutsch "Tor zum Lichtstrahl") ist die Strahlungsquelle des göttlichen Lichts im Diesseits - ILU. Vom erreichten Lichtgrad der Menschheit hinge es ab, wieviel dieser ILU-Strahlung aus dem Quell des göttlichen Lichts zur Erde gezogen wird. Und von ILU kommt man, wenn man so will, zu den Illuminati (die "Erleuchteten") - siehe:  Neue Weltordnung und  Missbrauch der Runen im 3. Reich und  Humanismus - Reformation - Protestantismus - Bruderschaften. So ist vielleicht auch zu erklären, weshalb es in Deutschland so viel Sympathie für den Islam gibt, verbindet beide offenbar eine gemeinsame Mystik: das gemeinsame Wissen von ILU. Siehe auch:  Islamismus in Deutschland.

Allah hatte ein weibliches Pendant: Allath - die jungfräuliche Mondgöttin, auch Mutter aller Götter und Kriegsgöttin. Mohammed hat ihre Schreine zerstört und ihren Kult verboten. Die üblichen Übersetzungen für Allahu akbar, wie Gott ist am größten oder Gott ist groß, sind nicht korrekt.

(2) Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah
(3) Ich bezeuge, dass Muhammad Allahs Gesandter ist
(4) Auf zum Gebet!
(5) Auf zum Heil!
(6) Allah ist größer!
(7) Es gibt keine Gottheit außer Allah - LA ILAHA ILLAŽLAH

Die Gebetszeiten

Es ist empfohlen, das Morgengebet (salat as-subh), aber auch jedes andere Tagesgebet so bald wie möglich nach dem Gebetsaufruf zu verrichten.
Außer der salat as-subh (Gebet der Morgendämmerung; in der Zeit zwischen dem Anbruch des Tages und dem ersten Erscheinen der Sonne am Horizont) gelten vier weitere Gebete als obligatorisch:
salat az-zuhr (Mittagsgebet; zwischen Einsetzen des Abstiegs der Sonne nach Westen und dem Augenblick, in dem der Schatten einer Person die Länge ihrer tatsächlichen Größe erreicht);
salat al-'asr (Nachmittagsgebet; irgendwann zwischen Ende der Mittagszeit und dem Sonnenuntergang bzw. kurz vor Sonnenuntergang);
salat al-madschrib (Sonnenuntergangszeit; in der Zeit nach Sonnenuntergang bis zum Verschwinden der Röte der Abenddämmerung);
salat al-'ischa (Nachtgebet; zwischen Anbruch der Dunkelheit und dem Beginn der Morgendämmerung).

Dazu kommen drei weitere Gebete (Vormittag, Nachtwache, ungerade Zahl), die superogatorisch sind.

Der heilige Raum - masdschid

Solange der Gläubige seine Gebetspflicht erfüllt, ob er nun zur Moschee geht oder nicht tritt er vorübergehend in eine heilige Zeit und in einen heiligen Raum - masdschid ein. Der Besuch der Moschee ist nicht zwingend, da jeder Platz zu Hause, im Geschäft, in der Schule, auf der Straße usw. zu einem masdschid, einem heiligen Ort des Gottesdienstes werden kann.

Das Gebet - salat

In der ganzen islamischen Welt werden dreizehn wesentliche Gebetselemente (arkan) praktiziert - sechs Äußerungen oder Rezitationen und sechs Handlungen oder Positionen, sowie die Notwendigkeit, diese zwölf in der vorgeschriebenen Reihenfolge ablaufen zu lassen. Daneben gibt es noch eine große Anzahl von üblichen Elementen (sunna), deren Zusammensetzung aber variieren kann.
Die eigentliche salat beginnt damit, dass der Betende in stehender Position (qiyam) das Gesicht in Richtung Mekka zur Kaaba wendet und dabei still für sich den Koranvers ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen (Sure 114.1) rezitiert. Danach beginnt die gemeinschaftliche salat mit dem nochmaligen Aufruf zum Gebet, der vom Mu'azzin oder Imam verkündet wird. Darauf folgt die Aussage das Gebet hat begonnen.

Die erste wesentliche Äußerung ist die gemeinschaftliche Absichtserklärung (niyya), die festhält, welche salat verrichtet wird. Darauf folgt die Formel (takbira), die auch die takbira des Weihezustands genannt wird: Allahu akbar.
Der erste liturgische Zyklus (rak'a) beginnt mit der Rezitation der Fatiha (qira'a) - die "Öffnende" (so genannt als den Koran eröffnende Sure). Da dies die erste und wichtigste Sure ist, kennt die jeder Muslim.
Dann folgt in der Regel eine zweite Rezitation, die aus einer anderen Sure oder irgendeinem anderen Teil des Koran besteht und mindestens vier Verse umfasst.
Als nächstes kommt der sogenannte ruku', das Vornüberbeugen. Der Beter beugt seinen Oberkörper in eine horizontale Position und legt seine Hände auf die Knie. In dieser Position sagt er Ehre sei Allah oder Ehre sei meinem Herrn, dem Erhabenen oder Ehre sei ihm!

Der Beter nimmt dann den i'tidal, die aufrechte Position, ein und erhebt die Hände zu den Seiten seines Gesichts und sagt Möge Allah den hören, der ihn lobpreist.
Er bleibt einen Augenblick lang in der aufrechten Stellung und rezitiert dann eine Sunna-Formel, die je nach den verschiedenen islamischen Autoritäten variiert. Dann folgt die erste "Niederwerfung" (sudschud). Der Betende fällt auf seine Knie und sagt Allah ist am größten. Dann beugt er sich ganz zur Erde und sieht zu, dass seine Zehen, Knie, Handflächen und seine Stirn den Boden berühren, den "heiligen Boden der göttlichen Gegenwart". In dieser Position sagt er Lob sei dir, mein Herr, dem Höchsten.
Der Betende richtet dann Kopf und Körper auf und sinkt auf seine Fersen zurück und nimmt den dschulus, eine halb kniende, halb sitzende Position ein. Es wird eine zweite takbira rezitiert, und dann verrichtet der Betende einen zweiten sudschud. dabei sagt er Mein Herr, vergib mir, habe Erbarmen mit mir, gib mir, was mir zukommt, und führe mich auf den rechten Weg. Damit endet der erste Gebetszyklus. Der zweite folgt unmittelbar darauf beginnend mit der Fatiha und der Wiederholung der wesentliche Elemente ruku', i'tidal, sudschud, dschulus und den zweiten sudschud, die von den richtigen rezitationen und von den zusätzlichen sunna-Elementen begleitet werden (an einem Feiertag finden vier liturgische Abläufe statt). Die salat endet dann mit vier weiteren wesentlichen Elementen: Der Betende legt die Hände auf die Knie und nimmt die sitzende Position (qu'ud) ein, die manchmal "die aufrechtsitzende Position" genannt wird. An dieser Stelle spricht man üblicherweise Grüße (tahiyyat) an Allah und Mohammed. Die sitzende Position wird während der drei letzten Zeremonien oder Rezitationen beibehalten, die mit dem taschahhud, dem Aussprechen der schahada, die auch die Aufnahmeformel für werdende Muslime ist, beginnen:

لا إله إلا الله ؤ محمد رسول الله
"la ilaha illa allah wa-muhammadan rasulu llah"
Es gibt keine Gottheit außer Allah und
Mohammed ist der Gesandte Allahs.


Darauf folgt der Segenswunsch über den Propheten, salat genannt, der aus der oft wiederholten und bekannten Segensformel salla-Ilahu 'alayhi wa-sallama "Allah segne ihn und schenke ihm Heil" und anderen sunna-Segenssprüchen über den Propheten und seine Nachkommen besteht.
Das letzte wesentliche Element ist der "Friedensgruß" (salam oder taslim) Friede sei mit dir und die Gnade Allahs, der einmal mit dem Kopf zur Rechten und ein zweites Mal mit dem Kopf zur Linken gewandt ausgesprochen wird. Nach der eigentlichen salat, verharren die Betenden noch eine Weile und sprechen ein stilles Gebet

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