Der Vishnuismus
Entstehung und Verbreitung - Seite 4

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9. Bhakti-Frömmigkeit

Eine Danksagung
Die Bhagavad-Gita,der Höhepunkt des Mahabarata, des sogenannten 5. Veda, beinhaltet die Weisheit, die den Pfad des Bhakti-Yoga aufzeigt, jener Pfad, der von Krsna Arjuna empfohlen wird. So dient die Bhagavad-Gita dazu, Gottesbewusstsein erlangen zu können.

So könnte sich nun die Danksagung für diese ewige Weisheit anhören: "Ich danke dem Herrn für diese Weisheit, durch die es mir möglich ist zu ihm zu finden, ihn in seiner ganzen Herrlichkeit zu erkennen und mich ausschließlich in seine Hand zu begeben. Frei von allen materiellen Wünschen habe ich nur den einen Wunsch: Ihm zu dienen. Ich danke dem Sonnengott Vivasvan, der diese Weisheit von Krishna erhielt. Er unterwies Manu, den Vater der Menschheit. Manu lehrte sie seinem Sohn Maharaja Iksvaku, dem König der Erde und Vorvater der Raghu-Dynastie, in der Sri Ramacandra erschien." Manu sprach die Bhagavad-Gita zu seinem Sohn vor etwa 2.005.000 Jahren zu Beginn des Treta-Yuga. Das Zeitalter des gegenwärtigen Manu dauert rund 305.300.000 Jahre, von denen bisher 120.400.000 vergangen sind. Wenn man davon ausgeht, dass die Gita vor der Geburt Manus vom Herrn zu seinem Schüler, dem Sonnengott Vivasvan, gesprochen wurde, dann wurde die Gita, grob geschätzt, vor mindestens 120.400.000 Jahren verkündet, und in der menschlichen Gesellschaft gibt es sie seit etwa 2 Millionen Jahren. Dies geht aus Kap.4.1 hervor. Vor 5000 Jahren unterwies der Herr Arjuna in der transzendentalen Wissenschaft der Bhagavad-Gita.
In Kapitel 2.7 bittet Arjuna Krishna um Unterweisung.

Der Weg - Bhakti-Yoga was es ist
Kap. 2.23, 24: Mit dem Wissen von der Seele, dem Wissen vom Dharma und dem Wissen über die Erfüllung des Dharma(2.32) erlangt der Gottsuchende allmählich Befreiung von der Fessel der Tätigkeit, d.h. von jeder Tätigkeit ohne an ihr fruchttragendes Ereignis gebunden zu sein. Diese Art der Tätigkeit wird zu Buddhi-Yoga, wenn man in der Praxis ausschließlich für die Befriedigung der Sinne des Herrn tätig ist. Das ist Buddhi-, oder auch Bhakti-Yoga, der Yoga, der eine transzendentale, direkte Verbindung mit dem Herrn schafft, der sich als Paramatma (Überseele) im Herzen eines jeden befindet.
Kap. 10.10: Durch hingebungsvollen Dienst aus transzendentaler Liebe kann der Gottgeweihte leicht im ewig glückseligen Königreich Gottes erreichen. Durch solch transzendentale Betätigung entwickelt man automatisch alle transzendentale Erkenntnis, und so ist die erlangte Befreiung in sich selbst vollkommen, ohne dass man sich gesondert darum bemühen muss, Wissen zu erwerben. Es besteht ein großer Unterschied zwischen Arbeit im Gottes-Bewusstsein und Arbeit für fruchttragende Ergebnisse, d.h. für die Sinnesbefriedigung in Form von familiärem und materiellem Glück. Buddhi-Yoga ist also die transzendentale Eigenschaft der Tätigkeiten, die wir ausführen.
2.44: Deren Geist an Sinnesbefriedigung hängt, kommt nicht zu dem Entschluss, dem höchsten Herrn zu dienen in Hingabe. Sei ohne der drei Gunas (Sattva, Rajas, Tamas), die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Transzendiere diese drei Erscheinungsweisen. Sei frei von allen Dualitäten und aller Sorge um Gewinn und Sicherheit, und sei im Selbst verankert (2.45). Wenn der Geist fest darauf gerichtet ist, das Selbst zu verstehen, so wird das Samadhi genannt.

Psalm 23; ein Beispiel für erwachsende Freude im Gottesdienst aus dem Alten Testament:
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern.
Er erquickt meine Seele.
Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens Willen.
Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn Du bist bei mir;
dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde;
du hast mein Haupt gesalbt, mein Becher fließt über.
Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens;
und ich kehre zurück ins Haus des Herrn lebenslang.


Mit Gleichmut erfülle deine Pflicht in Yoga
Ein jeder hat das Recht auf Erfüllung der vorgeschriebenen Pflicht(Dharma-Regel), aber keinen Anspruch auf die Früchte des Handelns. Man soll sich niemals für die Ursache der Ergebnisse dieser Tätigkeiten halten, und niemals daran haften, seine Pflicht zu erfüllen (2.47).
In 2.48 heißt es: Mit Gleichmut erfülle deine Pflicht in Yoga. So ist es möglich Befreiung im gegenwärtigen Leben sowohl von guten, wie von schlechten Reaktionen zu erlangen. Deshalb soll man nach Yoga streben, der Kunst des Handelns. Yoga bedeutet den Geist auf den Höchsten zu konzentrieren. Der Höchste ist Krishna. Man muss Diener Krishnas werden. Das ist der richtige Weg, so heißt es in 2.50, seine Pflicht im Krishna-Bewusstsein zu erfüllen, nur das allein kann einem helfen, in Yoga zu handeln.

Ein weiteres Beispiel aus den Religionen, in diesem Fall aus dem Islam, lässt dann keinen Zweifel mehr, welcher der richtige Weg ist.
Die 96. Sure des Koran, jene Sure, die Mohammad als erste vom Erzengel Gabriel empfing:
"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen!
Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf, Erschuf den Menschen aus geronnenem Blut. Lies, denn dein Herr ist allgütig;
Der die Feder gelehrt, gelehrt den Menschen, was er nicht gewusst.
Fürwahr! Siehe, der Mensch ist wahrlich frevelhaft, wenn er sich in Reichtum sieht. Siehe, zu deinem Herrn ist die Rückkehr.
Sahst du den, der da wehrt einem Knecht (Allahs) wenn er betet?
Sahst du, ob er geleitet war oder Gottesfurcht gebot?
Sahst du, ob er der Lüge zieh und sich abkehrte? Weiß er nicht, dass Allah sieht? Fürwahr, wahrlich, wenn er nicht ablässt, so ergreifen wir ihn bei der Stirnlocke, der lügenden, sündigen Stirnlocke.
So rufe er seine Schar; wir werden die Höllenwache rufen. Fürwahr, gehorche ihm nicht, sondern wirf dich nieder und nahe dich (Allah)."


Vaikuntha - der Ort Gottes
Indem sich die großen Weisen und Gottgeweihten so im hingebungsvollen Dienst betätigen, befreien sie sich von den Ergebnissen ihrer Tätigkeiten in der materiellen Welt. Auf diese Weise werden sie vom Samsara frei und erreichen den Ort jenseits aller Leiden indem sie zurück zu Gott gehen.
Paraim padam, d.h. Vaikuntha, der Ort, wo es keine materiellen Leiden gibt, ist sein Ziel. Für den Herrn verrichteter Dienst wird Buddhi-Yoga genannt, oder mit einfachen Worten, hingebungsvoller Dienst für den Herrn, also Bhakti-Yoga (2.51). Wer fest im Selbst verwirklicht ist, transzendentales Bewusstsein hat, wer völlig in Samadhi ist, hat Brahman(das Selbst), Paramatma (die Überseele) und Bhagavan (die höchste Persönlichkeit Gottes) erkannt. Die höchste Vollkommenheit der Selbstverwirklichung ist die Erkenntnis, dass man ein ewiger Diener Krishnas ist und dass man nur die Aufgabe hat, seine Pflichten im Krishna-Bewußtsein zu erfüllen. Im Krishna-Bewusstsein kommt man unmittelbar mit Krishna in Verbindung, und auf dieser transzendentalen Ebene wird es möglich, alle Unterweisungen Krishnas zu verstehen. Man braucht nur die Anweisungen Krishnas, bzw. die seines Stellvertreters, des spirituellen Meisters, auszuführen (2.53) .
Ist man selbst zur Stunde des Todes in diesem Bewusstsein verankert kann man in das Königreich Gottes eintreten (2.72).
Der Bhakti-Yogi ist nicht angehaftet an Erfolg, Misserfolg trotz Handlung. Denn er widmet sich vollständig spirituellen Tätigkeiten (4.22 ff.).

Wie erreicht man Krishna?
Wer vollständig Samadhi erlangt, hat Freude im Selbst und erfährt transzendentales Glück, was Freiheit von Leiden bedeutet. Caitanya nannte diesen Vorgang "ceto darpana nirvapanam", das Reinigen des inneren Spiegels des Geistes. Diese Reinigung ist die wahre Befreiung. So ist das Ziel Krishna.
In Kapitel 10.8 sagt Krishna, dass er der Ursprung aller spirituellen und materiellen Welten ist. Alles geht von ihm aus. Die Weisen, die dies vollkommen verstanden haben, beschäftigen sich im hingebungsvollen Dienst und verehren ihn von ganzem Herzen. Denn so sieht man den Herrn in allen Wesen und sieht auch jedes Wesen in ihm. Die selbstverwirklichte Seele sieht ihn, den Höchsten Herrn, überall. "Auf diese Weise", so heißt es in 6.29, "bin ich nie vom Herrn getrennt und der Herr ist nie von mir getrennt". Das ist natürlich ein sehr hoher Anspruch und erfordert sehr viel Vertrauen, denn die materiellen Gelüste sind so stark, so dass man leicht wieder zurückfallen kann und erneut Anbindung an materiellen Glücksvorstellungen erlangt. So ist es also möglich trotz Yoga wieder zurückzufallen.
Der nach kurzer Zeit gescheiterte Yogi wird nach vielen, vielen Jahren des Genusslebens (eine Qualität von Genuss, wie er in der Welt der Erde nicht möglich ist)auf dem Planeten der frommen Lebewesen, dann in einer Familie rechtschaffener Menschen, oder in einer reichen, aristokratischen Familie geboren. Dort können sie die Möglichkeit nutzen, sich zur Stufe vollkommenen Krishna-Bewusstseins zu erheben. Denen, die es nicht durchhalten bis zum Ziel und aufgrund materieller Verlockungen scheitern, ist es durch die Gnade des Herrn also erlaubt, auf jenen Planeten ihre materiellen Neigungen voll auszuleben (6.41). Oder aber der Yogi ist nach langer Ausübung gescheitert, dann wird er in einer Familie von Transzendentalisten geboren, die große Weisheit besitzen. Aber, so 6.42, eine solche Geburt ist sehr selten in dieser Welt. So heißt es weiter in 6.46, dass ein Yogi größer als ein Asket, größer als ein Empiriker und größer als ein fruchtbringender Arbeiter ist. Deshalb wird Arjuna geraten unbedingt ein Yogi zu sein. Im folgenden Vers wird nun deutlich, welchen Yoga-Vorgang der Herr bevorzugt. Nach Karma-Yoga, wenn der Verbindungsvorgang mit dem Höchsten vorwiegend aus fruchtbringenden Tätigkeiten besteht und Jnana-Yoga, wenn er vorwiegend empirisch ist, ist Bhakti-Yoga die höchste Stufe des Yoga. Hier hat der Yogi großen Glauben und weilt immer im Herrn und denkt immer an ihn und bringt ihm transzendentalen liebevollen Dienst dar. Hier ist der Yogi am engsten mit Krishna in Yoga vereint, und er ist der höchste von allen - der Yukta-tamah. Diejenigen, die sich auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes zwar befinden, aber ohne Glauben sind, können Krishna nicht erreichen. Sie kehren zum Pfad von Geburt und Tod in der materiellen Welt zurück (9.3).
Doch diejenigen, die ihn mit ausschließlicher Hingabe verehren, bewahrt der Herr davor, wieder in ein leidvolles, bedingtes Leben zurückzufallen (9.22). Denn nur derjenige unter den Menschen, der frei von Täuschung ist, also frei von jeglicher Anbindung an materiellen Verlockungen und Krishna als den Ungeborenen, den Anfanglosen und den höchsten Herrn aller Welten kennt, ist von allen Sünden befreit (10.3).
Um solchen Gottgeweihten auf ihrem Weg zu helfen, zerstört Krishna, um ihnen besondere Gnade zu erweisen, mit der leuchtenden Fackel des Wissens die aus Unwissenheit geborene Finsternis (10.11). Oftmals werden solche Gottgeweihten von weltlichen Philosophen als naive Schwärmer verspottet. So auch ging es Caitanya als er in Benares das Chanten von Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna, Krsna, Hare, Hare - Hare Rama, Hare Rama, Rama, Rama, Hare, Hare, verkündete. Doch gibt es auch sehr große Gelehrte, die die Philosophie der Hingabe vertreten haben. Selbst wenn ein Gottgeweihter aus den Schriften oder aus dem Wissen seines spirituellen Meisters keinen Vorteil zieht, hilft ihm Krishna, vorausgesetzt, dass er sich in seinem hingebungsvollen Dienst aufrichtig bemüht. Der reine Gottgeweihte braucht sich um seine materiellen Lebensnotwendigkeiten keine Sorgen zu machen; er braucht keine Angst zu haben, denn wenn er die Dunkelheit aus seinem Herzen entfernt, wird er vom Herrn automatisch mit allen Notwendigkeiten versorgt, da der Herr durch den liebenden hingebungsvollen Dienst des Gottgeweihten erfreut ist (10.11).

Die Kraft Krishnas - sein universeller, transzendentaler Körper
So gibt Krishna dem Gottgeweihten die Kraft, alles in jedem beliebigen Teil des Universums zu sehen, was er möchte - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Denn alles was ein Gottgeweihter sehen möchte, so 11.7, kann er auf einmal im Körper Krishnas sehen. Es ist natürlich ein transzendentaler Körper. Diese universale Form kann alles zeigen was der Gottgeweihte jetzt und in der Zukunft sehen möchte - das Bewegliche und Unbewegliche - ist hier vollständig an einem Ort zu sehen. Doch dies sollte natürlich nicht aus einem persönlichen Motiv heraus gewünscht werden. So gerät ein Gottgeweihter beim Anblick der Universalen Form Krishnas in Ekstase. Arjuna jubelt in ll.l9: "Du hast keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende. Deine Herrlichkeit ist unbegrenzt. Du hast zahllose Arme und die Sonne und der Mond sind deine Augen. Ich sehe dich mit loderndem Feuer, das aus deinem Mund kommt, durch deine Ausstrahlung erhitzt du das gesamte Universum."
In seiner Ekstase erkennt Arjuna Krishna als das höchste, ursprüngliche Ziel, als den letzten Ruheort des gesamten Universums. Arjuna erkennt ihn als unerschöpflich und als den Ältesten, als den Erhalter der ewigen Religion und als die Persönlichkeit Gottes.
So geschieht natürlich alles in der Welt nach dem Plan des Höchsten. Daher sollte jeder im Krishna-Bewusstsein handeln, um somit dessen Pläne verstehen zu können.
Das Wissen, die Stärke und die Taten Krishnas sind allesamt transzendental. So heißt es in 4.9:" Jeder, der Krishnas transzendentalen Körper, seine Taten und seine Vollkommenheit kennt, kehrt nach Verlassen des Körpers zu ihm zurück und kommt nicht wieder in diese leidvolle Welt zurück."

Wie kann man im spirituellen Leben erfolgreich sein?
11.55 beschreibt nun noch einmal klar den Vorgang, wie man im spirituellen Leben erfolgreich sein kann: durch hingebungsvollen Dienst. Was Arbeit betrifft, so sollte man seine Energie ausschließlich auf Krishna-bewusste Tätigkeiten übertragen. Niemand sollte eine Arbeit verrichten, die nicht in Bezug zu Krishna steht.
Der Gottgeweihte beschäftigt sich voll und ganz im hingebungsvollen Dienst, vor allem in den neun hingebungsvollen Tätigkeiten: Hören (Wissensvermittlung durch spirituellen Meister), chanten, sich erinnern, verehren, den Lotosfüßen des Herrn dienen, Gebete darbringen, die Befehle des Herrn ausführen, Freundschaft mit ihm schließen und ihm alles hingeben.
Man kann sich in allen neun Vorgängen der Hingabe beschäftigen oder in acht, sieben oder mindesten einem, und so wird man mit Sicherheit die Vollkommenheit erreichen.
Bhakti-Yoga bedeutet Läuterung der Sinne. Im gegenwärtigen Zustand, im materiellen Dasein, sind die Sinne immer unrein, weil sie mit Sinnenbefriedigung beschäftigt sind. Durch die Ausübung von Bhakti-Yoga jedoch können die Sinne geläutert werden. Einfach durch das Chanten von Krishnas heiligem Namen - Hare Krishna - kann sich ein Geweihter des Herrn voller Freude und ohne Schwierigkeiten dem höchsten Ziel nähern. Dieses Ziel kann man durch keinen anderen Vorgang der Religion so leicht erreichen. Daher sollte man alle anderen Vorgänge der Selbstverwirklichung aufgeben und einfach hingebungsvollen Dienst im Krishna-Bewusstsein ausüben. Um Bhakti-Yoga zu praktizieren, sollte man unter der Führung eines spirituellen Meisters bestimmte regulierende Prinzipien ausüben: Man sollte frühmorgens aufstehen, ein Bad nehmen, in den Tempel gehen, Gebete darbringen und Hare Krishna chanten, dann Blumen pflücken, um sie der Bildgestalt darzubringen, Prasadam zu sich nehmen (das ist geheiligte Nahrung, die zuvor Krishna geopfert wurde), etc. Überdies sollte man ständig von reinen Gottgeweihten aus der Bhagavad-Gita und dem Srimad-Bhagavatam hören. Wer diesen direkten Weg aus irgendwelchen Gründen nicht gehen kann, wird der indirekte empfohlen. Nach 12.12 sollte man dem allmählichen Pfad der Entsagung, des Wissens, der Meditation und der Erkenntnis der Überseele und des Brahman folgen. Was jedoch die Bhagavad-Gita betrifft, so wird hier die direkte Methode betont.

Bhakti-Yoga - der einfachere Weg im Vergleich zu anderen Yogapraktiken
Bhakti-Yoga gilt als der einfachere Weg. Wer z.B. nicht selbstbeherrscht ist und einen gestörten Geist besitzt, kann nicht meditieren. Deshalb wird im Brhanna-Radiya Purana gesagt, dass im Kali-Yuga, dem gegenwätigen Zeitalter, in dem die Menschen nur noch ein kurzes Leben haben, sich nur langsam der spirituellen Verwirklichung zuwenden und immer von Ängsten und Sorgen geplagt werden, das beste Mittel für spirituelle Verwirklichung darin besteht, den heiligen Namen des Herrn zu chanten.
Nach 6.13,14 ist es auch nicht möglich, richtigen Yoga zu praktizieren, wenn man seinem Geschlechtstrieb nachgibt. Brahmacarya (Enthaltsamkeit) wird deshalb von Kindheit an gelehrt, wenn man noch nichts von Sexualität weiß. Im Alter von fünf Jahren werden die Kinder zur Guru-Kula geschickt, dem Ort, an dem der spirituelle Meister lebt. Der Meister erzieht die Kinder in der strikten Disziplin, Brahmacaris zu werden. Ohne diese Grundlage kann man in keinem Yoga Fortschritte machen. Als Brahmacari wird aber auch derjenige bezeichnet, der den Regeln und Vorschriften des verheirateten Lebens folgt und nur mit seiner Frau eine sexuelle Beziehung unterhält (und auch das nur unter Regulierungen). Ein solcher enthaltsamer Haushälter-Brahmacari wird von der Bhakti-Schule akzeptiert, doch die Jnana- und die Dhyana-Schule erkennen nicht einmal einen Haushälter-Brahmacari an. Sie fordern kompromisslos völlige Enthaltsamkeit. In der Bhakti-Schule ist einem Haushälter-Brahmacari ein beherrschtes Geschlechtsleben erlaubt, denn der Vorgang des Bhakti-Yoga ist so mächtig, dass man auf natürliche Weise die Anziehung zur Sexualität verliert, weil man die höhere Freude des Dienstes zum Herrn erfährt.
Yoga bedeutet eigentlich Bhakti-Yoga, denn alle anderen Formen des Yoga sind nichts weiter als Schritte auf dem Weg zum Ziel Bhakti-Yoga. Zwischen dem Beginn des Karma-Yoga und dem Ende Bhakti-Yoga liegt ein langer Weg der Selbstverwirklichung. Man beginnt diesen Pfad mit Karma-Yoga, wobei man auf fruchttragende Ergebnisse verzichtet, d.h. sie dem Herrn darbringt. Wenn Karma-Yoga an Wissen und Entsagung zunimmt, nennt man diese Stufe Jnana-Yoga. Wenn sich Jnana-Yoga durch verschiedene körperliche Übungen zur Meditation über die Überseele entwickelt, der Geist auf die Überseele gerichtet ist, wird dies astanga-Yoga genannt. Und wenn man über Astanga-Yoga hinausgeht und sich direkt Krishna zuwendet, wird dies Bhakti-Yoga, die höchste Stufe, genannt. Um Bhakti-Yoga genau zu analysieren, muss man diese anderen Yogas verstehen. Der Yogi der an einem bestimmten Punkt stehen bleibt und nicht weiter fortschreitet wird dementsprechend Karina-Yogi, Dhyana-Yogi, Raja-Yogi, Hatha-Yogi usw. genannt. Wenn jemand das Glück hat, bis zur Stufe des Bhakti-Yoga zu kommen, kann man daraus schließen, dass er alle anderen Yogas hinter sich gelassen hat. Dieser vollkommene Yogi, der Sayamasundra genannt wird, richtet seinen Geist auf Krishna aus. Seine bezaubernde Körpertönung gleicht der Farbe einer Wolke, sein lotosgleiches Antlitz leuchtet wie die Sonne, sein Gewand ist mit funkelnden Juwelen besetzt und sein Körper ist mit Blumengirlanden geschmückt.
Seine prachtvolle Ausstrahlung wird brahmajyoti genannt. Sie erleuchtet alle Himmelsrichtungen. Er inkarniert sich in verschiedenen Formen, wie als Rama, Nrsimha, Varaha und Krishna, die höchste Persönlichkeit Gottes, und Er erscheint wie ein Mensch, als der Sohn Mutter Yasodas, und ER ist als Krishna Govinda und Vasudeva bekannt. Er ist das vollkommene Kind, der vollkommene Ehemann, der vollkommene Freund und Meister, und ER birgt alle Reichtümer und alle transzendentalen Eigenschaften in sich.
Wer sich all dieser Merkmale des Herrn immer völlig bewusst ist, wird als der höchste Yogi bezeichnet. So lautet 12.20 mit dem das Kapitel über den Hingebungsvollen Dienst schließt:
"Diejenigen, die diesem unvergänglichen Pfad des hingebungsvollen Dienstes folgen und die mit Glauben völlig darin aufgehen, indem sie mich zu ihrem höchsten Ziel machen, sind mir sehr, sehr lieb."

Auszug des Referats: DER VISHNUISMUS - Bhakti-Frömmigkeit, Studium Religionsgeschichte, FU-Berlin, vorgetragen am 22. Oktober 1992, Referent: Rainer Kurka.

Verwendete Literatur

Bhagavad-Gita - Wie sie ist. A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada. The Bhaktivedanta Book Trust. 1983.
Religionen Indiens (Bd. II. Der jüngere Hinduismus). Jan Gonda. Utrecht. 1963.
Koran, übersetzt von Max Henning.
Heilige Schrift, AT, Ps.23.

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