Religion in China

[Religion in China heute - Bericht]
[Erinnerungen an den Chinamissionar Pater Dr. Theobald Diederich]
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Religion: Konfuzianismus weit verbreitet, Buddhisten ca. 100 Mio., Taoisten ca. 30 Mio., Moslems ca. 20 Mio., Katholiken ca. 4 Mio. (nach Schätzungen 13-14 Mio.), Protestanten ca. 15 Mio.



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Wu Tai Shan gilt als heiligster Berg Chinas, ist spiritueller Mittelpunkt des chinesischen Buddhismus und gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Dai-Tempel (Dai Miao, Gott des Tai Shan) befindet sich an der Basis des Tempelareales. Es wird geglaubt, dass der Gott Dai Miao die Lebensspanne eines jeden Menschen kontrolliert. Von hier führt eine etwa 9 Kilometer lange Treppe (6293 Stufen) zum Bixia-Tempel. Bixia, bzw. Bixia Yuanjin ("Prinzessin der azurblauen Wolken"), wird als Göttin der Geburt und der Dämmerung verehrt. Bixia (ausgesprochen "Bicha") ist eine der taoistischen Hauptgottheiten und gilt als Großmutter von Dai Miao.

Religion in China heute

In der chinesischen Schriftsprache gibt es kein einheitliches Wort für Religion. An ihrer Stelle stehen Begriffe wie Lehre, Schule und Studium.
Anders als in Deutschland und anderen mehrheitlich christlich dominierten Ländern, wo streng abgegrenzte Religionen existieren, vermischen sich in China die drei großen Lehren Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus.
Dogmatismus ist den Chinesen fremd. Es gibt und gab nie eine richtige Staatskirche, noch den Klerus. Niemand beharrt auf der Ausschließlichkeit seiner Heilslehre.
Zu den ältesten religiösen Vorstellungen gehört der Ahnenkult. Unter dem Einfluss des Konfuzianismus entwickelte sich der Ahnenkult zum wichtigsten Element des Volksglaubens. Das wichtigste Ziel ist es, zu Lebzeiten auf Erden glücklich, reich und zufrieden zu sein. Groß ist die Angst, die Seelen der Toten zu verärgern. Die Ahnen müssen zufrieden ruhen, damit sie die Lebenden nicht unglücklich machen. Daher rührt die Sorge um die Seelen der Toten, von denen der Mensch nach chinesischen Vorstellungen zwei hat: Po und Hun. Po ist die Seele, die bei der Empfängnis geschaffen wird. Sie gibt Lebenskraft und lebt nach dem Tod im Grab und nährt sich von Opfergaben. Wenn der Körper zerfällt, verlässt sie die Kraft, und sie führt bei den "Gelben Quellen" ein Schattendasein. Werden die Opfergaben unterbrochen, kann Po nicht in der Unterwelt bleiben und kehrt als ausgehungerter Geist auf die Erde zurück und stiftet Unheil. Hun entsteht bei der Geburt, ist die höhere geistige Seele und ist von Opfern und Gebeten der Lebenden abhängig, damit sie nicht vom bösen Erdgeist oder Himmelswolf gefährdet wird. Bleiben die Opfer aus, wird auch Hun ein böser Geist. Die Opfergaben passen sich der Zeit an: von der Scheckkarte bis zum Auto, sowie aus Papier gefertigte Gebrauchsgegenstände. Arme Familien geben oft mehrere Jahresgehälter für die Gruft und die Beerdigungszeremonien aus.
Schon vor 1500 -700 v Chr. trennte sich der Glaube der Oberschicht, die den Himmel als höhere Gottheit anerkannte, von dem Volksglauben. Wenn der Kaiser zur Wintersonnenwende auf dem Gelände des Himmeltempels sein Opferfest darbrachte, war das einfache Volk ausgenommen, und seine Bedürfnisse wurden nie befriedigt. So entstanden im Volk diffuse Religionsvermischungen, geprägt von religiösen Festen, Initations- und Heiratsriten, Fruchtbarkeitskulten, Geister und Aberglauben, Schamanismus und Weissagerei. Alle Götter und Heilige wurden untereinander vermischt.
Volksreligion und Aberglaube erleben zur Zeit in der Volksrepublik China einen Aufschwung. Vor allem in Südchina investieren die ein bisschen zu Reichtum gekommenen Bauern nicht in ihre ärmlichen Häuser, sondern in ihren Hausaltar. In diesen kleinen Schreinen werden die Götter und Ahnen mit Opfergaben bei Laune gehalten.
"Wer nie einen Berg bestiegen hat, weiß nicht wie hoch der Himmel ist" (chinesisches Sprichwort). Bis zur Kulturrevolution waren die Berge bedeutende Wallfahrtsorte. In China gibt es fünf heilige Berge (den 4 Himmelsrichtungen und der Mitte zugeordnet). Als die Schergen des maoistischen Terrors Tausende von Priestern und Nonnen zur Abkehr von ihrem Glauben zwangen, kehrte auf den Gipfeln Ruhe ein. Jetzt quälen sich wieder unzählige Pilger, unter ihnen auch viele Touristen, die uralten Steinstufen herauf..
Einen Tempel exakt einer der drei Lehren zuzuweisen, ist unmöglich. Viele Volkspriester wissen selbst nicht, von welcher Religion ursprünglich ihr Tempel errichtet wurde. Die Bauten wurden zwar einer bestimmten Gottheit geweiht, doch meistens verehrt das Volk in einem Tempel gleich mehrere zugleich. Eine Gottheit kann schnell in Ungnade fallen, wenn der Gewünschte Erfolg nicht eintritt.

Die konfuzianische Tradition hat in moderner Zeit an Boden verloren, ist jedoch nicht tot. Wie das Christentum wurde sie mit Wissenschaft und Technik, aber auch mit den sozialen und politischen Herausforderungen konfrontiert. Es gibt Indizien für erneute Anerkennung der Lebendigkeit der konfuzianistischen Tradition und ihrer moralischen Bedeutung seitens der Regierung, die aber bemüht ist, die Diskussionen dahin zuführen, dass die Lehre von Konfuzius sich eher als Religion, anstatt als Philosophie darstellt. Der chinesische Konfuzianismus ist weder nur Religion noch Philosophie. Genauso irreführend wäre es, den religiösen Taoismus von dem philosophischen zu trennen. Die Religionen in China kennen kein Glaubensbekenntnis, die Betonung des intellektuellen Elements ist dagegen sehr charakteristisch. Die Religionen sind keine dogmatischen Lehrsysteme. Kultur Philosophie und Religion sind in China überlappende Aspekte einer einzigen Lebenssaufassung (Weltanschauung). Die Religion in China ist eine Familienangelegenheit und fundamental, die individuelle Religion ist sekundär. In der chinesischen Religionsgeschichte unterscheidet man eine Volksreligion und die großen Traditionen, die wiederum orthodox (konfuzianistisches Staatskultwesen) oder heterodox (Buddhismus, Taoismus) sein können. Die Volksreligion ist sehr komplex und bislang noch wenig erforscht, weswegen sie auch Anlass zu verschiedenen Missinterpretationen bietet, da sie im Laufe der Zeit viele Elemente des Buddhismus und des Taoismus (Buddho-Taoismus) integriert hat.
Zu den gemeinsamen Grundzügen der chinesischen Religionen gehören u.a. das Weltbild, Zeit und Raumvorstellungen, die Konzeption der Natur und der Rolle des Menschen in der Welt und der Gesellschaft. Es gibt auch gemeinsame, obwohl nuancierte Elemente des Ritualwesens (Kulte und Riten). Die chinesische Diesseitigkeit, die Harmonie zwischen Menschen und Natur, zwischen Menschen und der Welt und dem Leben und deren Bejahung schließt die Religion nicht aus. Der religiöser Sinn der Chinesen strebt einen harmonischen Ausgleich zweier Welten an: des Sichtbaren und des Unsichtbaren, des Zeitlichen und des Überzeitlichen. Dabei wird die menschliche Person darauf hingelenkt, ihr Heil, ihre Vollkommenheit im Hier und im Jetzt zu suchen, in der Moralität menschlicher Beziehung (wie im Konfuzianismus) wie auch in der Schönheit der Natur (wie bei den taoistischen Weisen).

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Erinnerungen an den Chinamissionar Pater Dr. Theobald Diederich ofm

hier mit dem Hongkonger Bischof Joseph Zen
im Mai 2003 auf der Jahresakademie des China-Zentrums

Bruder Theobald feierte am 31. Januar 2008 seinen 97. Geburtstag. Nachdem er 1995 aus China heim gekehrt war, lebte und wirkte er bis 2003 in dem Franziskanerkloster in Wiedenbrück. Im August 2003 stürzte Br. Theobald unglücklich. Er war dann aufgrund der Folgen des Sturzes gezwungen, in die Altenpflegestation nach Warendorf umzuziehen. Diese wurde im September 2006 in das Bruder-Jordan-Haus (Dortmund) verlegt. Als ältester Franziskaner Deutschlands verbrachte er dort seine letzte Zeit bis zu seinem Tode am 13. September 2008. Beerdigt wurde Br. Theobald auf dem Ostenfriedhof in Dortmund.

Ich lernte Bruder Theobald während meiner Kurzbesuche und längeren Aufenthalte im Kloster Wiedenbrück zwischen 1997 und 1998 kennen und schätzen. Ich bin sehr froh über diese Begegnung.
Rainer Kurka

Sein Geburtsort liegt im Eichsfeld in der Nähe eines Franziskanerklosters, und dort erfuhr er schon früh etwas über die Missionare und ihre Arbeit in China. Er träumte davon, ihnen zu folgen. Nach dem Abitur trat er in den Franziskanerorden ein. Nach seiner Priesterweihe kam er zu einem weiteren Studium an die Ordenshochschule nach Rom. Die drei Jahre waren sehr wichtig. Sie befreiten ihn in der internationalen Gemeinschaft der Studenten von nationaler Enge und Stolz und öffneten ihm die Augen und das Herz für die Wertschätzung anderer Menschen und Kulturen.
Als er 1941 Europa in Richtung China verlassen konnte, war Krieg, und seine Reise dauerte vier Monate. Sie führte ihn über Frankreich, Spanien, Portugal ,New York, San Francisco und Japan in den Norden Chinas in die Stadt Beijing, wo er zwei Jahre Chinesisch lernte. Trotz des Zweiten Weltkrieges lebten Italiener, Spanier, Franzosen, Engländer, Amerikaner, Deutsche mit den Chinesen in einer brüderlichen Gemeinschaft.

Die chinesische Sprachschule für Missionare war eines der bedeutendsten Verdienste des ehemaligen Generaldelegaten Pater Alfons Schnusenberg, der 1914 nach China kam und die Schwierigkeiten bei dem Erlernen der Sprache am eigenen Leibe erfahren hatte.
Bruder Theobald konnte nach dem intensiven Studium die chinesische Zeitung lesen und eine einfache Konversation führen. Dafür braucht man die Kenntnis von 5000 Schriftzeichen. Chinesisch ist eine Silbensprache, in der jede Silbe je nach Ton verschiedene Bedeutung hat. Das Wichtigste war das Hören und das Üben des Nachsprechens.

Bruder Theobald vertiefte seine Sprachkenntnisse als Kaplan. Bald schon begann er mit dem Unterrichten der Heiligen Schrift, der Exegese, im Priesterseminar in Shandong. Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Not größer für die Mission. Professoren und Studenten teilten sich das arme Leben. Nach der Machtübernahme Mao Tse-Tungs 1949, flüchteten die Studenten in Begleitung des jungen Professors Bruder Theobald nach Macao. Das war wiederum ein schweres und entbehrungsreiches Leben. Bis zum Jahre 1953 bestand das Flüchtlingsseminar.
Er erhielt danach eine neue Aufgabe, die sein weiteres Leben in der Mission ganz erfüllen sollte: die Übersetzung der Bibel ins Chinesische. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten war das Bibelstudium nach Hongkong verlegt worden. Unter der Leitung des italienischen Paters Gabriel M. Allegra waren auch einige chinesische Mitbrüder an der Übersetzung der Bibel beteiligt. Es war keine leichte und bequeme Arbeit. Sie lebten in einer echt brüderlichen Gemeinschaft; nur so konnten sie die vielen Jahre dauernde Übersetzungsarbeit durchhalten, bis endlich 1968 die Vollausgabe der Bibel erscheinen konnte. Es erschienen weitere Bücher zum besseren Verstehen des Bibeltextes, und auch ein großes Lexikon war notwendig, welches 1976 erschien.
Ende 1995 musste Bruder Theobald seine chinesischen Mitbrüder schweren Herzens aus Altersgründen verlassen.
Bis Frühjahr 2001 hielt Bruder Theobald in der Wiedenbrücker Klosterkirche jeden Morgen um 6:30 die Messe.

Zeitschrift "Franziskaner Mission"
Die Zeitschrift ist eine regelmäßige Informationsquelle für Freund und Förderer der Franziskaner. Gleichzeitig dient sie als willkommenes Medium für Bewusstseinsbildung in Schulen, Grupen und Gemeinden.

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China-Zentrum

Brücke zu China und seiner Kirche

1988 gründeten deutsche missionierende Orden und katholische Hilfswerke das China-Zentrum e.V. Damals, rund zehn Jahre nach dem Ende der Kulturrevolution (1966-1976), war das religiöse Leben in China gerade im Wiederaufbau begriffen. Ein Teil der enteigneten Kirchen war zurückgegeben, Priesterseminare und Schwesternkonvente wurden neu gegründet, Kontakte mit dem Ausland waren nach langer Isolation wieder möglich.
Mit dem China-Zentrum sollte eine Kontaktstelle geschaffen werden, um zuverlässige Informationen über die Situation der Religionen in China zu erhalten und Begegnung und Partnerschaft mit den chinesischen Christen, aber auch den anderen Religionen Chinas zu fördern.

Zu den Gründungsmitgliedern der ersten Stunde gehörten die deutschen Franziskaner, vertreten durch Pater Andreas Müller ofm, der über zehn Jahre Vorstandsmitglied des China-Zentrums war. Auch die Rheinisch-Westfälische Provinz der Kapuziner war von Anfang an dabei. Heute sind rund 30 Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Mitglied im China-Zentrum.

Das China-Zentrum gibt die Zweimonatsschrift "China heute. Informationen über Religion und Christentum im chinesischen Raum" heraus, informiert durch Vorträge und andere Veranstaltungen, beantwortet Fragen von kirchlichen oder nicht-kirchlichen Stellen und aus der Öffentlichkeit.

Mit geschätzten 12 Millionen Katholiken und 25 bis 50 Millionen Protestanten gibt es in China heute schon fast so viele Christen wie in Deutschland.

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