Die Armenische Apostolische Kirche in Berlin

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Die Ursprünge der Armenischen Kirche
Die Armenische Kolonie zu Berlin
www-Links und Literatur

Die Ursprünge dieser Kirche gehen auf Gregor den Erleuchter zurück, der König Tiridates (261-317) zum Christentum bekehrt hat. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde damit das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Bei der Missionierung Armeniens stießen bereits zwei Kulturkreise aufeinander, der griechische, ausgehend von Kappadokien und der syrische von Mesopotamien. Da es sich außerdem um zwei politische Einflusssphären handelte, entstand ein Spannungsverhältnis, das über Jahrhunderte hinweg nachwirkte. Die Stadt Edschmiadzin wurde schon unter dem Oberbischof Gregor geistliches Zentrum. Seit dem 5. Jahrhundert nannten sich die Oberbischöfe "Katholikos". Seit 1441 ist Edschmiadzin ununterbrochen die Residenz des obersten armenischen Kirchenführers.

Im Jahre 387 wurde Armenien und damit auch die Kirche zwischen dem Perserreich und dem Byzantinischen Reich aufgeteilt. Wegen der kriegerischen Ereignisse konnten die Armennier nicht am Konzil von Chalkedon teilnehmen. Sie lehnten das Konzil ab und wechselten ins Lager der Monophysiten über.

Von besonderer Bedeutung war die Schaffung eines eigenen armenischen Alphabetes durch den Mönch Mesrob im 5. Jahrhundert. Die Übersetzung der Bibel und der Liturgie des heiligen Basilius sowie der griechischen und syrischen Kirchenväter ins Armenische schuf die Grundlage einer Nationalkirche, die sie bis heute geblieben ist. Die arabische Invasion im 7. Jahrhundert stärkte die armenische Kirche, weil sie die byzantinische Vormacht schwächte. Kirchengeschichte und Nationalgeschichte sind bei den Armeniern parallel verlaufen. Die politische Aufsplitterung hatte die Errichtung weiterer Kirchenzentren zur Folge. Während der Kreuzzüge gründeten die Armenier in Kilikien ein eigenes Königreich Klein-Armenien, das bis zur Vernichtung 1375 durch die Mameluken bestand. Das klein-armenische Katholikat von Sis, das seit 1921 seinen Sitz in Antelias bei Beirut hat, überdauerte den Zusammenbruch des Königreiches.

Unter den Seldschuken wurde 1113 das Katholikat Aghtamar errichtet, das 1895 unterging.

In Jerusalem errichteten die Mameluken 1311 ein armenisches Patriarchat, während die Osmanen nach dem Fall von Byzanz 1453 den Bischof von Konstantinopel zum Patriarchen erhoben, der lange wichtigster armenischer Kirchenführer war. Heute unterstehen die Patriarchate von Jerusalem und Istanbul dem Katholikos von Edschmiadzin.

Nachdem die Armenier im 16. Jahrhundert ins Spannungsfeld der Perser und Türken geraten waren, wurden sie im 19. Jahrhundert und während des ersten Weltkrieges Opfer des russisch-englischen Intrigenspiels im Osmanischen Reich. Die Folgen waren die türkischen Armeniermassaker, in denen 1895/96 80.000 und 1915/16 1,2 Millionen Armenier ermordet wurden.

Zwischen 1920 und 1922 wurde die kleinarmenische Bevölkerung Kilikiens vertreiben. Nur in Istanbul konnte sich eine größere armenische Gemeinde halten und das armenische Patriarchat bewahrt werden. Die Errichtung der Armenischen Sowjetrepublik Ende 1920 hat zwar zur Bewahrung der armenischen Sprache und Kultur beigetragen, dafür aber hatte die armenische Kirche besonders während der Stalinzeit starke Verfolgung zu erleiden. Ein Großteil des Klerus, der Klöster und 94% der Kirchengebäude fielen der Stalinistischen Kirchenverfolgung zum Opfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stabilisierte sich die Lage.

Die Armenische-Apostolische Kirche hat etwa vier Millionen Gläubige. Das Kirchenoberhaupt ist Katholikos Vesken I. (Stand 1993), der seit 1956 in Edschmiadzin residiert. Ihm unterstehen die armenischen Patriarchate in Istanbul und Jerusalem, während das Katholikat von Kilikien autonom ist und seinen Sitz nahe Beirut hat. Seit 1962 ist die armenische Kirche Mitgliedskirche des ÖRK. Die Liturgie wird in Altarmenisch gehalten.

Große Diasporagemeinden bestehen in den USA, Lateinamerika, Frankreich, Großbritannien, Griechenland.

Die Armenische Kolonie zu Berlin

Bereits 1914 wurde in Berlin die Deutsch-Armenische Gesellschaft gegründet. Unter der Leitung von Dr. Johannes Lepsius und Dr. Paul Rohrbach, dem Generalsekretär des Evangelisch-Sozialen Kongresses, der auch ein erfolgreicher Publizist war, und bedeutenden evangelischen Theologen sollte diese Gesellschaft zur kulturellen Annäherung zwischen Armeniern und Deutschen beitragen. Die Ereignisse des Ersten Weltkrieges verhinderten eine fruchtbare Arbeit. Die deutsch-türkische Bündnispolitik schützte die Armenier nicht vor der Ausrottung. Viele armenische Emigranten kamen nach Deutschland, schon vor dem Krieg hatten viele Armenier in Berlin studiert. 1923 wurde die Armenische Kolonie als kulturelles Zentrum gegründet. Sie arbeitete mit der Deutsch-Armenischen Gesellschaft zusammen. Mit dem Zweiten Weltkrieg kamen aber alle Aktivitäten zum Erliegen. Nach dem Weltkrieg wuchs die Armenische Kolonie in Berlin vorübergehend an.

1955 wurde der Verein im Amtsregister gelöscht, da es seit 1944 keine Aktivitäten und auch keinen Vorstand mehr gegeben hatte. Eine Wiederbelebung erfolgte erst mit dem Zustrom von Arbeitnehmern aus der Türkei seit den sechziger Jahren, unter denen viele Armenier waren. 1965 kam es zur Gründung des Vereins Armenischer Jugend in Berlin, die ihre Vereinsräume in der Schlüterstraße 39 in Charlottenburg hatte. Zeitweilig war die Gemeinde Gast bei der evangelischen Kreuzkirche-Gemeinde in Schmargendorf. Nachdem Anfang 1980 in der Sybelstraße 24 ein Laden angemietet wurde, kam es zu einer Namensänderung durch den Zusatznamen Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde Berlin. Neben den kulturellen und caritativen Aktivitäten gab es auch das religiöse Bedürfnis, die Heilige Messe zu feiern. Die Gemeinde stellte sich unter die kanonische Jurisdiktion des Katholikos S.Hl. Vasken I., Edschmiadzin, und wurde seitdem mehrmals im Jahr von Pfarrer Agop Guektian besucht. Die Messe wird in der evangelischen Luisenkirche (Gierkeplatz, Charlottenburg) gefeiert. 1987 konnte in der Behaimstraße 22 ein eigenes Gemeindehaus Hay Doun eröffnet werden, das nun Treffpunkt der Armenier in Berlin ist. Hier findet armenischer Sprach- und Religionsunterricht statt, samstags werden Kinder in einem eigenen Miniclub Arewik betreut. Die Folkloregruppe Ararat, der Chor und eine Musikgruppe Schant halten hier ihre Proben ab. Außerdem gibt es Vorträge, Informationsveranstaltungen, Ausstellungen in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk. 1992 wurde der Erzpriester Karekin Bekdjian zum Bischof der armenischen Diözese Deutschland mit Sitz in Köln geweiht. Anlässlich der Ausstellung "70 Jahre Armenische Gemeinde in Berlin" (23. April bis 16. Mai 1993) besuchte er die Berliner Gemeinde und gestaltete einen ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Festwoche zum Jubiläum der Armenischen Gemeinde mit.

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    Literatur

    Der Artikel entstammt der Broschüre "Einheit in der Vielheit - Weltreligionen in Berlin" (Autorin: Gabriele Yonan; Erscheinungsjahr: 1993) und durfte mit Genehmigung der damaligen Ausländerbeauftragten von Berlin (Herausgeberin der Broschüre) in Auszügen auf meiner alten Webseite von muz-online.de (2000-2017) veröffentlicht werden.
    Der Original-Text wurde von my-europe.de an einigen Stellen leicht modifiziert und wird von Zeit zu Zeit aktualisiert.

  • Zu Gabriele Yonan:
    G.Y. wurde 1998 aufgrund fehlerhafter Selbstbezeichnungen von Seiten der FU-Berlin verwarnt.



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