Ahmadiyya Bewegung

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[Ahmadiyya Muslim Jamaat] [Khadija-Moschee in Berlin]
[Literatur und www-Links]

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Muslimische Mission

In Berlin-Wilmersdorf erblickt der Spaziergänger oder der Berlin-Tourist zu seinem Erstaunen eine Moschee, im indischen Mogulstil erbaut, die lange vor der Zeit der Entstehung der islamischen Gemeinden durch muslimische Arbeitnehmer aus der Türkei hier erbaut worden ist. Der Grundstein wurde am 9. Oktober 1924 gelegt.

Ausgeführt wurde der exotische Bau von dem Berliner Architekten K. A. Herrmann. Die beiden Minarette sind jedes 32 Meter hoch und die Kuppel, auf der das Symbol des Islam, der Halbmond, aufragt, ist 26 Meter hoch mit einem Durchmesser von 10 Metern über dem Versammlungsraum, der 400 Peronen zum Gebet aufnehmen kann. An der Einweihung, die am 23. März 1928 stattfand, nahmen persische, afghanische und türkische Diplomaten teil, auch ein Vertreter des Auswärtigen Amtes gab sich und der kleinen islamischen Gemeinschaft in Berlin die Ehre. Der Bau, der eine bescheidene Kopie des berühmten Tadsch Mahal ist, erregte Aufsehen in der Berliner Öffentlichkeit. Eine Zeitung schrieb dazu: "Was man alles so in unserem Berlin erleben kann ... ohne Traveller-Schecks und Cooks Reisebüro zu benötigen, konnte man heute ein echtes Orienterlebnis haben, wenn man hinausfuhr auf die Gefilde des Fehrbelliner Platzes, wo unter einem strahlend blauen Orienthimmel die weißen Minarette der neuen islamischen Moschee emporragen." (Westen, 23. 3.1928) Den Bau-Auftrag hatte die Ahmadiyya Anjuman Ishaat-i-Islam Lahore gegeben. Die Gesamtbaukosten betrugen 300.000 Reichsmark, eine beträchtliche Summe.

Geschichte

Die Ahmadiyya Religionsgemeinschaft wurde von Mirza Ghulam Ahmad (1836-1908) in Pandschab, Indien 1889 gegründet.
Der Begründer hielt den Islam für reformbedürftig und setzte sich mit seiner Bewegung für die weltweite Islam-Mission, besonders in westlichen Ländern ein. Dies soll bis heute erreicht werden durch Übersetzungen und der Herausgabe von Büchern, Traktaten und kleineren Artikeln. Dem Nicht-Muslim werden Einführungen in den Islam angeboten, aus denen deutlich eine dem islamischen Fundamentalismus entgegengesetzte Anpassungsfähigkeit an die moderne Zeit spricht.
Bevor es zur Gründung dieser Gemeinschaft kam, hatte sich Mirza Ghulam Ahmad mit verschiedenen Religionen beschäftigt. Er diskutierte mit christlichen Missionaren, las die Bibel, beschäftigte sich mit den hinduistischen Reformsekten seiner Zeit, auch mit den damals im Pandschab vorherrschenden Sikhs.

Seine Überzeugung, daß der Islam allen Religionen weit überlegen war und der von Gott offenbarte Koran die Richtschnur der Menschheit sein soll, wurde dadurch nicht erschüttert.
1882 veröffentlichte er den letzten Teil seines Hauptwerkes Barahin Ahmadiyya, in welchem er den Anspruch darauf erhebt, von Gott eine Offenbarung erhalten zu haben, daß er der Reformator - Mujaddid seiner Zeit sei, der erwartete Mahdi, der Messias.
Die Verbreitung des Islam sollte aber nicht mit dem Schwert, sondern mit dem geistigen Wort erfolgen. Die islamischen Mullahs hielten ihre Religion nicht für reformbedürftig und bezweifelten den Offenbarungsanspruch Mirza Ghulam Ahmads. Es kam zu erbitterten Auseinandersetzungen.

Mirza Ghulam Ahmad konzentrierte sich auf die Idee einer Islamisierung Europas, obwohl er selbst keine europäische Sprache kannte und Indien nie verlassen hat.
Seine Bücher schrieb er in der Landessprache Urdu und auf Arabisch, fand aber um 1900 in dem Rechtsgelehrten und Anglisten Maulana Muhammed Ali (1874 - 1951) einen hervorragenden Helfer, der als sein Hauptwerk den Koran ins Englische übersetzt und mit Kommentaren versehen hatte und damit eine Grundlage für die Islam-Mission im Westen schuf. Er wurde auch Herausgeber der Zeitschrift Review of Religions in englischer Sprache (1901), die dem Westen ein wahres Bild des Islam vermitteln wollte. Tatsächlich gelangte die Zeitschrift wegen ihrer wissenschaftlichen Qualität auch bei europäischen Islam- und Religionswissenschaftlern zu großem Ansehen. Maulana Noor ud-Din wurde der erste Präsident (Khalifa) der Ahmadiyya Bewegung, deren Ausschuß von Mirza Ghulam Ahmad noch vor seinem Tod 1908 eingerichtet worden war.
Obwohl diese islamische Reformbewegung keine große Anhängerschaft hatte, kam es 1914 zur Spaltung, die bis heute anhält . Die Mehrheit verließ Quadian und siedelte nach Lahore über. Der wesentliche Grund dafür war die Frage, ob Mirza Ghulam Ahmad selbst als Prophet anzusehen sei oder nicht. Die in Quadian verbleibende Gruppe (Führer der Qadian-Ahmaddiyya war 1914 der älteste Sohn des Gründers, Mian Mahmud Ahmad) meinte aus den Schriften diesen Anspruch herauslesen zu können... Mirza Ghulam Ahmad: "Und unter meinem Prophetentum versteht Gott nichts anderes als daß er häufig zu mir spricht, ... und unser Gesandter (Mohammed) ist der letzte der Propheten und nach ihm gibt es keinen mehr ... ich wurde im metaphorischen und nicht im wirklichen Sinne ein Prophet Gottes genannt." (Haqiqat al-Wahi)
Der Prophet Mohammed, der Koran und die Sunna sind für die Ahmadiyya Bewegung Lahore genauso verbindliche Richtlinien wie für die islamische Weltgemeinschaft. Wer die Kalimah Tayyabah im Glauben rezitiert - "Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet", der ist ein Muslim. Die ersten vier Kalifen und die heiligen Gefährten des Propheten, seine Nachkommen (Ehlul I-bayt) werden anerkannt und geehrt. Ebenso die vier Leiter der Rechtswissenschaft (Fiqh), wobei die Ahmadiyya die Hanafitische Rechtsschule bevorzugen. Auch die beiden Nachfolger des Gründers der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung, Maulana Muhammad Ali und Maulana Sadr ud-Din, gaben öffentlich beeidigte Erklärungen darüber ab, daß es nach Mohammed keinen weiteren Propheten geben kann, daß Mirza Ghulam Ahmad ein Mujaddid und der Messias war, jedoch kein Prophet mit einem neuen Gesetz, vielmehr eine vollkommene Widerspiegelung (Barus) des Propheten Mohammed (vgl.: Ein Mißverständnis ausgeräumt, 1901; dt. Übersetzung 1975).
Die zweite Ahmadiyya-Gruppe, die nicht nach Lahore auswanderte, sondern in Qadian blieb, beharrte indessen auf dem Prophetentum des Gründers. Wer dies nicht anerkennt, ist ihrer Meinung nach kein Muslim, sondern Kafir (Ketzer). Die Qadian-Ahmadis lehnen daher Heiraten zwischen ihren Anhängern und jenen der Lahore-Ahmadis, aber auch anderen Muslimen, die das Prophetentum des Gründers ablehnen, ab und besuchen auch nicht deren Moscheen. Dies führte 1974 dazu, daß in Pakistan Gesetze zur Ausgrenzung der Ahmadiyya beschlossen wurden und eine heftige Verfolgung einsetzte, die bis heute anhält. Die Situation verschlimmerte sich noch mit dem 1984 eingeführten Blasphemiegesetz. Danach droht den Ahmadis Gefängnisstrafe, wenn sie sich wie Muslime verhalten, die Shahada sprechen und den Gruß Assalamu aleikum (Friede sei mit dir) benutzen. Ab 1986 wurde das Blasphemiegesetz dahingehend verschärft, dass jedem, der den Propheten Mohammed beleidigt die Todesstrafe drohe. Ab 1991 erfolgte eine weitere Ergänzung zum Blasphemiegesetz. Hierin wird betont, dass die Shari'ah das oberste Gesetz Pakistans sei und alle anderen Gesetze danach interpretiert werden müssen. Ebenso müssen alle Pakistaner muslimischen Glaubens ihr Leben nach der Shari'ah ausrichten (Ahmadiyya-Bewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat).
Da beide Ahmadi-Gruppen den gleichen Namen tragen, sich nur durch die angehängten Ortsbezeichnungen Lahore bzw. Qadian unterscheiden, sind sie von der Verfolgung unterschiedslos betroffen und wurden aus der Weltgemeinschaft der Muslime ausgeschlossen.
Wenngleich es bisher zu keinen Todesurteilen gegen Ahmadis kam so sind doch einige Fälle von Lynchjustiz zu verzeichnen. Amnesty International hat die Regierung von Pakistan aufgefordert, alle unrechtmäßig Verfolgten auf freien Fuß zu setzen und die Todesstrafe für Gotteslästerung abzuschaffen . Ahmadis gelten in Pakistan als "Bürger zweiter Klasse". So sind viele Ahmadis in den Westen, nach Europa und Amerika, gegangen und haben sich dort verwurzelt.
Allerdings hat sich die Verfolgung und Diskriminierung der Ahmadis auch bis nach Deutschland hin ausgeweitet (1998, Khatme-Nabuwat-Konferenz, Pakistanische Wohlfahrtsverein Mannheim e.V.: Angriffe gegen Ahmadis und Vorwürfe gegen Deutschland wegen Schutzgewährung).
Nach einigen Jahren des Schweigens, nahmen die Ahmadis ab 2005 ihre Missionsarbeit in Deutschland wieder verstärkt auf.

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Ahmadiyya-Anjuman Lahore

Im Jahre 1913 wurde die erste Islamische Mission der Ahmadiyya Bewegung in Europa in England Woking, gegründet. 1920 faßte die Mission in Nordamerika, USA, Fuß. In Berlin wurde die islamische Mission der Ahmadiyya Bewegung (Lahore) 1923 gegründet, ein Jahr später begann man mit dem Bau der Moschee. Ungefähr 800 Deutsche sollen seitdem (Stand 1993) durch die Mission zum Islam bekehrt worden sein. Der erste Imam der Moschee war Maulana Sadr ud-Din, gleichzeitig Vizepräsident der Ahmadiyya Anjuman Lahore. Er gab die Zeitschrift Moslemische Revue heraus. Zusammen mit dem islamischen Theologen Prof. Dr. Sheikh M. Abdullah gründete er einen Verlag, in dem bis 1939 zahlreiche deutschsprachige Publikationen erschienen sind, und übersetzte 1938 als erster Muslim den Koran ins Deutsche. Im Vorwort schrieb der Gelehrte: "Man betrachtet den Islam in Deutschland mit einer erfreulichen Vorurteilslosigkeit. Daher bin ich sicher, daß die deutsche Öffentlichkeit diese aus der Feder eines Muslims stammende Übersetzung freundlich aufnehmen wird." In den deißiger Jahren haben berühmte Persönlichkeiten, darunter Sir Agha Khan, Oberhaupt der Ismailiten, die Moschee besucht und religiöse Diskussionen mit dem Imam geführt. Auch die Deutsch-Muslimische Gesellschaft hatte hier ihren Sitz.
Heute gibt es Ahmadiyya Missionen in USA, England, Trinidad, Surinam, Indonesien, Guyana, Fidji, Kanada, Australien. Die kostenlosen Broschüren sind in zahlreichen Sprachen veröffentlicht worden. Der amerikanische Islamwissenschaftler Freeland Abbot schreibt in seinem Buch "Islam und Pakistan" (1968): "Sie haben mit ihrer intensiven Bekehrungsarbeit und den ständigen aufsehenerregenden Angriffen auf das Christentum bei vielen Muslims den Glauben vertieft. Sie sind von ihrem Glauben überzeugt, daß das Christentum nicht die Stärke Europas darstellt und daß der Islam die wahre Religion bedeute... Das ist die wesentliche Bedeutung der Ahmadiyya-Bewegung. Es ist irgendwie ironisch, daß die Sekte, die von den Muslims in Indien und Pakistan am meisten angegriffen wurde, gleichzeitig auch die Sekte ist, die bei der Verbreitung und Verteidigung des Islam gegen die Konkurrenz der anderen Religionen am wirksamsten war."
Bei Kriegsausbruch 1939 mußte der Berliner Imam Dr. Abdullah die Moschee verlassen. Deutsche Soldaten wurden einquartiert, die Minarette wurden als militärischer Auslug benutzt. Bei der Bombardierung Berlins wurden sie beschädigt. Eine Bombe fiel durch die Kuppel in den Moscheeraum, explodierte aber nicht. Kuppel, Wände und Minaretts waren stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch nicht zerstört worden.

In der 1970er Jahren wurden aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie ein Baufonds zur Wiederherstellung geschaffen, die Mission beteiligte sich mit einer großen Summe an der Renovierung ihrer Moschee, was aber nicht ausreichte, um die beschädigten Minarette zu erneuern. Auch die großen Heizungskosten machen der Mission Schwierigkeiten, denn wegen der Feuchtigkeit muß die Moschee im Winter ständig geheizt werden. Dagegen konnte die Kuppel mit internationaler Hilfe instand gesetzt werden.
1959 kam der aus Pakistan stammende neue Imam Mohammed Yahya Butt nach Berlin. Er betreute 160 Mitglieder, die größte deutsch-islamische Gemeinde, drei Jahrzehnte lang. 1987 wurde er von Imam Saeed Ahmad Chaudhry abgelöst, der bis 2002 Präsident der Ahmadiyya Anjuman Gemeinde in Berlin war. Er hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Moschee wieder im alten Stil herzustellen. So steht die Moschee seit 1993 unter Denkmalschutz. 1996 wurde das Haupthaus wiederhergerichtet. 1999 wurde das nördliche und am 29. August 2001 schließlich das südliche Minarett wiederaufgebaut. Ab 2002 erfolgte die Betreuung der Moschee durch den Europabeauftragten der Zentral-Anjuman, A. S. Abdul Santoe aus Rotterdam, der auch kommissarischer Imam der Berliner Moschee war. Die Moschee stand bis 2007 allen offen, Muslimen und Nicht-Muslimen. Männer und Frauen waren gleichermaßen willkommen. Die islamische Gemeinde in der Brienner Straße hatte etwa 60 Mitglieder.

Schließung der Wilmersdorfer Moschee

»[...] Vom 25. bis 27. Mai 2007 wurde eine Konferenz von der deutschen und niederländischen Sektion der AAIIL (Ahmadiyya Anjuman Isha'at-e-Islam Lahore, Anm. muz-online.de) in der Moschee abgehalten, an der auch der der Präsident und Emir der weltweiten Gemeinschaft Abdul Karim Saeed Pasha und seine Frau Sahiba Saeed teilnahmen.

Schließung
Seit Juli 2007 finden in der Berliner Moschee freitags keine regelmäßigen Freitagsgebete mehr statt. Zuletzt waren knapp 30 Gläubige anwesend. Der Moscheegemeinde fehlt Geld und Personal, um die Moschee weiter offen zu halten. Ein Sufi-Orden unter Leitung des deutschen Konvertiten Erwin Helle nutzte zuletzt die Moschee jeden Donnerstag zum Dhikr. Nur für besondere Ereignisse wird die Moschee noch geöffnet, wie beim „Tag des offenen Denkmals“ am 14. September 2008 und am „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober 2008. [...]«
Zitat: de.academic.ru, Wilmersdorfer Moschee (Berlin)
Siehe auch: aaiil.org

Ahmadiyya Muslim Jamaat

Eine neue Moschee für Berlin - - Khadija-Moschee in Heinersdorf

Am Mittwoch, den 27. Juni 2007, wurde mit den vorbereitenden Baumaßnahmen angefangen. Der zweistöckige Neubau in der Tiniusstraße ist der erste Moscheeneubau im Osten Berlins.
Finanziert wird er durch Spenden. Gegen die Errichtung der Moschee mit ihrem zwölf Meter hohen Minarett hatte sich eine Interessengemeinschaft organisiert.

Ahmadiyya.de

Die Khadija-Moschee in der Tiniusstraße wurde am 16. Oktober 2008 vor rund 250 geladenen Gästen eröffnet. Der Kalif der Ahmadiyya-Gemeinde, Hazrat Mirza Masroor Ahmad, kam zu den zweitägigen Feierlichkeiten aus London nach Heinersdorf und sprach am 17. Oktober in dem neuen Gotteshaus das Freitagsgebet.

Zur Spaltung der Ahmadiyya Bewegung kam es, wie erwähnt, 1914 im Zusammenhang mit Nachfolgestreitigkeiten. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder des Anjumans verließ Qadian und siedelte nach Lahore über. Die zurückgebliebene Gruppierung unterstellte sich der Führung von Bashir ud-Din Mahmud Ahmad (1869-1965), dem Sohn des Gründers. Als sich 1947 das muslimische Pakistan von Indien unabhängig macht, lag das Ahmadiyya-Zentrum Qadian auf indischem Territorium, deshalb emigrierten die meisten Anhänger in den auf pakistanischem Gebiet liegenden West-Pandschab und gründete in Rabwah ihr neues Zentrum. In Qadian blieben 313 Familien zurück, auch damit die Geburtsstätte des Gründers der Jamaat Ahmadiyya als verehrungswürdiger Pilger- und Wallfahrtsort erhalten bleiben sollte. Die erste Verfolgung der stark missionierenden Gemeinschaft setzte in Pakistan 1953 ein, wobei zwischen der Rabwah- und der Lahore-Gruppe kein Unterschied gemacht wurde. 1974 erreichte die Verfolgung dadurch einen Höhepunkt, daß die Ahmadiyya-Anhänger insgesamt zu "Nicht-Muslimen" erklärt und damit der Verfolgung offiziell preisgegeben wurden. Ihr erklärtes Ziel ist die Weltmission für den Islam, wie er aus der Sicht des Gründers Mirza Ghulam Ahmad interpretiert wurde.

Die Berliner Ahmadiyya Jamaat hatte 1993 etwa 150 Gemeindemitglieder. Nach dem Tod des Imams wurde sie vom Imam der Zentrale in Frankfurt betreut. In Deutschland hatte die Gemeinde 1993 etwa 20.000 aktive Mitglieder, davon waren 150 gebürtige Deutsche, die eine besonders aktive Rolle spielen.

So ist auch der leitende Vorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, Abdullah Wagishauser, deutscher Herkunft. Zweimal jährlich findet in Köln ein Treffen der deutschen Ahmadiyya-Gemeinde statt. Dort werden Diskussionen über aktuelle Themen geführt und Probleme erörtert, die besonders die deutschen Muslime betreffen. Eine Jahresversammlung findet regelmäßig in Frankfurt am Main statt. Das Oberhaupt dieser Religionsgemeinschaft, der vierte amtierende Khalifa, Hazrat M. Tahir Ahmad, nimmt häufig an dieser Jahresversammlung teil, was für die deutsche Gemeinde eine besondere Ehre ist. Dann können Mitglieder und auch nichtmuslimische Gäste in einer besonderen Frage- und Antwortsitzung ihre Fragen stellen.
Die in Deutschland lebende Gemeinschaft ist straff organisiert. Es gibt drei Hauptorganisationen, welche unter dem Dachverband der Gesamtdeutschen Zentrale eigenständig arbeiten:

  1. Die Frauengruppe Lajna Imaillah
  2. Die Männergruppe bis 40 Jahre -Khudam ul-Ahmadiyya
  3. Die Männergruppe ab 40 -Insan ul-Ahamadiyya

Diese Organisationen halten ihre eigenen Veranstaltungen ab.
Die beiden Kindergruppen "Nasirat" (Mädchen) und "Itefal" (Jungen) treffen sich unter Leitung von Erwachsenen wöchentlich zu Lehrklassen für islamisches Grundwissen. Dabei wird zweisprachig unterrichtet. Jede regionale Gemeindegruppe hat ihre eigenen Amtsträger, die der gesamtdeutschen Organisationsleitung über die Arbeit berichten. Zwei eigene Moscheen befinden sich in Frankfurt-Sachsenhausen und in Hamburg-Stellingen. Beide sind im Mogulstil erbaut und so als Moscheen deutlich zu erkennen. Außerdem wurden in München und Köln Gebäude gekauft, die die Funktion von Moscheen haben. In Leipzig gibt es eine Niederlassung, es wird jetzt nach einem geeigneten Gebäude als Missionshaus gesucht. An jedem Ort, wo mehr als drei Ahmadiyya-Muslime leben, werden regelmäßig Freitagsgottesdienste abgehalten, die auch von den Ansässigen besucht werden können. Jeden Freitag oder zu gegebenen Anlässen werden die Freitagsansprachen oder andere Ansprachen des Khalifa direkt via Satellit übertragen, und zwar weltweit.
Die Jamaat finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Sie unterhält Niederlassungen in 130 Ländern der Welt. Der Koran wurde in 50 Sprachen übersetzt, an weiteren 70 Übersetzungen wird gegenwärtig gearbeitet. Die Berliner Mission wurde 1989 eingerichtet, bis dahin war Berlin aufgrund der isolierten Lage von dem überregionalen Gemeindeleben abgeschnitten. Seither finden regelmäßig Veranstaltungen auch für Gäste statt.
In Deutschland erscheinen drei Zeitschriften in Urdu, drei in deutscher und eine in arabischer Sprache. Durch fundamentalistisch-islamische Kreise wird seit einiger Zeit durch eine deutschsprachige Broschüre "Destruktive Bewegungen - Der Qadianismus", herausgegeben vom Bund der lslamischen Welt, Propaganda gegen die Ahmadiyya-Bewegung gemacht.

Literatur

    Der Artikel entstammt der Broschüre "Einheit in der Vielheit - Weltreligionen in Berlin" (Autorin: Gabriele Yonan; Erscheinungsjahr: 1993) und durfte mit Genehmigung der damaligen Ausländerbeauftragten von Berlin (Herausgeberin der Broschüre) in Auszügen auf der Webseite von muz-online.de veröffentlicht werden.
    Der Original-Text wurde von muz-online.de an einigen Stellen leicht modifiziert und wird von Zeit zu Zeit aktualisiert.

    Zu Gabriele Yonan:
    G.Y. wurde 1998 aufgrund fehlerhafter Selbstbezeichnungen von Seiten der FU-Berlin verwarnt. Mehr zu ihrer Person bei: manfred-gebhard.de/Yonan.

  • Muhammed Ali. Der Begründer der Ahmadiyya-Bewegung. Eine Kurzstudie. Hrsg. Ahmadiyya Anjuman Lahore Verlagsgesellschaft 1989.
  • dss. Die neue Weltordnung. Reihe: Islam heute spezial. Sondernummer 3/4, Jan./April/Juni 1990.
  • dss. Die lebendigen Gedanken des Propheten Muhammad, Berlin 1989.
  • dss. Der Prophet des Islams, 1985.

Informationsblätter

(Die Moschee, engl. und deutsch)

Rafiq, B. A.
Die Wahrheit über Ahmadiyyat Verlag Der Islam, Frankfurt 1992.

Zeitschriften

The Light (Lahore)
Khadiya - Frauenzeitschrift (Deutsch und Urdu-Ausgaben), Quart.
Akhbar Ahmadiyya Jamaat - (Urdu), monatl.
Nur ud-Din - Hg. Khudam ul-Amadiyya (Urdu), monatl.
Der Islam - Broschüre (Deutsch), viermal jährlich
AI-Taqwah - (Arab.), monatl.
Weißes Minarett - (Deutsch), ca. alle drei Monate

Literatur und www-Links

Toleranz
Islam