Zypern

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Offizieller Name: Republik Zypern (gr.); Türkische Republik Nordzypern (tr.).
De jure wird ganz Zypern von der internationalen Staatengemeinschaft als Republik Zypern geführt. Die Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt.
Hauptstadt: Levkosia (früher Nicosia)
Fläche: 9251 km² (5.896 km² Republilk Zypern; 3.355 km² Türkische Republik Nordzypern)
Landesnatur: Im N küstenparalleles Kyreniagebirge, südlich davon von W nach O verlaufend zentrale Schwemmlandebene Messaria, im S vulkanisches Troodos-Massiv, anschließend weiter nach S und W ebenes Küstenland
Klima: Mediterranes Klima
Höchster Punkt: Olympos 1952 m
Hauptflüsse: Pedieos, Serakhis, Ezouza, Dhiarrizos
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Präsident
Verwaltung: 6 Distrikte
Parlament: Parlament mit 780 Mitgliedern, davon 56 für griechische Zyprioten, 24 für türkische Zyprer (vakant); Wahl alle 5 Jahre;
türkisch-zypriotischer Landesteil (Türkische Republik Nordzypern): Abgeordnetenhaus mit 50 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 1. Oktober (Proklamation der Republik Zypern), 15. November (1983, Proklamation der Türkische Republik Nordzypern)
Einwohner: Republik Zypern: 885.041 (2012); Türkische Republik Nordzypern (TRNC): 256.644 (2006) inkl. Soldaten und Siedler
Bevölkerungsdichte: Republik Zypern: 150 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 57%
Bevölkerung unter 15 Jahren: 24%
Analphabetenquote: 5%
Sprache: Griechisch, Türkisch
Religion: Orthodoxe Christen 80%, Moslems 19%

Zypern, das sich noch heute gern die "Insel der Aphrodite" nennt, ist ein kleiner Inselstaat im östlichen Mittelmeer. Schon lange übt Zypern mit seinem mediterranen Klima, seinen landschaftlichen Schönheiten und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten auf den Besucher große Anziehungskraft aus. Doch rückt Zypern auch durch den griechisch-türkischen Konflikt und die damit verbundene Teilung der Insel immer wieder ins Interesse der Weltöffentlichkeit. Zudem zieht der Nahostkonflikt die Republik gelegentlich in Mitleidenschaft, denn Zypern liegt nahe am Krisenherd Palästina.
So wurden im Mai 2002 dreizehn militante Palästinenser nach ihrer mehrwöchigen Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem kurzzeitig nach Zypern ausgeliefert, um von dort auf unterschiedliche europäische Länder verteilt zu werden.

Geschichte

Zypern gehört zu den ältesten Kulturstätten der Erde, wo eine mindestens achttausendjährige, wechselvolle Geschichte ihre Spuren hinterlassen hat.
Die Rundbauten von Khirokita vom Anfang des 6. Jahrtausends v.Chr. lassen Rückschlüsse auf steinzeitliche Lebensformen im östlichen Mittelmeerraum zu.
Während der Erimi-Kultur zwischen 3000 und 2300 v.Chr. wurde auf der Insel Kupfer entdeckt, wodurch sich Zypern zu einem wichtigen Handelsplatz im östlichen Mittelmeer entwickelte. Etwa ab 1500 v.Chr. beherrschten die Ägypter die Insel, bis mit den mykenischen Achäern im 13. Jahrhundert v.Chr. zum ersten Mal Griechen den Boden Zyperns betraten. 333 v.Chr. schloss sich die Insel dem Reich Alexanders des Großen (356-323 v.Chr.) an. Nach seinem Tod wurde Zypern 295 v.Chr. ptolemäische Provinz, bis die Römer 58 v.Chr. die Insel erobern konnten. 395 wurde Zypern dann bis 1184 Byzanz unterstellt.

Eine kurze Phase der Unabhängigkeit endete 1191 mit der Eroberung durch die Kreuzfahrertruppen unter Richard I. Löwenherz (1157-1199). Er verkaufte die Insel an die französische Dynastie Lusignan. Während ihrer rund dreihundert Jahre dauernden Herrschaftszeit geriet Zypern unter starken abendländischen Einfluss. Durch Heirat fiel die Insel 1489 an die Seegroßmacht Venedig.
Die Wurzeln des bis heute andauernden griechisch-türkischen Konflikts reichen bis in die Zeit der ersten türkischen Invasion im Jahre 1570 zurück. In den dreihundert Jahren türkischer Herrschaft lebten die griechischen Einwohner zwar in relativer Eigenständigkeit, doch waren die türkischen Beamten wegen der Zwangsansiedlung anatolischer Bauern verhasst.
1878 gelangte Zypern unter britisches Protektorat. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges annektierte Großbritannien die Insel und ernannte sie 1925 zur britischen Kronkolonie.
Der schon seit dem 19. Jahrhundert von der Mehrheit der Zyprioten unter Führung der orthodoxen Kirche geforderte Anschluss (Enosis) an Griechenland, der sich zunächst gegen das Osmanische Reich richtete, wendete sich später gegen die britische Kolonialmacht. In den 1950er Jahren lebte die Enosis-Bewegung unter Erzbischof Makarios (1913-1977), dem Haupt der griechisch-orthodoxen Kirche auf Zypern, verstärkt auf und wurde seit 1955 durch Georgios Grivas (1898-1974) und die Widerstandsbewegung EOKA fortgesetzt. Der Interessenkonflikt zwischen Großbritannien, Griechenland und der Türkei konnte erst 1959 durch das Londoner Abkommen beigelegt werden, in dem Zypern die Unabhängigkeit zugesichert wurde, die 1960 in Kraft trat.
Die Sitze im Parlament wurden entsprechend dem Anteil an der Bevölkerung zwischen türkischen und griechischen Zyprioten aufgeteilt.
Als das Staatsoberhaupt Erzbischof Makarios 1963 eine Verfassungsänderung zugunsten der griechischen Bevölkerung anstrebte, kam es nach vorangegangenen Straßenschlachten zur Teilung der Hauptstadt Nicosia in den türkischen Norden und den griechischen Süden.

1974 veranlasste der Putsch griechischer Offiziere gegen Erzbischof Makarios die zweite türkische Invasion in der Geschichte Zyperns, die einen Anschluss der Insel an Griechenland verhindern sollte. Der Nordteil Zyperns, knapp 40% der Gesamtfläche, wurde besetzt. In Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen kam es durch Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlungen zu großen Bevölkerungsbewegungen auf der Insel. Anfang 1975 wurde im Norden ein türkisch-zypriotischer Teilstaat errichtet und Rauf Denktas (* 1924) zum Präsidenten ernannt, der seinerseits 1983 die allein von Ankara anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" ausrief.

Der seit Ende 1974 wieder eingesetzte Staatspräsident Makarios wurde wie seine Nachfolger Spyros Kyprianou (* 1932), Georgios Vassiliou (* 1931) und der 1993 und 1998 gewählte Glafkos Klerides (* 1919) nur vom griechischen Südteil Zyperns anerkannt. Trotz Bemühungen der UNO ist eine Lösung des Konflikts nicht in Sicht.
Am 1. Mai 2004 wurde die Republik Zypern Mitglied in die Europäische Union, und seit dem 1. Januar 2008 ist der Euro Landeswährung.

Zypern ist mit 9251 km² Fläche nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Mittelmeerinsel. Sie erstreckt sich über eine Länge von 225 km und eine Breite von bis zu 95 km. Landschaftlich ähnelt die Insel im östlichen Mittelmeer dem benachbarten mediterranen Kleinasien. Das Klima weist den gleichen Wechsel zwischen trockenheißen Sommern und feuchtmilden Wintern auf.
Im Norden der Insel erstreckt sich die Kette des Kyreniagebirges, das bis zu 1000 m ansteigt und nach Nordosten in einer schmalen Halbinsel ausläuft. Im südlichen Zentrum Zyperns liegt das Gebirgsmassiv des Troodos mit dem Olympos als höchster Erhebung (1952 m). Vor allem wiederaufgeforstete Pinienwälder überziehen dieses Mittelgebirge, das nahezu die Hälfte der gesamten Inselfläche einnimmt. Im Paphoswald gibt es in einem Tal noch rund 40.000 Zedern. Zwischen den beiden Höhenzügen liegt die fruchtbare Ebene von Messaria, in deren Zentrum die Hauptstadt Nicosia liegt. Die Gesamtlänge der Küste beträgt 620 km, wobei Sand- und Kieselstrände vorherrschen. Eine landschaftliche Besonderheit sind die beiden Salzseen bei Limassol und Larnaka.

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Bevölkerung und Wirtschaft

Zypern ist ein Zweivölkerstaat. Bei den Angaben über die Bevölkerungszahl ist man auf Schätzungen angewiesen, da es bis heute unklar ist, wieviele Einwohner mittlerweile im türkisch besetzten Norden der Insel leben. Die überwiegende Mehrheit der Zyprioten sind othodoxe Griechen, weniger als 12% sind islamische Türken. Rund 3900 Soldaten der britischen Streitkräfte sind auf Zypern stationiert, deren Familienangehörige zum Teil gleichfalls auf der Insel leben, und auch die auf knapp 1200 Mann reduzierten UNO-Friedensgruppen sind längst Teil der Einwohnerschaft Zyperns geworden. Hinzu kommen einige tausend Armenier und Maroniten sowie andere Minderheiten, die ebenfalls auf der Insel leben.
Es gibt verschiedene Schätzungen, wieviele türkische Soldaten sich ständig im Norden Zyperns aufhalten, rund 30.000 scheint nicht übertrieben zu sein. Auch die Zahl der Umsiedler aus den verarmten Regionen Ostanatoliens geht in die Zehntausende.
Mit dieser Politik versucht Ankara, dem Status quo auf der besetzten Insel Endgültigkeit zu verleihen, auch wenn soziale Spannungen zwischen den alteingesessenen türkischen Zyprioten und den neuen Landsleuten unvermeidlich sind.
Der wichtigste Erwerbszweig der Menschen auf Zypern ist die Landwirtschaft. Die moderne Industrie entwickelt sich in Form von Verarbeitungsbetrieben landwirtschaftlicher Produkte und Textilbetrieben günstig. Durch die türkische Besetzung des Nordteils der Insel wurde die Wirtschaft jedoch stark geschädigt. Das gilt besonders für den Tourismus, der bis zur Teilung an Bedeutung gewonnen hatte. Heute wird das Reisen durch die politische Lage erschwert.

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Die Insel der Aphrodite und ihre Sehenswürdigkeiten

Für die kulturbeflissenen Urlauber ist Zypern ein geradezu ideales Reiseland, beherbergt die Insel doch auf kleinstem Raum landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten erster Güte.
Im Nordosten liegt nur wenige Kilometer von der alten Hafenstadt Famagusta entfernt die antike Ruinenstadt Salamis. Besonders eindrucksvoll ist das römische Theater, das 20.000 Besuchern Platz bietet.

Ebenfalls im türkisch besetzten Teil Zyperns liegen die Kreuzritterfestungen St. Hilarion, Buffavento und Kantara, die zusammen ein nördliches Verteidigungssystem bildeten. Die ehemalige Abtei Bellapais bei Kyrenia, das die Türken Girne nenne, ist ein weiterer Anziehungspunkt für die Besucher Nordzyperns. Das rein gotische Bauwerk ist schon 1570 teilweise zerstört worden und präsentiert sich seit dieser Zeit als malerische Ruine.
Noch zahlreicher und beeindruckender sind die Sehenswürdigkeiten im griechischen Süden der Insel. Im "Haus des Dionysos" bei Paphos kann man großflächige römische Bodenmosaiken besichtigen, die im 4. Jahrhundert durch ein Erdbeben verschüttet und auf diese Weise für die Nachwelt konserviert wurden. Nur wenige hundert Meter davon entfernt liegen die sogenannten "Königsgräber", die aus der Zeit der Ägypter stammen und später von den Römern zu palastartigen Katakomben umgebaut wurden.

Neben einem römischen Theater, Bädern und einem Aquädukt sind in letzter Zeit im Ruinenbezirk Kourion, westlich von Limassol, auch Skelette gefunden worden, die den Schluss nahelegen, dass die Stadt einem Erdbeben zum Opfer fiel.
Nur wenige Kilometer von Kourion entfernt liegt die trutzige Kreuzritterburg Kolossi. Der mächtige Turm wurde von den Johannitern erbaut und bietet heute einen weiten Blick über die fruchtbare Ebene zwischen Limassol und dem Massiv des Troodos sowie auf den Salzsee der Halbinsel Akrotiri.
Keine Sehenswürdigkeit im herkömmlichen Sinn ist der aus der Mythologie überlieferte Geburtsort der Aphrodite, Petra tou Romiou. An diesem Felsen soll die Liebesgöttin dem Schaum des Meeres entstiegen sein. Über Jahrhunderte hinweg frönten die Zyprioten daher dem Aphroditekult, der im Volksglauben in den Marienkult überging, nachdem die Insel zum Christentum bekehrt worden war.

Das größte und reichste Kloster Zyperns, Kykko, wurde im 11. Jahrhundert mitten in das abgelegene Bergland des Troodos gebaut. Zu seiner Glanzzeit hatte das Kloster sogar Besitzungen in Kleinasien und auf der Krim. Heute ist das Kloster der beliebteste Wallfahrtsort der Insel, zumal sich auch die Grabstätte von Erzbischof Makarios, der noch immer Volksidol ist, ganz in der Nähe von Kykko befindet.

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Entwicklungen

Republik Zypern:

2020: Corona - SARS-CoV-2 - Covid-19 - Pandemie
Aufgrund einer globalen Pandemie, ausgelöst durch das sogenannte "neue Virus" Covid-19 (Coronavirus) werden ab 2020, beginnend in der chinesischen Region Hubei und ab März u.a. in Europa und den USA die Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Es gibt Grenzschließungen, Reisebeschränkungen, Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen, Kontaktverbote, Aufrufe zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum nächsten Menschen von 2 Metern, entsprechende Markierungen in Supermärkten, Gesichtsmaskenpflicht, Aufrufe "Wir bleiben Zuhause" usw..
Seit Mitte März hat Zypern erhebliche Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus erlassen. Für Ärger mit dem türkischen Norden der Insel sorgt die Schließung der Checkpoints (inklusive Nikosia). Auch ist die Einreise aus dem Süden nach Nordzypern nicht möglich. Die Einreise nach Zypern darf nur unter Auflagen erfolgen, d.h. Sondergenehmigung, 14-tägige Quarantäne und ein ärztliches Zeugnis über den Gesundheitszustand. Der Norden ist zur Zeit komplett abgeriegelt. Ausnahmen gelten für den Güterverkehr.
Bis zum 14. Mai 2020 hatten sich in der Republik Zypern offiziellen Angaben zufolge rund 900 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 17 Menschen starben angeblich daran.

Siehe auch:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

Flüchtlingskrise seit 2017

Seitdem die Türkei immer mehr Flüchtlinge nach Nordzypern schickt, hat auch die Republik Zypern ein Problem, denn die Flüchtlinge wollen in die EU und deshalb in den Süden. Zypern nimmt so viele Flüchtlinge auf, wie kein anderes europäisches Land (pro-Kopf).

März 2013: Zuspitzung der Bankenkrise - Modellfunktion für andere Krisenländer

Um die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, benötigt der Staat zunächst rund 10 Mrd. Euro. 5 Mrd. sollen als "Hilfe" aus dem EU-Rettungsfonds kommen, die andere Hälfte soll der Staat selbst aufbringen, d.h. diejenigen Bürger, die Bankguthaben oder Sparverträge haben. Zuletzt verabschiedete die zyprische Regierung zusammen mit der sog. "Troika" (EU, EZB, IWF) die Regelung, dass Guthaben über 100.000 Euro mit min. 40% besteuert werden sollen. Um einem zu starken Abfließen von Geld aus Zyperns Banken entgegenzuwirken (was aufgrund einer Panne ohnehin geschah), wurden die Banken für 12 Tage geschlossen, an den Geldautomaten durften max. 100 Euro/Tag abgehoben werden. Auch nach der Wiedereröffnung der Banken am 28. April bleibt der Geldverkehr begrenzt. Bankkunden dürfen max. 300 Euro/Tag von ihrem Konto abheben, Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland sind auf 5000 Euro pro Person und Monat begrenzt und auf Auslandsreisen dürfen Zyprer max. 3000 Euro Bargeld mitnehmen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden.
Ginge es nach dem Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, dann würden in Zukunft auch andere EU-Staaten zur Bekämpfung ihrer Finanz- bzw. Bankenkrisen die Zypern-Regelung übernehmen.
Die wichtigsten Rating-Agenturen stuften nun Zyperns Währungsrating von AAA auf Caa2 herunter, weil man die Gefahr eines Euro-Austritts sieht. Das Länderrating bleibt bei Caa3 mit negativer Tendenz.

Siehe auch: alles-schallundrauch.blogspot.de, Keine Bank in der Eurozone ist mehr sicher, 27.03.2013

Zypern droht die Pleite und benötigt 17,5 Milliarden Euro aus dem EU-Rettungsfonds

Ein Hilfspaket für die in Geldnot befindlichen Banken Zyperns im Volumen von insgesamt 17,5 Mrd. Euro entspräche nahezu der jährlichen Wirtschaftsleistung des drittkleinsten Euro-Landes. Da nun aber dessen Geldhäuser eng mit Griechenland verflochten sind, wird Brüssel wohl die "Hilfsleistungen" liefern und das mit dem mantra-artigen Argument "wer Zypern fallen lässt, riskiert den Absturz der gesamten Euro-Zone" unterlegen. Doch Zypern und seine Banken gelten seit langem als Steueroase und Hort der Geldwäsche. Insbesondere reiche Russen nutzen die Inselvorteile zur Vermehrung ihres Reichtums. Sollte die EU die Hilfs-Milliarden bewilligen, würde eben zu allererst dieses Klientel profitieren, wie SPIEGEL ONLINE am 3. November 2012 berichtete. Einem geheimen BND-Report zufolge hätten russische Geschäftsleute, Oligarchen und Mafiosi angeblich rund 26 Milliarden Euro Schwarzgeld bei zyprischen Banken geparkt. In Brüssel berät man nun, unter welchen Bedingungen EU-Hilfsgelder an Zypern fließen können. So ist man der Meinung, dass neben Änderungen im Steuersystem auch Gläubiger und Anteilseigner der zyprischen Banken an den Lasten beteiligt werden müssten.

Dezember 2011: »Zypern beschließt hartes Sparprogramm

Die Republik Zypern will hart sparen, um nicht vom Nachbarland Griechenland in eine schwere Finanzkrise gezogen zu werden. [...] Der Bankensektor Zyperns ist eng mit den griechischen Banken verwoben. Ein Großteil aller Forderungen des zyprischen Bankensektors entfällt auf griechische Schuldner. Im jüngsten Bericht des Internationalen Währungsfonds hieß es, die Lage der Wirtschaft der Insel sei "verwundbar und beängstigend".
Die Inselrepublik ist seit 2004 Mitglied der EU und war 2008 auch dem Euroland beigetreten. Zypern hat mit etwa 17,5 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone. [...]«
Zitat: www.tagesschau.de, Schutz vor Ausweitung der Finanzkrise, 2. Dezember 2011

Siehe auch:  Griechenland

November 2011: »Moody's stuft Zypern erneut herunter

Die Ratingagentur Moody's hat wachsende Zweifel an der Kreditwürdigkeit Zyperns. Sie stufte das Euro-Land jetzt um zwei Schritte auf die Note "Baa3" herunter, was in der Rangliste der Agentur die Stufe unmittelbar vor Ramschniveau ("Junk") ist.
Die Experten schlossen zudem ein Abrutschen des Landes auf Junk-Status nicht aus. Sie setzten ihren Ausblick für die Entwicklung des Ratings auf negativ. [...]«
Zitat: www.tagesschau.de, Kreditwürdigkeit sinkt und sinkt, 5. November 2011

Zypern:

2008/09:
»[...] Gespräche über Wiedervereinigung: Dimitris Christofias und der Präsident der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern (TRNC), Mehmet Ali Talat, verständigten sich am 1.7.2008 über die grundlegenden Prinzipien eines wiedervereinigten Zypern als einer bizonalen und bikommunalen Föderation mit einer einzigen Souveränität und Staatsbürgerschaft. Christofias sprach auf einer Pressekonferenz am 8.7. von deutlichen Fortschritten seit seiner ersten Begegnung mit Talat im März (...). Die Lösung liege in einer Föderation zweier Gliedstaaten mit gleichem politischen Status und Verantwortlichkeiten. Das Rückkehrrecht der Flüchtlinge müsse dabei gewährleistet sein, ebenso deren Anspruch auf ihren einstigen Besitz.
Am 25.7.2008 einigten sich Christofias und Talat auf die Aufnahme direkter Verhandlungen. Christofias hatte kurz zuvor in einem Interview bekanntgegeben, man habe sich u.a. darauf verständigt, das Amt des Staatspräsidenten zwischen den beiden Gemeinschaften rotieren zu lassen. Nach der offiziell bis heute gültigen Verfassung von 1960 muss der Präsident stets ein griechischer, der Vizepräsident ein türkischer Zyprer sein. Das abschließende Ergebnis der Verhandlungen solle auf beiden Seiten in einem Referendum der Bevölkerung zur Entscheidung vorgelegt werden. Christofias erklärte, er wolle sich auch für die Entmilitarisierung der Insel einsetzen, was den Abzug der türkischen und griechischen Truppen bedeuten würde, und pochte auf eine deutliche Verminderung der Zahl der türkischen Siedler.
Die von mehreren bilateralen Kommissionen vorbereiteten direkten Verhandlungen begannen am 3.9.2008, an ihnen nahm auch der neue UN-Sondergesandte, der frühere australische Außenminister Alexander Downer, teil. Bis Ende März 2009 trafen beide Präsidenten zu mehr als 20 Gesprächsrunden zusammen, bei denen die Kompetenzen der zukünftigen Zentralregierung sowie deren interne Machtaufteilung, die Justizinstitutionen und die Polizei des Bundesstaates, die Eigentumsrechte der Flüchtlinge und Umgesiedelten sowie die EU betreffende Fragen behandelt wurden. Trotz des guten Willens blieb ein Durchbruch bei den Verhandlungen weiterhin aus. Es wurde deutlich, dass beide Seiten auch auf das jeweilige eigene Lager Rücksicht nehmen mussten, was Talat anbetraf, auch auf die Position der Türkei. Diese rechnet derzeit nicht mehr mit einem raschen EU-Beitritt und ist deshalb weniger kompromissbereit; auch zeigte sie sich weiterhin nicht willens, ihre Häfen und Flughäfen für Schiffe und Flugzeuge aus Zypern zu öffnen, wie von der EU verlangt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bei seinem Besuch im Juli 2008 deutlich gemacht, dass eine Lösung nur auf der Grundlage einer losen Konföderation zweier gleichberechtigter Staaten möglich wäre. Während Christofias für die Abschaffung des Status der Garantiemächte Zyperns eintrat - Großbritannien, Griechenland und der Türkei steht als solchen das Recht zur militärischen Intervention zu - will die Türkei nicht darauf verzichten.
Umstritten blieb in den Verhandlungen, wie die Macht innerhalb der Zentralregierung zwischen den beiden Seiten verteilt werden soll. Auch die Frage, was mit den jeweils auf der anderen Seite befindlichen Immobilien der Flüchtlinge geschehen solle, blieb offen. [...]«
Zitat: DER FISCHER WELTALMANACH 2010, S. 545.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1578 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona
 Islam
 Neue Weltordnung

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