Tschechische Republik

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Neruda
Prag: Originelles Geschäft in der Neruda

Juedischer Friedhof
Prag: Jüdischer Friedhof

John Lennon Gedenkmauer
Prag: John Lennon Gedenkmauer
Offizieller Name: Tschechische Republik
Hauptstadt: Prag
Fläche: 78.866 km²
Höchster Punkt: Schneekoppe ("Snezka" bei Pec pod Snĕžkou) 1602 m
Hauptflüsse: Moldau (Vlatava), Elbe (Labe), March (Morava)
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: Hauptstadtbezirk und weitere 13 Bezirke mit 76 Kreisen
Einwohner: 10.262.000 (1999); 10.162.921 (geschätzt für Juli 2013)
Bevölkerungsdichte: 130 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 66% (1999)
Sprache: Tschechisch, daneben Slowakisch und Sprachen der Minderheiten
Religion: Katholiken und andere christliche Gemeinschaften, 40% gehören keiner Konfession an


Die im 6. Jahrhundert eingewanderten slawischen Stämme, aus denen im Lauf der Zeit die beiden Völker der Tschechen und der Slowaken hervorgingen, waren im 9. Jahrhundert im Großmährischen Reich vereint. Die Länder Böhmen und Mähren fanden Anschluss an die politische und kulturelle Entwicklung Mitteleuropas. Herzog Wenzel I., der Heilige, Böhmens Landespatron, erkannte 929 den deutschen König als Lehnsherrn an. Die Herzöge von Böhmen erhielten 1198 die erbliche Königswürde und wurden mächtige Reichsfürsten. Sie riefen viele deutsche Siedler ins Land. Unter Kaiser Karl IV., der 1346-1378 regierte, war Prag die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reichs; hier wurde 1348 die erste deutsche Universität gegründet.
In den Hussitenkriegen des 15. Jahrhunderts mischten sich religiöse und soziale, aber auch nationaltschechische Bestrebungen. Im Jahr 1526 fiel das Königreich Böhmen im Erbgang an das Haus Habsburg. Die Revolte des böhmischen protestantischen Adels gegen das katholische Habsburg, die 1618 den Dreißigjährigen Krieg auslöste, wurde blutig niedergeschlagen. Die seit dem Mittelalter lebendige tschechische Nationalkultur wurde für ein Jahrhundert zurückgedrängt. Im 18. Jahrhundert setzte mit zunehmender Abgrenzung vom deutschen Kulturleben ein neuer Aufschwung ein. Ein neues tschechisches Nationalbewusstsein erwachte und fand im 19. Jahrhundert politischen Ausdruck in der Forderung nach Autonomie im Rahmen der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie.

Der Erste Weltkrieg offenbarte die Brüchigkeit der Donaumonarchie. Thomáš Masaryk (1850-1937) und Edvard Beneš (1884-1948), die an die Spitze der tschechischen Nationalbewegung getreten waren, verwarfen die Autonomieforderung und strebten die volle Unabhängigkeit an. Mit Vertretern der slowakischen Bewegung einigten sie sich auf einen gemeinsamen tschechisch-slowakischen Staat. Sie gewannen die Unterstützung der Westalliierten für ihre Ziele, so dass noch vor dem Kriegsende am 28.10.1918 die Unabhängigkeit ausgerufen und wenig später die Tschechoslowakische Republik (ČSR) mit Masaryk als erstem Präsidenten proklamiert werden konnte.

Tschechoslowakei
Von den 14,7 Millionen Einwohnern der ČSR im Jahr 1930 waren 7,2 Millionen Tschechen, 2,5 Millionen Slowaken, 3,2 Millionen Deutsche (sogenannte Sudetendeutsche; siehe hierzu: de.wikipedia.org, Sudetendeutsche), 700.000 Ungarn, 550.000 Ukrainer und 80.000 Polen. Die Minderheiten erhielten entgegen früheren Zusagen keine Autonomie, und auch die Slowaken fühlten sich benachteiligt. Es bestand die Vorherrschaft der zahlenmäßig, kulturell und wirtschaftlich überlegenen Tschechen.

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Sudetenland
Das "Sudetenland"

Das Massaker an Sudetendeutschen am 4 März 1919
»Das Selbstbestimmungsrecht gilt heute als eines der wesentlichen Grundrechte und wird oft beschworen. Den Deutschen wurde es lange, Teilen von ihnen wird es heute noch vorenthalten. Ein besonders herausragendes Beispiel für die Verletzung dieses Selbstbestimmungsrecht war das Massaker der Tschechen an Sudetendeutschen am 4 März 1919, als diese friedlich für ihr eindeutiges und immer wieder vertretenes Selbstbestimmungsrecht demonstrierten wollten.[...]«
Zitiert nach: "unglaublichkeiten.com/unglaublichkeiten/u3/u3_2616Sudeten.html"

Diese Karte vom Sudetenland (Foto links) ist von www.joern.de ausgeliehen, in der Hoffnung, dass der Eigentümer dieser Abbildung mit der Veröffentlichung auf unserer Homepage einverstanden ist. Falls dies nicht der Fall ist, dann bitte um Mitteilung an info@my-europe.de

»[...] Die tschechoslowakische Staatsführung begann alsbald eine Entnationalisierungspolitik gegenüber den Sudetendeutschen, die sich insbesondere in einer systematischen Zurücksetzung der deutschen Sprache und Kultur, Verdrängung der Deutschen aus dem öffentlichen Dienst und der deutschen Selbstverwaltung in Gemeinden und Bezirken widerspiegelte. Praktisch die gesamte Wirtschaftspolitik sowie die Förderung der Kultureinrichtungen und von Studenten stand ganz im Dienste der Idee, den Staat zu tschechisieren. [...]«
Zitiert nach: "www.sudeten-waldkraiburg.iivs.de/sud/sudeten.htm", Wer sind die Sudetendeutschen

Video rechts: Massaker von Dobrenz.
Nach dem "Klicken" öffnet sich das eigentliche Video. Bitte dann nochmals "Klicken".
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Mai 2010: Dokumentationsfilm "Töten auf tschechische Art"
»Tschechisches Fernsehen zeigt Massaker an Deutschen Zivilisten in Prag 1945. Ein Dokumentarfilm über ein Massaker an Deutschen im Mai 1945 in Prag sorgt in Tschechien derzeit für Aufsehen. In der vom tschechischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation "Töten auf tschechische Art" des Regisseurs David Vondráček wird die Ermordung deutscher Zivilisten in böhmischen Städten und Gemeinden kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges behandelt.
Zu sehen sind auch Amateur-Aufnahmen einer Massenhinrichtung von 42 deutschen Zivilisten während des Prager Aufstandes Anfang Mai 1945. Dabei führen tschechische Gardisten die Deutschen zu einem Straßengraben und erschießen sie. Im Anschluß überfährt ein Lkw die Niedergeschossenen, die zum Teil noch am Leben sind. Gezeigt wird auch ein kniender alter Mann, der betend die Hände faltet, bevor der Lkw ihn überrollt.[...]«
Zitiert nach: "unglaublichkeiten.com/unglaublichkeiten/u3/u3_2878Mord.html"


»[...] Der Film "Töten auf tschechische Art" – und das rechtfertigt nach Ansicht des Regisseurs Vondráček den Titel, dokumentiert auch andere Massentötungen, an denen Tschechen nach Kriegsende beteiligt waren. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Massenmord an deutschen Zivilisten im nordböhmischen Postoloprty / Postelberg. Über 760 Männer zwischen 15 und 60 Jahren wurden hingerichtet.[...]«
Zitiert nach: "www.radio.cz/de/artikel/127632", 6. Mai 2010

Juni 2010: Gedenktafel wird enthüllt
Einen Monat, nachdem der Film "Töten auf tschechische Art" im tschechischen Fernsehen gezeigt worden war, wurde am 3. Juni 2010 auf dem Friedhof von Postoloprty (Postelberg) eine Gedenktafel enthüllt, die mit den Worten "Allen unschuldigen Opfern der Ereignisse von Mai und Juni 1945" der Massaker an Sudetendeutschen erinnert werden soll.

Enteignung von Sudetendeutschen 1945/46
»[...] rund 3,5 Millionen Sudetendeutschen wurden enteignet und bis auf rund 330.000 bis 350.000 völkerrechts- und menschenrechtswidrig ihrer Heimat und ihres Besitzes beraubt und ausgetrieben. Die Massenaustreibung vollzog sich in zwei Phasen, der sogenannten "wilden Austreibung" in den Monaten Mai bis Juni 1945 und der von tschechoslowakischen staatlichen Behörden beziehungsweise den "Nationalausschüssen" organisierten Massenaustreibungen von Juli 1945 bis Oktober 1946. Es kam zu über 240.000 Vertreibungsopfern, darunter unzählige Pogrom-Tote. Die totale Enteignung, Rechtlosmachung und Zwangsarbeit wurden durch die "Dekrete des Präsidenten der Republik" von Staatspräsident Dr. Edvard Benesch ausgelöst. Zu diesen gesetzgeberischen Akten und zur Regierungsarbeit wurde er durch das "Kaschauer Programm" ermächtigt.[...]« Zitiert nach: "www.mitteleuropa.de/benesch-d04.htm", Die Entrechtung der Sudetendeutschen durch die Benesch-Dekrete.

Die Unzufriedenheit der Sudetendeutschen machte sich Hitler zunutze. Er schürte den Konflikt mit Prag und erzwang im Oktober 1938 die Abtretung des Sudetenlandes und zerschlug 1939 die Tschechoslowakei. Böhmen und Mähren wurden als "Protektorat" dem Reich eingegliedert, während die Slowakei ein Vasallenstaat Deutschlands wurde.
Gegen die deutsche Besatzungsherrschaft erhob sich Widerstand; er wurde mit Terror beantwortet.

Vernichtungen und Verschleppungen durch Nazi-Deutschland

Nachdem die Tschechoslowakei ab September 1938 ihr gesamtes Grenzgebiet, das mehrheitlich von Deutschen bewohnt war, an dass Deutsche Reich übertragen hatte, fanden in den besetzten Gebieten »[...] zunächst Vertreibungen und Morde an Tschechen, sowie Massenmorde und Verschleppungen von tschechischen Juden und Sinti beziehungsweise Roma statt. Die darauf folgenden Vergeltungsaktionen, wie zum Beispiel Sabotageakte tschechischer Widerstandskämpfer, führten erneut zu grausamen Aktionen durch die Wehrmacht und die SS. [...] Am 31. Oktober 1938 erließ Hitler eine Richtlinie über die endgültige Liquidierung der Tschechoslowakei durch die Besetzung Rest-Tschechiens und die Abtrennung der Slowakei. [...]«
Am 15. März 1939 »[...] besetzte die Wehrmacht entgegen dem Münchner Abkommen und ohne Zustimmung der anderen Großmächte das restliche Tschechien mit Prag. Diese Gebiete wurden zum Reichsprotektorat Böhmen und Mähren erklärt.
[...] Von den rund 120.000 Juden der böhmischen Länder (davon rund 30.000 im sudetendeutschen Grenzgebiet, 90.000 im tschechischen Gebiet, dem späteren Protektorat) wurden rund 78.000 von den Nationalsozialisten ermordet. Weiters fanden Verschleppungen in das Konzentrationslager Theresienstadt (Terezín) und in andere Arbeitslager außerhalb des Protektorats statt. Zudem wurden etwa 8000 Tschechen ermordet, davon etwa 1700 während der Terrorwelle nach dem Heydrich-Attentat. [...]«
Zitiert nach: de.wikipedia.org, Geschichte der Tschechoslowakei

Im Zweiten Weltkrieg bildete Beneš in London eine Exilregierung, die von den Mächten der Anti-Hitler-Koalition anerkannt wurde. Nach Kriegsende wurde die Tschechoslowakei in ihren alten Grenzen wiederhergestellt, mit Ausnahme der Karpato-Ukraine, die die Sowjetunion annektierte. Fast 3 Millionen Sudetendeutsche wurden aus ihrer Heimat vertrieben, wobei mindestens 200.000 ihr Leben verloren.
Im erneuerten tschechoslowakischen Staat besaßen die Kommunisten unter Führung von Klement Gottwald (1896-1953) von Anfang an eine starke Stellung. Im Februar 1948 beseitigten sie durch einen Staatsstreich mit sowjetischer Rückendeckung das bürgerlich-demokratische System. Es folgten Jahre des stalinistischen Terrors.

Im Gefolge der "Entstalinisierung" bildete sich in der Parteiführung ein Reformflügel heraus, dem es Anfang 1968 gelang, den Staats- und Parteichef Antonín Novotný (1904-1975) zu stürzen. Die neue Führung mit dem Slowaken Alexander Dubček (1921-1992) an der Spitze erstrebte einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitzt". In ihrem Programm sah Moskau eine Gefahr für die kommunistische Herrschaft. Am 21.8.1968 marschierten Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei ein und machten dem "Prager Frühling" ein Ende. Die Vertreter des Reformkurses wurden entmachtet. Unter dem Schlagwort "Normalisierung" wurden alle Reformen rückgängig gemacht, mit einer Ausnahme: Eine Verfassungsänderung, die die Tschechoslowakei zu einem Bundesstaat aus zwei gleichberechtigten Republiken erklärte, blieb formal in Kraft.
Völlig ließen sich die oppositionellen Kräfte nicht unterdrücken. 1977 formierte sich eine Bewegung für Menschen- und Bürgerrechte, die "Charta 77", an der sich Václav Havel (* 1936; † 18.12.2011) beteiligte. 1989 setzte jenes politische Erdbeben ein, das den Kommunismus im ganzen Ostblock zum Einsturz brachte. Nach Demonstrationen auf dem Prager Wenzelsplatz trat am 24.11.1989 die kommunistische Parteiführung zurück; am 28.12. wurde Dubček, der zwanzig Jahre lang in "innerer Verbannung" gelebt hatte, zum Parlamentspräsidenten gewählt, und einen Tag später vereidigte er den neuen Staatspräsidenten - Václav Havel. Nach den ersten freien Parlamentswahlen brachen auch die lange unterdrückten nationalen Gegensätze auf. Der neuen "Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik" war nur ein kurzes Leben beschieden. Am 25.11.1992 stimmte das Bundesparlament dem Teilungsgesetz zu. Am 31.12.1992 hörte die Tschechoslowakei auf zu bestehen.

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Spindlermühle

Land und Bevölkerung

Das Landschaftsbild der Tschechischen Republik wird aufgebaut von den beiden Großlandschaften Böhmen und Mähren. Böhmen, das Kernland im Westen der Republik, bildet ein abwechslungsreiches Mosaik aus Berg- und Hügelketten, Becken und Senken, das mit Ausnahme des Südostens von allen Seiten von Mittelgebirgen umsäumt wird. Im Südwesten erhebt sich der Böhmerwald bis zu einer Höhe von fast 1400 m. Weiter im Norden erstreckt sich das Erzgebirge mit einer Vielzahl sprudelnder Heilquellen. Obwohl einige Kurorte dem Braunkohlenbergbau weichen mussten, gibt es in der Republik noch immer über 50 Badeorte, wie z.B. Franzensbad, wo die Moorbäder erfunden wurden, Karlsbad und Marienbad.

Im Osten erheben sich die dicht bewaldeten Sudeten mit dem sagenumwobenen Riesengebirge und der Schneekoppe (1602 m). Das Innere Böhmens besteht aus einer sanften Hügellandschaft, unterbrochen von flachwelligen Hochflächen und Becken: Im Norden die Tafel- und Schichtstufenlandschaften der Nordostböhmischen Kreidetafel, im Süden die Becken von Pilsen, Budweis und Wittingau.

Die Hügel und Berge Mährens trennen Böhmen von der Slowakei. Im Norden erstrecken sich das rauhe Altvatergebirge - auch Hohes Gesenke genannt - und das niedere Mährische Gesenke, das mit dem Becken von Ostrau ins schlesische Kohlenrevier hineinreicht. Der relativ flache mittlere Teil Mährens wird intensiv von der Landwirtschaft genutzt.
Bereits zur Zeit der Habsburger Monarchie waren Böhmen und Mähren wichtige Industrieregionen. Die Glasmacherkunst ist der traditionelle jahrhundertealte Industriezweig im nördlichen Böhmen. Auch heute noch ist Böhmisches Glas für seine Qualität bekannt und wird in die ganze Welt exportiert.
Die Skoda-Werke in der westböhmischen Stadt Pilsen sind ein weltweit bekanntes Maschinenbauunternehmen, das 1859 gegründet wurde. Im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen entstanden 1991 zwei eigenständige Firmen, das Maschinenbauunternehmen mit Sitz in Pilsen und das Automobilunternehmen mit Sitz in Jungbunzlau, eine Tochtergesellschaft der Volkswagen AG.
Weltweit bekant sind auch die Bierbrauereien in Pilsen, Prag und Budweis (z.B. "Budweiser" und "Pilsener Urquell").
Die Tschechen stellen 94% der Gesamtbevölkerung. Die Slowaken sind mit 320.000 Angehörigen die stärkste Minderheit. Neben Polen, Ungarn, Ukrainern, Russen und Roma (rd. 270.000) haben noch 49.000 Deutsche ihre Heimat in der Tschechischen Republik.
Die stärksten Bevölkerungskonzentrationen weisen der Großraum Prag, die Region um Brünn sowie die Industriezonen Nordböhmens und Nordmährens auf. Die verstärkte Industrialisierung der letzten Jahrzehnte hat den Anteil der städtischen Bevölkerung auf zwei Drittel ansteigen lassen. Am dünnsten besiedelt ist der Böhmerwald im Südwesten. Aufgrund der niedrigen Geburtenrate gab es in den 1990er Jahren einen geringfügigen Bevölkerungsrückgang.
Mehr als ein Drittel der Tschechen gehören der römisch-katholischen Kirche an. Daneben gibt es noch Altkatholiken und Katholiken mit byzantinischem Ritus, eine große Bandbreite an protestantischen Glaubensgemeinschaften, darunter die Böhmischen Brüder und die Hussiten, sowie die orthodoxe Kirche.

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Prag

Prag, Hauptstadt und größte Stadt der Tschechischen Republik, wird oft als "Goldene Stadt" bezeichnet. Dieser Name umschreibt die außergewöhnliche Schönheit der Stadt mit ihren prächtigen Bauten und ihrer einzigartigen Lage. Wie durch ein Wunder ist die Altstadt Prags im Zweiten Weltkrieg weitgehend vom Bombenhagel verschont geblieben. Die Stadt erstreckt sich entlang der Moldau und hat eine Bevölkerung von ca. 1,2 Millionen. Prag ist nicht nur ein wichtiges kulturelles Zentrum, sondern auch eines der größten Industriezentren des Landes.

Wenzelsplatz
Burgwache

Ursprung
Der Sage nach soll Prag um 800 von der Fürstin Libussa gegründet worden sein, die, auf einem felsigen Hügel über dem rechten Ufer der Moldau stehend, die Vision von einer glanzvollen Stadt gehabt haben soll. An dieser Stelle wurde im 10. Jahrhundert die Festung Wyschehrad (tschechisch: Vyšehrad) gebaut. Der eigentliche Siedlungskern von Prag liegt jedoch auf dem gegenüberliegenden Flussufer. Ende des 9. Jahrhunderts errichteten die Přemysliden-Fürsten eine große Festung auf dem Hradschin (Burgberg), der bis heute das Bild der Stadt beherrscht.
Bis 1784 bestand das heutige Prag offiziell aus vier eigenständigen Städten: Hradschin, Altstadt, Kleinseite und Neustadt. Die Altstadt (Staré město) liegt am rechten Moldauufer gegenüber dem Hradschin. Sie entwickelte sich als Kaufmannssiedlung am Schnittpunkt wichtiger Handelsrouten.

Mit Beginn des 13. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung aufgrund des Zustroms deutscher Siedler. Innerhalb der Altstadt lebte auch eine große jüdische Gemeinde. Nach dem 13. Jahrhundert wurde sie in ihr ummauertes Getto zurückgewiesen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Getto abgerissen und die Josephstadt aufgebaut. Eine der erhaltenen Synagogen ist die Altneusynagoge.
Zwischen Hradschin und Moldau gründete Ottokar II. Přemsyl 1257 die Kleinseite (Malá Strana). 1348 schuf Karl IV. die Neustadt (Nové město), die sich südlich der Altstadt zur Burg Wyschehrad hinabzieht. Heute ist die Neustadt das Geschäftsviertel von Prag. Hier liegt auch der Wenzelsplatz, ein breiter Boulevard mit Hotels und Läden.

Prag
Karlsbrücke

Das "Goldene Zeitalter"
Unter Karl IV., König von Böhmen und später römisch-deutscher Kaiser, trat Prag als glanzvolle Stadt in Erscheinung. Sie wurde ein bedeutendes wirtschaftliches und politisches Machtzentrum sowie ein international anerkannter kultureller Mittelpunkt. 1348 gründete Karl die Karlsuniversität, die erste Universität Mitteleuropas. An seinen Hof kamen berühmte Künstler, Literaten und Wissenschaftler, wie der italienische Dichter Petrarca (1304-1374). Der deutsche Baumeister Peter Parler (1330-1399) vollendete den Chor des von Matthias von Arras begonnenen Baus des St.-Veits-Doms auf dem Hradschin. Parler baute auch eine der berühmtesten Brücken Europas, die Karlsbrücke.

Prags Blütezeit reichte bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Im späten 16. Jahrhundert machte der Habsburger König Rudolf II. Prag zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften. Er holte führende Astronomen wie Johannes Kepler (1571-1630) und Tycho Brahe (1546-1601) nach Prag. Die Magie hat in der Geschichte Prags stets eine wichtige Rolle gespielt. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Prag zu Rudolfs Zeiten, Rabbi Löw, soll hier einen künstlichen Menschen, den Golem, geschaffen haben. Und es war auch in Prag, wo der legendäre Dr. Faustus seine Seele verkaufte und wo Mozart seine Oper "Die Zauberflöte" komponierte.
Religionskriege und Kämpfe zwischen den Habsburgern und dem tschechischen Adel führten zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Verwüstung der Stadt. 1618 löste der 2. Prager Fenstersturz und die folgende Auseinandersetzung zwischen böhmischen Adligen und den Vertretern des Habsburger Königs den verheerenden Dreißigjährigen Krieg aus. Der Sieg sowohl der Habsburger wie auch der römisch-katholischen Kirche führte im späten 17. Jahrhundert zu einem intensiven Wiederaufbau, der der Stadt ihr heutiges Erscheinungsbild gab.

Moderne Zeiten
Während in den Nachbarstädten Wien und Budapest im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert breite Prachtstraßen und beeindruckende Luxuswohnblocks errichtet wurden, blieb das alte Zentrum Prags unverändert. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebte die Stadt kulturell wieder auf. Hier schrieb Franz Kafka (1883-1924) seinen Roman "Das Schloß" und traf sich mit seinen Freunden Max Brod und Franz Werfel im Kleinseitner Kaffeehaus. Die bedeutenden Ereignisse der jüngsten tschechischen Geschichte fanden stets auf den Straßen Prags statt. Im Jahr 1968 rollten sowjetische Panzer durch die Stadt, um den kurzen "Prager Frühling" unerbittlich niederzuschlagen. 1989 jedoch drängten sich die Massen voller Hoffnung auf dem Wenzelsplatz, als das kommunistische Regime abdankte und die Tschechoslowakei zur Demokratie zurückkehrte.

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Kultur

Kunst und Politik waren in Böhmen und Mähren immer eng verbunden. Jüngerer Beweis hierfür war 1990 die Wahl Václav Havels zum Staatspräsidenten der 1992 aufgelösten Republik (Präsident bis 2003). Durch die tschechische Kultur zieht sich eine liberale und humanistische Strömung. Viele Künstler zeigten in der Geschichte der Tschechoslowakei ihre äußerst menschlichen Anliegen, indem sie die kleinen Ereignisse des täglichen Lebens zum Thema machten. Schriftsteller haben dies oft mit einer charakteristischen tschechischen Liebe zum absurden Humor und leisen Spott verbunden.

Literatur
Der moderne Held der tschechischen Literatur ist Schwejk, eine Figur des Schriftstellers Jaroslav Hašek (1883-1923). Der schäbig gekleidete Schwejk verkauft nach seiner Entlassung aus der Armee als "amtlich beglaubigter Schwachkopf" Hunde. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird er wieder eingezogen. Er macht einen dummen Eindruck, jedoch gelingt es ihm, die gesamte militärische Maschinerie durcheinanderzubringen und lächerlich zu machen.
Für Hašek war Schwejk ein Mann, dessen bescheidene Erfolge letzten Endes wichtiger waren als jene Alexanders des Großen. Hašek selbst war eine schillernde Persönlichkeit. Er griff in seinen Werken geschickt die österreichische Herrschaft in der Tschechoslowakei an. Hašek schuf sogar eine Parodie einer politischen Partei, "Die Partei des Gemäßigten Fortschritts innerhalb der Gesetzesgrenzen". Ständig spielte er aufsehenerregende Streiche. Zum Beispiel trug er sich einmal in das Gästebuch eines führenden Prager Hotels als "Spion" ein. Innerhalb weniger Minuten war das Hotel von Soldaten umringt. Als er nach den Gründen für seine Tat gefragt wurde, antwortete er, dass er die Tüchtigkeit des österreichischen Geheimdienstes habe testen wollen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Historiker und Philosoph Tomáš Garrigue Masaryk erster Staatspräsident der neuen Tschechoslowakischen Republik. Masaryks Regierung förderte die Kunst in ganz besonderem Maße. Unter der deutschen Besatzung und später unter dem Stalinismus übernahm die Kunst dann einmal mehr ihre umstürzlerische Rolle.
Die bürokratischen Absurditäten der sozialistischen Führung lieferten den tschechischen und slowakischen Schriftstellern genügend Stoff für ihre Werke. Ihr Humor wurde das beste Mittel, um mit der humorlosen Bürokratie zurechtzukommen.
Von den tschechischen Schriftstellern der 1950er Jahre ähnelt Bohumil Hrabal (1914-1997) Hašek am meisten. Wie Hašek fand Hrabal viele seiner Themen in den Cafés und Wirtshäusern Prags. Seine sehr phantasiereichen und witzigen Stücke standen nicht in Einklang mit der offiziellen Politik und wurden daher selten veröffentlicht. Wie viele andere Schriftsteller arbeitete Hrabal in einer Vielzahl von Berufen, vom Straßenkehrer bis zum Gepäckträger. Dies gestattete ihm einen genauen Einblick in die Alltagswelt der Bürger.
Jazzmusik, Literatur, Theater und Film fanden sich in den 1960er Jahren zusammen und schufen eine Stimmung aus großem Optimismus und Lebensfreude, die im "Prager Frühling" von 1968 ihren Höhepunkt fand. Jazz, von den Nationalsozialisten sowie den Stalinisten als dekadent abgetan und bekämpft, wurde ein tschechisches Symbol für Freiheit. Er inspirierte Josef Škvorecký zu seinem Roman "Das Baßsaxophon" (1963), in dem es um den Widerstand des einzelnen gegen graue Gleichförmigkeit geht. Prags "Theater am Geländer", wo die Uraufführung von Havels ersten Stücken stattfand, wurde zu einem wichtigen Treffpunkt der tschechoslowakischen Dissidenten.

Der tschechische Film
Es war vor allem das Kino, das die Weltöffentlichkeit auf die neue tschechische Lebensfreude aufmerksam machte. Einer der führenden tschechischen Filmemacher jener Zeit, Jiří Menzel, wurde durch die Werke Hrabals zu seinen besten Filmen inspiriert. Menzels "Liebe nach Fahrplan", das auf einer Novelle von Hrabal beruht, bekam 1966 den Oscar als bester ausländischer Film.
Menzels Zeitgenosse Miloš Forman drehte "Die Liebe einer Blondine" (1965) und "Der Feuerwehrball" (1967). Beide beschreiben auf satirische Weise das Kleinstadtleben sowie die vergeblichen Bemühungen der Behörden, für menschliche Probleme rein rationale Lösungen zu finden.
Forman, Škvorecký und andere Talente mussten nach dem sowjetischen Einmarsch 1968 das Land verlassen. Obwohl offiziell zum Schweigen gebracht, spielte die Kunst weiterhin eine wichtige Rolle in der politischen Entwicklung. Die Charta 77, das Manifest zur Anerkennung der Bürgerrechte, wurde von beinahe allen im Land verbliebenen Intellektuellen und Künstlern unterzeichnet.

Die "Samtrevolution"
Bis 1989 war das literarische Schaffen Reglementierungen ausgesetzt. 1989 bildete das Theater Laterna Magica in Prag auch politisch eine Bühne - für die demokratische Evolution der Tschechoslowakei. Das Theater, 1958 gegründet, ist bekannt für seine einfallsreichen Stücke, die durch die Kombination von Schauspiel mit Lichtbildprojektionen bestechen. Obwohl es immer mehr zu einer beliebten Touristenattraktion wurde, fanden in den Räumen hinter der Bühne auch gutbesuchte Zusammenkünfte systemkritischer Künstler und Schriftsteller statt. Von hier zogen Ende 1989 Václav Havel und Alexander Dubček auf den Wenzelsplatz und verkündeten den Erfolg der friedlichen Revolution, die mit typischer tschechischer Hintergründigkeit "Samtrevolution" genannt wird.

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Entwicklungen

Weltweit unrühmliches Aufsehen erregte die Stadt Ústí nad Labem (Aussig) im Oktober 1999, als die Stadtverwaltung eine Mauer bauen ließ, um Roma von anderen Bewohnern abzuschotten. Nach Protesten, auch von der EU, wurde der Wall wieder abgerissen und an den Zoo verkauft.
Weiteres Ärgernis der EU, vor allem der Mitgliedsländer Deutschland und Österreich, ist das Atomkraftwerk Temelín, das Prag nicht schließen will, sondern nach aufwendigen Sicherheitsarbeiten im September 2000 wieder anfuhr. Bezogen auf den Nettostrombedarf in Tschechien ist das Land mit dem Betrieb der Anlage Temelin heute der größte Stromexporteur der EU.

Tschechien ist seit dem 1. Mai 2004 Mitglied der EU. Zuvor hat das Land fast alle EU-Richtlinien in nationales Recht umgesetzt. Es erzielte 2005 wie auch 2006 ein BIP-Wachstum von 6,1%.
Im Zuge der internationalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ab 2007 musste auch Tschechien einen massiven Einbruch seiner wirtschaftlichen Potenz hinnehmen. Ab 2009 wuchs die Wirtschaftskraft nur noch um 1,3% bis 2%, bzw. stagnierte. Ab Ende 2011 geriet Tschechien in die Rezession, die auch im Mai 2013 nicht überstanden war (die längste Rezession seit der Gründung des Staates vor 20 Jahren).

"Jahrhunderthochwasser"
Im Sommer 2002 wurden weite Teile Tschechiens von einem "Jahrhunderthochwasser" heimgesucht, das Schäden in Höhe von etwa 3,3 Milliarden EURO verursacht und 17 Menschen das Leben gekostet hat. 446 Ortschaften wurden überflutet, davon 99 vollständig. Direkt betroffen wurden davon 1,33 Mio. Menschen, 200.000 davon wurden evakuiert. Bis auf Orlík und Slapy wurden die Maschinenhäuser aller Moldauer Wasserkraftwerke überflutet. Die Prager U-Bahn war noch monatelang außer Betrieb. Unweit vom Zusammenfluss der Moldau mit der Elbe wurde in Neratovice das größte tschechische Chemie- und Pharmawerk überflutet und von dort sowohl Abfälle als auch Betriebsstoffe weggeschwemmt.

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2020: Corona - SARS-CoV-2 - Covid-19 - Pandemie

Aufgrund einer globalen Pandemie, ausgelöst durch den sogenannten "neuen Virus" Covid-19 (Coronavirus) werden ab 2020, beginnend in der chinesischen Region Hubei und ab März u.a. in Europa und den USA die Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Es gibt Grenzschließungen, Reisebeschränkungen, Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen, Kontaktverbote, Aufrufe zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum nächsten Menschen von 2 Metern, entsprechende Markierungen in Supermärkten, Gesichtsmaskenpflicht, Aufrufe "Wir bleiben Zuhause" usw..
Auch Tschechien hat ab 13. März Schutzmaßnahmen verordnet. Das öffentliche Leben wurde massiv eingeschränkt. Nachdem das Prager Amtsgericht am 24. April bestimmte Corona-Einschränkungen für rechtswidrig erklärt hatte, machte die tschechische Regierung binnen Stunden alle Bewegungseinschränkungen rückgängig, was auch die Öffnung der Grenzen bedeutete. Ebenso wurden die Geschäfte wieder geöffnet.
Wenn auch die Menschen sich im Land nun wieder frei bewegen können, verlängerte die Regierung den Notzustand bis 25. Mai. Wie es von Seiten der Regierung heißt, nützen offene Grenzen wenig, wenn die Nachbarländer ihre Grenzen geschlossen halten. Von den Nachbarländern erlaubt nur Österreich die Einreise, das aber nur, wenn die Reisenden einen negativen Coronatest vorlegen können, der nicht älter als vier Tage ist.
Bis zum 14. Mai 2020 hatten sich offiziellen Angaben zufolge rund 8.200 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 290 Menschen starben angeblich daran.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1420 f.

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www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona
 Islam
 Die Neue Weltordnung

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