San Marino

[San Marino] [Literatur] [www-Links]


Translate this page
Offizieller Name: Republik San Marino
Hauptstadt: San Marino
Fläche: 61 km²
Landesnatur: Bergland am Osthang des Apennin
Klima: Gemäßigtes mediterranes Klima
Höchster Punkt: Monte Titano 755 m
Tiefster Punkt: Am Fluss Ausa 50 m
Hauptflüsse: Ausa, Marano
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: 2 jeweils 6 Monate "regierende Kapitäne" ("Capitani reggenti")
Verwaltung: 9 Kirchengemeinden (Castelli)
Parlament: Parlament ("Consiglio Grande e Generale") mit 60 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 3. September (legendäre Staatsgründung 301 durch den Eremiten Marinus)
Einwohner: 26.000 (1999); 32.471 (Dezember 2012)
Bevölkerungsdichte: 532 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 96% (1999)
Sprache: Italienisch (Amtssprache), Emiliano-Romagnola
Religion: Katholiken 95%
Exportgüter: Briefmarken, Bausteine, Wein, Keramik, handwerkliche Produkte

San Marino ist mit nur 61 km² die kleinste Republik Europas und eine der ältesten der Welt. Sie liegt rund 30 km von Rimini an der italienischen Adria entfernt zwischen der Provinz Forli, der alten Romagna, im Norden, und dem Montefeltrogebiet in der Provinz Pesaro-Urbino im Süden. Das Staatsgebiet umfasst den bis zu 755 m hoch ansteigenden Monte Titano im Apennin, einen Kalkfelsen mit steil abfallender Ostwand, und die umliegenden Hügel.
Die Bewohner der Republik haben es verstanden, im Schatten naher Kleinstaaten die Unabhängigkeit ihres Bergländchens seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Klosters San Marino im Jahre 885 über Jahrhunderte fast ununterbrochen gegen alle Machtansprüche zu behaupten.
Diese Selbständigkeit wurde schon in einem Dokument des 10. Jahrhunderts bezeugt. Die 1263 beschlossene Verfassung wurde bis heute bewahrt. Vielleicht hat der Schutzheilige Marinus (Marinus von Rimini), ein während der Christenverfolgung des römischen Kaisers Diokletian hierher geflüchteter Steinmetz aus Dalmatien, der die Siedlung im Jahre 301 gründete, seine Hand über dieses Gemeinwesen gehalten. Nachweislich bestand seit dem 13. Jahrhundert die Schutzherrschaft des Grafen von Urbino. Die Unabhängigkeit wurde San Marino sowohl von Papst Urban VIII. im Jahre 1631 als auch von Napoleon I. im Jahre 1797 und dem Wiener Kongress von 1815 bestätigt.

San Marino

Im Zug der nationalen Einigung Italiens verband sich San Marino 1862 in einer bis heute geltenden Zollunion mit dem Königreich und stellte sich unter seinen Schutz, ohne sich ihm anzuschließen. Dieser Status wurde 1897 in einem "Freundschaftsvertrag" mit Italien besiegelt und letztmals 1971 erneuert.
Rund 13.000 Bürger leben in der Republik, etwa noch einmal so viele Sanmarinesen wohnen außerhalb ihres Staates, meist in Italien. Rund ein Fünftel leben in der Hauptstadt San Marino, die übrigen verteilen sich auf die weiteren neun Distrikte. Das Parlament, der Consiglio Grande e Generale, besteht aus 60 Abgeordneten, die jeweils für fünf Jahre gewählt werden.

Erst seit den 1960er Jahren dürfen auch Frauen in San Marino wählen. Die Funktion des Staatsoberhaupts üben zwei, jeweils für sechs Monate durch den Consiglio gewählte Kapitän-Regenten (Capitani reggenti) aus. Das Parteienspektrum entspricht weitgehend jenem in Italien. Die Regierung wird im Congresso di Stato geführt, dem Staatskongress, dem zehn Mitglieder, die Staatssekretäre, angehören. Seit den Wahlen 1998 regiert eine Koalition aus Christdemokraten und Sozialistischer Partei.

So gleicht vieles, angefangen von der Sprache über Geburtenrate und Lebenserwartung bis hin zu den öffentlichen Einrichtungen den Verhältnissen in Italien. Es gilt auch dieselbe Währung wie in Italien, doch hat San Marino das Recht der eigenen Münzprägung und des Drucks von Briefmarken. Steuervorteile erleichtern das Leben und haben dazu geführt, dass mehr als 2500 Firmen registriert sind.
Italien leistet Ausgleichszahlungen dafür, dass die Republik ihre Unabhängigkeit wirtschafts- und finanzpolitisch nicht zu sehr ausnutzt und so ihre Souveränität nicht zum Schaden Italiens gebraucht.

San Marino Briefmarke

Die Bevölkerung lebt überwiegend von der Landwirtschaft, die wie im benachbarten Italien vor allem Weizen, Wein, Olivenöl und Käse produziert. In kleinen und mittleren Betrieben werden Keramik, Textilien und kunsthandwerkliche Gegenstände hergestellt.
Der Fremdenverkehr bildet die Haupteinnahmequelle. Jährlich kommen über 2 Millionen Touristen in die Zwergrepublik und kaufen als Andenken Schmuck und Keramik, Briefmarken und den süßen Moscato-Wein. Besonders groß ist der Andrang am Nationalfeiertag, dem 3. September, wenn Umzüge in mittelalterlichen Kostümen in der malerischen Hauptstadt stattfinden. Sehenswert sind vor allem die Kirche San Francesco und die im Jahre 1836 im neoklassischen Stil erbaute Basilika San Marino mit den Reliquien des Schutzheiligen Marinus sowie der Palazzo del Governo, der toskanisch-gotische Regierungspalast an der Piazza della Libertà. Von den Festungen, die im 11. und 13. Jahrhundert auf den drei Gipfeln des Monte Titano angelegt worden sind, hat man einen weiten Blick zum Meer und ins italienische Landesinnere.

FAZ.Net -- 8. Januar 2007:

Der Große Preis von San Marino
Der Große Preis von San Marino ist traditionell nach den ersten Überseerennen der Auftakt zur Europa-Saison in der Formel-1, der Königsklasse der Autorennen. Die Bezeichnung Großer Preis von San Marino aber täuscht - das Rennen findet nicht in dem Zwergstaat statt, sondern ist das zweite Rennen, das auf italienischem Boden ausgetragen wird. Ein Streit, der auf das Jahr 1980 zurückgeht, ist Ursache dieses Kuriosums: Der Große Preis von Italien wechselte von Imola (Stadt in Norditalien, Provinz Bologna) nach Monza. 1981 wurde Imola allerdings wieder ein Grand Prix zugestanden. Da nur ein Rennen pro Saison unter dem Namen eines Landes ausgetragen werden darf, hat San Marino die Patenschaft für das Rennen inmitten der Hügel der Emilia Romagna übernommen.

1952 ließ Enzo Ferrari, Gründer der Scuderia Ferrari, die erste Testfahrt in Imola starten. Seitdem ist das «Autodromo Enzo e Dino Ferrari» immer wieder Schauplatz hochklassiger Autorennen gewesen. Doch der Kurs in Imola ist auch eng verbunden mit schrecklichen Katastrophen: 1994 verloren innerhalb weniger Stunden der Österreicher Roland Ratzenberger und der Brasilianer Ayrton Senna bei Unfällen ihr Leben. Die Streckenführung wurde danach erheblich entschärft, ist aber noch immer ein Kurs der Gegensätze. Langgezogene und schnelle Kurven folgen dem Verlauf des kleinen Flusses «Santerno». Gegenüber führt eine Kombination von langsamen Kurven durch einen Weinberg. Von der Idylle bekommen die Fahrer, die auf dem Kurs entgegen des Uhrzeigersinns fahren, allerdings nicht viel mit - ihre Sorge gilt auf den 305,609 Kilometern hauptsächlich den Bremsen, die ungewöhnlich stark beansprucht werden. Im vergangenen Jahr fuhr Michael Schumacher (Ferrari) nach einer sensationellen Aufholjagd von Startplatz 13 noch auf Rang zwei. Es gewann Fernando Alonso (Renault).
(Stand: Februar 2006)
Seit 2007 gibt es keinen Großen Preis von San Marino mehr, da die Anlage von Imola den Anforderungen nicht mehr entspricht.

Der Zwergstaat machte nicht nur mit den jährlichen Formel-1-Rennen in Imola von sich reden, sondern auch immer wieder durch geschickte Manöver. So kam er der OECD zuvor, die in einer "schwarzen Liste" illegale Praktiken von Steueroasen veröffentlichen wollte: San Marino versprach schon vorab, fragwürdige Steuerprivilegien bis 2005 zu beseitigen.

San Marino trauert um den Fußballstar Crescentini
Federico Crescentini ist im Alter von 24 Jahren gestorben. Der Nationalspieler San Marinos ertrank am Freitag, den 15 Dezember 2006, im Urlaub in Acapulco, Mexiko.

San Marino spielte 2008 um die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft. Gegen die deutsche Nationalmannschaft hat San Marino mit 13:0 verloren.

»[...] Finanzplatz: San Marino rangiert auf der "grauen Liste" der OECD von Staaten, die sich bei der Bekämpfung von Steuerkriminalität nur bedingt kooperativ verhalten (...). Mit Erleichterung wurde registriert, dass die Finanzminister der EU (Ecofin-Rat) am 3.6.2009 keine Ausweitung oder Verschärfung der EU-Zinssteuerrichtlinien beschlossen. Das Finanzsystem der Republik umfasst zwölf Banken und 59 Finanzierungsgesellschaften. Die mit einer Niederlassung in San Marino verbundenen steuerlichen Vorteile nutzen derzeit ca. 6000 v.a. in Italien operierende Unternehmen. Unter heftigen öffentlichen Kontroversen ermittelte die Staatsanwaltschaft von Forlì (Italien) seit Frühjahr 2008 gegen sammarinenser Bankmanager wegen des Verdachts der Finanzmanipulation und Geldwäsche; betroffen davon war auch der Vorstandschef der Cassa di Risparmio, des bedeutendsten Finanzinstituts des Kleinstaats, dessen Finanzen sie mit verwaltet. Am 4.5.2009 wurden fünf Manager der Cassa di Risparmio und ihr verbundener Institute festgenommen.«

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 432.

»[...] San Marino galt bis Januar 2010 offiziell als Steueroase. [...] Im Zuge der verschärften internationalen Bekämpfung der Steuerhinterziehung wurde San Marino im Rahmen des G-20-Gipfeltreffens vom 2. April 2009 in London durch die OECD als Steueroase eingestuft, die sich dem internationalen Steuerstandard in Bezug auf Einkommen- und Vermögensteuern verpflichtet hat, diese aber noch nicht umgesetzt hat.[...] Nachdem das Land im Januar 2010 die von der OECD geforderte Mindestanzahl von zwölf bilateralen Steuerabkommen erreicht hatte, wurde es von der OECD als Staat eingestuft, die die internationalen Steuerstandards weitgehend umgesetzt haben.[...] Weiterhin kein bilaterales Steuerabkommen besteht unter anderem mit Deutschland, den Vereinigten Staaten und Italien.[...] So dient San Marino weiterhin als bedeutende Drehscheibe für die Hinterziehung von Einkommens-, aber auch Mehrwertsteuern italienischer Personen und Unternehmen.[...]«
Ab 2017 ist auch das einst streng gehütete Bankgeheimnis Geschichte.
Zitat: de.wikipedia.org, San Marino

up

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1232 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona
 Neue Weltordnung
 Italien

up