Portugal

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Offizieller Name: Portugiesische Republik
Hauptstadt: Lissabon
Fläche: 91.982 km² (einschließlich Azoren 2352 km² und Madeira 795 km²)
Landesnatur: Im N Gebirgsland, weiter südlich Mittelgebirge, im W Tiefland des Tejo und Sado, im S Hügelland von Alentejo und Algarve
Klima: Ozeanisch beeinflusstes Klima, nach S zunehmend mediterran
Hauptflüsse: Tejo (Tajo), Guadiana, Mondego, Douro (Duero), Sado
Höchster Punkt: Malhão 1993 m (Serra da Estrela) bzw. Pico do Pico 2351 m auf den Azoren
Einwohner: 9.873.000 (1999); 10.561.614 (März 2011); 10,6 Millionen (2018)
Bevölkerungsdichte: 107 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 38% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 17% (1999)
Analphabetenquote: 8% (1999)
Sprache: Portugiesisch
Religion: Katholiken 90%
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 18 Verwaltungsbezirke, 2 autonome Regionen
Parlament: Nationalversammlung mit 230 für 4 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 10. Juni (Todestag des Nationaldichters Luiz de Camões 1580)

Portugal hat dem Fremden viel zu bieten. Dies gilt für den internationalen Tourismus ebenso wie für Industrie, Wirtschaft und Kultur, Sport und, last not least, für Gourmets und Weinliebhaber.
Dem freundlichen Portugiesen ist jeder Besucher willkommen; auch für den weniger Begüterten öffnen sich die Türen, zumal der bescheiden lebende Durchschnitt der Bevölkerung eher mitfühlend ist und kein neidvolles Statusdenken kennt. Auf dem Lande, beim einfachen Bürger, wie bei den Fischern, wird Gastlichkeit groß geschrieben. Doch auch der anfänglich introvertiert wirkende Großstädter ist immer hilfsbereit.
Er wird aufgeschlossener, wenn man ihm nicht mit Überheblichkeit begegnet, wenn er geachtet wird und eine gute Kinderstube spürt.
Was andere Völker in der Schule lernen müssen, haben die Lusitanier im Blut: Kultur. Sie ist gepaart mit einem gesunden Nationalbewusstsein und Patriotismus. Dabei sind sie gleichzeitig ziemlich formalistisch veranlagt, was den Hang zur Bürokratie sehr fördert.

Folkloristisch ist Portugal geradezu eine Fundgrube. Es präsentiert sich je nach Region mit besinnlichen, heiteren und schwermütigen Gesängen. Tänzer und Tanzgruppen in ihren farbenprächtigen, in Handarbeit kunstvoll bestickten Trachten vermitteln in ihrer Laien-Choreographie ein ungebrochenes Heimatgefühl.
In den Liedern und ausdrucksvollen Chören offenbaren sich Stolz und Heimatverbundenheit. Abertausende sind arm und gehen deshalb als Gastarbeiter in andere Länder; aber sie kommen mit ihren Ersparnissen meistens zurück, um sich für den Lebensabend das eigene Haus "na minha terra" (meine eigene Heimat) zu bauen.

Fast jeder Ort hat seinen eigenen Ortsheiligen, der an seinem bestimmten Festtag verehrt wird. Die höchsten Ehren genießt aber "Maria, Muttergottes vom Rosenkranz" im bedeutenden katholischen Wallfahrtsort Fátima im Distrikt Santarém. An den jährlich allerwichtigsten Festtagen von Fátima am 13. Mai und 13. Oktober pilgern über eine Million Gläubige aus aller Welt dorthin, um das Erlebnis von drei Hirtenkindern nachzuempfinden. Diese hatten nach ihrer Erzählung am 13. der Monate Mai bis Oktober 1917 eine Marienerscheinung.

Doch wer Portugal bereist, wird feststellen, dass er nicht nur einer Gegenwartskultur begegnet. Zahlreiche Ruinen aus antiker Zeit erinnern an die römische Besatzung und im Hafen von Lissabon steht der Besucher vor dem Denkmal Heinrichs des Seefahrers, jenes Mannes, der im 15. Jahrhundert mit den Entdeckungsfahrten die Voraussetzungen für Portugals Aufstieg zur kolonialen Weltmacht schuf. Das Erbe dieser Zeit hat Portugal sich bis heute bewahrt. Eine kulturelle Renaissance, die ihresgleichen sucht, verdankt die Republik der Gulbenkianstiftung, die der armenische Erdölmagnat Calouste Sarkis Gulbenkian (1869-1955) 1955 in Lissabon gründete.

Landesnatur

Portugal nimmt den atlantischen Saum der Iberischen Halbinsel ein. Vom unteren Minho, der im Norden die Grenze gegen Spanien bildet, erstreckt sich das Land in einem 150 bis 200 km breiten Streifen nach Süden über die Westabdachung des Iberischen Hochlands, die Meseta. Als Fortsetzung des Kastilischen Scheidegebirges durchzieht im mittleren Abschnitt die Serra da Estrela mit ihren Ausläufern das Land und gliedert es in einen nördlichen Teil, zu dem das gebirgige Hochportugal und das mittelportugiesische Hügel- und Küstenland zählen, sowie in das vorwiegend flache bis hügelige Südportugal.

Nordportugal
Der nördliche Teil Hochportugals zwischen den Flüssen Minho und Douro bildet die Fortsetzung des kristallinen Berglands von Galicien, das zu welligen bis hügeligen Rumpfflächen abgetragen ist, die durch Flüsse stark zertalt sind. Vor allem der Douro hat sich tief eingeschnitten und bildet ein enges, sonnenbeschienenes Tal, an dessen steilen, terrassierten Schieferhängen die Reben für den berühmten Portwein angebaut werden. Wiesen und Felder, im Wechsel mit Eichen- und Buchengehölzen, bedecken die niedrig und mittelhoch gelegenen Flächen in der küstennahen Region mit ihren vielen kleinen Weilern und Dörfern.

In dem höher gelegenen, winterkalten Bergland von Trás-os-Montes e Alto Douro im Nordosten sind dagegen meist nur die Sohlen und Flanken der Täler intensiv bebaut, während die Hochflächen zwischen 500 und 750 m vielfach Buschwald und ausgedehnte, öde Heiden tragen. Südlich des Douro setzt sich Hochportugal in der sanft nach Westen einfallenden Rumpffläche von Beira fort, einem 600 bis 1000 m hohen, von Olivenhainen und Macchien bedeckten Berg- und Hügelland. Den Abschluss gegen Südportugal bildet die stark herausgehobene Gebirgsscholle der Serra da Estrela, deren völlig kahle, eiszeitlich überformte Granithöhen bis fast 2000 m aufragen.
Dem Berg- und Hügelland von Beira ist westlich eine breite, von 200 m Höhe sanft zum Meer hin abfallende Küstenebene vorgelagert, die in einer dünenbesetzten Lagunenküste endet. Reisfelder nehmen die flachen überschwemmbaren Talauen ein; auf dem trockeneren, höheren Gelände liegen Getreidefelder, deren Ackerraine zum Schutz vor Winderosion mit Baumreihen bepflanzt sind. Das Hügelland von Estremadura prägen große Dörfer inmitten von Olivenhainen, Wein- und Getreidefeldern. Olivenbäume, Rebstöcke, Fruchtgärten, Weizen- und Reisfelder bedecken auch das zu den fruchtbarsten Gebieten Portugals zählende Tiefland des Ribatejo, ein weites, von Meeresablagerungen erfülltes Senkungsfeld am unteren Tejo. Eine Folge der bisher noch nicht zum Stillstand gekommenen Absenkung dieses Gebietes sind häufige Erdbeben.

Boom-Festival

Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde das Boom-Festival 2020 auf 22. - 29. Juli 2021 verlegt.

Love & Peace
am See Albufeira da Barragem de Mal Carmona in der Provinz Idanha-a-Nova

Musik: Elektronik, Weltmusik, Akustik, Live-Bands auf mehreren Bühnen; außerdem: Kunstgalerie, Skulpturen, Straßentheater, Yoga, Meditation.

Homepage: www.boomfestival.org

Estas Tonne im August 2014:

Südportugal
Südportugal wird zum größten Teil von den weitgespannten Rumpfflächen der Landschaft Alentejo eingenommen, einer niedriggelegenen Fortsetzung der Meseta von Neukastilien. Endlose Weizenfelder, durchsetzt von macchiebedeckten Brachfluren beherrschen das eintönige, flachwellige Hügelland, das in Küstennähe in ausgedehntes Weideland und zahlreiche Sümpfe übergeht. Lediglich die höheren Hügelzüge und Sierren tragen noch Reste der einstigen Eichen- und Kiefernwälder. Nach Süden gehen die Rumpfflächen Alentejos allmählich in das Bergland der Hochalgarve über, das stark zerschnitten und in zahllose gerundete Kuppen aufgelöst ist. Sie sind weitgehend entwaldet und deshalb sehr starker Bodenabspülung ausgesetzt. Während hier extensiv genutzte Felder und Strauchmacchie vorherrschen, weist der südliche Küstensaum, die Niederalgarve, eine üppige Gartenlandschaft mit zahllosen Fruchthainen auf, in denen Mandel-, Oliven-, Feigen-, Apfelsinen- und Johannnisbrotbäume gedeihen. Verbreitet treten noch Pinien, Korkeichen und wilde Ölbäume auf. Das Klima Portugals ist stark ozeanisch beeinflusst, zeigt aber nach Süden zunehmend mediterranen Charakter. Die Niederschläge nehmen von Norden nach Süden und von Westen nach Osten ab. Die höchsten Niederschläge (1500 bis 3000 mm jährlich) fallen im nordwestlichen Bergland, nach Osten sinken sie auf 500 bis 1000 mm in Nordportugal und auf weniger als 400 mm im Süden. Die Sommer sind allgemein sehr warm, die Winter jedoch nur im Süden kurz und milde, während im Norden auf den höheren Gebirgen oft wochenlang Schnee liegt. Im Küstenbereich dagegen herrschen das ganze Jahr über ausgeglichene Temperaturen.

Azoren und Madeira

Die Azoren liegen im Atlantischen Ozean rund 1600 km von Portugal entfernt. Als "anliegende Inseln" gehören sie zum portugiesischen Mutterland und bilden eine autonome Region.
Die neun Inseln liegen auf dem langgestreckten Mittelatlantischen Rücken, dessen nördlicher Teil vom Äquator bis nach Island durch den Atlantik verläuft. Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Sie entstanden entlang großer Bruchspalten, die sich bei der allmählichen Aufwölbung des Azorensockels bildeten.

Das Landschaftsbild wird durch große Vulkankegel und mächtige Krater, die oft von Seen erfüllt sind, gekennzeichnet. Bis in die jüngste Zeit veränderte sich das Bild der Oberfläche und der Küstenlinien, zuletzt 1957 durch den Ausbruch des neuen Vulkans Capelinhos vor der Westküste der Insel Faial.
Das Klima der Azoren hat extrem maritimen Charakter mit ständigen, oft stürmischen Winden und Niederschlägen zu allen Jahreszeiten. Ursache ist die Lage der Inseln in der Austauschzone von polaren und tropischen Luftmassen. Das "Azorenhoch", eine im Sommer ausgebildete Hochdruckzone, hat großen Einfluss auf das europäische Wetter.
Sieht man einmal von der Insel Flores, die durch eine Vielzahl verschiedener Blumen und eine geradezu verschwenderische Hortensienpracht hervorsticht, ab, ist die wildwachsende Flora ausgesprochen spärlich. Die ursprüngliche Pflanzenwelt wurde zudem im Laufe der Besiedlung weitgehend zerstört. Bis etwa 800 m wuchs einst immergrüner Lorbeerwald. Wo er oberhalb von 500 m noch vorhanden ist, hat er sich zu einer Gebüsch- und Strauchvegetation zurückentwickelt; unter 500 m musste er den Kulturflächen weichen.
Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und der Fischerei. Durch den Gebirgscharakter der Inseln lassen sich verschiedene Arten der Bodennutzung unterscheiden. In den tieferen Gebieten herrscht intensiver Acker- und Gartenbau vor mit den Hauptanbauprodukten Mais, Kartoffeln, Weizen, Tabak, Gemüse, Obst, Südfrüchten und Wein. Zum Schutz gegen die heftigen Atlantikwinde sind die Felder häufig von Mauern, Pappelreihen oder Hortensienhecken umgeben. Zwischen 350 und 650 m Höhe erstrecken sich die Weiden für die Mast- und Milchviehzucht. Einen auffallenden Kontrast bilden hier die im 19. Jahrhundert eingeführten Teekulturen sowie die Flachsfelder. Die gewerbliche Herstellung von Ton- und Lederwaren, Textilien und anderen Kunstgewerbeartikeln hat sich auf den Fremdenverkehr eingestellt.
Karthagische Münzfunde auf den Azoren beweisen, dass die Inselgruppe schon in der Antike bekannt war. 1432 leiteten die Portugiesen die Besiedlung der Insel ein. Es kamen aber auch Flamen und Bretonen sowie Kastilier, Andalusier und Galicier. Obwohl die Inseln nie Kolonie, sondern immer Bestandteil Portugals waren, errichteten Großbritannien und die USA auf den Azoren während des Ersten und Zweiten Weltkriegs Stützpunkte, die "stationären Flugzeugträger". Auch heute unterhalten die USA im Rahmen der NATO einen Flughafen auf den Azoren.

Madeira - die Sonneninsel
Die Entdeckung Madeiras im Jahre 1419 bildete den Auftakt zur Gründung des portugiesischen Überseereichs. Ihren Namen "Holzinsel" verdankt die Insel dem dichten Wald, der sie überzog, bevor die Kolonisation einsetzte.
Im 15. Jahrhundert begann die Besiedlung, vor allem an der Südküste. Außer Portugiesen wanderten auch Juden und Mauren ein. Die Insel liegt westlich von Marokko im Atlantik, am Rand der untermeerischen Azorenschwelle. Zusammen mit der benachbarten Insel Porto Santo, der kleinen Insel Selvagens und den Ilhas Desertas bildet sie die autonome Region Funchal des portugiesischen Mutterlandes. Der Archipel von Madeira ist 797 km² groß.
Vulkanische Basalt- und Tuffdecken sowie Schlackenablagerungen bestimmen den geologischen Aufbau der gebirgigen, durch tiefe Täler zerschnittenen Insel Madeira, die im Pico Ruivo de Santana 1861 m Höhe erreicht. Heute sind die Vulkane auf allen Inseln längst erloschen.
Die Nordküste Madeiras wird durch bis über 400 m hohe Kliffe geprägt, die im Nordosten besonders wild geformt sind. Mit Ausnahme des Winters, in dem Zyklonen vorbeiziehen, beherrscht der Nordostpassat das Klima. Er bringt der relativ kühlen Nordseite reiche Niederschläge. Die Südseite ist dagegen sonnig, warm und recht trocken.
Immergrüner Lorbeerwald charakterisiert die Nordseite der Insel. An der Südseite ist die natürliche Vegetation - weitgehend durch die Trockenheit bestimmt - lichter und schon seit langem größtenteils Kulturland gewichen oder durch eingeführte Pflanzen (Stieleiche, Pinie, Seekiefer) umgestaltet worden.
Die zum Teil sehr intensive Landwirtschaft bildet die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Zuckerrohr, Bananen, Wein und Ananas, in höheren Lagen Kartoffeln, Weizen, Hülsenfrüchte und Gemüse werden auf den wegen der Steilheit der Hänge meist terrassierten und kleinparzellierten Feldern angebaut. Exportiert werden vor allem Wein, Zucker, Bananen und Gemüse, Produkte der Rinderzucht und der recht bedeutenden Fischerei, die von einigen industriellen Betrieben hergestellt werden. Für den Fremdenverkehr arbeiten das traditionelle Stickereigewerbe und die Spitzenherstellung.
Im Gegensatz zu den Azoren ist der Fremdenverkehr auf Madeira seit langem hochentwickelt. Die Gäste, überwiegend Briten, schätzen vornehmlich das milde Klima.

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Der Staat

Ein Blick zurück in die Vergangenheit Portugals zeigt, dass die Bevölkerung schon manche Revolution und manchen Putsch überstanden hat. Die letzte Revolution erlebte das Land im Jahr 1974, als junge Offiziere, die sich in der Bewegung der Streitkräfte (MFA) zusammengefunden hatten, das faschistische Regime zu stürzen, unter dem das Zehnmillionenvolk fast fünfzig Jahre nahezu weltabgeschnitten gelebt hatte. Mit der "Nelkenrevolution" - wie der Volksmund den befreienden Militärputsch nannte - erlebte die portugiesische Bevölkerung einen bedeutsamen historischen Wandel hin zu demokratischen Verhältnissen.

In der MFA waren zunächst sozialrevolutionär orientierte Kräfte bestimmend, die eine sozialistische Entwicklung anstrebten. Die einschneidendsten Veränderungen bestanden in der Verstaatlichung größerer Wirtschaftsunternehmen und der Enteignung des Großgrundbesitzes. Nach rechts- und linksradikalen Putschversuchen setzten sich Ende 1975 innerhalb der MFA gemäßigte Gruppen durch. Die 1975 gewählte, verfassunggebende Versammlung verabschiedete 1976 eine radikal-demokratische Verfassung. Die Parlamentswahlen des folgenden Jahrzehnts erbrachten keine klaren Mehrheitsverhältnisse, so dass die Regierungen häufig wechselten. Eine stabile absolute Mehrheit errang erstmals die bürgerlich-liberale "Demokratische Volkspartei" (PSD) unter Anibal Cavaco Silva (* 1939), der bis 1995 Ministerpräsident blieb.

Das koloniale Erbe
Eine weitere tiefgreifende Folge der Revolution war die weitgehende Abschaffung der kolonialen Besitzungen. Nachdem schon 1962 Portugiesich-Indien (Goa, Daman, Diu) an Indien gefallen war, entließ Portugal 1974/75 die meisten Kolonien in die Unabhängigkeit. In Afrika wurden Guinea-Bissau, Cabinda, São Tomé und Príncipe selbständig. 1976 annektierte Indonesien Ost-Timor (unabhängig seit 20. Mai 2002). Die Azoren und Madeira sind als "anliegende Inseln" dem Mutterland zugehörig. Vom früheren Kolonialbesitz blieb nur Macau übrig, das - seit 1974 ein "chinesisches Territorium unter portugiesischer Verwaltung" - 1999 an China zurückgegeben wurde.

Portugal stellt die Weichen für die Zukunft
Die wichtigste Zäsur nach 1974 fand für Portugal am 1.1.1986 statt. Seither ist das Land Mitglied der "Europäischen Gemeinschaft". Ebenso nutzt Portugal die Möglichkeiten, die sich aus der NATO-Mitgliedschaft ergeben. Die Europäische Union und die NATO sind die Eckpfeiler der expandierenden portugiesischen Wirtschaft und der damit verbundenen Stabilität geworden.
Die volle wirtschaftliche Integration bedurfte allerdings einer langen Übergangszeit bis weit in die 1990er Jahre. Diese Frist diente der Harmonisierung der portugiesischen Volkswirtschaft mit denen der übrigen EU-Länder und der schrittweisen Liberalisierung des Handels. Schließlich erfüllte Portugal am 1. Januar 1999 auch die Kriterien für die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion.
Die Entwicklung Portugals zu einer Industrienation geht einher mit einer weitgehenden Liberalisierung der Gesellschaft. Vor allem die Jugend lebt heute frei und ungezwungen. Sie hat Zugang zu allen Bildungsstätten. Es besteht allgemeine Schulpflicht bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. Insgesamt hat das Volk die einstige Staatsbevormundung restlos abgeschüttelt. Gleichberechtigung wurde zur Maxime im öffentlichen Leben.

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Geschichte

Der Raum des heutigen Portugal war in der Antike Siedlungsgebiet iberisch-keltischer Stämme, im Süden lagen karthagische Kolonien. Im Jahr 72 v. Chr. wurde das Gebiet römisch. Um 430 gründeten die Sueben im Westen der Iberischen Halbinsel das Reich "Portu-Cale". Von diesem Namen, der auf eine von den Römern an der Mündung des Douro gegründete Stadt zurückgeht, leitet sich der heutige Staatsname ab.
"Portucalia" hieß dann eine kleine Grafschaft des nordspanischen Königreichs Léon, die am Unterlauf des Douro und damit an der Grenze zu dem seit dem 8. Jahrhundert etablierten islamisch-arabischen Reich lag. Diese Grafschaft löste sich unter Heinrich von Burgund, der mit dem Besitz belehnt worden war, im Jahre 1109 von Léon. Sein Sohn, Alfons Heinrich (1110-1185), ließ sich 1139 zum König ausrufen. 1143 wurde das kleine Königreich von Léon und Kastilien anerkannt. Im Zuge der "Reconquista", der Rückeroberung des von den Arabern beherrschten Teils der Iberischen Halbinsel, konnten die Könige von Portucalia die Südgrenze ihres Reichs immer weiter vorschieben. So entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts das portugiesische Staatsgebiet, dessen Grenzen sich seither kaum verändert haben.
Wie Spanien verbindet auch Portugal vieles mit der Zivilisation der römischen Herrschaft. Das Portugiesische hat sich aus dem Volkslatein entwickelt und viele Städte stehen auf römischen Fundamenten. Ähnlich wie in Spanien wirkten auch arabisch-islamische Kultureinflüsse nach, z.B. bei den Techniken des Landbaus, in der Architektur und in den Wissenschaften.
Die Grenze zwischen dem Königreich Portucalia und dem benachbarten Kastilien markierte zunächst nur Herrschaftsgebiete und beschrieb keine Scheidelinie zwischen Völkern, Sprachen und Kulturen. Als Vormacht Spaniens erhob Kastilien wiederholt Anspruch auf Portugal, so 1383, als der portugiesische König ohne Nachfolger starb, und 1578, als der junge König Sebastian (1554-1578) in einem Marokkofeldzug fiel. Während der erste Versuch der Machtübernahme rasch scheiterte, konnte sich Portugal nach der Besetzung des Landes durch die Spanier 1580 erst 1640 von deren Herrschaft wieder befreien.
Dass der Widerstand gegen die Kastilier schon 1383 vor allem vom Volk getragen worden war, zeugt von einem früh entwickelten Nationalbewusstsein. Es wurde durch die fortschrittliche Reformpolitik gefördert, die die portugiesischen Könige nach dem Ende der Reconquista betrieben. Sie gewährten Bürgern und Städten eigene Rechte und schufen sowohl eine relativ moderne Verwaltung als auch eine Wirtschaftsverfassung, in der der Staat als Geldgeber und Unternehmer einen starken Einfluss gewann. Außenpolitisch sicherte sich Portugal durch den Windsor-Vertrag 1386 den langjährigen Beistand der Engländer.
So konnten die von der Krone auf mannigfache Weise unterstützten portugiesischen Seefahrer im Zeitalter der Entdeckungen zu Pionieren des Welthandels und des Kolonialismus werden. Nachdem Heinrich der Seefahrer (1394-1460), der Sohn König Johanns I., die afrikanische Westküste hatte erforschen lassen, gelangte 1487 Bartolomëu Diaz bis zum Kap der Guten Hoffnung. 1498 fand Vasco da Gama den Seeweg nach Indien. 1500 entdeckte Pedro Alvarez Cabral Brasilien. Und 1519-1522 umsegelte Fernão de Magalhães erstmals die ganze Erde.
Lissabon wurde zeitweilig zum Zentrum des Welthandels. Der einträgliche Gewürzhandel mit Indien, der Handel mit Negersklaven aus Westafrika für die Plantagen der Kolonie Brasilien und die Ausrichtung der eigenen Landwirtschaft auf den Weinexport brachten viel Geld in das Land. Infolge des Reichtums wurden auch die Künste und die Wissenschaften großzügig gefördert.
Die rasch gewonnene Weltmachtstellung ließ sich jedoch nicht lange aufrechterhalten. Ansprüche und Ausgaben der Krone sowie des Adels wuchsen schneller als die Einnahmen. Die auch gegen konvertierte Juden gerichtete Inquisition zwang nach 1536 die wirtschaftlich aktivste Bevölkerungsgruppe zur Auswanderung. Schließlich wurde das Land auch durch die spanische Besatzung ab 1580 gelähmt.
Im Kampf gegen Spanien war Portugal auf die Unterstützung Englands angewiesen. Dies nutzten die Engländer aus: sie kontrollierten mehr und mehr den portugiesischen Überseehandel sowie den weitgehend auf landwirtschaftliche Güter, insbesondere Wein, beschränkten Export und öffneten den portugiesischen Markt für englische Fertigwaren. Mehrere Versuche, das Land aus der dadurch bedingten wirtschaftlichen Rückständigkeit herauszuführen, scheiterten. Großgrundbesitzer (Adel und hoher Klerus) widersetzten sich Reformen. Weder der Marquês von Pombal (1699-1782), der als Außen- und Premierminister im Geist des aufgeklärten Absolutismus Reformen einleitete, noch die liberal gesonnenen Politiker, die nach den Wirren der napoleonischen Zeit und der Revolution von 1820 die politische Führung übernommen hatten, konnten die verfestigten Strukturen aufbrechen. In den folgenden Jahrzehnten sollte das Land in Partei- und Verfassungskämpfen nicht zur Ruhe kommen.

Die Republik
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts spitzten sich die sozialen Gegensätze so zu, dass die nach dem Sturz der Monarchie 1910 errichtete Republik die starken sozialen und politischen Spannungen zwischen Industrie- und Landproletariat, Bürgertum und den alten Mächten Adel und Klerus nicht zu überwinden vermochte. Die Ära des Diktators Antonio de Oliveira Salazar (1889-1970) währte von 1928-1968. Er stützte sich auf die Armee, die Kirche, die Großgrundbesitzer und eine im Unternehmerinteresse staatlich gelenkte Wirtschaft und beendete auch die Reformpolitik der Republikaner. Salazar baute einen autoritären Einparteienstaat auf und verbot jegliche Opposition.

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Menschen und Städte

Der Raum des heutigen Portugal war in der Antike Siedlungsgebiet iberisch-keltischer Stämme, im Süden lagen karthagische Kolonien. Im Jahr 72 v.Chr. wurde das Gebiet römisch. Um 430 gründeten die Sueben im Westen der iberischen Halbinsel das Reich "Portu-Cale". Von diesem Namen, der auf eine von den Römern an der Mündung des Douro gegründeten Stadt zurückgeht, leitet sich der heutige Staatsname ab.
Wie Spanien verbindet auch Portugal vieles mit der Zivilisation der römischen Herrschaft. Das Portugiesische hat sich aus dem Volkslatein entwickelt und viele Städte stehen auf römischen Fundamenten. Ähnlich wie in Spanien wirkten auch arabisch-islamische Kultureinflüsse nach, z.B. bei den Techniken des Landbaus, in der Architektur und in den Wissenschaften.

Irgendjemand beschrieb Portugal einst als "sonnigen Gemütszustand am Meer". Eine solche Beschreibung mag zutreffen, aber die erstaunliche physische, kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt dieses kleinen, freundlichen Landes widerstrebt einer Verallgemeinerung. Die quietschenden Ochsenkarren im Trás-os-Montes, der abgelegenen inneren Region "hinter den Bergen", ist Welten entfernt vom kosmopolitischen Flair der Hauptstadt Lissabon. Die Bürger der geschäftigen Stadt Porto haben ein Sprichwort: "Coimbra singt, Braga betet, Lissabon protzt und Porto arbeitet". In diesem Gefühl mag ein Körnchen Wahrheit stecken, denn die Einwohner Nordportugals sind meist konservativer und geschäftstüchtiger als die Menschen der sonnenverwöhnten südlichen Regionen des Alentejo und der Algarve.

Leben in den Städten
Porto ist eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Portugals. Die malerische Stadt mit fast einer Million Einwohner in der Agglomeration liegt aber etwas abseits der Touristenströme. Es ist heute ein großer Finanz- und Bankenplatz, doch seit Jahrhunderten ist ihr Name mit dem Weinhandel verbunden.

Im 18. Jahrhundert ließen sich englische Firmen in Porto nieder, um hier Portwein zu kaufen und zu verschiffen. Sie legten damit den Grundstein für die langandauernden politischen und wirtschaftlichen Bindungen zwischen Portugal und England.
Coimbra mit seinen steilen Straßen aus Kopfsteinpflaster ist Sitz der ältesten Universität Portugals und hat seinen Ursprung in der Römerzeit. Zusammen mit seiner akademischen Atmosphäre bewahrt es die Tradition des "fado", einer beliebten portugiesischen Gesangsform. Üblicherweise von der Gitarre begleitet, beklagt der Fado die Härte des Lebens in von "saudade" (Heimweh, Sehnsucht) erfüllten Tönen und bittersüßer Nostalgie. Fado kann auch freudig sein wie ein "fado corrida", den man nach Stierkämpfen singt. Die Traditionen variieren je nach Region. Der Fado von Coimbra ist ernst und intellektuell und nur von einem langsamen rhythmischen Metrum begleitet. Internatinal bekannt wurde der Fado durch die Lieder von Amália Rodrigues.
Bragas blumengeschmückte Hauptstraßen umrahmen die größte Osterprozession in Portugal und bestärken den Anspruch der Stadt, das "portugiesische Rom" zu sein. Die Portugiesen sind gläubige Katholiken; Protestanten, Juden und Moslems stellen nur kleine Minderheiten. Religiöse Feste füllen den Kalender, und die meisten Leute nehmen ihre religiösen Pflichten ernst.

Die Hauptstadt Lissabon
Die portugiesische Hauptstadt ist das Zentrum der Nation. Auf mehreren Hügeln nördlich des Tejo-Ufers gelegen, gehört sie zu den schönsten Hauptstädten der Welt. Es wird behauptet, dass Odysseus hier zuerst gelandet sei, doch die Archäologen datieren die Gründung Lissabons eher auf etwa 5000 v.Chr.
Trotzdem ist der größte Teil der gegenwärtigen Stadt weniger als 250 Jahre alt. Am Morgen des 1. November 1755 traf Lissabon eines der schrecklichsten Erdbeben. Riesige Flutwellen brachen vom Atlantischen Ozean über die Stadt herein, und viele der Einwohner ertranken. Noch mehr fielen den Flammen zum Opfer, die in den Ruinen wüteten. Als alles vorüber war, gab es mehr als 30.000 Tote und zwei Drittel Lissabons waren zerstört.
Die Männer, die unter Führung des damaligen Premierministers, dem Marquês von Pombal (1699-1782), die Stadt wieder aufbauten, waren Künstler von großem Einfallsreichtum. Sie schufen die großzügigen Prachtstraßen, ein mit Mosaiken verziertes Straßenpflaster sowie perfekt proportionierte Gebäude. Leider zerstörte ein Großfeuer im Sommer 1988 viele schöne alte Gebäude aus dieser Zeit.
Die Brücke des 25. April, die Lissabons Naturhafen überspannt, ist eine der längsten Hängebrücken der Welt. Die Baixa oder Untere Stadt liegt in der Nähe des Hafens. Eine müßige, an frühere Zeiten erinnernde Atmosphäre durchdringt ihre eleganten Geschäfte. Das älteste Viertel von Lissabon, die Alfama, ist maurischen Ursprungs, und sein Gewirr von kopfsteingepflasterten Straßen und winkligen Gassen fasziniert jeden Besucher.
Zu den über 2 Millionen Einwohnern in der Agglomeration der Hauptstadt Lissabon zählen viele Menschen aus den ehemaligen Kolonien, und das Bevölkerungsgemisch spiegelt die Bedeutung der Stadt als Hafen wider, wo Personen- und Frachtschiffe aus Südamerika, Karibik und Afrika anlegen. Sommer wie Winter laden zu einem Bummel auf der Avenida da Liberdade oder durch Parkanlagen ein, wo die Rufe exotischer Vögel die Luft erfüllen.

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Wirtschaft

Portugal hat seit Mitte der 1980er Jahre einen gewaltigen Wirtschaftsaufschwung erlebt. Das "Armenhaus Europas" hat seine Wirtschafts- und Infrastruktur tiefgreifend verändert. Dies veranlasste die Weltbank und den Internationalen Währungsfond (IWF), Portugal nicht länger als Entwicklungs- und Schwellenland zu führen. 1989 wurde es in die Liste der Industrieländer aufgenommen.
13% der Erwerbstätigen waren Ende der 1990er Jahre in der Landwirtschaft beschäftigt, deren Anteil am Bruttosozialprodukt damals wie heute gerade mal rund 5% beträgt. Im Jahr 2008 waren nur noch 11,6% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig. Die Landwirtschaft Portugals gilt als eine der ineffizientesten in Europa. Zahlreiche Betriebe mussten in jüngster Zeit aufgeben. Im Jahr 2010 wird die Hälfte der benötigten Nahrungsmittel importiert.
Zwischen dem Douro und dem Tejo liegen die Hauptanbaugebiete. In den warmen Flusstälern gedeihen Weinkulturen. Vornehmlich im Süden werden Südfrüchte, Pfirsiche und Mandeln angebaut. Auf den Hochflächen ist neben den Korkeichenwäldern von Olivenhainen durchsetztes Ackerland vorherrschend. Weizen, Mais, Hafer und Roggen sind die wichtigsten Feldfrüchte. Die Viehzucht konzentriert sich im Norden auf Rinder und Ziegen, im Süden auf Schafe, Esel und Maultiere.
Zwei landwirtschaftliche Exportartikel sind traditionell von großer Bedeutung: Portwein und Kork. Portwein galt lange Zeit nicht nur als ein "Botschafter Portugals", sondern auch als höchst wertvoller Devisenbringer. Von den englischen Erfindern kurz "Port" genannt, wird er als Likör- oder Dessertwein in über hundert Länder exportiert. Portwein unterliegt einer rigorosen Herstellungs- und Qualitätskontrolle (Exportgüter 2007: 8% Nahrungsmittel). Mit über 700.000 ha Korkeichenfläche ist Portugal der weltweit größte Produzent von Kork. Die Unternehmen der Kork-Branche, die sich seit geraumer Zeit in einer tiefen Krise befinden, sind heute nicht mehr nur ausschließlich Rohwarenexporteure, sondern auch Lieferanten von Halb- und Fertigprodukten aus eigener Fabrikation .
Eine große Tradition hat die Seefischerei, die einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung und zum Außenhandel leistet. Sardinen und Thunfisch in Öl sind Hauptausfuhrprodukte der Fischereiwirtschaft. Neben diesen, in küstennahen Gebieten gefischten Arten werden vor allem Schellfische vor der nordamerikanischen Küste zwischen Neufundland und Grönland gefangen. Allerdings kämpft die portugiesische Fischereiwirtschaft ähnlich wie die Landwirtschaft mit Produktivitätsproblemen.
Bodenschätze, unter ihnen Steinsalz, Steinkohle, Quarz, Eisen-, Zinn- und Wolframerze, sind mit ergiebigen Vorkommen vorhanden, jedoch schwer abbaubar (Exportgüter 2007: 7% Basismetalle). An Uranerzen besitzt Portugal ebenfalls bedeutende Vorräte.
Der wichtigste Industriezweig ist die Textilindustrie (Exportgüter 2007: 21% Textilien, Bekleidung, Schuhe).
Bei Lissabon und Porto entwickelte sich die petrochemische Industrie. Bedeutung hat ferner der Maschinen- und Dieselmotorenbau (Exportgüter 2007: 16% Maschinen und Ausrüstungen), die Kraftfahrzeugmontage (Exportgüter 2007: 18% Fahrzeuge und Transportmittel) sowie die Herstellung von Zement, Phosphaten und Papier (Exportgüter 2007: 4% Papier, Zellstoff).
Die Industriestandorte konzentrieren sich auf Nord- und Mittelportugal. Der größte Teil der Betriebe im verarbeitenden Gewerbe hat kleinindustriellen bzw. handwerklichen Charakter mit unter zwanzig Beschäftigten.
Der Fremdenverkehr hat sich seit Beginn der 1960er Jahre vor allem in der Algarve entwickelt. Portugal legt Wert auf einen gehobenen Tourismus, weil für den Massentourismus die Unterkünfte fehlen. Dennoch hat sich der Reiseverkehr zu einer wichtigen Devisenquelle und einem bedeutenden Arbeitsplatzreservoir entwickelt. Zentren des Fremdenverkehrs sind die Algarve, die Hauptstadt Lissabon, die Hafenstadt Porto und das Dourotal sowie Madeira und die Azoren im Atlantik. 2019 haben mehr als 27 Millionen Ausländer das Land besucht.
Ein entscheidendes Ereignis für die portugiesische Wirtschaft war der Eintritt des Landes in die EG. Seit dem 1. Januar 1986 ist Portugal Vollmitglied. Die EG- bzw. EU-Mitgliedschaft brachte Portugal bisher große Vorteile. Für die Modernisierung seiner Industrie und zur Verbesserung der Infrastruktur flossen dem Land erhebliche Mittel zu. Der Europäische Binnenmarkt machte Investitionen in Portugal attraktiv; ein niedriges Lohnniveau und geringe Arbeitsausfallzeiten trugen dazu bei.
Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks trat jedoch eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums ein, da in den Staaten Osteuropas eine neue Konkurrenz erwuchs. Das wirtschaftspolitische Ziel, die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion, wurde am 1. Januar 1999 erreicht.
Am 1. Januar 2002 führte Portugal den Euro als Zahlungsmittel ein.

Seit dem Beitritt zur EU hat sich die portugiesische Wirtschaftsstruktur stark verändert. Im Jahr 2010 erwirtschaftet der Dienstleistungssektor rund zwei Drittel des BIP. Mehr als 60% der erwerbstätigen Menschen waren 2008 im Dienstleistungssektor beschäftigt.

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Entwicklungen

1995 - 2006
»[...] Cavaco Silva bleibt bis 1995 Ministerpräsident. Er verfolgte eine neoliberale Wirtschaftspolitik und nahm die Verstaatlichungen aus der Zeit der Nelkenrevolution zurück. Von 1995 bis 2002 stellten wieder die Sozialisten mit António Guterres die Regierung.
Bei den Parlamentswahlen vom 17. März 2002 kam es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,3 Prozent erreichte die konservative PSD unter José Manuel Durão Barroso eine relative Stimmenmehrheit von 40,1 Prozent, gefolgt von der sozialistischen Partido Socialista und der rechtskonservativen Volkspartei CDS-PP mit 37,9 beziehungsweise 8,8 Prozent. Mit letzterer bildete Barroso eine Koalitionsregierung, wobei der populistische Vorsitzende des CDS-PP, Paulo Portas, das Amt des Verteidigungsministers übernahm und zudem die Bereiche Justiz sowie Arbeit und Soziales an das CDS-PP gingen. Die Sozialisten stellten jedoch ununterbrochen den Präsidenten des Landes, da Nachfolger von Soares 1996 der Sozialist Jorge Sampaio wurde.
Im Juli 2004 wurde Barroso vom Europäischen Rat zum Nachfolger von Romano Prodi als Präsident der Kommission der Europäischen Union nominiert. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Pedro Santana Lopes, der nur kurze Zeit regieren konnte, da Präsident Sampaio bereits im November das Parlament vorzeitig auflöste und für Februar 2005 Neuwahlen ausschrieb, bei der die Partido Socialista zum ersten Mal in der Geschichte eine absolute Mehrheit errang. Ihr Spitzenkandidat José Sócrates ist seit 12. März 2005 neuer Ministerpräsident.
Am 22. Januar 2006 wählten ungefähr 8,9 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten. Der bisherige Präsident, der Sozialist Jorge Sampaio, durfte sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen. Gegen fünf Kandidaten der Linken setzte sich bereits im ersten Wahlgang der Mitte-Rechts-Kandidat und frühere Regierungschef Aníbal Cavaco Silva (PSD) mit einer absoluten Mehrheit von 50,6 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 62,6 Prozent durch. Er wurde von einem Bündnis aus PSD und CDS-PP unterstützt. Der als Architekt des portugiesischen Wirtschaftsaufschwungs in den Jahren 1985 bis 1995 geltende 66-jährige Wirtschaftsprofessor wurde damit der erste bürgerliche Präsident in Portugal seit der Nelkenrevolution von 1974. Er wurde am 9. März 2006 für fünf Jahre in sein Amt eingeführt. [...]«
Zitiert aus: de.wikipedia.org, Portugal

2007:
»[...] Zwei Jahre nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident José Sócrates genießen die Sozialisten trotz verbreiteter Proteste gegen unpopuläre Reformmaßnahmen und Sparbeschlüsse eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Turnusgemäß übernahm Sócrates am 1. 7.2007 die EU-Ratspräsidentschaft.
o Abtreibungsgesetz: Bei einem Referendum am 11. 2. 2007 votierten rund 59 % der Teilnehmer für eine Lockerung des strengen Abtreibungsgesetzes, das bislang Schwangerschaftsabbrüche nur bis zur zwölften Woche nach einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Mutter oder im Fall einer Missbildung des Fötus erlaubte. Frauen, die illegal abgetrieben hatten, mussten mit Haftstrafen bis zu drei Jahren rechnen. Obwohl das Votum aufgrund der geringen Beteiligung (43,6 %) nicht bindend war, verabschiedete das Parlament am 9.3. ein entsprechendes Gesetz. 161 Abgeordnete votierten für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten zehn Wochen, 60 stimmten dagegen. Der konservative Partido Popular (CDS-PP) forderte den Staatspräsidenten vergeblich auf, sein Veto gegen das Gesetz einzulegen.
o EU-Defizitverfahren: Stärker als erwartet gelang es der Regierung durch wirtschaftliche Reformen und haushaltspolitische Sparmaßnahmen, das hohe Staatsdefizit von 6,2 % des BIP (2005) auf 3,9 % (2006) zu reduzieren. Dennoch stieg die Gesamtverschuldung 2006 um 1,1 Prozentpunkte auf 64,7 % des BIP an, da die Wirtschaft real nur um 1,3 % gewachsen war. Damit stand die Regierung weiterhin unter dem Druck des Defizitverfahrens, das die EU-Kommission im Juli 20.7.2005 eingeleitet hatte. Vor diesem Hintergrund lehnte Finanzminister Fernando Teixeiria dos Santos Forderungen nach Steuersenkungen zur Konjunkturbelebung ab.
o Proteste gegen Sparpolitik: Fast 100.000 Menschen protestieren am 3.3.2007 in der portugiesischen Hauptstadt gegen die Sozialreformen und Sparpläne der Regierung. Die Kundgebung war eine der bis dahin größten Demonstrationen gegen die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Sócrates. Dem Aufruf des nationalen Gewerkschaftsbundes CGTP zum 24-stündigen Generalstreik am 29./30.5. folgte jedoch nur ein Teil der Beschäftigten. [...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008: Zahlen Daten Fakten, S. 389

2008/2009:
»[...] Bei den Regionalwahlen am 19.10.2008 behauptete die PS (Sozialistische Partei, Anm. muz-online.de) ihre absolute Mehrheit (51%), gefolgt von der PSD (Sozialdemokraten, Anm. muz-online.de) mit 30,3%. Staatspräsident Anibal Cavaco Suva unterzeichnete am 30.12. unter Protest ein neues Autonomiestatut für die Inselgruppe der Azoren, das am 19.12. gegen das vom Präsidenten eingelegte Veto mit Zweidrittelmehrheit vom Parlament in Lissabon beschlossen worden war.[...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 415.

»[...] Finanzkrise: Die führenden Banken des Landes galten zunächst als wenig gefährdet durch die internationale Krise, da sie eine konservative Kreditvergabe praktizierten und nicht unter weiteren Sonderfaktoren litten. Gleichwohl entstanden den nationalen Banken unter der internationalen Dynamik der Krise Liquiditätsprobleme. Zur Erleichterung des Interbankenverkehrs stellte die Regierung am 12.10.2008 ein Bürgschaftsvolumen von 20 Mrd. € bereit, auf das die drei großen Banken und die staatliche Caixa Geral de Depósitos (CGD) im November zurückgriffen. Am 2.11. richtete die Regierung einen Fonds in Höhe von 4 Mrd. € ein, mit dessen Hilfe gefährdete Banken ihre Kapitalbasis aufstocken konnten. Mit den Mitteln dieses Fonds verstaatlichte die Regierung bereits am 3.11. die kleine Privatbank Banco Português de Negócios (BPN) mit 700 Mio.€ nicht bedienter Schulden.
Korruptionsaffären: Das BPN-Finanzdesaster schien weniger Folge der allgemeinen Kreditkrise zu sein als vielmehr Resultat undurchsichtiger oder illegaler Finanzmanipulationen. Unter diesem Verdacht erfolgte am 21.11. 2008 die Verhaftung des langjährigen BPN-Vorstandschefs José de Oliveira e Costa. Die Affäre warf auch die Frage nach der Verwicklung führender Politiker der oppositionellen Sozialdemokraten (PSD) in illegale Geschäfte des Geldhauses auf, dessen Leitung seit Jahrzehnten eng mit der PSD verflochten war. Am 5.12. richtete das Parlament hierzu einstimmig einen Untersuchungsausschuss ein.
Im Januar 2009 geriet Regierungschef José Sócrates in Verdacht, als Umweltminister 2002 in Schmiergeldzahlungen bei der Baugenehmigung für ein britisches Einkaufszentrum in einem Naturschutzgebiet bei Lissabon verwickelt gewesen zu sein. [...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 414.

2010:
Im November 2010 wird in Portugal über einen "Ausschluss aus dem Euro" debattiert.
»[...] Das strukturschwache Portugal mit 10 Mio. Einwohnern hat im zurückliegenden Jahrzehnt weit über seine Verhältnisse gelebt. Seit der Jahrtausendwende wächst das ärmste Land Westeuropas mit einer Durchschnittsrate von unter einem Prozent deutlich langsamer als die meisten anderen Staaten des Kontinents.
Die Neuverschuldung nahm in den vergangenen Jahren stetig zu und erreichte 2009 ein Rekordniveau von rund 9,4 Prozent. Die Staatsschulden Portugals lagen Ende 2009 bei 109 Prozent des BIP. Frische Geldmittel erhielt Lissabon zuletzt nur zu Rekordzinsen. Mit nie dagewesen Sparmaßnahmen soll das Defizit 2010 auf 7,3 und 2011 auf 4,3 Prozent gedrückt werden. [...]«
Zitiert aus: "www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/eu/2560635/drei-euro-sorgenkinder-griechenland-irland-portugal.story"

Generalstreik

Portugals Gewerkschaften rufen auf zum Generalstreik ab Mittwoch, 24. November 2010. »[...] Daß es zu diesem Generalstreik kommt, resultiert ganz einfach aus der großen Unzufriedenheit der Arbeiter in diesem Land. Die Kürzungen der Löhne, die Erhöhung der Steuern für die einfache Bevölkerung, der Abbau der Sozialhilfe, ein erschwerter Zugang zum Gesundheitssystem, all das bringt die Menschen auf die Straße. [...] Der Haushalt (der Haushalt für 2011 sieht drastische Sparmaßnahmen vor und soll am 26. November mit Hilfe der sozialdemokratischen Opposition im Parlament verabschiedet werden; Anm. muz-online.de) richtet sich gegen die arbeitende Bevölkerung. Er bedeutet für die Beschäftigten einen Rückschritt und droht, die gesamte soziale Balance des Landes zu gefährden. [...]«
Zitiert aus: "www.indymedia-letzebuerg.net/index.php?option=com_content&task=view&id=60057&Itemid=27", 23. November 2010

Siehe auch:
 Auf dem Weg zu einer neuen Weltordnung
 Irland

März 2011: Portugal in Not ! Am 23. März 2011 ist José Socrates von seinem Amt als Ministerpräsident zurückgetreten.

»[...] Im hoch verschuldeten Euro-Land Portugal hat die Opposition wenige Stunden vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel ein Sparpaket der Minderheitsregierung zurückgewiesen. Ministerpräsident José Socrates reichte als Reaktion seinen Rücktritt ein. [...] Es handelte sich bereits um das vierte Sanierungsprogramm, das die regierenden Sozialisten innerhalb der vergangenen elf Monate präsentiert hatten. Bislang hatte die Opposition alle Sparpakete mitgetragen. [...]«
Zitiert aus: "www.welt.de/wirtschaft/article12939417/Portugal-lehnt-Sparpaket-ab-Premier-tritt-zurueck.html", 23.03.2011

»[...] Neuwahlen können frühestens in zwei Monaten stattfinden. Bis dahin müsste eine Übergangsregierung die Geschäfte führen. Die politische Unsicherheit und die Blockade beim Schuldenabbau würden die Finanzierungskosten für portugiesische Staatsanleihen weiter in die Höhe treiben und eine Flucht unter den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) unvermeidlich machen. Diese Möglichkeit hatte Sócrates stets abgelehnt: Er sei nicht bereit, unter Kontrolle und Anweisung des IWF zu regieren.[...]«
Zitiert aus: "diepresse.com/home/wirtschaft/international/644169/Sparpaket-abgelehnt_Portugals-Premier-tritt-zurueck", 23.03.2011

April 2011: Portugal beantragt Hilfe aus EU-Rettungsfonds

»[...] Portugal hatte in der Nacht zum Freitag (7./8. April; Anm. muz-online.de) den bereits angekündigten Antrag auf Milliardenhilfen offiziell bei der EU-Kommission in Brüssel eingereicht. Währungskommissar Olli Rehn sagte dazu in Gödöllö: "Ich begrüße diesen verantwortungsvollen Schritt." Wieviel Finanzhilfe Lissabon benötigt, wurde nicht benannt. In der EU ist eine Summe zwischen 70 und 80 Milliarden Euro im Gespräch. [...]«
Zitiert aus: "www.tagesschau.de/wirtschaft/portugaleuhilfe106.html", 8. April 2011

3. Mai 2011: Portugal erhält 78 Milliarden Euro aus EU-Rettungsfonds

»[...] Das Rettungspaket für das hochverschuldete Portugal ist geschnürt: Der geschäftsführerende Regierungschef José Socrates sagte am Dienstagabend, bei den Beratungen mit Vertretern der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei ein "gutes Abkommen" erzielt worden. Nach Angaben seines Büros beläuft sich das auf drei Jahre ausgelegte Hilfspaket auf 78 Milliarden Euro. Rezession droht. [...] Wegen der vereinbarten Sparmaßnahmen droht Portugal nun eine längere Rezession. [...]«
Zitiert aus: "www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/portugal-privatisiert-sich/", 4. Mai 2011

5. Juni 2011: Parlamentswahlen in Portugal. Konservative Partei PSD unter Pedro Passos Coelho gewinnt.

Bei den Parlamentswahlen am 5. Juni 2011 haben José Sócrates Carvalho Pinto de Sousa und seine sozialistische Partei (PS) verloren. Die Sozialisten erhielten nur noch 28%, was das schlechteste Ergebnis seit zwanzig Jahren ist.
Die Wahlbeteiligung lag mit 59% so niedrig wie noch nie seit der Nelkenrevolution 1974. Offenbar ist ein großer Teil der Portugiesen der Meinung, dass es zum harten Sparkurs, der bereits von Sócrates vorgegeben worden ist, keine Alternativen gebe.
Gewinner der Wahlen ist die Konservative Partei PSD unter Pedro Passos Coelho (38,7%; + 9% zu 2009).
Der künftige Regierungschef Coelho hat nun einen Monat Zeit, »[...] einen Krisenplan zu entwickeln, der den Auflagen der Geldgeber (bzgl. EU- Rettungsfonds; Anm. muz-onlilne.de) genügt. Unterstützt werden soll er dabei von der rechtsliberalen Partei CDS-PP, die 11,7% erhielt, einen guten Prozentpunkt mehr als 2009. Ihr Vorsitzender ist Paulo Portas, der schon vor acht Jahren unter dem ehemaligen Regierungschef Barroso als Verteidigungsminister in der Regierung mitwirkte.[...]«
Zitiert aus: "www.algarve-live.de/news/index.php?id=694", 7. Juni 2011

24. November 2011: Die Rating-Agentur Fitch stuft Portugal von BBB- auf BB+ herab.

»[...] Damit gelten die Staatsanleihen Portugals nicht mehr als Investment, sondern als spekulative Anlage. Dies wird häufig auch als Ramschniveau bezeichnet. Auch der Ausblick auf die weitere Entwicklung ist Fitch zufolge negativ. [...]«
Zitat: "www.tagesschau.de/wirtschaft/portugal260.html", 24.11.2011

24. November 2011: Generalstreik

»[...] Als Gegenleistung für das 78 Milliarden Euro schwere Hilfspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Portugal in diesem Jahr das Haushaltsdefizit von 9,8 Prozent (2010) auf 5,9 Prozent senken. Am Morgen hatte ein Streik begonnen, mit dem viele Portugiesen gegen den Sparkurs der Regierung protestieren. [...]«1
»[...] Medien berichteten schon am frühen Vormittag von einer hohen Beteiligung. Landesweit soll es neben der 24-stündigen Arbeitsniederlegung auch rund drei Dutzend Kundgebungen geben. Es ist erst der dritte gemeinsame Streikaufruf der beiden wichtigsten Gewerkschaftsdachverbände - nach 1988 und November 2010. [...]«2

Zitat1: "www.tagesschau.de/wirtschaft/portugal260.html", 24.11.2011
Zitat2: "www.handelsblatt.com/politik/international/kein-luftverkehr-ins-ausland/5881950.html", 24.11.2011

Dezember 2011: Immer mehr gut ausgebildete Portugiesen verlassen ihre Heimat. Viele wollen nach Brasilien oder Angola.

»[...] In Portugal werden jetzt ganze Dörfer meistbietend versteigert. [...] Die Wirtschaftskrise trifft die ländlichen Regionen Portugals hart. Die Menschen wandern in die Städte ab. Und von dort weiter nach Übersee. [...]
Portugal ist ein klassisches Auswanderer-Land. Zwischen 1886 und 1966 verließen fast drei Millionen Menschen ihre Heimat, im westeuropäischen Vergleich kann hier nur noch Irland mithalten. Eines jedoch ist neu: Früher verließen Arbeiter und Arme das Land. Heute sind es die Universitätsabgänger und Fachkräfte.
In Lissabon werden mit jedem Krisentag die Warteschlangen vor den Konsulaten Angolas und Brasiliens länger. Gut ausgebildete Portugiesen, ganze Familien, die Elite des Landes, sieht keine Zukunft mehr im krisengeschüttelten Europa. Die junge Generation blickt nach Übersee. [...]«
Zitat: "de.euronews.net/2011/12/08/portugal-laesst-seine-zukunft-ziehen/", 8. Dezember 2011

Am 13. Januar 2012 wird Portugals Kredit-Bonität von der Rating-Agentur Standard & Poors um zwei Punkte, von BBB- auf BB, herabgestuft. Damit gelten Anlagen in Portugal als "spekulativ bis riskant".

12. Februar 2012: In Lissabon protestieren hunderttausend Menschen gegen die Sparmaßnahmen. Gewerkschaften sprechen von dreihunderttausend Teilnehmern. Hunderttausende Menschen sind bereits verarmt und eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Menschen fordern eine Anhebung des Mindestlohns, der zur Zeit bei 485,00 EURO/Monat brutto (netto 432,00 Euro) liegt (Armutsgrenze: 434 Euro). Rund 400.000 Arbeiter/innen in Portugal müssten derzeit mit so einem Lohn auskommen, was nicht geht.

September 2012: Elend und Armut verbreiten sich immer mehr. Millionen Menschen sind verzweifelt, viele hungern. Die schweren sozialen Probleme haben nun die größten Demonstrationen seit den 1970er Jahren ausgelöst. Am 16. September gingen etwa eine Million Menschen auf die Straßen in Lissabon, Porto und anderen Städten, um gegen die Sparmaßnahmen, die Regierung, die EU-Troika und gegen das soziale Elend zu protestieren. Im ohnehin ärmsten Land West-Europas liegt die offizielle Arbeitslosigkeit bei 15,7 % (655.000), davon erhält vielleicht die Hälfte eine Unterstützung, die irgendwo zwischen 300 und 550 Euro liegt, die andere Hälfte der Arbeitslosen erhält nichts. Auch viele Rentner sind von Armut betroffen. Immer öfter sehen die Leute ihren einzigen Ausweg aus dem Elend im Suizid.

14. November 2012: Generalstreik - Deutschland = Feindbild ... Merkel zu Gast: unerwünschte Person

Anfang März 2013: Hunderttausende Menschen protestieren in mehr als 30 Orten gegen die Sparpolitik und gegen die "Troika" (EZB, IWF, EU). Nach dem Plan der Regierung soll es weitere Sozialkürzungen geben, dafür sollen die Unternehmensabgaben gesenkt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt mit 17,6 Prozent so hoch wie nie zuvor. Die Wirtschaft des Landes wird auch 2013 weiter schrumpfen.

Juni 2013: Generalstreik - Portugal lahmgelegt - größter gewerkschaftlich organisierter Massenprotest in der jüngeren Geschichte Portugals

Massenproteste im Oktober 2013:
Am 19.Oktober haben wieder Tausende Menschen gegen "Ausbeutung und Verarmung" protestiert, außerdem wurde der Rücktritt der Regierung gefordert. Diese will etwa 4 Milliarden Euro an Ausgaben einsparen, was insbesondere über Einkommenskürzungen bei Bediensteten im öffentlichen Dienst und Rentnern erreicht werden soll (Kürzungen zwischen 2,5 und 12 Prozent bei niedrigen Lohngruppen sind vorgesehen).

Mai 2014: Portugal befreit sich aus der Umklammerung der Troika
Nach gut drei Jahren der Fast-Pleite, hat sich Portugal nun entschieden, sich von seinen "EU-Rettern" zu lösen und ohne weitere EU-Hilfsgelder auszukommen - und das, obwohl gut 25 Prozent der Portugiesen am Rande der Armut leben.
Das 2011 gewährte "Rettungsprogramm" in Höhe von 78 Mrd. Euro ist nun offiziell beendet. Aufgrund des gewachsenen Vertrauens kann die Regierung nun auch wieder Staatseinleihen zu erträglichen Zinsen am Markt platzieren. »[...] In einem Standort-Ranking der Weltbank liegt Portugal inzwischen auf Platz 31, Griechenland auf Platz 72.[...]« Der Export wuchs von 28 Prozent auf 41 Prozent - allen voran die Schuhindustrie. Auch der Dienstleistungssektor hat sich in den vergangenen drei Jahren positiv entwickelt.
Im Mai 2014 liegt die Arbeitslosenquote bei 15,3 Prozent - das sind rund 2 Prozentpunkte unter dem Krisenhöchststand.

Zitat: "www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-in-portugal-wirtschaft-nach-rettungsschirm-a-969875.html", 17.05.2014

November 2014: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zur "unerwünschten Person" erklärt
Eine Woche vor dem angekündigten Besuch von Frau Merkel in Lissabon, haben mehr als 100 Intellektuelle und Künstler einen Protestbrief an die Bundeskanzlerin unterzeichnet. Hierin wird Angela Merkel als "unerwünschte Person" erklärt. Merkel sei "Hauptförderin der neoliberalen Doktrin, die Europa ruiniert" und mitverantwortlich für die katastrophale ökonomische und soziale Lage Portugals.
Der Gewerkschaftsdachverband CGTP und auch die einflussreiche Facebook-Bürgerinitiative "Zum Teufel mit der (Geldgeber-)Troika" haben zu Protestkundgebungen gegen Merkel aufgerufen.
Siehe: "www.spiegel.de/politik/ausland/besuch-in-portugal-merkel-zur-unerwuenschten-person-erklaert-a-865953.html", 7.11.2014

4. Oktober 2015: Parlamentswahl - eine Abstimmung gegen die Austeritätspolitik
Das seit 2011 regierende konservative Mitte-Rechts-Bündnis (aus PSD und CDS-PP) PàF (Portugal à frente "Portugal voran"), angeführt von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho (PSD) hat bei der Parlamentswahl am 4. Oktober mit 38,6% zwar die meisten Stimmen bekommen, die Mehrheit im Parlament hat es aber verfehlt und muss nun die Opposition, insbesondere die Sozialistische Partei (PS) von António Costa (32,4%), stärker berücksichtigen. Die PS will das langjährige und umstrittene Sparprogramm beenden. Eine Regierungsbildung dürfte schwierig werden.
Das Wahlergebnis ist ein Abbild der Stimmungslage in Portugal. Wenngleich sich nach offiziellen Angaben die Wirtschaft ein wenig erholt haben soll und die Arbeitslosigkeit auf 12,4% gesunken ist, so zeigen andere Zahlen, wie die Austeritätspolitik der Regierung Massen von Menschen in die Armut und zum Auswandern getrieben hat.
Seit Beginn der Krise haben rund 500.000 zumeist junge und hoch qualifizierte Portugiesen Portugal verlassen, um der Perspektivlosigkei und Armut zu entkommen. Bis heute hält dieser Trend an, weil man selbst mit einem Job kaum über die Runden kommt.
»[...] Der Anteil der Beschäftigten, die mit dem Mindestgehalt von 505 Euro auskommen müssen, stieg von 11,3 im Jahr 2011 auf 19,6 Prozent (2014) an. Als Kneipenbedienung in London oder Berlin machen Ingenieure oder Architekten oft mehr Geld als im Beruf daheim.[...]«
Zitat: "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/04/portugal-klarer-wahlsieg-der-konservativen-regierung/", 4. Oktober 2015

Das Ende der Demokratie?
»[...] Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva hat dort kurzerhand – ad hoc – die Verfassung außer Kraft gesetzt, um eine Regierungskoalition aus Sozialisten, Kommunisten und dem portugiesischen Linksblock zu verhindern, die zusammen im Parlament über die Mehrheit der Sitze verfügen. Der Präsident preist diesen Verfassungsbruch noch stolz als Verteidigung der Demokratie [...] Die Linksparteien haben sich zusammengerauft und wollen mit ihrer Mehrheit einen "Richtungswechsel durchsetzen: weg von der Austerität" und hin zur "Verteidigung des Sozialstaats". Zugleich soll die von EU, Berlin und Internationalem Währungsfonds (IWF) geforderte Privatisierung öffentlicher Betriebe und Unternehmen beendet und mehr in "Wissenschaft, Innovation, Bildung und Kultur investiert" werden. Vor allem aber war geplant, den von der "Troika" (EU, Europäische Zentralbank, IWF) dem Lande aufgezwungenen "Sparhaushalt" 2016 zu kippen. Das hat Präsident Silva verhindert. Die alte Koalition soll als Minderheitsregierung unter Pedro Passos Coelho weiterregieren [...]
Der britische Telegraph folgerte am 23. Oktober daraus zu Recht: "Zum ersten Mal seit Schaffung der europäischen Währungsunion hat ein Mitgliedsstaat unter Berufung auf nationale Interessen euroskeptische Parteien von einer Regierungsbeteiligung ausgeschlossen." Berlin und Brüssel scheinen inzwischen die vollständige Kontrolle über den politischen Prozess in der Euro-Zone auszuüben. Das zustimmende Schweigen zum Staatsstreich in Portugal sagt alles. Im stets herbeischwadronierten "neuen Europa" ist für linke Euroskeptiker die Demokratie bereits abgeschafft. Vermutlich war das Prinzip ohnehin nie ernst gemeint.«
Zitat: "www.jungewelt.de/2015/10-30/027.php", 30.10.2015

Siehe auch:
Nigel Farage, Vorsitzende der UKIP (die britische Unabhängigkeitspartei): »[...] ein Land hat nur dann demokratische Rechte, wenn es sich positiv zum Projekt stellt. Wenn nicht, dann werden diese Rechte weggenommen.
Aber all das überrascht uns nicht, wie Herr Junker uns vorher erzählt hat, 'es wird keine demokratische Wahl gegen die europäischen Verträge geben'. Und der deutsche Finanzminister, Herr Schäuble, sagte: 'Wahlen ändern gar nichts. Es gibt Regeln!'
Ich meine, für jeden der an Demokratie glaubt, hat Portugal das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Es sollte die Warnung sein, dass dieses Projekt, das sich mit all seinem Versagen schützt, die individuellen Rechte der Menschen und der Nationen zerstören wird.[...]«
Hier weiterlesen: alles-schallundrauch.blogspot.de, EU ist die moderne Umsetzung der Breschnew-Doktrin, 30.10.2015

10. November 2015: Minderheitsregierung gestürzt
Das von den Sozialisten unter António Costa eingereichte Misstrauensvotum gegen die Minderheitsregierung wurde von 123 der 230 Abgeordneten unterstützt. Damit wurde das Regierungsprogramm von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho abgelehnt und die Regierung gestürzt. Die Sozialisten, mit denen Portugal vor vier Jahren an den Rand des Staatsbankrotts geriet und internationale Finanznothilfe benötigte, wollen es diesmal mit Unterstützung der Kommunisten besser machen. Nun muss nur noch Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva den Regierungsauftrag erteilen.

24. November 2015: Staatschef Cavaco Silva ernennt António Costa zum neuen Ministerpräsidenten
Staatschef Cavaco Silva hat nach langem Zögern am 24. November den Sozialisten António Costa zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Zuvor musste Costa eine schriftliche Erklärung abgeben, dass er und seine Bündnispartner die Verpflichtungen an die EU-Partner einhalten werde. Die Kommunisten, auf deren Stimmen Costa für eine Parlamentsmehrheit angewiesen ist, lehnten dies ab. Das von Costa geführte Linksbündnis will einige Reformen, wie z.B. die Reduzierung von Renten und Gehältern im öffentlichen Dienst, in Teilen revidieren.
Cavaco Silva wird im Januar 2016 von Marcelo Rebelo de Sousa (PSD) abgelöst.

Staatsverschuldung - Investitionen - Arbeitslosigkeit
Die Wirtschaft Portugals wuchs ab Mitte 2013 wieder, Dank gezielter Investitionen. Dadurch konnte auch die Arbeitslosigkeit von 18% im Jahr 2013 auf 9,8% im Jahr 2017 gesenkt werden. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt 2017 bei rund 23%. Im gleich Zeitraum sank die Staatsverschuldung von 128% im Jahr 2013 auf 125,7% im Jahr 2017.

2020: Corona - SARS-CoV-2 - Covid-19 - Pandemie
Aufgrund einer globalen Pandemie, ausgelöst durch das sogenannte "neue Virus" Covid-19 (Coronavirus) werden ab 2020, beginnend in der chinesischen Region Hubei und ab März u.a. in Europa und den USA die Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Es gibt Grenzschließungen, Reisebeschränkungen, Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen, Kontaktverbote, Aufrufe zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum nächsten Menschen von 2 Metern, entsprechende Markierungen in Supermärkten, Gesichtsmaskenpflicht, Aufrufe "Wir bleiben Zuhause" usw..
Auch Portugal hat ab Mitte März den Ausnahmezustand ausgerufen. Bis zum 3. Mai gab es Ausgangssperren, Geschäfte, Friseure, Autohäuser waren geschlossen, in den Behörden gab es keinen Publikumsverkehr und Massenveranstaltungen waren verboten (unter Beachtung der Hygienebestimmungen durfte die Demonstration mit 1.000 Menschen zum 1. Mai stattfinden).
Seit dem 18. Mai gibt es weitere Lockerungen der Einschränkungsmaßnahmen. Es gelten aber weiterhin die Hygieneregeln und an den Grenzen kann es zu Gesundheitsprüfungen bis hin zu Einreisesperren kommen, Touristen dürfen bis Mitte Juni nicht einreisen. Ebenso ist der Flugverkehr noch immer sehr eingeschränkt. Schiffe dürfen zwar anlegen, die Passagiere dürfen aber nicht an Land (bis auf Ausnahmen). Die Strände sollen erst wieder ab 6. Juni unter Einhaltung der Hygienebestimmungen öffnen.
Nach offiziellen Angaben hatten sich bis zum 23. Mai knapp 30.000 Menschen mit dem Virus infiziert, knapp 3.000 sind angeblich daran gestorben.

Siehe auch:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1173 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona
 Neue Weltordnung
 Deutschland

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