Polen

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Offizieller Name: Republik Polen
Hauptstadt: Warschau
Fläche: 323.250 km²
Landesnatur: Im N ausgedehnte Tieflandzone, anschließend schmale Mittelgebirgsregion, im äußersten S Anteil an den Karpaten
Klima: Übergangszone zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima
Hauptflüsse: Weichsel, Warthe, Oder
Höchster Punkt: Rysy (Meeraugspitze) 2499 m
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 16 Bezirke (Woiwodschaften)
Einwohner: 38.740.000 (1999); 38.415.284 (geschätzt Juli 2012)
Bevölkerungsdichte: 120 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 66% (1999)
Sprache: Polnisch
Religion: Römisch-katholische Christen 91% (1999)

Polen war im ausgehenden Mittelalter die politische und militärische Führungsmacht in Osteuropa. Der Wawel in Krakau war bis 1596 die Residenz der polnischen Könige. Nachdem Polen zuvor schon Gebiete verloren hatte, teilten jedoch 1795 Russland, Preußen und Österreich das Land unter sich auf. "Finis Poloniae" hieß es damals - "Das Ende Polens ist gekommen". Doch das Volk hörte nicht auf, gegen dieses scheinbar unabänderliche Schicksal zu rebellieren.
"Noch ist Polen nicht verloren..." hieß es in einem 1796 entstandenen Lied, das später zur polnischen Nationalhymne wurde. Das trotzige Aufbegehren gegen das Schicksal wurde zu einem wesentlichen Charakterzug des polnischen Volkes. Die tragischen Niederlagen, mit denen alle Aufstände des 18. und 19. Jahrhunderts endeten, brachten ein populäres Geschichtsverständnis hervor, das Polen als den Christus der Völker sah. So wie Christus für die Menschheit gelitten habe, so habe Polen am Kreuz Europas für die anderen Völker leiden müssen.

Diese im Volk verbreitete Auffassung erhielt neue Nahrung, als der 1918 gegründete polnische Staat nach nur zwei Jahrzehnten unabhängiger Existenz erneut ausgelöscht wurde. Das Deutsche Reich und die Sowjetunion vereinbarten seine definitive Streichung von der Landkarte. Hitler wollte Polen zu einer deutschen Kolonie machen und hatte seiner Bevölkerung das Los von Arbeitssklaven zugedacht. Nach seinem Willen sollte die polnische Nation untergehen. Er gab die Parole aus: germanisieren oder ausrotten! Doch auch diesem Urteil beugten sich die Polen nicht. Aus dem Untergrund heraus leisteten sie den Okkupanten erbitterten Widerstand, und außerhalb Polens kämpfte ihre Exilarmee gegen Hitler-Deutschland.
Als das Martyrium der deutschen Besatzung vorbei war, entstand wieder ein polnischer Staat - jedoch unter sowjetischer Herrschaft. Auch dagegen rebellierte das Volk, bis es das ihm aufgezwungene Gesellschaftsmodell Ende der 1980er Jahre abschütteln konnte.
Zur Niederlage des Kommunismus trug jedoch nicht allein der historisch gewachsene Widerstandswille des polnischen Volkes bei. Polen war und ist ein katholisches Land und daher kein günstiges Terrain für eine atheistische sozialistische Gesellschaft. Mehr als 90% seiner fast 39 Millionen Einwohner sind katholisch getauft. Seit über 1000 Jahren bekennen sich die Polen zum katholischen Glauben. Sie selbst sahen sich stets als Bollwerk des christlichen Abendlandes gegen heidnische Eroberer wie Mongolen und Türken. Gleichzeitig waren sie der Fels des Katholizismus zwischen dem orthodoxen Russland und dem "ketzerisch" protestantischen Preußen.

Lubomirski

In den Jahren 1795-1918, als der polnische Staat aufgelöst war, lebte die Mehrheit der Polen im orthodoxen Russland bzw. im protestantischen Preußen und sah sich einem permanenten Druck der Russifizierung bzw. Germanisierung ausgesetzt. Weder in Preußen noch im zaristischen Russland duldete man Volks- und Oberschulen oder gar Hochschulen mit Polnisch als Unterrichtssprache. Das nationale Bindeglied war das gemeinsame Bekenntnis zur katholischen Religion sowie die gemeinsame Sprache. Neben literarischen Werken halfen auch Gesang- und Gebetbücher die polnische Sprache zu bewahren. Die katholische Kirche wurde zur nationalen Sammlungsbewegung und zum Symbol des Polentums. Daher ist es gerechtfertigt, zu sagen: "Pole" gleich "Katholik".


Im Warschauer-Ghetto wurde viel musiziert, doch Chopin zu spielen war von den Nazis strengstens verboten. Später durften im Ghetto nur noch jüdische Komponisten gespielt werden, insbesondere Mendelssohn Bartholdy.

Anlässlich des 90. Geburtstag von Herrn Reich-Ranicki ( 18.09.2013) wurde dieses Interview in der Sendung hr2-Doppelkopf ausgestrahlt.

37 Min. / 36 MB
Mit freundlicher Genehmigung,
Quelle: Hessischer Rundfunk / hr2 2010

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg teilte der Klerus die Leiden des Volkes. Ein großer Teil der katholischen Geistlichen in Polen starb in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Im Zeichen des Stalinismus zu Beginn der 1950er Jahre tobte ein Kirchenkampf in Polen. Kardinal Wyszynski wurde eingekerkert, konnte jedoch 1956 im Triumphzug nach Warschau zurückkehren. Trotz der Liberalisierung in den folgenden Jahrzehnten blieb der sonntägliche Gang zur Kirche ein Zeichen des inneren Widerstands gegen den zwangsweise verordneten Kommunismus und ein Bekenntnis zum Polentum.
Polen ist bereits seit undenklichen Zeiten ein Land der Marienfrömmigkeit. Die berühmte Schwarze Madonna von Tschenstochau (im Paulinenkloster Jasna Góra) wurde im Jahre 1656 durch königlichen Beschluss zur "Königin der Krone Polens" erhoben. Nach allgemeiner Überzeugung hatte sie ein Wunder getan und dem Land in aussichtsloser Lage einen Sieg gegen die Schweden geschenkt. Sie gilt noch heute als Schutzpatronin Polens.
Die 1978 erfolgte Wahl Karol Wojtylas zum Papst festigte das Selbstwertgefühl der Polen enorm. Dabei haben sie ohnehin keinen Mangel an weltberühmten Männern, vor allem in Kunst und Literatur. Besonders in der schöngeistigen Literatur sind viele Werke polnischer Autoren zu finden, die die Weltliteratur bereichert haben. Jüngste Nobelpreisträgerin ist die Lyrikerin Wislawa Szymborska; vor ihr erhielten W. St. Reymont, Henryk Sienkiewicz und Czechlaw Milosz diese Auszeichnung. Schriftsteller wie Hlasko, Mrozek, Andrzejewski, Lem und Przypiorski werden nicht nur von Literaturkritikern geschätzt, sondern haben auch beim internationalen Publikium großen Anklang gefunden.
Die ausgeprägte Liebe der Polen zur Musik hat der Welt nicht nur die Tänze Mazurka und Polonaise beschert, die durch Frédéric Chopin in die klassische Musik eingeführt wurden; der Geiger Henryk Szeryng und die Komponisten Witold Lutoslawski und Krzysztof Penderecki haben im 20. Jahrhundert Weltruf erlangt.
Im Bereich des Films sind die Regisseure Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi, Krzysztof Kieslowski und Roman Polanski anerkannte Meister ihres Faches. Die hier genannten Namen geben nur einen kleinen Ausschnitt aus dem reichen kulturellen Leben des Landes wieder.

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Der Staat

Seit der Auflösung der kommunistischen Herrschaft Ende 1989, hat sich Polen von einem sozialistischen System zu einer marktwirtschaftlich orientierten parlamentarischen Demokratie entwickelt. Dieser totale Umbruch ging nicht ohne wirtschaftliche Einschränkungen seitens der polnischen Bevölkerung vonstatten.
Im März 1999 wurde Polen Mitglied in der NATO und am 1. Mai 2004 Mitglied in der Europäischen Union (EU).

Der Sommer der Hoffnung
Die Umwälzungen in den Jahren zwischen 1989 und 1999 sind nur zu verstehen, wenn man einen Blick auf die Ereignisse des Jahres 1980 zurückwirft. Damals versuchte die polnische Führung, der drastischen Verschlechterung der Wirtschaftslage durch Lebensmittelverteuerungen entgegenzutreten. Damit rief sie massive Proteste der Arbeiterklasse hervor, die in eine das ganze Land erfassende Streikwelle mündeten. Der regierenden "Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei" (PVAP) fehlte die politische Kraft zur gewaltsamen Niederschlagung der Streikbewegung. Sie war gezwungen, sich auf Verhandlungen mit dem Streikkomitee der Danziger Lenin-Werft einzulassen, dem Jacek Kuron (* 1934) und andere Mitglieder des "Komitees zur gesellschaftlichen Selbstverteidigung" (KOR) beratend zur Seite standen.

In einem Abkommen mit der Regierung erreichte das Streikkomitee unter Vorsitz des früheren Werftarbeiters Leszek (Lech) Wałęsa (* 1943) die Zulassung von unabhängigen Gewerkschaften als "authentische Vertreter der Arbeiterklasse".
Im September desselben Jahres wurde das "Nationalkomitee für Solidarität" (Solidarność) gegründet, das innerhalb kürzester Zeit 10 Millionen Mitglieder gewann. Obwohl die sehr heterogen zusammengesetzte Solidarität eine grundlegende Demokratisierung der Gesellschaft forderte, tastete sie zunächst die Führungsrolle der PVAP nicht an. Als sie aber eine Volksabstimmung über die Glaubwürdigkeit der Regierung forderte, sahen die Kommunisten das Machtmonopol der PVAP in Frage gestellt.

Der Militärputsch vom 13.12.1981
Unter dem Druck der Sowjetunion, die energische Maßnahmen einforderte, rief die polnische Regierung am 13.12.1981 das Kriegsrecht aus. Die Macht übernahm ein "Militärrat zur nationalen Rettung" unter Vorsitz von General Jaruzelski (* 1923). Fast die gesamte Führung der Solidarność und ihre Berater wurden verhaftet. Aus dem Untergrund setzte die als aufgelöst erklärte Solidarność unter Leitung des im April 1982 entstandenen "Provisorischen Nationalen Koordinierungsausschusses" ihre Tätigkeit fort. Es war ein Triumph für Solidarność, als Lech Wałęsa im Jahre 1983 den Friedensnobelpreis erhielt. Verhaftungswellen und Amnestien lösten sich in den nächsten Jahren ab, bis im Herbst 1986 fast alle politischen Gefangenen aus der Haft entlassen wurden.
Die katholische Kirche wurde jetzt zur dritten Kraft, die eine Mittlerrolle zwischen Regierung und Gewerkschaft einnahm. Die Partei konnte an der Kirche nicht mehr einfach "vorbeiregieren". Um die innenpolitische Situation nicht zu verschärfen, mussten die politischen Entscheidungen die Zustimmung der Kirche finden. Die stürmisch bejubelten Papst-Besuche in den Jahren 1983 und 1987 verdeutlichten die tiefe Verwurzelung der polnischen Bevölkerung in der Kirche und unterstrichen die Autorität der Kirche gegenüber der Regierung.

Die Ablösung der kommunistischen Herrschaft
Erneute Preiserhöhungen lösten 1988 eine Streikwelle aus. Daraufhin schlug Innenminister Kiszcak (* 1925) der Opposition einen Dialog am "Runden Tisch" vor. Kernstück der Verhandlungen waren die Zulassung der Bürgerkomitees für Solidarność und die Beteiligung der Opposition an Wirtschaftsreformen. Eine Verfassungsnovelle gewährte dem Staatspräsidenten weitreichende Kompetenzen. Als Gegenleistung wurden der Opposition freie Wahlen für eine neugeschaffene zweite Kammer des Parlaments - den Senat - zugesagt. Die Wahlen zum Senat wurden zu einer Abrechnung mit der PVAP: Die von der Solidarność unterstützten Kandidaten erhielten 99 von 100 Sitzen. Im Sejm, dem Parlament, waren den Kommunisten und den mit ihnen verbündeten Blockparteien von vornherein 65% aller Mandate zugesichert worden. Doch entgegen allen Erwartungen gingen die Blockparteien - Vereinigte Bauernpartei und Demokratische Partei - ein Bündnis mit der Parlamentsfraktion von Solidarność ein. Tadeusz Mazowiecki (* 1927) wurde zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten gewählt. Als Relikt der alten Kräfte amtierte bis ins Jahr 1990 noch der alte Staatspräsident General Jaruzelski, der sich jedoch der neuen Regierung gegenüber loyal verhielt. Die ersten freien Präsidentschaftswahlen 1990 gewann Lech Wałęsa. Er löste General Jaruzelski als Staatspräsident ab und trieb den demokratischen Wandel voran. Die Präsidentschaftswahlen im November 1995 gewann Aleksander Kwasniewski (* 1954) als Kandidat der aus den früheren Kommunisten hervorgegangenen Parteienallianz Bund der demokratischen Linken. Im Mai 1997 billigte die Bevölkerung per Referendum eine neue Verfassung. Polen wurde im März 1999 Mitglied der NATO. Bei den Wahlen im Oktober 2000 wurde Kwasniewski als Staatschef bestätigt.

Neues Staatsoberhaupt wurde am 23.12.2005 Lech Kaczyński von der rechtskonservativen Partei PiS (Prawo i Sprawiedliwość - "Recht und Gerechtigkeit"). Am 14.7.2006 wurde dessen Zwillingsbruder Jarosław Kaczyński Ministerpräsident, der jedoch nach vorgezogenen Neuwahlen im Oktober 2007 durch den bisherigen Oppositionsführer Donald Tusk (seit dem 1. Dezember 2014 Präsident des Europäischen Rates) von der konservativ-liberalen Platforma Obywatelska (PO, "Bürgerplattform") ersetzt wurde. [...] Die Zwillingsbrüder Kaczyński [...] verfolgten mit Nachdruck ihr nationalkonservatives Projekt einer gesellschaftlichen und moralischen Erneuerung der Nation, blieben aber schon mit dem Versuch einer umfassenden Abrechnung mit den Funktionären und Mitläufern des früheren kommunistischen Regimes stecken. [...]
Zitat: Der Fischer Weltalmanach 2008, S. 385

Präsidentschaftswahl im Juli 2010

Drei Monate nach dem tragischen Flugzeugunglück, bei dem der bisherige Staatspräsident Lech Kaczyński mit 95 weiteren Menschen ums Leben kam, hat Polen einen neuen Präsidenten. Bei der Stichwahl am 4. Juli 2010 konnte sich der europa- und deutschland-freundliche Bronisław Komorowski (*1952) gegen Jarosław Kaczyński durchsetzen. Komorowski, von 2000 bis 2001 Verteidigungsminister Polens, gehört der Partei Bürgerplattform (Platforma Obywatelska) an, die mit Donald Tusk ebenso den Ministerpräsidenten stellt.
Warschau

Staatstragödie

Am 10. April 2010 ist Staatspräsident Lech Kaczyński mit 95 weiteren Menschen, darunter seine Ehefrau, hochrangige polnische Politiker und Militärs sowie Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen.

Die aus Warschau kommende Tupolew-Maschine war beim Anflug auf den Militärflughafen von Smolensk um 10.50 Uhr Ortszeit mehrere hundert Meter entfernt von der Landebahn in der Kleinstadt Petscheresk in mehrere Bäume gerast. Ein Fluglotse soll dem Piloten der Unglücksmaschine kurz vor dem Anflug auf Smolensk dringend geraten haben, wegen dichten Nebels nach Minsk in Weißrussland auszuweichen. Das berichtete die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf Militärkreise. Die Fluglotsen hätten jedoch kein Recht, dem polnischen Präsidentenflugzeug die Landung zu verbieten.
Aus dem Funkverkehr mit dem Tower kann man entnehmen, dass der Pilot unter starkem Stress stand. Kaczynski wollte unbedingt mit der Delegation an der Gedenkfeier für die Ermordung tausender polnischer Offiziere und Soldaten durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD auf Befehl von Stalin vor 70 Jahren im russischen Katyn teilnehmen.
Laut Medienberichten kann das Unglück möglicherweise auf Verständigungsprobleme zwischen dem Fluglotsen und dem Piloten zurückgeführt werden.
Wawel[...] Laut Angaben des russischen Fluglotsen Pavel Plusnin, der den Landeanflug der polnischen Präsidentenmaschine überwachte, gab es erhebliche Kommunikationsprobleme zwischen dem Tower in Smolensk und der Besatzung der Tupolew 154 [...] "Sie taten sich mit den Zahlen schwer, weshalb ich nicht feststellen konnte, in welcher Höhe sie fliegen", sagte Plusnin dem Nachrichtenportal Livenews.ru. [...]
Zitat: "derstandard.at/1269449519974/Sprachproblem-soll-Absturz-verursacht-haben", 13. April 2010.
In Polen wurde für eine Woche Staatstrauer ausgerufen. Viele Polen bringen dieses in der Welt beispiellose Unglück symbolisch mit dem Massaker von Katyn in Verbindung und meinen, dass Polen nun zum zweiten Mal bedeutende Teile seiner nationalen Elite verloren habe.

Wie Ermittler des Flugzeugunglücks festellen konnten, befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls zwei unbefugte Personen im Cockpit. Die eine Person war der polnische Luftwaffenchef Andrzej Blasik, die zweite Person wurde nicht genannt. Aus den ausgewerteten Blackbox-Daten ging jedoch nicht hervor, dass die Piloten irgendwie beeinflusst worden wären. Es wird jedoch spekuliert, dass Lech Kaczyński die vierte Person im Cockpit war und auf eine Landung bestanden hat.
de.rian.ru, Im Cockpit der Unglücksmaschine von Smolensk Unbefugte ausgemacht, 19. Mai 2010

Entwicklungen ab 2015

2020: Corona - SARS-CoV-2 - Covid-19 - Pandemie
Aufgrund einer globalen Pandemie, ausgelöst durch den sogenannten "neuen Virus" Covid-19 (Coronavirus) werden ab 2020, beginnend in der chinesischen Region Hubei und ab März u.a. in Europa und den USA die Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Es gibt Grenzschließungen, Reisebeschränkungen, Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen, Kontaktverbote, Aufrufe zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum nächsten Menschen von 2 Metern, entsprechende Markierungen in Supermärkten, Gesichtsmaskenpflicht, Aufrufe "Wir bleiben zuhause" usw..
Auch Polen hat ab Mitte März erhebliche Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus angeordnet.

Siehe auch:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

14. November 2015: Polen nimmt keine weiteren Immigranten auf
Kurz nach den Terroranschlägen in  Paris am 13.11., erklärte der ab dem 16.11. amtierende Minister für Europäische Angelegenheiten, Konrad Szymanski (PiS), dass Polen aufgrund der Gefährdungslage Flüchtlinge nur noch nach gründlichster Überprüfung und Ausschließung jeglicher Gefährdung für das Land aufnehmen werde. Antoni Macierewiecz (neuer Verteigungsminister) wolle insbesondere keine muslimischen Einwanderer mehr aufnehmen. Die noch unter der Vorgängerregierung vereinbarte Aufnahmequote werde damit verworfen. Wie es heißt, müsse Polen die volle Kontrolle über seine Grenzen, über seine Asyl- und Migrationspolitik behalten. Der ehemalige Regierungschef und Vorsitzender der polnischen Linkspartei, Leszek Miller, sagte sogar, dass Angela Merkel die "größte Schadensverursacherin Europas" sei. [...] Niemand habe die Regierungen und Gesellschaften der EU gefragt, ob sie eine Massenzuwanderung wünschten, so der Vorwurf des Linkenpolitikers.[...]
Am 16. November hat die neue Regierung unter Beata Szydlo ihre Arbeit aufgenommen.
Zitat: "www.metropolico.org/2015/11/15/polen-keine-immigranten-aufnahme-mehr/", 15.11.2015

Oktober 2015: Jarosław Kaczyńskis PiS gewinnt bei Wahlen
Bei der Parlamentswahl am 25. Oktober haben sich die stimmberechtigten Wähler für eine neue Regierung ausgesprochen. Die bisherige Oppositionspartei PiS (Prawo i Sprawiedliwosc - "Recht und Gerechtigkeit") gewinnt mit knapp 38 Prozent (das bester Ergebnis ihrer Geschichte) vor der konservativ-liberalen Platforma Obywatelska (PO, "Bürgerplattform") von Regierungschefin Ewa Kopacz. Die PiS, angeführt von Jarosław Kaczyński, ist nicht nur EU-/ und €-kritisch, sie steht auch in Flüchtlingsfragen (siehe hierzu auch  Deutschland) für einen hart rechten Kurs. Die moderat und bürgernah erscheinende Beata Szydlo wird zwar die Regierungsgeschäfte übernehmen. Doch im Hintergrund wird Jarosław Kaczyński die Fäden ziehen.

Andrzej Sebastian Duda ist neuer Präsident
Am 24. Mai 2015 wurde in einer Stichwahl Bronisław Komorowski als Staatspräsident abgewählt. Andrzej Sebastian Duda erhielt 51,55 Prozent der Stimmen und wurde am 6. August 2015 als Staatsoberhaupt vereidigt.
Bronisław Komorowski war ein Vertreter liberal-konservativer Positionen, er verteidigte den Raketenabwehrschild (als Teil der Raketenabwehr der NATO) und setzte sich für ein entschlossenes Auftreten der EU gegenüber Russland ein, insbesondere bezüglich des Ukraine-Krieges. Der konservative Duda (bis Mai 2015 Mitglied der PiS) hat mit seinem jugendlichen Image besonders viele junge Leute gewinnen können. Duda appelliert u.a. an [...] ein Traditionsbewusstsein, das die nationale Bedeutung des Heldentums, des verlorengeglaubten ländlichen Lebens der Kresy und der katholischen Kirche wiederzubeleben versucht. Als Vorbilder bezeichnete er neben Lech Kaczyński die Widerstandskämpfer des Warschauer Aufstands 1944 und Papst Johannes Paul II.[...]
Zitat: de.wikipedia.org, Andrzej_Duda

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Die Geschichte Polens

Durch die Geschichte Polens zieht sich wie ein roter Faden der Kampf um nationale Unabhängigkeit. Zeitweise eine osteuropäische Großmacht, dann über Jahrhunderte als Staat von den Landkarten verschwunden, blieb das Credo der polnischen Geschichte: "Nie damy sie" -"Wir lassen uns nicht unterkriegen".

Aufstieg zur osteuropäischen Großmacht
Die im polnischen Kerngebiet zwischen Kruschwitz und Gnesen lebenden polnischen - Poleni bedeutet Feldbewohner - Stämme schlossen sich um die Mitte des 10. Jahrhunderts unter Herzog Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten zusammen. Dieser trat 966 zum Christentum nach lateinischem Ritus über. Unter seinem Sohn Bolesław dem Tapferen, der sich 1025 zum König krönen ließ, dehnte sich das Reich aus. Als im 14. Jahrhundert die Dynastie der Piasten ausstarb, waren Pommern und Schlesien wieder verloren, und Polen war durch den neu entstandenen Staat des Deutschen Ordens von der Ostsee abgeschnitten und splitterte sich in Teilfürstentümer auf.
In der Zeit der Jagiellonen (1386-1572) entwickelte sich Polen zu einem multinationalen Großreich. Durch die Heirat der polnischen Thronerbin Hedwig (Jadwiga) mit dem Großfürsten Jagiełło kam die Personalunion Polens mit Litauen zustande. Im 15. Jahrhundert stieg das neue Großreich nach Siegen über den Deutschen Ritterorden zur politischen und militärischen Führungsmacht in Osteuropa auf. König Kasimir IV. gewann für seinen Sohn Władysław 1471 die böhmische und 1490 die ungarische Krone. Während Böhmen und Ungarn 1516 an die Habsburger verloren gingen, schloss sich Polen 1569 in der "Realunion" noch enger mit Litauen zusammen. Nachdem die Dynastie der Jagiellonen 1572 erloschen war, begann die Periode des Wahlkönigtums (1573-1795).
Im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts hatte sich Polen in einen Ständestaat verwandelt. Auf Kosten der Bauern, die 1496 zu Leibeigenen wurden, und der Städte hatten die adeligen Grundherren - die Szlachta - ihre Stellung ausgebaut. Diese übten faktisch die Herrschaft aus, beriefen jedoch regelmäßig einen Ausländer zum König, der nicht mehr war als eine machtlose Galionsfigur. Die Reformation fasste in Polen zunächst schnell Fuß, musste jedoch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der von Jesuiten geführten Gegenreformation weichen, die die dominierende Rolle des Katholizismus begründete. Seit 1652 galt im polnischen Reichstag das berüchtigte "Liberum veto", d. h. jeder Abgeordnete konnte jede Beschlussfassung durch sein nicht zu begründendes Veto verhindern. So entstand eine Art institutionalisierte Anarchie ohne funktionierende Zentralgewalt.

Nation ohne Staat - die polnischen Teilungen
Die Schwäche Polens nutzten seine drei großen Nachbarn Russland, Preußen und die Habsburger Monarchie aus und teilten 1772 das Land zum ersten Mal. Russland nahm sich das Land östlich der Düna und des Dnjepr, Österreich erhielt Galizien, während Preußen sich Westpreußen einverleibte. Doch dies war nur der Anfang vom Ende. Denn der zweiten Teilung Polens (1793) folgte 1795 die dritte, die den Staat von der Landkarte tilgte. Polen existierte nicht mehr, es begann die Periode der Fremdherrschaft, die bis 1918 andauerte, d.h. einen Zeitraum von gut drei Generationen.
Doch das in drei Teile zerrissene polnische Volk bewahrte das Bewusstsein seiner nationalen Zusammengehörigkeit und seine kulturelle Identität. Napoleon I. hob mit dem Herzogtum Warschau einen neuen polnischen Staat aus der Taufe. Doch Napoleons Ende bedeutete auch wieder das Ende aller Sehnsucht der Polen. Der Wiener Kongress schuf 1815 "Kongresspolen", einen vom Zaren beherrschten Marionettenstaat. Zahlreiche Aufstände gegen die russische und preußische Oberherrschaft scheiterten. Doch die Politik der Russifizierung und Germanisierung konnte den Polen nicht ihre nationale Identität rauben.

Das 20. Jahrhundert
Die Niederlage des Deutschen Reiches und der Habsburger Doppelmonarchie im Ersten Weltkrieg sowie die Russische Revolution bildeten die Grundlage für die Entstehung eines neuen polnischen Staates. Nach Siegen über die Rote Armee (1920/21) dehnte Polen seine östlichen Grenzen beträchtlich aus: Ukrainer, Weißrussen, Litauer, Juden und Deutsche stellten ein Drittel seiner Bevölkerung.
Im September 1939 wurde Polen von Deutschland überfallen und im Einvernehmen zwischen Hitler und Stalin erneut von der Landkarte getilgt. Staat und Nation waren der Vernichtung preisgegeben. Über sechs Millionen Polen überlebten den Krieg nicht, darunter fast drei Millionen Juden.
Nach Kriegsende erfolgte auf der Potsdamer Konferenz die Neuregelung der polnischen Grenzen. Während der Grenzverlauf im Osten der sogenannten Curzon-Linie, fast analog dem Hitler-Stalin-Pakt, folgt, wurde die Westgrenze Polens an der Oder-Neiße-Linie festgelegt. Die meisten Deutschen wurden vertrieben und Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten angesiedelt. Der neue polnische Staat geriet nun unter sowjetische Oberhoheit. Doch die Polen gaben sich noch nicht auf. Die teilweise blutig niedergeschlagenen Arbeiterunruhen - 1956 in Posen, 1970 in Danzig und Gdingen, 1976 in Radom und Ursus sowie 1980 in allen Ostseehäfen - leiteten das Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen ein.

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Landesnatur

Polen liegt im Osten Mitteleuropas und weist dieselbe zonale Dreigliederung von Tiefland, geologisch altem Schollen- und Mittelgebirgsland und jung gefaltetem Hochgebirge auf, wie sie für ganz Mitteleuropa typisch ist. Von der Ostseeküste mit ihren größtenteils flachen, breiten Sandstränden steigt das Land über die Seenplatte Pommerns, Pommerellens und Masurens sowie die Hügel und Sander des Baltischen Landrückens weiter über das ausgedehnte Polnische Tiefland zum schmalen Mittelgebirgsgürtel der Sudeten und der Kleinpolnischen Hochfläche an. Den Abschluss bilden im Südosten die Karpaten.

Flaches Land, endlose Wälder, zahlreiche Seen
Polen wartet mit einem der schönsten Abschnitte der Ostseeküste auf: bis zu 60 m hohe Dünenwälle, von Strandhafer und Kiefernwäldchen am Wandern gehindert, vereinzelt auch Steilhänge, dazu sandige Nehrungen, wie die Frische Nehrung oder die Halbinsel Heia, mit abgeriegelten Buchten, seichten Haffen oder abgeschlossenen Strandseen. An der weit ins Land reichenden Mündungsbucht der Oder sowie im Mündungsdelta der Weichsel liegen Stettin, Danzig und Gdingen.

Masuren

Im Hinterland der Küste schließt sich eine typische Moränenlandschaft mit Wäldern und Gewässern an: die Seenplatte Pommerns, Pommerellens und Masurens. In Masuren durchbrechen immer noch - wie im Volkslied besungen - wilde Schwäne mit ihrem rauschenden Flügelschlag die nächtliche Stille, und Störche zieren mit ihren Nestern Bauernhäuser und Kirchtürme. In dieser an urwüchsig herben Naturschönheiten reichen, an fruchtbarem Boden jedoch armen Region sind unzählige kleinere und größere Seen zwischen dunklen Wäldern und grünen Wiesen versteckt. Die Seen sind größtenteils durch Flüsse und Kanäle miteinander verbunden. Das "Masurische Meer", der Spirdingsee, ist mit einer Fläche von 122 km² Polens größter Binnensee und Heimat einer größeren Zahl der selten gewordenen Graureiher. Bei Lötzen befindet sich auf der Hohen Insel ein großes Naturschutzgebiet für Kormorane - Polen ist ein Land mit ausgeprägtem Natur- und Landschaftsschutz.

Das sehr niedrig gelegene Mittelpolnische Tiefland bietet ein von den Eiszeiten geformtes Landschaftsbild: Flache Lehmplatten werden von breiten, sanderfüllten, vielfach auch versumpften Talfurchen - den Urstromtälern - zerschnitten. Dort, wo im Vorland von Endmoränen Geröll und Sand, sogenannte Sander abgelagert wurden, dehnen sich heute Heideflächen aus, die wie die Tucheier und Johannisburger Heide von Kiefernwäldern bestanden sind. Wo sich jedoch Schmelzwasser sammelte, entstanden breite Urstromtäler, denen heute teilweise Oder und Netze, Warthe, Weichsel und Bug folgen. Mittelpolen ist überwiegend ein ausgedehntes Ackerbaugebiet mit einigen bewaldeten Hügeln. Östlich der Weichsel finden sich jedoch noch nahezu unberührte, riesige Wälder mit altem Baumbestand. Ein Paradies besonderer Art ist die Puszcza Kampinoska in Masowien, ein Wald-, Sumpf- und Dünengebiet zwischen der Weichsel und ihrem Nebenfluss Bzura, in dem Elche, Wölfe, Füchse und Wildschweine ein beschütztes Dasein führen. Da die Weichsel inzwischen so verschmutzt ist, dass sie bereits als "toter Fluss" gilt, sind die Tage des Paradieses allerdings gezählt.

Ein Refugium für sportliche Aktivitäten
Über der niederschlesischen Lößebene im Südwesten erhebt sich das bewaldete Gebirgsland der Sudeten. Das Riesengebirge mit der 1602 m hohen Schneekoppe ist der bekannteste Teil der 300 km langen Bergkette der Sudeten. Hier leben in einem großen Naturschutzpark unter anderem noch Mufflons. Östlich der Oder setzt sich das Mittelgebirge in der Kleinpolnischen Hochfläche fort.
Die südöstliche Grenze Polens bilden die Karpaten, die über eine von Flüssen durchzogene Hügellandschaft zu den Gebirgsketten der Hohen (West-) Beskiden, der Hohen Tatra und der Niederen (Ost-)Beskiden ansteigen. Die sanften Kuppen der Beskiden sind dicht bewaldet, nur wenige Gipfel ragen über die Waldgrenze hinaus - so der Babia Gora (1725 m) in den Hohen Beskiden. In den Niederen Beskiden finden sich in einem Nationalpark noch unberührte Urwälder mit Bären, Wölfen, Wisenten und Luchsen.
Eiszeitlich überformte Gipfel, durch Gletschererosion verbreiterte und übertiefte Täler sowie tosende Wasserfälle verleihen der Hohen Tatra Hochgebirgscharakter. Über dunkle Fichten- und Lärchenwälder, auf die in höheren Lagen grüne Almen mit ihren im Herbst rot leuchtenden Vogelbeerbäumen folgen, erheben sich kahle Felsgipfel mit schroffen Wänden, Graten und Karen, in die malerische, kristallklare Bergseen, die sogenannten Meeraugen, eingebettet sind. Der höchste Berg ist mit 2499 m der Rysy (Meeraugspitze).

Das Klima: beständig wechselhaft
Der geographischen Lage entsprechend liegt Polen im Übergangsbereich zwischen ozeanisch geprägtem mitteleuropäischen und kontinentalem osteuropäischen Klima. Da natürliche Lufthindernisse fehlen, ist der Verlauf der Jahreszeiten bei meist unbeständigem Wetter recht unterschiedlich. Die Winter sind entweder trockenkalt mit langen, jedoch meist von Tauwetter unterbrochenen Frostperioden oder warm und feucht. Die Niederschläge (zwischen 600 mm in den Ebenen und 1000 mm in den Gebirgen) fallen vorwiegend in den verhältnismäßig warmen Sommern, in denen Temperaturen von 30C keine Seltenheit sind.

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Warschau

Die Altstadt
Am Rande der Warschauer Altstadt liegt das Königsschloss, das 1971-1981 in frühbarockem Stil wiederaufgebaut wurde. Heute kann man dort eine herrliche Sammlung von Wandteppichen und Gemälden besichtigen, darunter Stadtansichten Warschaus, die der venezianische Künstler Bernardo Benedetto (1720-1780), genannt Canaletto, schuf.
Mitten auf dem Schlossplatz erhebt sich die Sigismundsäule, die 1643-1644 zum Andenken an den Monarchen, der die polnische Hauptstadt von Krakau nach Warschau verlegte, errichtet wurde. Unterhalb des Schlosses am Weichselhang liegt das Palais Lubomirski, das auch "Pod Blacha", übersetzt "unter dem Blechdach", genannt wird und insbesondere für die kunstvollen Fassadendekorationen des steilen Dachgeschosses bekannt ist.

Von ähnlichen Dachaufbauten, den sogenannten "Warschauer Türmchen", werden auch viele der drei- oder vierstöckigen Häuser gekrönt, die den Marktplatz (Rynek) der Altstadt flankieren. Die farbenfrohen Stuckarbeiten verleihen den Häusern und Geschäften ein besonders auffallendes Aussehen. Auf die angebotenen Produkte wird hier durch uralt erscheinende schmiedeeiserne Schilder hingewiesen. Blumenbänke schirmen die Cafés ab, ein beliebtes Ziel für Warschauer, die Entspannuung suchen. Der Altstädter Markt ist einer der schönsten Plätze Europas. Wie zahlreiche weitere Gebäude des alten Warschau ist die heutige Bausubstanz des Altstädter Marktplatzes jedoch nicht älter als 50 Jahre.
Das Historische Museum der Stadt Warschau an der Nordseite des Altstädter Marktplatzes bietet die Erklärung für diese mysteriöse Tatsache. Das Museum dokumentiert, dass - betrachtet man die wechselvolle Geschichte der Stadt - ihr lateinischer Wahlspruch "Contemnit procellas", "Herausforderer der Stürme", mehr als gerechtfertigt ist.

Im Laufe ihrer 700-jährigen Geschichte unternahmen Invasoren dreimal den Versuch, die Stadt vollständig zu zerstören. 1656 wurde Warschau von schwedischen Herren verwüstet. 1794, nach der Zweiten Teilung Polens, wurden im Zuge des Aufstands der Warschauer gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Die bei weitem größten menschlichen Verluste und materiellen Schäden erlitt die Stadt jedoch im Zweiten Weltkrieg. 1939 war Warschau bei der deutschen Invasion bereits schwersten Bombardements ausgesetzt. Während des verzweifelten jüdischen Aufstands (Ghetto-Aufstand vom 19. April bis 16. Mai 1943), als das Warschauer Ghetto dem Erdboden gleichgemacht wurde (die meisten Widerstandskämpfer starben; die letzten Überlebenden des Ghettos, die noch in Lagern in oder nahe der Stadt festgehalten wurden, wurden ein Jahr später während des Warschauer Aufstands umgebracht), folgten anschließend weitere schwere Verwüstungen. 1944 erhob sich die polnische Heimatarmee (Armina Kraiowa) in Warschau gegen die deutsche Besatzungsmacht. Nach dreimonatigem Widerstand wurde der Warschauer Aufstand brutal niedergeschlagen.

Das Warschauer Ghetto
Von den ursprünglich 380.000 Bewohnern des am 16. Oktober 1940 eingerichteten Warschauer-Ghettos - ca. 30% der Warschauer Gesamtbevölkerung - wurden zwischen dem 22. Juli und 12. September 1942 rund 300.000 Menschen mit Zügen ins Vernichtungslager Treblinka transportiert. Vom so genannten "Umschlagplatz" aus wurden 1943 täglich bis zu 6.000 polnische Juden in die Vernichtungslager deportiert und umgebracht. Als die deutschen Besatzer am 19. April anrückten, um das Warschauer Ghetto endgültig zu liquidieren, griffen etwa 750 Aufständische zu den Waffen. Etwa vier Wochen benötigten die deutschen Polizei- und SS-Einheiten, um den Aufstand niederzuschlagen. Mit der Sprengung der großen jüdischen Synagoge am 16. Mai 1943 wurde von deutscher Seite der Ghetto-Aufstand offiziell für beendet erklärt.

Juden in Polen
Am 1. September 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht von Westen in Polen ein und am 17. September besetzte die Rote Armee in Polens Osten. Im erneut geteilten Polen (nach dem Hitler-Stalin-Pakt) befanden sich laut Volkszählung von 1931 61,2% der Juden in deutsch und 38,8% in sowjetisch besetzten Territorien. Unter Berücksichtigung der Bevölkerungswanderung von West nach Ost während und nach dem Polenfeldzug war der Prozentsatz der Juden in sowjetisch besetzten Gebieten wahrscheinlich höher als bei der Volkszählung (siehe: "de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Polen").

Im Jahre 1939 gab es in Polen 3.460.000 polnische Bürger jüdischer Konfession. Von 1939 bis 1941 wurden 100.000 bis 300.000 polnische Juden aus dem sowjetisch besetzten Territorium in Polen in die Sowjetunion deportiert.
Insgesamt fielen über 90% der Juden in Polen dem Holocaust zum Opfer. In der Nachkriegszeit entschieden sich viele der Überlebenden, aus der Volksrepublik Polen in den neuen Staat Israel auszuwandern. Erst mit dem Fall des Kommunismus hat sich ab 1989 wieder eine jüdische Gemeinde in Polen gebildet, die derzeit etwa 8.000 bis 12.000 Mitglieder umfasst.

Der Wiederaufbau der Stadt
Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden 85% der Bevölkerung Warschaus getötet oder aus ihrer Stadt vertrieben. 1945, als Warschau als Hauptstadt der unter sowjetischem Einfluss stehenden Volksrepublik Polen eine zumindest begrenzte Freiheit wiedererlangte, begannen die Rückkehrer mit dem Wiederaufbau ihrer Stadt. Bald beherrschten gewaltige, hochaufragende Wohnblocks, große Fabrikanlagen und bedrückende Amtsgebäude die Silhouette. Der 1955 fertiggestellte Palast der Kultur und der Wissenschaft war ein Geschenk Stalins an die Stadt.
Das alte Warschau und ebenso das historische Polen lebten aber in den Herzen der polnischen Bevölkerung weiter. Mit bemerkenswerter Hingabe machte sie sich daran, die "Altstadt" wieder in ihrer früheren Schönheit erstehen zu lassen. Die noch auffindbaren Fragmente wurden in die sorgfältige Rekonstruktion der historischen Baudenkmäler, bei der man sich an erhaltenen Bauplänen von Häusern und ganzen Straßenzügen sowie an den Gemälden und Skizzen Canalettos und anderer Künstler orientierte, einbezogen. Erst 1981 fand diese große Aufgabe mit der Beendigung des Wiederaufbaus des Königsschlosses ihren gelungenen Abschluss.
Heute ist Warschau sowohl kultureller als auch wirtschaftlicher Mittelpunkt Polens. Da die Wirtschaft des Landes sich allmählich der Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild annähert, kommen westliche Konsumgüter in immer größeren Mengen auf die Ladentische in der Marszalkowska-Straße.
Viele Warschauer folgen dieser breiten Straße in südlicher Richtung zum Lazienki-Park mit seinem berühmten rekonstruierten "Palast auf der Insel"; dieser wurde im 18. Jahrhundert als königliche Sommerresidenz auf einer künstlich in einem See aufgeschütteten Insel erbaut. unter den vielen Denkmälern des Lazienki-Parks befindet sich auch das Denkmal des berühmten Komponisten Frédéric Chopin (1810-1849), der in der Nähe von Warschau geboren wurde. Ihm zu Ehren veranstaltet die Stadt Warschau alle fünf Jahre einen Pianisten-Wettbewerb von internationalem Renommee.
Am südlichen Stadtrand von Warschau liegt die barocke Schlossanlage Wilanów. Sie wurde 1681-1694 von König Johann III. Sobieski als Sommerresidenz erbaut. Wilanów gehört zu den kostbarsten Schlossanlagen Polens.
Vor dem Großen Theater, einem der zahlreichen berühmten Schauspiel- und Konzerthäuser der Stadt, befindet sich die Statue der Sigesgöttin Nike, die an die Helden des Zweiten Weltkrieges erinnert. In der wiederaufgebauten St.-Johann-Kathedrale ist der größte patriotische Schriftsteller und Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz (1846-1916) bestattet.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1160 f.

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