Republik Moldau (Moldawien)

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Offizieller Name: Republik Moldau (Moldawien; Republica Moldova))
Hauptstadt: Chişinău (Kischinjow)
Fläche: 33.800 km²
Landesnatur: Im N fruchtbare Belzysteppe, im zentralen Teil Hügelland, im S flaches Steppenland
Klima: Gemäßigt kontinentales Klima
Höchster Punkt: Dealul Balanesti 429 m in den Kodren
Hauptflüsse: Dnjestr, Pruth
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 32 Distrikte,, 2 Stadtbezirke (Chisinau, Balti), 2 autonome Gebiete: Gagausien und die Dnjestr-Republik (Transnistrien)
Parlament: Parlament mit 101 Mitgliedern; Wahl alle 4 Jahre
Nationalfeiertag: 27. August (Proklamation der Unabhängigkeit 27.8.1991)
Einwohner: 4.206.000 (2005); 3.153.731 (2013); 2,6 Millionen (2019)
Bevölkerungsdichte: 124 Ew./km² (2005)
Stadtbevölkerung: 55% (1999)
Sprache: Moldauisch (Rumänisch), Russisch, Ukrainisch, Gaugasisch (Turksprache mit kyrillischer Schrift) u.a.
Religion: v.a. Russisch-Orthodoxe, ca. 20.000 Katholiken (2002)

Gagausien:
Fläche: 1832 km²
Bevölkerung: 155.700 (2005)
Sprachen: Rumänisch (Amtssprache), Russisch, Ukrainisch, Gagausisch
Hauptstadt: Comrat (23.500 Ew.)
Status: Autonomie-Status seit 23.12.1994 - Volksversammlung mit 35 Mitgliedern
Regierung: Gouverneur

Dnjestr-Republik (Transnistrien)
Fläche: 2500 km²; 5 Bezirke, fast ausschließlich östlich des Flusses Dnjestr gelegen
Bevölkerung: 550.000 (2006)
Sprachen: Russisch, Ukrainisch
Hauptstadt: Tiraspol (157.000 Ew.)
Status: Parlament mit 43 Mitgliedern; illegitime, quasi staatliche Strukturen seit 1992
Regierung: Präsident

Die Republik Moldau, auch Moldova oder Moldawien genannt, liegt im äußersten Südwesten der ehemaligen Sowjetunion, an der Grenze zu Rumänien. Das Land hat eine Fläche von 33.800 km². Es umfasst den Hauptteil der historischen Landschaft Bessarabien (zwischen Pruth und Dnjestr). "Moldova" ist die rumänische Namensform des alten Fürstentums Moldau, dessen östlicher Teil Bessarabien zeitweise war.
Der Norden Moldawiens wird von der waldlosen, äußerst fruchtbaren Belzysteppe eingenommen. Im zentralen Teil erhebt sich ein größtenteils bewaldetes, bis 400 m ansteigendes Hügelland, an das sich nach Süden flaches und trockenes Steppenland anschließt.
Durch das günstige Klima mit langen, warmen Sommern und milden Wintern gehörte die Republik zu den in der Sowjetunion führenden Erzeugern von Tabak, Wein und Obst.

Die Hauptstadt ist Chişinău (russisch Kischinjow). Von den rund 3,2 Millionen Einwohnern sind 70% Rumänen (Moldawier), 11% Ukrainer, 9% Russen und 4% Gagausen (Angaben von 2004).
Das Moldawische ist ein rumänischer Dialekt; das Gagausische gehört zu den Turksprachen.
Die Wirtschaft Moldawiens beruht vor allem auf der intensiven Landwirtschaft auf fruchtbaren Schwarzerdeböden, deren wichtigste Anbauprodukte Wein, Obst (vor allem Weintrauben), Tabak, Weizen und Sonnenblumen sind. Außerdem werden Rinder- und Schweinezucht sowie Schafhaltung betrieben. Die Industrie ist wenig entwickelt und beschränkt sich in erster Linie auf die Nahrungs- und Genussmittel-, Baustoff- und Konsumgüterindustrie. Moldawien hat keine nennenswerten Bodenschätze.

Geschichte
Der Norden Bessarabiens wurde im 14. Jahrhundert mit dem Fürstentum Moldau vereinigt. Seit dem 15. Jahrhundert stand ganz Bessarabien unter türkischer Oberherrschaft. Nach einem russisch-türkischen Krieg fiel es 1812 an Russland. 1918, nach dem Ersten Weltkrieg, kam es (wie 1856-78) zum Königreich Rumänien.
Durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 wurde Bessarabien der sowjetischen Einflusssphäre zugeschlagen. Daraufhin zwang die UdSSR 1940 Rumänien zur Abtretung des Gebiets. Der südliche Teil wurde der Ukraine angeschlossen; der Hauptteil wurde mit der 1924 gegründeten kleinen Moldawischen ASSR, nur ein schmaler Landstreifen am Ostufer des Dnjestr, zur Moldawischen Sozialistischen Sowjetrepublik vereinigt.

Während des Zweiten Weltkriegs kam das Gebiet vorübergehend wieder unter rumänische Herrschaft. Im Pariser Friedensvertrag von 1947 erkannte Rumänien die sowjetische Annexion an.
Die Sowjetführung betrieb in Moldawien - ebenso wie in den anderen nichtrussischen Republiken - eine massive Russifizierung. Hunderttausende Moldawier wurden ins Innere der UdSSR deportiert; dafür wurden Russen und Ukrainer angesiedelt. Auf verantwortlichen Posten in Staat und Wirtschaft waren vorwiegend Russen tätig. Die engen ethnischen und sprachlichen Beziehungen zu Rumänien wurden offiziell geleugnet. Das Rumänische, eine romanische Sprache, musste mit kyrillischen Buchstaben geschrieben werden, ebenso Gagausisch. Private Kontakte zwischen Moldawiern und Rumänen waren praktisch unmöglich, obwohl Rumänien inzwischen ein "sozialistisches Bruderland" geworden war, das freilich zunehmend eigene Wege ging. Der rumänische Diktator Nicolae Ceauşescu gab wiederholt zu verstehen, dass für ihn in der Frage der annektierten rumänischen Gebiete das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.
Nationale Bestrebungen konnten sich in Moldawien erst wieder mit Gorbatschows Reformpolitik regen. 1989 wurde für die rumänische Sprache das lateinische Alphabet wieder eingeführt. Im Sommer 1990 erklärte Moldawien seine Souveränität; Moldawisch wurde offizielle Staatssprache. Nach dem Scheitern des kommunistischen Putsches in Moskau erklärte sich Moldawien im August 1991 für unabhängig. Obwohl das Land allen Bestrebungen zur Erneuerung der Union ablehnend gegenüberstand, schloss es sich im Dezember 1991 der GUS an. Die in fünfzig Jahren entstandenen wirtschaftlichen Bindungen waren nicht von heute auf morgen zu kappen.

Nationalitätenprobleme
Problematisch ist das Verhältnis zwischen der rumänischen Bevölkerungsmehrheit und den nationalen Minderheiten. Die Russen am Ostufer des Dnjestr haben eine unabhängige Republik "Dnjestr-Republik" (rd. 60.000 Einwohner) ausgerufen, die Gagausen im Süden eine unabhängige Republik "Gagausien". Die Regierung in Chişinău erkennt diese Gründungen nicht an. Der Konflikt mit Gagausien wurde 1994 durch ein Autonomiestatut beendet. Der "Dnjestr-Republik" wurde im Mai 1997 durch ein Memorandum weitreichende Autonomie zugesichert, doch kontrolliert die Regierung in Chişinău das Gebiet östlich des Dnjestr nicht, nachdem 1992 der Konflikt militärisch eskaliert war. Seitdem wird die Grenze zu "Transnistrien" durch eine moldawisch-russische Friedenstruppe gesichert.

Entwicklungen

2019: Die ab Februar 2019 regierende Koalition aus Sozialisten und ACUM scheiterte bereits im Dezember 2019 und wurde von der Demokratischen Partei abgelöst. Der Oligarch Vladimir Plahotniuc kontrolliert wesentlich die Politik des Landes. So dient auch die Demokratische Partei seinen Interessen.

Neuer Präsident ist seit Dezember 2016 der pro-russische Sozialistenchef Igor Dodon

2. November 2015: EU-freundliche Regierung wurde abgesetzt
Mit monatelang andauernden massenhaften »[...] Demonstrationen hat das Volk endlich erreicht, dass die von der Konrad- Adenauer- Stiftung, der Friedrich Naumann Stiftung, Soros u.a. eingesetzte Mafia-Regierung das Handtuch geschmissen hat.[...]«1 »[...] In einem von der linksgerichteten, pro-russischen Opposition angestrengtem Votum sprachen 65 von 101 Abgeordneten dem erst seit Juli amtierenden Premier Valeriu Strelet das Misstrauen aus. Sie sprachen der Regierung jegliche "Professionalität" ab und bezeichneten den von ihr angekündigten Kampf gegen die Korruption als "leeres Versprechen".[...]«2
Zitat1: einarschlereth.blogspot.se, Republik Moldau hat EU-freundliche Regierung abgesetzt, 2.11.2015
Zitat2: www.wienerzeitung.at, Moldaus Regierung stürzt über Bankenskandal, 29.10.2015

Oktober 2015
»[...] Seit September 2015 reißen die Anti-Regierungs-Demonstrationen in Moldawien nicht ab. [...] Die Forderungen nach Rücktritt der Regierung und einem Ende der Korruption sind identisch mit den einst in Kiew formulierten. Doch es gibt einen signifikanten Unterschied. Der Protest richtet sich diesmal gegen eine pro-westliche Regierung und die EU hat Angst, dass bei Neuwahlen die "pro-russische Opposition" gewinnen könnte. Deswegen sieht man keine US-Diplomaten, die Essen verteilen oder B'90/Die Grünen-EU-Abgeordnete, die Demonstranten auf die Schulter klopfen. [...] Initiiert wurden die Demonstrationen von der Bürgerplattform "Würde und Wahrheit" (DA) welche, wie die Regierung, für eine Annäherung Moldawiens an die EU steht, an den Protesten beteiligt sich aber auch die als pro-russische geltende Opposition "Unsere Partei".[...]«
Zitat: deutsch.rt.com, „Maidan II“ - Massendemonstrationen in Moldawien und wieso der Westen diesmal keine Euphorie zeigt, 22.10.2015

2009/2012
Die Parlamentswahlen vom 5. April 2009 gewannen die Kommunisten (PCRM) mit 49,9% der Stimmen (= absolute Mehrheit der Mandate). Die Opposition, die am folgenden Tag mit rund 10.000 Menschen gegen das Wahlergebnis protestiert hat, sprach von Wahlbetrug. Wahlbeobachter der OSZE sahen hingegen keine Anhaltspunkte für eine Manipulation der Wahlen. Auch eine Neuauszählung der Stimmen bestätigte schließlich den Sieg der PCRM, die 60 der 101 Parlamentssitze erhielt. Da mit diesem Wahlergebnis die notwendige Dreifünftelmehrheit für die Wahl des Staatspräsidenten nicht erreicht wurde, durfte der seit 2001 amtierende Vladimir Voronin nicht erneut kandidieren. Da die 41 Abgeordneten der Opposition die Wahlen für den Staatspräsidenten boykottierten, wurden Neuwahlen für den 29. Juli anberaumt. Nun musste die PCRM deutliche Verluste hinnehmen. Die bisherige Opposition konnte die Mehrheit der Sitze erlangen. Die vier Oppositionsgruppen (PLDM, PL, PDM und AMN) bildeten eine Regierungskoalition ("Allianz für europäische Integration", AEI). Für die Wahl des Staatspräsidenten war man aber auf Stimmen der PCRM angewiesen... Schließlich wurde am 16. März 2012 der parteilose Jurist Nicolae Timofti zum neuen Präsidenten Moldawiens gewählt.

2007
Außenpolitik
Moldau und die EU begannen am 25.4.2007 Verhandlungen über ein Abkommen zur Visaerleichterung für moldauische Bürger; der Vertrag soll bis Ende 2007 in Kraft treten. Seit dem EU-Beitritt Rumäniens am 1.1.2007 können Moldauer nur noch mit Visum in das wirtschaftlich und kulturell wichtige Nachbarland einreisen.

2006
Wirtschaft
Im Dezember 2006 musste Moldau einer weiteren Erhöhung der Preise für russisches Erdgas um 6,3% zustimmen. Moldau ist vollständig von russischen Erdgaslieferungen abhängig. Der Anfang 2006 verhängte russische Importbann auf moldauischen Wein und andere Lebensmittel wegen angeblicher Verstöße gegen russisches Lebensmittelrecht fügte der Wirtschaft schweren Schaden zu. Vor dem Bann ging der größte Teil der Exporte nach Russland.

Dnjestr-Republik
Am 17.9.2006 stimmten in einem Referendum von 79% zur Wahl erschienenen Transnistriern über 97% für die Unabhängigkeit und einen späteren Anschluss an Russland. Die OSZE hatte bereits im Vorfeld erklärt, das Referendum nicht anzuerkennen.
(Aus: Fischer Weltalmanach 2008, S.336)

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.966 f.

www-Links



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