Nordmazedonien

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Offizieller Name: Republik Nordmazedonien (seit Februar 2019), davor Republik Mazedonien (Republika Makedonija); provisorische Bezeichnung durch die Vereinten Nationen (seit 8.4.1993): Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien
Hauptstadt: Skopje
Fläche: 25.713 km²
Höchster Punkt: Korab 2764 m
Regierungsform: Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Verwaltung: 85 Gemeinden
Einwohner: 2.011.000 (1999); 2.087.171 (geschätzt Juli 2013)
Bevölkerungsdichte: 81 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 62%
Sprache: Mazedonisch, Albanisch, Türkisch, Romani, Serbisch, Vlachisch
Religion: Mazedonisch-orthodoxe Christen ca. 70% (Autokephalie seit 1967, von anderen orthodoxen Kirchen bisher nicht anerkannt), Moslems ca. 25%, Katholiken 0,5%,; Evangelische Methodisten, Juden

Millionen von Griechenlandtouristen durchquerten in früheren Jahren Mazedonien. Wie viele mögen gewusst haben, dass es ein Fehler ist, dieses Land lediglich als drückend heiße und staubige Transitetappe zu betrachten? So sind es vor allem Einheimische und Touristen aus dem benachbarten Serbien, die Erholung suchen an den drei großen Seen des Landes: dem Ohridsee, der fast zur Hälfte Albanien gehört, dem Prespasee, dessen südlichen Teil sich Albanien und Griechenland teilen, und dem Dojransee im Osten an der Grenze zu Griechenland. Doch nicht nur unberührte Seen entgehen dem Transitreisenden, auch wilde Gebirgslandschaften wie im Nationalpark Bistra-Gebirge und im Sar-Gebirge.
Die Mehrzahl der Touristen kommt an den Ohridsee, den größten und zugleich auch schönsten See Mazedoniens. Dieses Prädikat hat er nicht allein seinem kristallklaren Wasser, seinen Stränden und den ihn umgebenden Bergen zu verdanken, sondern auch den Kleinodien byzantinischer und bulgarischer Baukunst an seinem Ufer. Die Architektur der malerischen Altstadt von Ohrid erinnert daran, dass die Stadt im Mittelalter Hauptstadt des bulgarischen Königreichs war, und weist zugleich auf die wechselhafte Geschichte Ohrids wie der gesamten Region hin.

Geschichte

Das heutige Mazedonien ist nur ein Teil der gleichnamigen historischen Landschaft, die 1913 nach den Balkankriegen je zu einem Drittel (Vardar-, Pirin- und Ägäis-Mazedonien) an Serbien, Bulgarien und Griechenland fiel. Im frühen Mittelalter hatte Mazedonien dem Bulgarischen, im 11./12. Jahrhundert dem Byzantinischen und im 13./14. Jahrhundert dem Großserbischen Reich angehört.
Nach der Schlacht auf dem Amselfeld (1389) geriet die Region für mehr als 500 Jahre unter osmanische Herrschaft. Das Königreich Serbien brachte 1918 das ihm fünf Jahre zuvor zugesprochene Vardar-Mazedonien als Teil Serbiens in das neu geschaffene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen ein.
1945 verliehen die Kommunisten Mazedonien den Status einer eigenen Republik und proklamierten die Existenz einer den Serben, Kroaten, Slowenen und Montenegrinern gleichgestellten mazedonischen Nation. Das Mazedonische, eine dem Bulgarischen sehr verwandte Sprache, die bis dahin nicht als eigene Schriftsprache anerkannt war, wurde Amtssprache. 1967 konnte die orthodoxe Kirche Mazedoniens ihre Unabhängigkeit von der serbisch-orthodoxen Kirche durchsetzen.

Nicht zuletzt mit Blick auf Griechenland, aber auch aus dem Bestreben heraus, sich vom mächtigen serbischen Nachbarn abzugrenzen, entwickelte sich unter den jugoslawischen Mazedoniern allmählich eine eigene nationale Identität, die jedoch nach dem Zerfall Jugoslawiens und der Bildung neuer Staaten und Grenzen mit den Ansprüchen der hauptsächlich in Westmazedonien ansässigen Albaner kollidierte. Durch eine hohe Geburtenrate und Zuwanderung aus dem benachbarten Kosovo, das zu Serbien gehört, haben die Albaner, die überwiegend Moslems sind, inzwischen einen Anteil von mindestens 20% an der Gesamtbevölkerung Mazedoniens erreicht.

Das unabhängige Mazedonien

Mazedonien gehört zu den wirtschaftlich rückständigen und armen Ländern dieser Region. Die Mazedonier werden wegen ihrer hohen Produktionsziffern beim Reis-, Gemüse-, Obst- und Tabakanbau zwar als das "Volk der Gärtner" beschrieben, gigantische industrielle Fehlinvestitionen, z.B. Nickel-, Eisen- und Eisen-Stahl-Kombinate, haben das Land jedoch in seiner wirtschaftlichen Entwicklung weit zurück geworfen.
Im November 1990 fanden die ersten freien Wahlen statt, an denen sich mehr als 80% der Wahlberechtigten beteiligten. Keine der Parteien erreichte die absolute Mehrheit. Stärkste Partei wurde nach zwei Wahlgängen die nationalistische, antikommunistisch ausgerichtete Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation (VMRO) mit 37 Parlamentssitzen. Die VMRO forderte die Vereinigung der Republik Mazedonien mit dem bulgarischen Pirin- und dem griechischen Ägäis-Mazedonien. Die ehemaligen Kommunisten, die Partei für die Demokratische Umgestaltung (SKM-PDP), stellten 31 Abgeordnete. Die Partei der Albaner rangierte mit 25 Sitzen vor dem sozialistisch orientierten Bund der Reformkräfte Mazedoniens (SRSM) auf dem dritten Platz.
Präsident der Republik wurde im Januar 1991 der altgediente Kiro Gligorov, ein ehemaliger Mitstreiter Titos. Gligorovs Politik war darauf ausgerichtet, die Unabhängigkeit Mazedoniens gegenüber den Nachbarstaaten zu sichern und die Republik aus den Kriegen in Ex-Jugoslawien herauszuhalten. Im Oktober 1991 erklärte Mazedonien seine Unabhängigkeit und wurde 1993 als "Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien" in die UNO aufgenommen. Während Mazedonien seine Beziehungen zu Griechenland, nachdem es zunächst lange Streit mit Griechenland um Namen und nationale Symbole bzw. Ansprüche gegeben hat, sowie Serbien und Bulgarien bis 1999 normalisierte, war die Stabilität im Innern gefährdet: durch den Kosovo-Krieg 1999, der über 200.000 albanische Flüchtlinge nach Mazedonien brachte, und durch Auseinandersetzungen mit den Albanern im Land selbst.

Entwicklungen

Seit 27. März 2020 ist Nordmazedonien Nato-Mitglied.

Coronavirus-Pandemie 2020

Aufgrund einer globalen Pandemie, ausgelöst durch das sogenannte "neue Virus" Covid-19 (Coronavirus) werden ab 2020, beginnend in der chinesischen Region Hubei und ab März in nahezu allen Ländern dieser Welt die Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Es gibt Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen, Kontaktverbote, Aufrufe zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum nächsten Menschen von 2 Metern, entsprechende Markierungen in Supermärkten, Gesichtsmaskenpflicht, Aufrufe "Wir bleiben zuhause" usw..
Auch Nordmazedonien hat als Mitglied der WHO deren Empfehlungen ab Mitte März umgesetzt.
Siehe auch:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

2015: Zehntausende Flüchtlinge überfordern das Land

Seit Anfang des Jahres 2015 wird Mazedonien immer öfter Ziel vieler tausend Flüchtlinge, die von Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan und Somalia über  Griechenland in den reicheren Norden Europas einreisen wollen. Mit Inkrafttreten des neuen Asylgesetzes Anfang Juni 2015, das die Einreise nach Mazedonien nun auch per Bahn und mit anderen Verkehrsmittel gestattet, verstärkte sich der Flüchtlingsstrom in das arme Land noch einmal. Nach offiziellen Angaben hatten sich zwischen dem 19. Juni und 5. August 26.444 Flüchtlinge registrieren lassen. Am Bahnhof der mazedonischen Grenzstadt Gevgelija herrscht tägliches Chaos, das ein Bild des Elends präsentiert.

2001 - 2009
Um das Land vor einem Bürgerkrieg zu bewahren, unterstützte die NATO ab Herbst 2001 die Stabilisierung des jungen Staates mit Soldaten aus 27 Ländern. Ende März 2003 übernahm die EU (EUFOR) die Führung der rund 400 Militärkräfte (Operation "Concordia"). Am 15. Dezember 2003 wurde dieser EU-Einsatz beendet. [...] Den Militärs folgen nun rund 200 europäische Polizisten der Mission "Proxima".[...] Deutschland war an dieser Mission von Dezember 2003 bis Dezember 2005 mit etwa 40 Beamten beteiligt.
Zitat: www.bundeswehr.de, Soldaten übergeben an Polizisten.

Als vordringliche Ziele der Regierung Mazedoniens nannte der seit 2006 amtierende Ministerpräsident Nikola Gruevski (*1970) [...] den Beitritt Mazedoniens zur NATO und die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU - beides scheiterte bisher am griechischen Veto. Die EU wies in ihrem Fortschrittsbericht für Mazedonien am 5.11.2008 daraufhin, dass wegen Griechenlands Einwänden vorerst kein Datum für die Aufnahme von Verhandlungen genannt werden könne. Außerdem bemängelte sie mit Verweis auf die - v. a. in albanischen Siedlungsgebieten - chaotischen und von Gewalt geprägten Wahlen im Juni (...) politische Defizite. Fortschritte wurden bei den Reformen in Wirtschaft, Polizei und Justiz festgestellt. [...]
Mazedonisch-griechischer Konflikt: Gruevski forderte in einem Brief an seinen griechischen Amtskollegen Kostas Karamanlis am 14.7.2008 Griechenland auf, sich der Probleme der während des Griechischen Bürgerkriegs (1946-49) nach Jugoslawien vertriebenen, aus Griechenland stammenden "Ägäismazedonier" anzunehmen. 6000 von ihnen, die als Kinder damals ihre angestammte Heimat hatten verlassen müssen und in Skopje am 18.7. den 60. Jahrestag der Vertreibung begingen, verlangten, dass ihnen die griechische Staatsangehörigkeit und ihr rechtmäßiger Besitz zuerkannt werde. Des Weiteren forderte Gruevski, dass Athen generell Existenz und Rechte der mazedonischen Minderheit in Griechenland anerkenne. Karamanlis wiederholte in seinem Antwortschreiben die bekannten griechischen Positionen, dass es keine mazedonische Minderheit in Griechenland gebe und auch nie eine gegeben habe. Die Bemühungen des UN-Beauftragten Matthew Nimetz, in der zwischen Mazedonien und Griechenland umstrittenen Namensfrage (...) eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden, blieb weiterhin ohne Ergebnis. Am 17.11.2008 reichte Mazedonien beim Internationalen Gerichtshofin Den Haag Klage gegen Griechenland ein, weil es das Interimabkommen von 1995 verletzt habe, als es den Beitrittsantrag Mazedoniens beim NATO-Gipfel in Bukarest 2008 blockiert hatte.
Religionsunterricht: Das Verfassungsgericht urteilte am 15.4.2009, dass Religionsunterricht an staatlichen Schulen der Trennung von Staat und Kirche widerspreche und deshalb verfassungswidrig sei. Die Regierung hatte zum Schuljahr 2008/09 als alternativ zu wählende Fächer Religion und Religionsgeschichte eingeführt, wobei das erstere von 70% der Schüler, das zweite von 30% gewählt wurde. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts stieß auf heftige Kritik seitens der Regierung, der orthodoxen Kirche und der Islamischen Gemeinschaft. Die Regierung will die Entscheidung des Gerichts jedoch akzeptieren.
Anerkennung von Kosovo: Am 9.10.2008 erkannte Mazedonien gemeinsam mit Montenegro die Unabhängigkeit von Kosovo an, was in Serbien als herbe Enttäuschung aufgenommen wurde. Die Botschafter beider Staaten wurden zu personae non gratae erklärt. Der mazedonischen Regierung war angesichts des Drucks aller im Parlament vertretenen albanischen Parteien, die sich in diesem Punkt einig waren, indessen kaum eine andere Möglichkeit geblieben. [...]

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 356.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.938 f.

www-Links


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