Malta

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Offizieller Name: Republik Malta
Hauptstadt: Valletta
Fläche: 316 km² (einschl. Gozo 67 km² und Comino 3 km²)
Landesnatur: Im W Plateau, im N Landschaft aus Bergrücken und Senken, im NO Tieflandzone, im S und SW Hügelland
Klima: Mittelmeerklima
Höchster Punkt: Bingemma Heights 253 m
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 6 Bezirke mit 60 Gemeinden
Parlament: Gesetzgebende Versammlung mit max. 69 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 21. September
Einwohner: 400.420 (2003); 417.520 (2012; epp.eurostat.ec.europa.eu)
Bevölkerungsdichte: 1222 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 89%
Analphabetenquote: 14%
Sprache: Maltesisch und Englisch
Religion: Katholiken 93%
Importgüter (2008): Maschinen und Transportausrüstungen (35%), Brennstoffe/Schmiermittel (17%), Nahrungsmittel (12%), chemische Erzeugnisse (10%)
Exportgüter (2008): Maschinen und Transportausrüstungen (57%), chemische Erzeugnisse (11%), Nahrungsmittel (6%)

Einführung

Der Inselstaat Malta besteht aus der Hauptinsel gleichen Namens, den Nebeninseln Gozo und Comino sowie mehreren unbewohnten Felseilanden. Sie sind die höchsten Erhebungen einer ehemaligen Landbrücke zwischen Sizilien und Afrika. Sie wurden schon früh von Menschen besiedelt und von Seefahrern zu allen Zeiten wegen der zentralen Lage im Mittelmeer geschätzt. Odysseus soll hier bei der göttlichen Nymphe Kalypso verweilt haben; der Apostel Paulus erlitt vor Maltas Küsten Schiffbruch. Als zeitweilige Heimstatt der "Malteser", der Ritter vom "Orden des heiligen Johannes von Jerusalem", ist Malta berühmt geworden, ebenso als unversenkbarer Flugzeugträger des Britischen Empire für die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Seit einigen Jahren wächst das Interesse der Touristen für die Insel-Republik, die über das typische Mittelmeerklima verfügt, das die sonnenhungrigen Fremden besonders von Mai bis Oktober verwöhnt.

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Geschichte

Die ersten menschlichen Siedlungen entstanden schon in der Steinzeit. Die Tempelanlagen von Tarxien, Hager Qim, Muajdra oder Hai Safleui zeugen von der hohen Kulturstufe jener Zeit. Zwischen 1000 und 600 v. Chr. haben Phönizier die Inseln besetzt. Ihnen folgten bis 218 v. Chr. die Karthager, die Römer und Byzantiner bis 870 und die Araber bis zum Jahre 1090. Sie alle hofften, aus der geographischen Lage militärische und wirtschaftliche Vorteile für sich ziehen zu können.

Eine Reihe fremder Herren folgte, bis im Jahr 1530 Malta von Kaiser Karl V. (1500-1558) den Ordensrittern überlassen wurde, die durch die moslemischen Türken von der Insel Rhodos vertrieben worden waren. Die Ordensritter prägten Land und Leute am nachdrücklichsten, sie veränderten das Aussehen der Insel besonders durch die gigantischen Befestigungsanlagen von Valletta, der heutigen Hauptstadt. Steine, das Hauptmerkmal der Insel, wurden in wehrhafte und kunstvolle Formen gebracht, damit Malta als Vorposten der Christenheit gegen das Osmanische Reich dienen und sich zugleich durch zahlreiche Kirchen dieser Bestimmung würdig erweisen konnte.
Napoleon übernahm 1798 auf dem Weg nach Ägypten, ohne einen Schuß zu verlieren, die Macht über Malta.

Nach nur zweijährigem französischem Zwischenspiel traten die Briten an die Stelle der Ordensritter, in der Absicht, die Insel im Kreuzungspunkt der Hauptschiffahrtslinien des Mittelmeers für ihre Machtinteressen zu nutzen. Sie blieben über 150 Jahre. Ihre Kolonialherrschaft endete zwar 1964, doch dauerte es noch zehn Jahre, bis aus der maltesischen Selbständigkeit innerhalb des Commonwealth eine unabhängige Republik wurde. Aus den oft leidvollen Erfahrungen mit verschiedenen Herrschern schreibt die heutige Verfassung strikte Neutralität vor, die der Republik lediglich die Annäherung an Italien erlaubt, das wenig besitzergreifend erscheint.

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Die Insel-Republik heute

Die Malteser sind ein Mischvolk, hervorgegangen aus den Nachkommen seiner Eroberer. Auch die Sprache ist eine Mischung aus Arabisch und italienischen, aber auch griechischen Dialekten. Maltesisch ist neben Englisch Staatssprache, Italienisch wird verstanden und oft auch gesprochen.
Die Malteser gehören fast ausnahmslos der römisch-katholischen Kirche an, die einen großen Einfluss auf das gesellschaftliche und politische Leben ausübt.

Zwei Parteien teilen sich, zuweilen auf des Messers Schneide, die Gunst der Wähler: die konservative und marktwirtschaftlich orientierte Nationalistische Partei und die sozialistische, neutralistische Labour Party. Das Parlament umfaßt max. 69 Mitglieder, die in geheimen Wahlen bestimmt werden; die stärkere Partei erhält dabei einen Bonus. Staatsoberhaupt ist seit 2004 Lawrence Gonzi, die Regierungsmacht liegt seit 1998 in der Hand des Ministerpräsidenten Edward Fenech Adami.
Wirtschaftlich muss Malta den Mangel an Bodenschätzen und die geringe Fruchtbarkeit des Bodens auszugleichen suchen. Nach der Wahl von 1987, die der Nationalistischen Partei den Sieg brachte, wurden neue Konzepte für verarbeitende Industrie und Dienstleistungsbereich entwickelt, die Malta stärker in die internationale Wirtschaft mit Handelsbeziehungen und Bankverbindungen einbezogen. 1990 beantragte das Land die EG-Mitgliedschaft. Mit Adami als Regierungschef ist, wurde dieses Ziel verstärkt verfolgt. Seit dem 1. Mai 2004 ist Malta offiziell Mitglied der EU. Seit 2008 ist der EURO offizielles Zahlungsmittel.

Entwicklungen

[...] Der Umgang mit den Bootsflüchtlingen aus Afrika brachte die Regierung in Valetta international in die Kritik. 2775 Migranten, mehr als je zuvor, erreichten 2008, nicht selten aus Seenot gerettet, die Insel. Nach ihrer Ankunft werden sie bis zu 18 Monate lang interniert. Überfüllung, schlechte sanitäre Bedingungen und der Umgang der Behörden mit den Gefangenen führten wiederholt zu Revolten. Im Lager Safi kam es seit Jahresbeginn 2009 wiederholt zu Unruhen, am 23.3. hatte dort ein Ausbruchsversuch von ca. 500 Insassen schwere Auseinandersetzungen mit Wachmannschaften zur Folge. Eine Delegation der Hohen Kommissarin für Menschenrechte der UN (OHCHR) sprach nach ihrer Inspektionsreise (18.-23.1.) von ernsten Menschenrechtsverletzungen in den Lagern. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen stellte am 13.3. ihre Arbeit in drei geschlossenen Lagern ein, um gegen die Zustände zu protestieren. Der EU-Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit, Jacques Barrot, erklärte am 14.3.2009 die Verhältnisse für untragbar und warf den maltesischen Behörden eine "rassistische" Haltung vor - versprach aber zugleich mehr Hilfe der EU. Malta beklagt seit Jahren, von der Gemeinschaft mit dem Flüchtlingsproblem alleingelassen zu werden. Am 7.11.2008 hatte die EU-Kommission beschlossen, Malta für den Zeitraum 2008-13 insgesamt 4,8 Mio. € aus dem Europäischen Flüchtlingsfonds zu bewilligen.
Für anhaltenden Streit mit dem Nachbarland Italien sorgte der Umgang der maltesischen Marine mit in Seenot geratenen Bootsflüchtlingen. Nachdem ein panamaischer Frachter am 16.4.2009 in maltesischen Gewässern 154 Flüchtlinge aus zwei havarierten Booten gerettet hatte, weigerte sich Malta, sie zu übernehmen. Nach viertägigen Verhandlungen nahm Italien am 20.4. die Flüchtlinge auf, legte in der Angelegenheit aber Beschwerde bei der EU ein. Einen ähnlichen Streit hatte es bereits im August 2008 gegeben. Am 5.5.2009 erklärte die maltesische Regierung, Flüchtlinge auf hoher See nur noch mit den Mitteln versehen zu wollen, einen italienischen Hafen zu erreichen. [...]

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 348.
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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.914 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

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