Großherzogtum Luxemburg

[Staat und politisches System] [Entstehung des Fürstentums] [Das Land]
[Luxemburg - Zentrum europäischer Institutionen und Finanzplatz]
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Offizieller Name: Großherzogtum Luxemburg
Hauptstadt: Luxemburg
Fläche: 2586 km²
Landesnatur: Im N der Ösling (Teil der Ardennen), im S das Gutland (Teil des Lothringer Schichtstufenlands)
Klima: Atlantisch-gemäßigtes feuchtes Klima
Hauptflüsse: Mosel, Alzette, Sauer, Clerf
Höchster Punkt: Buurgplaatz (Ardennen) 565 m (in der Region Troisvierges)
Tiefster Punkt: Mosel 133 m
Regierungsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt: Großherzog
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: Die 3 Distrikte umfassen 12 Kantone mit 106 Gemeinden
Legislative: Abgeordnetenkammer mit 60 für 5 Jahre gewählten Mitgliedern; beratender Staatsrat mit 21 Mitgliedern (vom Großherzog nominiert)
Nationalfeiertag: 23. Juni
Einwohner: 426.000 (1999) ; 524.000 (2012), davon ca. 43% Ausländer
Bevölkerung unter 15 Jahren: 18%
Bevölkerungsdichte: 200 Ew./km²
Stadtbevölkerung: ca. 90%
Sprache: Französisch, Deutsch, Letzebuergesch (moselfränkischer Dialekt)
Religion: Katholiken 95%

Das Großherzogtum Luxemburg, zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Belgien und Frankreich gelegen, bezeichnet sich selbst gern als "grünes Herz Europas". Der kleinste EU-Staat gehört zu den wohlhabendsten Ländern Europas.
Aus europäischer Perspektive ist Luxemburg vor allem ein Teil der Benelux-Länder, d.h., es bildet eine Zoll- und Wirtschaftsunion mit Belgien und den Niederlanden.
Luxemburg ist aber auch ein Reiseland, dessen landschaftliche Reize zu entdecken sich lohnt. Besonders das Ösling, ein waldreiches Mittelgebirge im Norden des Landes, Ausläufer der belgischen Ardennen, ist in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben.
Diese reizvolle Landschaft mit tiefeingeschnittenen Flusstälern und romantischen kleinen Orten, die oft von einer Burg oder Ruine überragt werden, sowie die "Luxemburgische Schweiz" zwischen Echternach und der Bierstadt Diekirch sind gern besuchte Ziele so mancher Ausflügler. Auch die Hauptstadt und Residenzstadt Luxemburg mit ihrem altertümlichen Stadtbild zieht viele Besucher an.

Staat und politisches System

Der kleine Staat ist als Mitglied der NATO, der UN, des Brüsseler Pakts, des Europarats, der EU und anderer Bündnissysteme ein festes Glied der westeuropäischen und atlantischen Gemeinschaft.
Nach der Verfassung von 1868, die im Laufe der Jahre mehrfach geändert wurde, ist Luxemburg eine konstitutionelle Erbmonarchie, d.h., im politischen Leben Luxemburgs sind die Kompetenzen zwischen dem Großherzog, der als Staatsoberhaupt amtiert, und dem demokratisch gewählten Parlament geteilt.

Das politische System
Trotz seiner formalrechtlich starken Stellung nimmt der Großherzog, der das Land völkerrechtlich vertritt, lediglich repräsentative Aufgaben wahr. Die Volksvertretung wird von der Deputiertenkammer (Chambre des Députés) ausgeübt. Die 60 Parlamentarier werden auf fünf Jahre gewählt. Für alle Bürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, besteht Wahlpflicht. Wichtige Zuständigkeiten liegen auch beim Staatsrat, der bei der Gesetzgebung beratend mitwirkt. Die Regierung setzt sich aus einem Staatsminister (Regierungschef) und mindestens drei weiteren Ministern zusammen.
Luxemburg hat ein Mehrparteiensystem. Stärkste Partei ist seit Jahrzehnten die Christlich-Soziale Volkspartei, die seit 1917, außer 1925/26 und von 1974 bis 1979 - überwiegend in der Form von Koalitionsregierungen mit der Demokratischen Partei oder der Luxemburger Sozialistischen Arbeiterpartei - die Regierung bildet. Das politische sowie das soziale Klima im Großherzogtum Luxemburg gelten als äußerst ruhig. Das Land wurde seit vielen Jahrzehnten weder von Streiks noch von Unruhen heimgesucht.

Entstehung des Fürstentums

Die Geschichte des kleinen Landes beginnt mit dem Jahr 963, als Graf Siegfried die Festung Lucilinburhuc (Lützelburg, Lütteburg, Letzeburg) an der Stelle der heutigen Hauptstadt erbaute. Im 14. Jahrhundert stellten die Luxemburger vier deutsche Kaiser. Einer von ihnen, Kaiser Karl IV., erhob Luxemburg 1354 zum Herzogtum. 1443 bemächtigten sich die Burgunder des Herzogtums. Dies war der Beginn einer jahrhundertelangen Fremdherschaft.

Durch die Heirat Marias von Burgund mit Kaiser Maximilian I. kam Luxemburg 1477 an die Habsburger. Bei der Teilung des Habsburgerreichs 1555 fiel Luxemburg an die spanische Linie, blieb aber Teil des Reichs. 1684 eroberte der französische König Ludwig XIV. Luxemburg, doch schon 1697 wurde es wieder habsburgisch, bis die Franzosen unter ihrem Kaiser Napoleon I. es 1794 erneut eroberten und bis 1815 behielten. Auf dem Wiener Kongress (1815) wurde das Land zum Großherzogtum ernannt und Mitglied des neu gegründeten Deutschen Bundes. Gleichzeitig blieb Luxemburg aber durch das oranische Königshaus in Personalunion mit den Niederlanden verbunden. 1839 trat Luxemburg seinen wallonischen Teil an Belgien ab. Erst 1867, nachdem die Versuche des französischen Kaisers Napoleon III., das Großherzogtum in Besitz zu nehmen, gescheitert waren, wurde Luxemburg unabhängig. Es wurde unter den Schutz der europäischen Großmächte gestellt und erhielt 1868 eine Verfassung, die mit einigen Abänderungen heute noch gilt. Mit dem Tod Wilhelms III. von Oranien im Jahr 1890 wurde die Personalunion mit den Niederlanden aufgelöst und Herzog Adolf aus dem Hause Nassau-Oranien zum Großherzog erhoben. Diese Dynastie herrscht noch heute.
Im Herbst 2000 fand im Großherzogtum ein Machtwechsel statt. Großherzog Jean (* 1921) trat nach 36-jähriger Amtszeit zurück und übergab seinem ältesten Sohn Henri (* 1955) Amt und Würden des Staatsoberhaupts.

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Das Land

Luxemburg wird aus den beiden Großlandschaften Ösling (Islek) im Norden und Nordwesten und Gutland im Süden gebildet.
Das Ösling ist ein flachwelliges, 400-600 m hohes Plateau, das von dem Fluss Sauer (Sûre) tief zerschnitten ist. Der eigentümliche Reiz dieser Landschaft liegt in dem ständigen Wechsel von windungsreichen Flusstälern und bewaldeten Hochflächen. An geschützten Berghängen ducken sich kleine, malerische Orte, häufig überragt von mittelalterlichen Burgen. In dem nach Süden anschließenden, tiefer gelegenen Gutland gibt es zahlreiche Schlösser zu besichtigen. Die höheren Erhebungen im Gutland sind bewaldet, während in den niedrigeren Regionen fruchtbare Böden intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Von Norden nach Süden durchfließt die Alzette das Gutland, deren schluchtenartige Täler mancherorts von schroff aufragenden Felsen gesäumt sind. Zwischen Echternach und Diekirch, zerschnitten von den Flusstälern der Weißen und der Schwarzen Ernz, liegt eine bizarre Landschaft aus Felstürmen, Grotten und Schluchten, die "Luxemburgische Schweiz" genannt wird. Im klimatisch begünstigten Tal der Mosel wird seit Jahrhunderten Wein und Obst angebaut.

Die Bevölkerung ist sehr unterschiedlich über das Land verteilt. Dicht besiedelt sind die Ackerbaulandschaften im Gutland und die Industriezone im Süden des Landes sowie die Landeshauptstadt, in der rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt (ca. 100.000 in 2012); das Ösling hingegen ist nur schwach besiedelt. Die Bevölkerungsmehrheit bilden die deutschstämmigen Luxemburger, überwiegend katholische Moselfranken. Mit einem Ausländeranteil von ca. 43% (2012) hält Luxemburg einen europäischen Rekord.

Luxemburg ist dreisprachig. Während die Presse weitgehend deutschsprachig ist, ist im politischen, kulturellen und religiösen Leben die französische Sprache vorherrschend. Die von jedermann gesprochene Umgangs- und seit 1984 auch Landessprache ist das "Letzebuergesch", ein moselfränkischer Dialekt.

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Luxemburg - Zentrum europäischer Institutionen und Finanzplatz

Die Hauptstadt Luxemburg fasziniert durch ihre malerische Lage auf einem Felsplateau hoch über den Tälern der Flüsse Alzette und Petrusse. Die nur 100.000 Einwohner zählende Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem weltoffenen, pulsierenden Finanzplatz und einem Zentrum europäischer Institutionen entwickelt, ohne dass dabei ihr spezieller Charme verlorenging.
In Luxemburg bemühte man sich bereits seit längerer Zeit um einen einheitlichen europäischen Binnenmarkt mit freiem Waren- und Kapitalverkehr sowie einer Vereinheitlichung auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung. Die Fähigkeit des kleinen Landes, sich europäischen Gegebenheiten anzupassen, sowie seine liberale Haltung in wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten erklären den Aufstieg Luxemburgs zum zweitstärksten Finanzplatz der Welt (hinter den USA). Die Steuergesetzgebung der Regierung hat diese Entwicklung zusätzlich unterstützt (niedrigste Umsatzsteuer- und private Einkommensteuersätze innerhalb der EU). Durch den Ausbau des Privatkundenbereichs der Banken ist die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich angestiegen.
Die Finanzwirtschaft, mit rund 47.000 Beschäftigten, hat einen Anteil am BIP von rund 30% (2011).
Im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 musste Luxemburg, wie auch andere "Steueroasen", sich den OECD-Standards für Transparenz und Informationsaustausch in Steuerfragen anpassen, damit verbunden war die Lockerung des Bankgeheimnisses ab 2009.
Im Zuge dieser Entwicklung brachen die Gewinne im Finanzgeschäft um rund 19% ein (2010) und erstmals wurde ein Defizit zum BIP verzeichnet (ca. 6,2% des BIP in 2011), es kam zu Entlassungen.

In dem kleinen Land Luxemburg gibt es viele Brücken. Der Pont Grande-Duchesse-Charlotte (Foto), der die Alzette in einer Höhe von 85 m und mit einer Spannweite von 230 m überquert, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Brücke nach Europa: Sie führt von der Altstadt zum Kirchberg, der modernen Neustadt mit ihren breiten Boulevards, die seit 1966 das Europaviertel mit seinen zahlreichen europäischen Institutionen beherbergt.

Hier befinden sich das Sekretariat des Europaparlaments, der EU-Gerichtshof, der Rechnungshof der Europäischen Union, die Europäische Investitionsbank und das Gebäude der Europäischen Montanunion.
In Luxemburg arbeiten einige tausend europäische Beamte und Angestellte. Zwischen Brüssel, Straßburg und Luxemburg herrscht schon seit langem ein ständiger Wettstreit um den Rang der "europäischen Hauptstadt".

Entwicklungen

2015: Das wohlhabendste Land der EU ist Luxemburg

Das Pro-Kopf-BIP liegt 2015 um 162 Prozent über dem EU-Durchschnitt. In absoluten Zahlen sind das rund 89.000 Euro im Jahr (der Median liegt immerhin noch bei 64.800 Euro).

Die Erwerbslosenquote lag im August 2015 bei 5,9%

Über 40 Prozent der Bevölkerung sind ausländische Staatsangehörige, über 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Seit dem 1. Januar 2009 gelten alle Gehaltsempfänger sozialrechtlich als "Gehaltsempfänger", zwischen "Arbeitern" (ouvriers) und "Angestellten" (employés privés) wird nicht mehr unterschieden. Außerdem gilt seit dem 1. Januar 2013 für alle Gehaltsempfänger ab dem achtzehnten Lebensjahr ein monatlicher Mindestlohn von 1847,19 EUR (brutto). Von den rund 360.000 Beschäftigten (davon mehr als 40% Grenzgänger) erhalten rund 53.000 einen Mindestlohn.
Seit 2012 muss Luxemburg bei der Berechnung der Arbeitslosigkeit auch die Zahl der arbeitslosen Grenzgänger berücksichtigen. Im Februar 2013 waren es offiziell 6,4%. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei rund 17%.

2008/2009:
[...] Verfassungsänderung: Am 11.12.2008 hob die Abgeordnetenkammer mit Änderung von Artikel 34 der Verfassung das Vetorecht des Großherzogs gegen Gesetze auf. Der Schritt war notwendig geworden, weil sich der katholische Großherzog Henri aus Gewissensgründen weigerte, ein am 19.2.2008 in erster Lesung verabschiedetes Euthanasiegesetz (...) zu unterschreiben. Am 19.2.2009 wurde das Gesetz, das Straffreiheit für Sterbehilfe durch Ärzte auf Patientenwunsch vorsieht, im Parlament abschließend verabschiedet (...).
Finanzkrise: Das Großherzogtum, dessen Finanzsektor rd. 40% zum BIP beiträgt, wurde von der globalen Finanzkrise hart getroffen. Am 28.9.2008 beteiligte sich Luxemburg mit 2,3 Mrd. € an einem Rettungsplan für den angeschlagenen Benelux-Finanzkonzern Fortis, zwei Tage später mit 376 Mio. € an der Kapitalspritze für das Bankhaus Dexia (...).
Bankgeheimnis: Nachdem Luxemburg wegen der Verteidigung seines Bankgeheimnisses verstärkt unter internationalen Druck geraten war, erklärte Budgetminister Luc Frieden am 13.3.2009 nach Abstimmung mit Österreich und der Schweiz die Bereitschaft des Landes, die OECD-Regularien zur Steuerinformation anzuwenden. Im April verzeichnete die OECD Luxemburg noch auf ihrer "grauen Liste" (...); Anfang Juli erfolgte die Aufnahme auf die "weiße Liste". [...]

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 341.
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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.878 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

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