Litauen

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Offizieller Name: Republik Litauen
Hauptstadt: Vilnius (Wilna)
Fläche: 65.200 km²
Landesnatur: Eiszeitlich geformtes Land, Hügelketten im SO und N, dazwischen Ebenen u. Niederungen, Flachküste mit Sanddünen
Klima: Gemäßigtes Seeklima, nach 0 zunehmend kontinental
Hauptflüsse: Memel (Nemunas)
Höchster Punkt: Juozapine 293 m (eine Neuvermessung hat ergeben, dass der Aukštojas mit 293,84 m der Höchste ist, siehe: gipfel-und-grenzen.de).
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Präsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: Parlament (Seimas) mit 141 Mitgliedern, Wahl alle 4 Jahre
Nationalfeiertag: 16. Februar
Einwohner: 3.682.000 (1999); 2.970.446 (2013); 2,8 Millionen (2019)
Bevölkerungsdichte: 56 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 75% (1999)
Analphabetenquote: 2% (1999)
Sprache: Litauisch, Russisch
Religion: Katholiken
Importgüter: Maschinen, Elektrogeräte, mineralische Rohstoffe, Textilien
Exportgüter: Textilien, mineralische Produkte, Maschinen, Ausrüstungen, elektronische Anlagen

Litauen ist die südlichste und größte der drei Baltenrepubliken. Es ist ein eiszeitlich geformtes, nur im Moränenbereich hügeliges Land mit mehr als 3000 Seen, zahlreichen Mooren und lichten Wäldern. Größter Fluss des Landes ist die Memel, die mit einem mehrarmigen Delta in das Kurische Haff der Ostsee mündet. Die Länge seiner Ostseeküste beträgt 91 km.
Die Bevölkerung ist ethnisch wesentlich homogener zusammengesetzt als in den anderen beiden baltischen Republiken Estland und Lettland. Den größten Teil der Bevölkerung stellen mit 81 % die Litauer; außerdem leben noch Russen (8,5 %) und Polen (7 %) im Land. Aufgrund der langen historischen Verbindung mit Polen gehört die Mehrzahl der Litauer der römisch-katholischen Kirche an.

Wirtschaftlich gesehen war die Republik bis 1940 ein reines Agrarland. Noch heute kommt der Landwirtschaft, besonders der Milch- und Fleischerzeugung, große Bedeutung zu. Wichtig ist der Anbau von Zuckerrüben, Flachs, Kartoffeln und Gemüse. Litauen unterhält eine moderne Fischfangflotte. Insgesamt trug der Agrarsektor Ende der 1990er Jahre 10 % zur Wirtschaftsleistung bei. Wichtige Industriezweige sind die Nahrungsmittel-, holzverarbeitende, Textil- und Elektroindustrie. Den Großteil des inländischen Energiebedarfs (75%) deckte ab 1983 das Atomkraftwerk Ignalina, das trotz sicherheitstechnischer Verbesserungen Ende der 1990er Jahre als veraltet galt; vor allem die Europäische Union, deren Mitglied Litauen am 1. Mai 2004 wurde, forderte die Schließung von Ignalina. Ende 2009 wurde der Betrieb des AKW Ignalina schließlich eingestellt. Ersatzweise kann das Kraftwerk Elektrenai die litauische Eigenversorgung an Strom vorerst bis 2015 gewährleisten.
Um die hohe Abhängigkeit von Lieferungen fossiler Brennstoffe (Gas, Schweröl) aus Russland reduzieren zu können, plante Litauen den Bau eines neuen Atomkraftwerks.
Bedeutend für die gesamte Wirtschaft im Baltikum und wichtiger Devisenbringer für Litauen ist die von russischen Lieferungen abhängige Erdölraffinerie von Mazeikiai, die 2000 teilprivatisiert wurde. 2006 wurde die Raffinerie vom staatlich kontrollierten polnischen Mineralöl-Konzern PKN Orlen für 2,3 Mrd. US-$ aus der Konkursmasse des russischen Jukos-Konzerns gekauft.

2007 trat Litauen dem Schengener Abkommen bei. Am 21. Dezember 2007 wurden die Grenzkontrollen zu den EU-Nachbarstaaten Lettland, Weißrussland und Polen aufgehoben. Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Litauen der EURO (€) als Zahlungsmittel (60 Prozent der Bevölkerung waren gegen die Einführung des EURO).

Geschichte

Im Gegensatz zu Estland und Lettland, die im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg unter der Herrschaft des Deutschen Ordens und anderer Ostseemächte standen, herrschten die litauischen Großfürsten Mitte des 14. Jahrhunderts über ein Reich, das von der Ostsee bis fast nach Moskau reichte und dessen südliche Grenze kurzzeitig am Schwarzen Meer lag. Die 1384 erfolgte Heirat des Großfürsten Jagiello (Jogaila) mit Hedwig (Jadwiga), der Königin Polens, hatte weitreichende Folgen. Das litauische Herrscherhaus sowie das litauische Volk wurden katholisch und gingen eine über 400 Jahre währende Union mit Polen ein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der litauische Landesteil erst polnische Provinz und nach der dritten Polnischen Teilung 1795 von Rußland besetzt.

Im Ersten Weltkrieg wurde Litauen von deutschen Truppen besetzt.
Aus strategischen Gründen forderte der deutsche Oberbefehlshaber die Loslösung von Rußland und die Trennung von Polen. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Sozialistische Räterepublik Litauen und Weißrußland vertrieben polnische Truppen unter Pilsudski die Rote Armee aus Vilnius und dem umliegenden Gebiet. Die historische Hauptstadt Litauens blieb nach weiteren wechselvollen Kämpfen bis 1939 in polnischem Besitz, während Kaunas provisorische Hauptstadt der neu gebildeten Republik Litauen wurde (1923-39 mit Memelland). Entsprechend dem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt vom 28.9.1939 besetzte die Rote Armee das Land 1940 und machte Litauen einschließlich des Wilnaer Gebiets zur Sowjetrepublik.

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Unabhängigkeit

Infolge der Homogenität der Bevölkerung waren die Ausgangsbedingungen für die Forderung nach weitgehender Autonomie im Rahmen der neuen Politik der Perestrojka recht günstig. Im Oktober 1988 wurde die litauische Volksfront "Sajudis" gegründet. Ihre Zielsetzung war zunächst nicht auf die Loslösung von der UdSSR gerichtet, sondern es wurden unter anderem Forderungen nach Zweisprachigkeit auf der Basis der kulturellen Gleichberechtigung und nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit erhoben.
Dabei konnte sich Sajudis auf die Unterstützung der Bevölkerung verlassen. Die Zahl der Demonstranten wuchs über eine kleine Gruppe am 23.8.1987, die an den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 erinnerte, binnen Jahresfrist zu einer Massendemonstration von ungefähr einer Viertelmillion an. Die Unabhängigkeitsbestrebungen gingen danach immer schneller voran, und im März 1990 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit. Zum Parlamentspräsident (Staatsoberhaupt) wurde Vytautas Landsbergis (Sajudis) gewählt. Die UdSSR reagierte mit einer Wirtschaftsblockade. Nach dem gescheiterten Putsch in Moskau erkannte die Sowjetunion am 6.9.1991 schließlich die Unabhängigkeit Litauens an. Wirtschaftlich brachte die Selbständigkeit große Probleme. Durch den Übergang zur Marktwirtschaft gab es einen Wirtschaftseinbruch mit hoher Inflationsrate und Lebensmittelmangel. Mitte der 1990er Jahre folgte ein zunächst leichter, dann, im Zuge stärkerer Privatisierungen ein deutlicher Aufschwung, allerdings 1999 mit einem Rückschlag infolge der russischen Finanzkrise.

Entwicklungen

Ende 2012: Jeder vierte Europäer ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Traurige Spitzenreiter sind Bulgarien (49 Prozent), Rumänien und Lettland (je 40 Prozent), Litauen (33 Prozent), Griechenland und Ungarn (je 31 Prozent).

2009: »[...] Nach rückläufigen Investitionen und Exporten brach Ende 2008 auch der Privatkonsum ein, der laut Frühjahrsprognose der EU-Kommission 2009 um weitere 17,5% zurückgehen wird. Nach einem nur moderaten Wirtschaftswachstum von 3,0% (2008) erwartete die EU-Kommission für 2009 ein Minus von 11,2% [...] Sparpolitik: Um den für 2011/12 geplanten Beitritt zur Eurozone nicht zu gefährden, stand für die neue Regierung die Sanierung des Staatshaushalts im Vordergrund. Nachdem im Dezember 2008 Einsparungen im öffentlichen Dienst und bei Sozialausgaben, Subventionsabbau sowie eine Erhöhung von Mehrwertsteuer und Steuern auf Unternehmensgewinne verabschiedet worden waren, wurden die Sparmaßnahmen im April 2009 mit einem Nachtragshaushalt, der weitere Kürzungen in Höhe von 3% des BIP vorsah, verschärft.«

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 340.

● Vilnius war zusammen mit Linz (Landeshauptstadt von Oberösterreich) Kulturhauptstadt Europas 2009.

● 1. Januar 2015: Litauen ist seit dem 1. Januar Mitglied der EU.

● Nach 2012 wuchs die Wirtschaft des Landes um ca. 3% jährlich. Die Arbeitslosigkeit lag 2018 mit 6,8% leicht unter dem EU-Durchschnitt. Trotz dieser positiven Daten gelten 2018 rund 25% der Männer und 30% der Frauen als armutsgefährdet (unter 60% des Durchschnittseinkommens)

● Litauen verzeichnet weltweit die höchsten Selbstmordraten. Als Hauptgründe werden Alkoholismus, die hohe Jugendarbeitslosigkeit und Existenzängste genannt. EU-weit führt Litauen die Liste der Tötungsdelikte an.

● Seit dem 16. März 2020 gilt wegen der globalen "Corona-Pandemie" eine landesweite Quarantäne bis einschließlich 11. Mai 2020. Desweiteren gibt es u.a. Ein- und Ausreisebeschränkungen und eine Abstandsregelung von Mensch zu Mensch von mind. 1 Meter.
Anfang Mai 2020 waren nach offiziellen Zahlen ca. 1400 Menschen mit dem Virus infiziert, 47 Menschen starben angeblich daran.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.876 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona


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