Fürstentum Liechtenstein

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Staatswappen
Offizieller Name: Fürstentum Liechtenstein
Hauptstadt: Vaduz
Fläche: 160 km²
Landesnatur: Im W Alpenrheintalebene, im O und S Seitenkämme des Rätikons
Klima: Relativ milde Winter, warme Sommer
Hauptflüsse: Samina, Valorschbach
Höchster Punkt: Vordergrauspitz 2599 m
Tiefster Punkt: Ruggeller Riet 430 m
Regierungsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt: Fürst
Verwaltung: 11 Gemeinden
Parlament: Landtag (Parlament), bestehend aus 25 für 4 Jahre vom Volk gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 15. August
Einwohner: 32.000 (1999) ; 37.009 (2013); 38.650 (2019, davon 34% Ausländer - vorwiegend aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Italien, ca. 6% diverse); 2014 wurde in Liechtenstein das letzte Kind geboren, weil die einzige Geburtsabteilung geschlossen wurde.
Bevölkerungsdichte: 200 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 46% (1999)
Sprache: Deutsch
Religion: Katholiken 73,7% (römisch-katholisch), Protestanten 8,2%, ca. 5,9% Muslime

Steueroase, Briefkastenfirmen, Briefmarken - Begriffe, die man mit dem Fürstentum Liechtenstein verbindet. Doch der alpine Kleinstaat hat weitaus mehr zu bieten. Liechtenstein ist ein landschaftlich reizvolles Gebiet, das vom Rheintal in knapp 500 m Höhe bis ins Hochgebirge des Rätikons reicht, mit Vordergrauspitz (2599 m) und Schwarzhorn (2574 m) als höchste Gipfel.
In den fruchtbaren Tälern beherrschen Wiesen, Äcker, Gemüse- und Obstgärten das Bild. Rebstöcke, würzige Alpweiden und Wälder überziehen die Berghänge, und unwirtliche Schutt- und Felszonen nehmen die alpine Gipfelflur ein. Nur knapp ein Viertel der Gesamtfläche des Fürstentums entfällt auf das flache Rheintal, wo ein mildes Klima den Anbau von Weizen, Mais und Tabak begünstigt, ansonsten herrscht in Liechtenstein die Vieh- und Forstwirtschaft traditionell vor.

Vom Agrarland zum Industriestaat
Noch in den 1980er Jahren war die Landwirtschaft ein entscheidender Wirtschaftsfaktor des Fürstentums. Heute sind nur noch 1% der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft tätig. Liechtenstein kann als ein Wirtschaftswunderland bezeichnet werden, denn innerhalb von wenigen Jahrzehnten hat es sich vom armen, unterentwickelten Bauernland zu einem der reichsten Staaten der Welt entwickelt. Die Industrie konzentriert sich auf die Erzeugung hochwertiger Spezialprodukte. Neben dem seit 1923 bestehenden Währungs-, Wirtschafts- und Zollvertrag mit der Schweiz wirkte sich auch die Steuergesetzgebung positiv auf die Entwicklung zum Industriestaat aus. Das Land ist in internationalen Finanzkreisen als "Steueroase" und Bankplatz geschätzt. Zahlreiche ausländische Unternehmen sind hier als "Briefkastenfirmen" vertreten, und die Besteuerung dieser Gesellschaften bildet eine erhebliche Einnahmequelle des Staates. 1999 geriet das Land in Verdacht, internationale Kriminelle bei illegalen Geldgeschäften zu unterstützen. Briefmarken sind aber in Liechtenstein nach wie vor ein Verkaufsschlager.

Liechtenstein will keine "Steueroase" mehr sein


Das Steuerparadies Liechtenstein hatte bereits 2009 angekündigt sein striktes Bankgeheimnis zu lockern und sich den OECD-Standards für Transparenz und Informationsaustausch in Steuerfragen anzupassen. Seit Deutschland, die USA und andere Staaten Steuerhinterzieher über Landesgrenzen hinweg verfolgen, bangen die Liechtensteiner nun um ihren Wohlstand.
[...] Bis dato haben die 17 Banken, 392 Treuhänder, 40 Versicherer und 27 Fondsgesellschaften ein Drittel von Liechtensteins Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Und die Umrisse eines neuen Geschäftsmodells sind erst in Umrissen zu erkennen.
Klar ist aber schon heute: Der reformierte Finanzsektor wird für das Fürstentum weniger rentabel sein. Die Regierung rechnet daher mit dauerhaft geringeren Steuereinnahmen und hat ein Sparprogramm aufgelegt.[...]
Zitat aus: "www.handelsblatt.com/politik/international/liechtenstein-abschied-vom-steueroasen-image/6345474.html", 19.03.2012

2016 hat Liechtenstein sein Steuergesetz den allgemein geltenden internationalen Standards angepasst (siehe auch AIA-Abkommen, gültig ab 1. Januar 2016).

Geschichte
1999 feierte das Fürstentum Liechtenstein sein 280-jähriges Bestehen. Die Geburtsstunde war das Jahr 1719, als Kaiser Karl VI. die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg, die die Familie Liechtenstein kurz zuvor durch Kauf erworben hatte, zum reichsunmittelbaren Fürstentum erhob. Die Familie Liechtenstein lässt sich bis in das 12. Jahrhundert nachweisen, sie war in Niederösterreich ansässig; ihr Name leitet sich von der Feste Liechtenstein bei Mödling vor Wien ab. Erst 1938 wurde Schloss Vaduz ständige Residenz.
Seit 1866 ist das Fürstentum Liechtenstein ein unabhängiger neutraler Staat. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die starke Bindung an Österreich zugunsten einer engen Anlehnung an die Schweiz aufgegeben.

Mit der Verfassung aus dem Jahr 1921 wurde das Fürstentum Liechtenstein eine konstitutionelle Monarchie mit demokratisch-parlamentarischer Regierungsform.
Staatsoberhaupt ist der regierende Fürst. Die 25 Abgeordneten des Landtags (Parlament) werden auf 4 Jahre gewählt; für Männer über 20 Jahren besteht Wahlpflicht, Frauen haben erst seit 1986 allgemeines Stimmrecht. Nach dem Vorbild der Schweiz hat die Bevölkerung ein Initiativ- und Referendumsrecht. Die Interessen Liechtensteins im Ausland werden durch die Schweiz wahrgenommen.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.874 f.

www-Links

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona
 Hexenverfolgung - Inquisition

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