Lettland

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Offizieller Name: Republik Lettland
Hauptstadt: Riga
Fläche: 64.600 km²
Landesnatur: Eiszeitlich geformtes Land mit Hügellandschaften und Ebenen; zahlreiche Moore und Seen; Flachküste mit Dünen
Klima: Gemäßigtes Seeklima, nach O zunehmend kontinental
Hauptflüsse: Daugava (Düna), Gauja
Höchster Punkt: Gaising 310 m
Regierungsform: Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Präsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 26 Distrikte, 7 Stadtbezirke
Parlament: Parlament (Saeima) mit 100 Mitgliedern; Wahl alle 4 Jahre
Einwohner: 2.389.000 (1999); 2.191.580 (geschätzt Juli 2012); 1,9 Millionen (2019)
Bevölkerungsdichte: 37 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 74% (1999)
Sprache: Lettisch, Russisch
Religion: Protestanten (Lutheraner) und Katholiken

Die Republik Lettland ist ein eiszeitlich geformtes. im Moränenbereich hügeliges Land. Höchste Erhebung ist der Gaising (310 m) in den Livländischen Höhen im Osten des Landes. Kennzeichnend für die Landesnatur sind die rund 1000 Seen, die zahlreichen Moore und die ausgedehnten Wälder, die fast ein Drittel des Landes bedecken.
Nur 55% der Bevölkerung sind Letten. Durch Deportationen unter Stalin und im Rahmen der Russifizierung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in großer Zahl Russen angesiedelt, die heute knapp ein Drittel der Bevölkerung stellen.
Außerdem leben noch Weißrussen, Ukrainer und Polen im Land. Die Minderheitenpolitik der lettischen Regierung führte immer wieder zu innenpolitischen Kontroversen und zu Verstimmungen mit Russland. In dem Bestreben, die lettische Identität des Staates, wie er bis 1940 bestand, wiederherzustellen und die lettische Sprache zu fördern (Sprachengesetz 2000), wurden die meisten Nicht-Letten nach der Wiederherstellung der Souveränität von der Staatsbürgerschaft und damit dem Wahlrecht (vorerst) ausgeschlossen.

Schwarzhäupterhaus

Die Einbürgerung von Personen uund Familien, die vor 1940 keine lettischen Staatsbürger waren, wurde nach dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1994 von verschiedenen Voraussetzungen abhängig gemacht, z.B. Alter, Sprachkenntnisse, Verzicht auf doppelte Staatsbürgerschaft, feste Arbeitsstelle.
Die Landwirtschaft Lettlands, ehemals die wirtschaftliche Basis des Landes, spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle, obgleich fast zwei Drittel des lettischen Territoriums genutzt werden und Mitte der 1990er Jahre noch 18% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiteten. Von Bedeutung ist dagegen der Fischfang - vor allem Sprotten und Heringe - und vor allem die vielseitige Industrie, die jedoch in hohem Maße mit der sowjetischen Wirtschaft verflochten war. Wichtigste Branchen sind der (allerdings an Bedeutung verlierende) Maschinen- und Fahrzeugbau, die Holzverarbeitung, chemische, elektrotechnische und Nahrungsmittelindustrie. Der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft brachte große wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich. 1996 setzte aber ein Wirtschaftsaufschwung ein, der infolge der russischen Finanzkrise einen Dämpfer erhielt. Lettland strebte eine EU-Mitgliedschaft an; 1995 trat ein Assoziierungsabkommen in Kraft, und 2000 wurden Beitrittsverhandlungen aufgenommen. Seit 2004 ist Lettland EU-Mitglied und seit dem 1. Januar 2014 gehört Lettland als 18. Mitglied zum €-Raum. Den Euro befürworten jedoch nur ca. 20 Prozent der Bevölkerung, doch diese wurde nicht gefragt.

Geschichte
Der Deutsche Orden kolonisierte das Land seit Anfang des 13. Jahrhunderts und verbündete sich im Mittelalter gegen Russland mit Polen. Während das "überdünische Livland" zunächst an das polnisch-litauische Reich und danach an Schweden überging, konnte zumindest das südlich der Düna gelegene Gebiet als Lehen - Herzogtum Kurland und Semgallen - gesichert werden. Zar Peter dem Großen gelang es, die livländische Ritterschaft zu unterwerfen, und Zarin Katharina II. sicherte sich bei einer der Teilungen Polens Kurland. Da Lettgallen bereits mit der ersten Teilung Polens 1772 an Russland gefallen war, stand jetzt ganz Lettland unter russischer Herrschaft.

Vom Machtwechsel der Herrscher unberührt, lebte die lettische Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert weiter als Leibeigene der deutsch-baltischen Rittergutsbesitzer. Auch die Städte waren deutsch geprägt. Mit Beginn der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhuunderts nahm die Bedeutung der lettischen Bevölkerung in den Städten zu. Die nationale Unterdrückung seitens des Zaren und die soziale Benachteiligung durch die deutsch-batischen Großgrundbesitzer trieb Teile der Letten in der ersten russischen Revolution von 1905 auf die Seite der russischen Revolutionäre.
Nach dem Sturz des Zarismus 1917 begannen die Letten erneut um ihre nationale Unabhängigkeit zu streiten. Nach langen Kämpfen erreichte Lettland 1920 die Unabhängigkeit, jedoch nur für kurze Zeit. Als Resultat des Hitler-Stalin-Paktes wurde Lettland 1940 an die Sowjetunion angeschlossen. Nach 1945 wandelten die Sowjets das ehemals agrarisch geprägte land in eine moderne Industrieregion um. So war z.B. der Grad der Industrialisierung und der Verkehrserschließung von Lettland weit höher als der sowjetische Durchschnitt. Allerdings profitierten die Letten nicht vom Reichtum ihrer Republik. Im Rahmen der sowjetischen Wirtschaftsplanung musste der größte Teil der Fertigprodukte in die anderen Sowjetrepubliken "exportiert" werden.
Die Reformpolitik unter Gorbatschow ermöglichte auch in Lettland Ende der 1980er Jahre erstmals wieder nationale Bestrebungen. Das verstärkte Streben nach Unabhängigkeit seit 1989 führte zu Konflikten mit Moskau. Doch nach dem Scheitern des Putsches in Moskau wurde dann die Unabhängigkeit am 21.8.1991 endgültig in Kraft gesetzt und am 6.9.1991 von der Sowjetunion anerkannt.

Entwicklungen

Coronavirus-Pandemie 2020

Aufgrund einer globalen Pandemie, ausgelöst durch das sogenannte "neue Virus" Covid-19 (Coronavirus) werden ab 2020, beginnend in der chinesischen Region Hubei und ab März in nahezu allen Ländern dieser Welt die Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Es gibt Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen, Kontaktverbote, Aufrufe zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum nächsten Menschen von 2 Metern, entsprechende Markierungen in Supermärkten, Gesichtsmaskenpflicht, Aufrufe "Wir bleiben zuhause" usw..
Anfang Mai 2020 gibt es nach offiziellen Angaben mehr als 3,4 Millionen mit dem Coronavirus infizierte Menschen weltweit. 244.000 Menschen starben angeblich daran.
In Lettland wurde am 13. März der Notstand ausgerufen. Die Grenzen zu den Nachbarländern wurden geschlossen. Die meisten Geschäfte wurden an den Wochenenden geschlossen. Auf die ganz harten Maßnahmen, wie sie teils in den anderen europäischen Ländern gelten, wurde verzichtet. Dennoch kam das öffentliche Leben durch die Aufforderung zum social distancing nahezu zum Erliegen. Wirtschaftsexperten rechnen für Lettland mit einem wirtschaftlichen Einbruch um bis zu 10 Prozent. Anfang Mai waren in Lettland knapp 880 Menschen mit dem Virus infiziert, 16 Menschen starben angeblich daran.

Siehe auch:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

2017: Armut hat sich verfestigt

Wenn auch das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen auf 489,00 Euro leicht angestiegen ist, hat es noch lange nicht das Niveau seiner westlichen Nachbarn erreicht. Die Menschen sind vergleichsweise arm. Ein Lehrer bezog 2017 ein Bruttoeinkommen von monatlich 600,00 Euro. 20% (das unterste Fünftel) verfügten 2017 über gerade mal 312,00 Euro monatliches Einkommen. Knapp 25% galten 2017 als "armutsgefährdet", denn sie verfügten über weniger als 60% des durchschnittlichen Einkommens. Etwa 75% der alleinstehenden Rentner galten 2017 als arm. Mehr Menschen sterben, als geboren werden. Mehr Menschen verlassen das Land, als einwandern.

2012: Armut breitet sich aus

Ende 2012: Jeder vierte Europäer ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Traurige Spitzenreiter sind Bulgarien (49 Prozent), Rumänien und Lettland (je 40 Prozent), Litauen (33 Prozent), Griechenland und Ungarn (je 31 Prozent).

2007: Internationale Finanz- und Wirtschaftskrise

Ab 2007: Internationale Finanz- und Wirtschaftskrise
Lettland ist besonders stark von der internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 betroffen. [...]Am 4. Juni 2009 forderte die EU-Kommission Lettland offiziell auf, das Staatsdefizit zu verkleinern, es wird ein Staatsbankrott befürchtet. Ausgabensenkungen seien die Voraussetzung für weitere Kredite des IWF. (...) Die Arbeitslosenrate stieg bis August 2009 auf 18,3%, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast eine Verdreifachung darstellt.[...]
Zitat: de.wikipedia.org, Lettland

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.856 f.

www-Links


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