Irland

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Offizieller Name: Irland
Hauptstadt: Dublin
Fläche: 70.273 km²
Landesnatur: Zentrales Tiefland (Central Lowlands), im N Donegal-Bergland, im W Connemara-Bergland, im S Bergländer von Kerry u. Cork, im 0 Wicklowberge
Klima: Durch den Golfstrom beeinflußtes mildes, ozeanisch gemäßigtes, regenreiches Klima
Hauptflüsse: Shannon, Blackwater, Suir, Barrow
Höchster Punkt: Carrauntoohill 1041 m
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Premierminister
Verwaltung: 4 Provinzen, 26 Grafschaften (counties)
Parlament: Zweikammerparlament mit 166 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten im Abgeordnetenhaus und 60 Senatoren im Senat
Nationalfeiertag: 17. März
Einwohner: 3.705.000 (1999); 4.775.982 (geschätzt Juli 2013)
Bevölkerungsdichte: 53 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 60% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 22% (1999)
Analphabetenquote: 1% (1999)
Sprache: Irisch, Englisch
Religion: Katholiken 88%, Anglikaner 3%
Importgüter: Obst, Getreide, Maschinen, Fahrzeuge, Mineralöl, Kunststoff
Exportgüter: Chemikalien, Computer, Molkereiprodukte, Fleisch, Textilien
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Irland

Irland, die westliche der beiden großen Britischen Inseln, wird zu Recht die "Grüne Insel" genannt. Zu fünf Sechsteln gehört sie zur unabhängigen Republik Irland, das übrige - nordöstliche - Sechstel, Nordirland, ist Teil des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland.
Grasbewachsene Hänge im Osten der Republik bilden einen lebhaften Gegensatz zu den heidebedeckten Hügeln und Bergseen des Westens. Im Landesinneren prägen ebenes Weideland und ausgedehnte Torfmoore das Landschaftsbild. Die randlichen zerklüfteten Gebirge formen schroffe Felsküsten, die steil zum oft stürmischen Meer abbrechen. Das milde, feuchte Wetter scheint von Tag zu Tag zu wechseln. Im äußersten Südwesten der Insel allerdings, in der Grafschaft Kerry, gedeihen - durch den warmen Golfstrom begünstigt - sogar im Freien subtropische Pflanzen.

Die lebenslustigen Iren sind talentierte Redner, besonders nach einem Glas dunklem Starkbier -"stout" oder (nach der berühmten Brauerei) "guinness" genannt. Eine Reihe Autoren hat irische Rhetorik in Roman und Drama zu einem beneidenswerten Höhepunkt geführt. Die berühmten Namen reichen von Richard Brinsley Sheridan, Oscar Wilde und William Butler Yeats bis zu George Bernard Shaw, John Millington Synge, Sean O'Casey, Samuel Beckett, Brendan Behan und James Joyce.
Die Iren begeistern sich für Musik. Brillante Flöten- und Harfenspieler trugen dazu bei, daß sich die irische Volksmusik über die ganze Welt verbreiten konnte. Sobald der sanfte irische Akzent erklingt, lassen Volkstänze - flotte Gigues und Reels - und gefühlvolle Balladen nicht lange auf sich warten. Meisterwerke wie das berühmte "Book of Keils", das aus dem 8. oder 9. Jahrhundert nach Christus stammt, sind glänzende Zeugnisse einer weiteren hochentwickelten Kunst, der Buchmalerei.
Die meisten Iren haben keltische Vorfahren. Der Zauber jener Zeit ist immer noch in halbvergessenen Sagen von Todesfeen, Elfen und heidnischen Göttern lebendig geblieben. Als jedoch der heilige Patrick im 5. Jahrhundert das irische Volk zum Christentum bekehrte, wurde der Katholizismus zum beherrschenden Glauben der Nation. Heute bekennen sich 88 % der Bevölkerung zum katholischen Glauben. Der Zusammenstoß mit der fast ausschließlich protestantisch orientierten Kultur Nordirlands hat immer wieder dazu geführt, die bewegte Vergangenheit und Gegenwart aufzuwühlen.

Angeblich leben mehr Iren im Ausland als in Irland selbst. Die meisten von ihnen haben große Sehnsucht, ihr Heimatland wiederzusehen. Jahr für Jahr strömen Besucher zu Millionen auf die "Grüne Insel", um den Zauber ihrer Landschaft, die Vielfalt an sportlichen Aktivitäten - vom Angeln bis zum Pferderennen - und die unvergleichliche Herzlichkeit irischer Gastfreundschaft zu erleben.
Irland ist ein blühendes Agrarland, das sich durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union in vielversprechender Weise entwickeln konnte. Vom allgemeinen Erscheinungsbild her wirkt das Land jedoch liebenswert altmodisch und heruntergekommen und bestätigt damit die vorgefassten Meinungen von zahlreichen Besuchern. Die Iren wenden sich zu Recht gegen diese Vorurteile, nutzen sie aber zugleich zu ihrem Vorteil.
Die Iren sind als warmherzig, freundlich und gesprächig bekannt; viele Iren machen sich einen Spaß daraus, dieses Image zu bestätigen. Sie lassen ihrer Redelust und Phantasie freien Lauf, so als ob sie tatsächlich den legendären Stein von Blarney geküsst hätten, der "die Gabe der freien Rede" verleihen soll.

Geschichte

Spuren der ersten Bewohner Irlands lassen sich mehr als 5OOO Jahre zurückverfolgen; sie hinterließen eindrucksvolle Megalithgräber, so z.B. Newgrange in der Grafschaft Meath. Durch eine Öffnung über dem Eingang zur Totenkammer dieser Grabanlage beleuchten die ersten Sonnenstrahlen am Tag der Wintersonnenwende einen Altarstein im sogenannten "Tempel" . Den talentierten Baumeistern dieser frühen Epoche folgten in der Bronze- und Eisenzeit die Kelten, die die Grundlage für die Entwicklung des irischen Volkes legten und durch die es bis heute geprägt ist. Die irische Version des Gälischen, der Sprache der Kelten, ist heute offizielle Landessprache von Irland, es ist allerdings die Muttersprache nur eines kleinen Teils der Bevölkerung.

Christentum
Die Iren nahmen das Christentum bereitwillig an. Es wurde im 5. Jahrhundert von einem gewissen Patricius (Patrick) eingeführt, einem Mönch, der später zum verehrten Schutzheiligen des Landes wurde (Nationalfeiertag 17. März). Bis heute gehört das irische Volk zu den leidenschaftlichsten Anhängern des Katholizismus in Europa. Besonders verehrt wird die Jungfrau Maria. In Irland gibt es eine Reihe von wundertätigen Statuen und Denkmälern und außerdem die berühmte Wallfahrtsstätte Knock in der Grafschaft Mayo.
Unter dem Einfluss des heiligen Patrick wurden zahlreiche irische Klöster und Konvente gegründet - Zentren der Gelehrsamkeit, die Irland zum "Leitstern" im Europa des frühen Mittelalters werden ließen. Irische Missionare bekehrten einen Großteil des "barbarischen" Europa, und die schöpferische Kraft der Mönche leuchtet aus den vollendet illustrierten Handschriften hervor, die uns überliefert sind. Im 12. Jahrhundert allerdings erlebte die Insel dunklere Zeiten. Nach wiederholten Einfällen der Wikinger drangen die Normannen in Irland ein - Lehnskrieger aus England, die sich jedoch der irischen Lebensweise bald weitgehend anpassten und allmählich "irischer wurden als die Iren selbst".

Im späten 16. Jahrhundert nahm mit der Wendung Englands zum Protestantismus die erneute Verfolgung der Iren religiöse Bedeutung an. Unter Elisabeth I. (1533-1603) wurden große protestantische Gemeinden von Britannien nach Nordirland umgesiedelt, Grundlage für religiöse Spannungen, die bis heute andauern und oft auch zu schwersten Auseinandersetzungen führt. Im folgenden Jahrhundert schlugen die Engländer unter Cromwell einen Aufstand der Iren blutig nieder und legten ganze Städte und Dörfer in Schutt und Asche. Unter der Herrschaft des katholischen Königs Jakob II. verbesserte sich die Situation der irischen Katholiken - allerdings nur für kurze Zeit. Als der König in der Schlacht am Boyne 1690 durch den protestantischen Wilhelm von Oranien vernichtendm geschlagen wurde (ein Ereignis, das das protestantische Nordirland immer noch jedes Jahr feiert), verbannten die Engländer katholische Bischöfe und Mönche und erließen Gesetze, die irischen Katholiken Landbesitz untersagten und sie von jeglichen einflussreichen Stellungen ausschlossen. In den folgenden Jahrhunderten mussten sich die meisten alteingesessenen Iren mühsam als kleine Bauern durchschlagen.

Armut in Irland
Da Irland größtenteils ungeeignet für Getreideanbau ist, waren die Inselbewohner in erster Linie auf die anspruchslose Kartoffel angewiesen, um überleben zu können. Im Jahre 1845 drohte sogar diese dürftige Kost durch eine Seuche vernichtet zu werden: die Hungersnot, die deshalb von 1845-1849 herrschte, war eine der schwersten der Neuzeit. Hunderttausende von Iren waren zur Auswanderung gezwungen, sie emigrierten vor allem nach Amerika. Aber wohin sie auch gingen, es gelang ihnen, ihr "irisches Wesen" zu bewahren - und eine tiefe Verbundenheit mit ihrem Vaterland. Irische Einflüsse sind in Amerika besonders stark und vielfältig, sie haben u. a. die "Country Music", vielleicht sogar den amerikanischen Akzent geprägt. Amerikaner irischer Herkunft haben oftmals ihr Heimatland in seinem langandauernden Kampf um die Unabhängigkeit von Großbritannien unterstützt.

Irlands Weg zur Republik
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ein rasches Erstarken der Nationalismusbewegung in Irland zu beobachten, was 1905 zur Gründung der Sinn-Fein-Partei ("Wir-selbst"-Bewegung) und 1916 zur Konstituierung der Irisch Republikanischen Armee (IRA) führte. 1921, fünf Jahre nachdem die Iren ihr Land im Osteraufstand zur Republik erklärt hatten, wurde im Anglo-Irischen Vertrag der protestantische Norden der Insel Großbritannien zugesprochen, der übrige Teil wurde Freistaat mit dem Status eines Dominion innerhalb des Britischen Empire. Anhänger der Republik lehnten diese Kompromisslösung rigoros ab, doch erst 1949 wurde Irland endgültig zur unabhängigen Republik. Trotzdem blieb die Spaltung des Landes in protestantischen Norden und katholischen Süden bis heute bestehen.

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Der Staat

Irland ist eine politisch souveräne, unabhängige demokratische Republik. Das Parlament des Landes setzt sich aus zwei Häusern zusammen, denen der Staatspräsident vorsteht. Dieser ist offizielles Staatsoberhaupt und wird vom Volk für sieben Jahre direkt gewählt; er kann einmal wiedergewählt werden.
Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Repräsentantenhaus (Dáil Éireann) mit 166 Mitgliedern und dem Senat (Seanad Éireann) mit 60 Mitgliedern. Beide Häuser tagen im Leinster House in Dublin. Der Premierminister (Taoiseach), der vom Präsidenten (seit 1997 Mary Patricia McAleese) ernannt wird, ist der eigentliche Regierungschef.

Er wird für fünf Jahre gewählt und ist in der Regel Führer der Mehrheitspartei im Repräsentantenhaus. Er stellt sich aus der Reihe der Parlamentsmitglieder sein Kabinett zusammen.
In Irland gibt es drei größere politische Parteien: die Republikaner (Fianna Fáil), die konservative Fine Gael - (beide Parteien stammen ursprünglich von der Partei Sinn Féin ab) - und die sozialdemokratische Labour Party. Daneben gibt es kleinere Linksparteien wie die moderne Sinn Féin-Partei, die Grünen, die Sozialistische Partei und die Kommunistische Partei. Der rechte Flügel wurde durch die Progressiven Demokraten vertreten, die einige Jahre lang viertstärkste politische Kraft und bis zum 23. Februar 2011 mit 2 Sitzen an der Drei-Parteien-Koalition beteiligt waren obwohl sich die Partei am 8. November 2008 bereits aufgelöst hat.
Das Gerichtswesen stützt sich auf den Supreme Court, das Oberste Gericht des Landes, und - eine Stufe niedriger - auf den High Court (das Hohe Gericht). Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Gerichten mit beschränkter Zuständigkeit. Der Präsident ernennt die Richter auf Lebenszeit.

Die Kommunalverwaltung wird von 26 Grafschaften wahrgenommen (Tipperary ist aus verwaltungstechnischen Gründen in zwei Bezirke aufgeteilt). Die Städte Cork, Dublin, Galway, Limerick und Waterford bilden Stadtgrafschaften. Irland ist verschiedenen internationalen Organisationen beigetreten. Es ist Mitglied der UN (Vereinten Nationen), der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und auch der Europäischen Union.

Bevölkerung
Rund 60% der über 4,7 Millionen Einwohner Irlands leben in den Städten und Großstädten, der übrige Teil der Bevölkerung in kleineren Stadtgemeinden, Dörfern oder auf Gehöften in ländlichen Gegenden; nur die Hauptstadt Dublin (520.000) und die Stadt Cork (120.000) haben mehr als 100.000 Einwohner.
Irisch (eine gälische Sprache) ist die offizielle Amtssprache, Englisch nur die zweite, trotzdem wird Englisch im Gegensatz zu Irisch von allen Iren gesprochen. Von staatlicher Seite werden Schulen angewiesen, Irisch zu unterrichten, um es als lebende Sprache zu erhalten. Die Gebiete mit Irisch sprechender Bevölkerung sind unter dem Namen Gaeltacht bekannt und werden durch ein Sonderministerium verwaltet, dessen hauptsächliche Aufgabe die Förderung der irischen Sprache ist.
Der Lebensstandard variiert von relativem Wohlstand in städtischen Gegenden bis zu ärmlichen Verhältnissen in strukturschwachen ländlichen Regionen, wo es so gut wie keine Arbeitsplätze gibt.

Im Jahr 2010 weist Irland mit ca. 22% den größten Anteil an relativer Armut in Westeuropa auf. Mit der internationalen Finanzkrise ab 2007 hat sich die Lage für einen Großteil der Bevölkerung sehr verschlechtert.
Anfang 2011 war die Arbeitslosigkeit nach offiziellen Angaben auf 13,5% gestiegen.
Besonders stark von Arbeitslosigkeit ist die junge Bevölkerung betroffen. Etwa 25% der 17-25-jährigen sind ohne Arbeit, jeder dritte junge Mann ist arbeitslos. Wie die im Januar 2011 herausgegebene Studie zur Jugendarbeitslosigkeit ermittelt hat, wollen 70% der Betroffenen in der nächsten Zeit ihr Land verlassen, da sie auch für die Zukunft keine positiven Entwicklungen erwarten. Obwohl es ab 2008 wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung gab, hat sich die Lage der ärmeren Bevölkerung verschlechtert.
Die Arbeitslosigkeit von knapp 15% im Jahr 2012 ist zwar auf knapp 5% im Jahr 2017 gesunken (wobei die Jugendarbeitslosigkeit mit knapp 14% immer noch vergleichsweise hoch ist), dennoch sind mehr ehr als 20% der Iren immer noch von Armut und sozialer Ausgrenzng bedroht. Es gibt in Irland rund 10.000 Obdachlose (Stand Februar 2020), und das, obwohl Irland zu den wohlhabensten Ländern der Welt gehört. Mit der "Coronavirus-Pandemie" ab März 2020 ist mit einer weiteren Verschlechterung der sozialen Situation zu rechnen.

Coronavirus-Pandemie
In Irland gibt es aufgrund der globalen Virus-Pandemie seit dem 28. März 2020 einen "Lockdown" mit erheblichen Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten.

Vgl.:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

Bildungswesen
Für Kinder zwischen 6 und 15 Jahren besteht allgemeine Schulpflicht. Nahezu alle Schulen in Irland werden von privaten Organisationen geleitet, insbesondere von der katholisehen Kirche und teilweise der anglikanischen Church of Ireland. Da jedoch auch der Staat finanzielle Unterstützung gewährt, ist an den meisten Grundschulen und den weiterführended Schulen die Ausbildung kostenlos.

Religion
Die Religion spielt in Irland von jeher eine wichtige Rolle. Etwa 88% der Bevölkerung sind katholisch, was z. T. erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik hat und bis zur Zensur von Büchern und Theaterstücken führte. Die Terroranschläge, die in Nordirland verübt wurden, sind zum großen Teil auf den scharfen Gegensatz der Republik zum vornehmlich protestantisch ausgerichteten Nachbarstaat zurückzuführen. Die von der Regierung verbotene IRA (Irisch Republikanische Armee) machte sich diese religiösen Differenzen zunutze, um eine Wiedervereinigung Irlands auf gewaltsamem Wege zu erreichen, was bekanntlich scheiterte. 2005 hat die IRA ihren gewaltsamen Weg für beendet erklärt und ihr Waffenarsenal unbrauchbar gemacht. Die Regierungen in London und in Dublin begrüßten die Entwaffnung als Schritt zum Frieden.

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Wirtschaft

Wirtschaftlicher Erfolg
Aus dem einst armen Irland ist - mit einigen Einschränkungen - ein reiches Land geworden, bis ab dem Jahr 2007 - mit der "Internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise" - der wirtschaftliche Niedergang begann und im April 2009 sogar der Staatsbankrott droht. Irland (der "keltische Tiger") galt ab Mitte der 1990er Jahre als Bilderbuchbeispiel dafür, wie ein Land von der Globalisierung profitieren kann. Irland hat sich der Konkurrenz auf dem Weltmarkt gestellt, offene Handelsbeziehungen gefördert und steuerliche Anreize für Investoren angeboten. Dabei profitierte es zunächst davon, dass die steuerlichen Bedingungen für Unternehmensansiedlungen in anderen Ländern deutlich schlechter waren. Ende der 1990er Jahre erreichte das Land nahezu Vollbeschäftigung, Heirats- und Geburtenrate stiegen wieder deutlich an.

In den Jahren 2002 bis 2004 war Irland im Globalisierungsranking auf Platz 1. Im Jahr 2005 wurde es allerdings von Singapur abgelöst.
Am 12.12.2005 kam es zur größten Demonstration seit einem Vierteljahrhundert. Mehr als 150.000 Menschen in Dublin und acht anderen irischen Städten gingen gegen Dumpinglöhne und "Sklavenarbeit" auf die Straße.

2007 war Irland im Globalisierungsranking bereits auf den 5. Platz abgerutscht.

Der Wirtschaftsboom kam zuletzt bei immer weniger Menschen, gerade auf dem Land, an. Die Arbeitslosigkeit stieg mit 5,4 Prozent im Mai 2008 auf den höchsten Stand seit 1999.

EU-Reformvertrag

Unterschiedliche Ängste der Iren (z.B. Verlust der Steuerhoheit, schwache Gewichtung irischer Stimmen im Europäischen Rat u.a.) führten dazu, dass bei der Volksabstimmung im Juni 2008 der EU-Reformvertrag (Vertrag von Lissabon) abgelehnt wurde. Für die Gegner des Vertrages ist das Ergebnis ein "Sieg für die Demokratie". Für die Befürworter wird das ablehnde Ergebnis jedoch als Rückschlag für die EU bewertet.

Kommentar von Hans-Peter Martin erschien in verschiedenen Medien, 14.12.2008: Siehe: "www.hpmartin.net/Demokratie_Zerst%C3%B6rer.html", Demokratie-Zerstörer
[...] Geld, Verleumdung und Augenauswischerei. Damit wollen die EU-Entscheidungsträger den europäischen Bürgern endgültig ihren Willen aufzwingen. Was Hans-Peter Martin beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel erlebte, war praktizierte Demokratie-Zerstörung. [...] Irland muss eine neue Abstimmung abhalten, obwohl im Juni 2008 bereits 53,4 Prozent der Wähler eindeutig Nein zum Lissabon-Vertrag gesagt haben, der die unkontrollierte Macht der Beamten und Lobbyisten in Brüssel zementieren und dem gewählten EU-Parlament weiterhin keine Gesetzesinitiativen einräumen wird. [...]

Bei der Volksabstimmung am 2. Oktober 2009 haben die irischen Bürger im zweiten Anlauf dem EU-Vertrag von Lissabon zugestimmt. Angesichts der desolaten Wirtschaft meinte wohl nun die Mehrheit der Iren, dass man keine andere Wahl habe, als dem Vertrag zuzustimmen. Schade. Das neoliberale Projekt ist wieder einen Schritt weiter gekommen. Dessen Endziel ist die Schaffung eines globalen Feudalsystems, das die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten, finanzielle Privilegien einer mächtigen Minderheit und die Absicherung der Beute durch einen autoritären Überwachungsstaat beinhaltet.

Finanz- und Wirtschaftskrise

Erstes Euroland in der Rezession
Autohersteller mit dramatischen Absatzeinbußen
Dezember mit Minus-Rekorden

In Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise stieg die Arbeitslosigkeit in Irland im Februar 2009 auf 10,4%, dem höchsten Stand seit Oktober 1997. Im Oktober 2009 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 12,5%.

Die wirtschaftliche Lage ist im Juni 2010 desolat.
Obwohl einerseits in Irland von einem drohenden Staatsbankrott geredet wird, gilt Irland andererseits im Jahr 2009 innerhalb der EU hinter Luxemburg als zweitreichstes Land, gemessen am Pro-Kopf-BIP in Kaufkraft.

Laut KOF-Globalisierungsindex von 2009 steht Irland hinter Belgien auf dem zweiten Platz der am meisten globalisierten Länder der Welt.

Triliterale Kommission tagt in Dublin

Bei dem als "geheim" geltenden Treffen der Triliteralen Kommission (TK) im Hotel Four Seasons in Dublin (7. bis 10. Mai 2010) war das TK-Mitglied Mikhail Slobodovsici (Chefberater der russischen Regierung) ungeahnt offen. In der Annahme, mit einem TK-Kollegen zu sprechen, sagte er zu Alan Keenan, einem Mitarbeiter von "www.wearechange.org/" u.a. folgende Worte:
[...] "We are deciding the future of the world ... We need a world government," he said, but, referring to Iran, he said "we need to get rid of them."[...]
In den 1990er Jahren sprachen sich TK als auch Bilderberger dafür aus, eine Weltregierung bis zum Ende des Jahres 2000 etabliert haben zu wollen. Nun war man bei diesem TK-Treffen in Dublin einigermaßen frustriert. Wie ein Teilnehmer meinte, sei das Ziel in weite Ferne gerückt. Schuld sei der zunehmende Nationalismus in den Staaten, die gegenüber internationalen Organisationen verstärkt ihre Souveränität behaupten. Außerdem fragt man sich, dass so viele Leute über all ihre Pläne Bescheid wissen konnten, so Zeugen im Hotel.
Zitat: "www.americanfreepress.net/html/tucker_trumps_trilats_222.html", Jim Tucker, 26. Mai 2010

Siehe auch:
[...] David Rockefeller was in Dublin for the annual meeting of the Trilateral Commission. We were there all day and managed to catch a glimpse of the globalist scumbag.[...]
Aus: "www.wearechange.ie/?p=381#more-381", We are Change Ireland, 10. Mai 2010, Scumbag Rockefeller gets a nice warm welcome from the Irish (Videos)

Irland beantragt als erstes EU-Mitgliedsland Finanzhilfen aus dem EU-Rettungsfonds und vom IWF

Wenige Monate nach dem Meeting der Triliteralen Commission stellte die irländische Regierung den Antrag auf Finanzhilfe aus dem "Rettungsschirm" von EU und IWF. Obwohl die Regierung betont, dass Irland nicht pleite sei, benötigt das Land Unterstützung in Höhe von ca. 90 Milliarden €. Klar ist, dass es diese Hilfe nicht umsonst gibt. Die EU fordert Mitspracherecht bei der irischen Wirtschaftsspolitik und will vor allem die niedrigen Unternehmenssteuern beseitigen. Irland fürchtet um sein Wirtschaftsmodell und weist derartige Forderungen zurück. Derweil braut sich heftiger Protest in der Bevölkerung zusammen. Denn die zu erwartenden harten Sparmaßnahmen, die die Regierung für das neue Haushaltsjahr beschließen werden muss, gehen zu Lasten der Steuerzahler.

Aufgrund der Bankenkrise hat sich das irische Budgetdefizit auf 32% aufgeblasen. Die EU-Grenze liegt bei drei Prozent des BIP !!!
[...] Der EU-Rettungsfonds war im Frühjahr 2010 als Reaktion auf die Krise in Griechenland geschaffen worden. Seither können hochverschuldete Euro-Staaten finanzielle Hilfen in Form von Kreditbürgschaften in Anspruch nehmen. Das Kreditvolumen beläuft sich auf insgesamt 750 Milliarden Euro: 500 Milliarden kommen von der EU und den Euroländern, weitere 250 Milliarden werden vom Internationalen Währungsfonds (IWF) bereitgestellt. [...]
Zitiert aus: "www.bpb.de/themen/O5A1BC,0,Finanzhilfe_f%FCr_Irland.html", Bundeszentrale für politische Bildung, 22.11.2010

[...] Nach Angaben des irischen Finanzministeriums nehmen zurzeit 16 Banken und Immobiliengesellschaften den staatlichen Rettungsschirm in Anspruch - entweder in Form von Bürgschaften oder in Form von staatlichen Kapitalspritzen. Insgesamt könnte die Rettung nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor's bis zu 90 Milliarden Euro verschlingen. [...]
Zitiert aus: "www.tagesschau.de/wirtschaft/irland248.html", Irland steht vor Neuwahlen, 22. November 2010

[...] man muss wissen, das meiste Geld dient zur Stützung der irischen Banken und kommt dem Staat oder den Bürgern nicht zu Gute. Der Hauptgrund ist, die meisten Besitzer der Bonds der Anglo-Irish Bank sind deutsche Institutionen. Gerettet wird also nicht Irland sondern die deutschen Banken, Finanzinstitute und Investoren. [...] Die irische Regierung wurde also von Frankfurt erpresst, die ausländischen Investoren zu schützen, auf Kosten der Bevölkerung und zukünftiger Generationen. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sind vor allem deutsche und britische Banken mit rund 140 Milliarden Dollar in Irland engagiert. [...]
Nachfolgend veröffentlicht Alles-Schall-und-Rauch eine Liste der ausländischen Bond-Besitzer der Anglo-Irish Bank.
Hier weiterlesen: "alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/11/irland-wird-nur-wegen-der-deutschen.html"

Nach Darstellung der Bundesbank soll das Risiko der deutschen Banken in Irland jedoch deutlich niedriger sein als angenommen. Nach Auskunft des Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler liege das echte Irlandrisiko der Institute bei etwa 25 Milliarden Euro.
Siehe auch:  Neue Weltordnung - Illuminati - FED - Codex Alimentarius

Januar 2011: Irische Regierung zerbrochen

Die Grünen haben am Sonntag, den 23. Januar 2011, der Fianna-Fail-Partei von Premierminister Brian Cowen die Regierungszusammenarbeit aufgekündigt.

Neue Regierung

Bei den Wahlen am 25. Februar 2011 sind die konservative Fine Gael (36,1%) und die Sozialdemokraten von Labour (19,4%) als Sieger hervorgegangen. Beide Parteien bilden die neue Regierungskoalition. Die bis dahin regierende Fianna Fáil erzielte nur noch 17,4 Prozent der Stimmen.
Der neue Ministerpräsident heißt Enda Kenny (Fine Gael); er wurde am 9. März 2011 vereidigt.

15. Dezember 2013: Irland verlässt den "EU-Rettungsschirm"
Irland gibt an, in Zukunft ohne weitere finanzielle Nothilfe bestehen zu können und verließ am 15. Dezember als erstes der EU-Krisenländer den "EU-Rettungsschirm". Das heißt aber nicht, dass Irland nicht weiter gefährdet ist. Die Haushaltsschulden steigen und das Haushaltsdefizit liegt bei 7,3%. Dem soll mit weiteren Einsparungen bei den Sozialausgaben begegnet werden. Die Arbeitslosenquote liegt im November 2013 bei 12,5%. Immer noch verlassen täglich 100 Iren das Land auf der Suche nach Arbeit, womit ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit verhindert und die Sozialkassen weniger stark belastet werden. Der massenhafte Export qualifizierter Arbeitskräfte wird die Zukunft des Landes jedoch schwer belasten.

11. Oktober / 1. November 2014: Tausende protestieren gegen Wassersteuer
In Dublin demonstrierten am 11. Oktober 50.000 Menschen gegen die neuanstehende Wassersteuer. Es war die größte Demonstration der letzten Jahre. An der Demonstration am 1. November beteiligten sich in Dublin etwa 150.000 Menschen, weitere 160.000 in anderen irischen Städten.
Bislang wurde die Wasserversorgung durch Steuern finanziert. Nun soll jeder Haushalt einen Wasserzähler erhalten, wodurch der Durchschnittshaushalt dann Wasserkosten zwischen 200 und 400 Euro hätte. Die Wassergebühren sind Teil der Sparmaßnahmen zu denen sich die Regierung gegenüber internationalen Kreditgebern verpflichtet hatte.

2016-2020: Regierung
Nach der Unterhauswahl am 26. Februar 2016 bildete Enda Kenny ein neues Kabinett. Im Jahr 2017 trat Kenny zurück und übergab das Amt des Premierministers an Leo Varadkar, der aufgrund der Wahlniederlage im Februar 2020 von seinem Amt zurücktrat. Varadkar bleibt aber noch solange kommissarisch im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist. Wahlgewinner wurde die linksnationalistische Sinn Féin (SF), was zeigt, wie tief der Frust über die sozialen Zustände in Irland sitzt. Von der SF sollte man jedoch keine entscheidenden Veränderungen erwarten, ist sie doch prokapitalistisch aufgestellt.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.643 f.

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