Grönland

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Kalaallit Nunaat, "Land der Menschen", nennen die Eskimos Grönland. Aber treffender wäre "Land des Eises", denn fünf Sechstel der größten Insel der Welt sind permanent unter einem mächtigen Eispanzer begraben. Auf jeden Fall ist die Bezeichnung "Grünes Land" irreführend. Aber das sollte sie auch sein. Mit diesem vielversprechenden Namen gelang es 986 Erich dem Roten, Siedler von Norwegen nach Grönland zu locken. Heute leben auf der 2.175.600 km² großen Eisinsel rund 57.000 Grönländer (2013), was einer Bevölkerungsdichte von einem Einwohner auf 39 km² entspricht. Für menschliche Siedlungen eignen sich nur die eisfreien Küstengebiete, vor allem die der mittleren Westküste. Ein Ausläufer des Golfstroms bringt hier wärmeres Wasser an die Eisgestade.

Nur ein schmaler Küstensaum ist eisfrei

Die polare arktische Insel gehört geologisch zum Kanadischen Schild. Wie dort dominieren auch hier kristalline, präkambrische Gesteine, die zumeist nur im äußersten Norden von jüngeren Schichtgesteinen überlagert werden. An die vulkanischen Aktivitäten im Tertiär erinnern Basalte und einige wenige warme Quellen. Wie die nackten, vom Eis überschliffenen Gesteinsoberflächen zeigen, war Grönland während der Eiszeiten zeitweise völlig von Eis bedeckt. Eisfrei ist nur ein schmaler, nirgends mehr als 200 km breiter Küstenstreifen. Zahlreiche Gletscher erreichen das Meer und kalben in den Buchten: Eisberge entstehen.

Das Eisplateau, wo der Schnee allein durch die Schneelast schließlich zu Eis komprimiert wird, erreicht mit 3300 m im nördlichen Eisdom seine größten Höhen und flacht zu den Rändern hin ab. Es liegt wie in einer großen Schüssel innerhalb der umrahmenden Gebirgszüge gefangen. Nur durch einige Pässe und tiefe Taleinschnitte erreichen die Gletschersysteme die tief ausgeschürften Fjorde, wie z.B. der Humboldt-Gletscher, der sich als 100 km breiter Eisstrom ins Polarmeer ergießt.

Pflanzen und Tiere

Das hohe Inlandeis beschert Grönland auch weit südlich des Polarkreises noch arktisches Klima. Nirgends wird die Juli-Mitteltemperatur von 10°C erreicht. Von Süden nach Norden wird das Überleben der Pflanzen immer schwieriger. Die niedrige Tundravegetation der Küstenregionen, im Süden noch mit Wacholder und Rhododendron durchsetzt, wird nach Norden zunehmend durch Gräser, Moose und Flechten geprägt. Eisige Kälte und anhaltende Trockenheit im hohen Norden erlauben nur noch Flechten und Algen ein dürftiges Dasein.

In den Tundren der Küstensäume sind Lemminge, Hasen, Füchse und ganz im Norden der Eisbär zuhause. Das Rentier wurde 1952 von Norwegen wieder eingeführt. Im marinen Küstenbereich tummeln sich verschiedene Robbenarten, Walrosse und Wale. Etwa 200 Vogelarten bevölkern im Sommer die Küstenregionen. Von den über 100 Fischarten grönländischer Gewässer werden vor allem der Kabeljau, Heilbutt, Lachs und neuerdings die Krevetten gefischt. Während noch Anfang des 20. Jahrhunderts besonders die Jagd auf Robben die wirtschaftliche Basis garantierte, sind heute mehr als die Hälfte der Grönländer direkt oder indirekt vom Fischfang bzw. der Fischverarbeitung abhängig. Kein Wunder, dass Grönland seine Fischfangrechte in den eigenen Gewässern gegen andere Fischereinationen, wie die EU-Staaten, vehement verteidigt.

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Die Wikinger waren nicht die ersten

Die ersten Menschen, die Grönland erreichten, waren arktische Jägerhorden der Sarqaq-Kultur aus Nordamerika, die mit Pfeil und Bogen und ihren enorm großen Hunden den Rentieren nachstellten. Die Jäger der folgenden Dorset-Kultur, die mit der Harpune jagten, kamen etwa 1000 Jahre später. Sie wurden von den Eskimos der Thule-Kultur zwischen 1000 bis 1400 vertrieben oder niedergekämpft.
Wie die Dorsetmenschen verschwanden auch die frühen skandinavischen Einwanderer im Nebel der Geschichte. Niemad weiß, wo die Nachfahren von Erich dem Roten geblieben sind. Erst 1578 entdeckte Martin Frobisher auf der Suche nach der Nordwestpassage Grönland aufs neue. Als der norwegische Missionar Hans Egede 1721 nach Nordmännern suchte, fand er nur noch Eskimos oder Inuit, wie sie sich selbst nennen. Die von ihm gegründete Siedlung Godthåb war der Ausgangspunkt für die Christianisierung und für die Ansiedlung von Dänen und Norwegern.
1815 kam Grönland an Dänemark. Seit 1953 ist es gleichberechtigter Teil des Königreiches und besitzt innere Autonomie. Weiterhin notwendige technische Hilfe und finanzielle Unterstützung aus Dänemark zögern die völlige Selbständigkeit Grönlands hinaus, für deren schrittweise Einführung sich 1979 rund 70% der Grönlander aussprachen. Die Regierung in der Hauptstadt Nuuk, dem früheren Godthåb, sieht wirtschaftlich trotz des aufkommenden Tourismus schwierigen Zeiten entgegen. Der Zustrom in die kleinen Städten, wo man Arbeitsplätze und bessere Lebensverhältnisse erwartet, hält an und verursacht zahlreiche soziale Probleme. Nach Einstellung der Kohle- und Kryolithförderung hoffen die Grönländer verstärkt auf die Entdeckung großer Erdöl- und Erdgasvorkommen.

Am 21. Juni 2009 erlangt Grönland weitgehende Autonomie von Dänemark. Die Ureinwohner von Grönland, die Inuits, haben nun auch die völkerrechtliche Anerkennung erhalten. Grönländisch ist ab sofort offizielle Amtssprache. Ebenso kann Grönland nun über seine Rohstoffe und Bodenschätze wie Öl, Gas, Gold und Diamanten in Selbstverwaltung verfügen.
Staatliches Oberhaupt ist noch die dänische Königin Margarethe II.
Die völlige Unabhängigkeit soll Grönland 2021 erhalten.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.314 f.

www-Links


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