Griechenland

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[Die Menschen] [Entwicklungen 2008 - 2016] [Entwicklungen 2017 - 2020]
[Die "Wutbürger"] [November 2011: Übergangsregierung]
[Sparmaßnahmen - zunehmende Armut] [Januar 2015: Das Linksbündnis SYRIZA gewinnt Wahlen - Ende des EU-Diktats?]
[Literatur] [www-Links]


Offizieller Name: Griechische Republik
Hauptstadt: Athen
Fläche: 131.957 km²
Höchster Punkt: Olymp 2917 m
Hauptflüsse: Vardar(Axios), Aliakmon, Pinios, Arakhthos
Einwohner: 10.626.000 (1999); 10.815.197 (Volkszählung 2011)
Bevölkerungsdichte: 81 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 60% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 16% (1999)
Analphabetenquote: 3% (1999)
Sprache: Neugriechisch
Religion: Griechisch-orthodoxe Christen 98% (Griechenland ist das einzige Land der Welt, wo das orthodoxe Christentum Staatsreligion ist)
Regierungsform: Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 10 Regionen; Mönchsrepublik Athos mit autonomem Status
Parlament: Nationalversammlung mit 300 für 4 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 25. März
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Wenn man von Griechenland spricht, denkt man an die sonnendurchflutete weiß-blaue Inselwelt der Ägäis, den mediterranen Charme und den einzigartigen landschaftlichen Reiz, an die "Wiege des Abendlandes", das Land der Sagen und Mythen, Götter und Tempel, der Kunst und Wissenschaft und an den Ursprung der völkerversöhnenden "olympischen Idee". Die Gunst seiner Lage im östlichen Mittelmeer, dem Zentrum der Antiken Welt, machte Griechenland zur Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika, zum Mittler der Kulturströme zwischen Orient und Okzident. Der Geist und die Kultur des antiken Griechenland haben das Weltbild des Abendlandes nachhaltig geprägt.
Griechenland, einst Weltreich, ist heute Objekt weltwirtschaftlicher und weltpolitischer Abhängigkeiten und zugleich Heimat geschäftstüchtiger, im Tourismus und Auslandsgeschäft zu Wohlstand und Ansehen aufgestiegener Griechen.
Widersprüchlich ist auch die Mentalität und politische Kultur im modernen Griechenland. Seine Bewohner neigen zu einem starken Individualismus, zeigen aber Geschlossenheit nach außen.
Trotz ihrer starken Freiheitsliebe hatten sie aber nur wenig Glück mit der Errichtung stabiler Demokratien. Ihre Bewunderung gegenüber charismatischen Politikern kann ebenso extrem sein, wie ihre Verdammung und grenzenlose Verachtung derselben.
Ihre Begeisterungsfähigkeit und Improvisationskunst ist ebenso charakteristisch wie das nur gering ausgeprägte Organisations- und Verwaltungsgeschick. Und schließlich ist da noch das Selbstbewusstsein, als wäre jeder heutige Ioannis ein Perikles. Doch gleichzeitig besteht die Angst, dem historischen Ideal nicht gerecht werden zu können.

chalkidiki

Landesnatur

Griechenland bildet den südlichen Ausläufer der Balkanhalbinsel und reicht zwischen Ionischem Meer im Westen und Ägäischem Meer im Osten weit in das Mittelmeer hinein. Kennzeichnend für das Landschaftsbild sind die hochragenden Gebirge, die enge Verzahnung von Land und Meer, die reiche Küstengliederung mit tief in das Land greifenden Buchten und weitreichenden Landzungen sowie die dem Festland vorgelagerten Inselscharen.
Griechenland lässt sich geologisch in zwei große Einheiten gliedern. Im Westen des Festlandes verlaufen parallel zur Küste die intensiv gefalteten, hauptsächlich aus Kalken, Mergeln und Sandsteinen bestehenden Gebirgszüge des Pindos-Systems. Sie sind Teil der geologisch jungen Ketten, die als Fortsetzung der Dinariden sich aus Jugoslawien kommend über den Peloponnes und die ägäische Inselwelt bis nach Kleinasien fortsetzen.

Der Osten und Nordosten des Landes bildet die Fortsetzung des aus Norden hereinreichenden Pelagonischen Massivs und des Rhodopengebirges, in denen geologisch alte kristalline und metamorphe Gesteine vorherrschen.
Alte Massive und junge Faltengebirge wurden in einer späteren Phase durch Bruchtektonik abgesenkt, gehoben und verschoben. Es kam zur reichen Kammerung des Raumes, zur Bildung einer Vielzahl voneinander getrennter Becken und zum Meer geöffneter Tiefländer, die besonders im Osten das Landschaftsbild bestimmen. In diesem Zeitabschnitt wurde auch die Landbrücke nach Kleinasien durch die Absenkung von Teilstücken in der Ägäis aufgelöst. Die Bewegungsvorgänge der Erdkruste dauern bis in die Gegenwart an und machen Griechenland zu einem Gebiet mit reger Erdbebentätigkeit.

In dem überwiegend gebirgigen Land nehmen die Becken und Senken zwar nur einen geringen Teil der Gesamtfläche ein, doch sind sie seit jeher der eigentliche Siedlungs- und Kulturraum Griechenlands. Sie sind überwiegend fruchtbar und landschaftlich äußerst abwechslungsreich. Die teils entwaldeten, verkarsteten, zerklüfteten und unwegsamen Gebirgsregionen sind nur bedingt für Weidewirtschaft geeignet. Griechenland lässt sich folgendermaßen untergliedern: Nordgriechenland mit Epirus, Thessalien, Makedonien und Thrakien, Mittelgriechenland mit Attika, Euböa, Böotien, Phokis, Kokris und Ätolien; Südgriechenland mit Peloponnes, Kreta und ägäischen Inseln.

Patras 1981

Klima
Typisch für das mediterrane Klima in Griechenland sind die trockenen und heißen Sommer sowie die milden und regenreichen Winter. Es gibt allerdings deutliche regionale Unterschiede, die sich unter anderem aus der Höhenlage erklären. Mit zunehmender Entfernung vom Meer nimmt der kontinentale Einfluss auf das Klima zu und führt zu großen täglichen und jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. In den Sommermonaten sind die trockenen, kräftig aus nördlicher Richtung wehenden Meltemi-Winde deutlich spürbar. Im Winter gerät Griechenland in den Einfluss der Westwindzone. Westliche Luftmassen bringen die Hauptniederschläge, die sich zum Teil wolkenbruchartig an den Westseiten der Gebirge abregnen. Dadurch liegen die Ostflanken der Halbinsel sowie die Becken im Regenschatten des Pindosgebirges.

Vegetation
In der Pflanzenwelt unterscheidet sich Griechenland vom nördlichen Europa dadurch, dass sich die Pflanzen weniger auf die winterliche Kälte, sondern mehr auf die sommerliche Trockenheit einstellen müssen. Einige Arten, wie zum Beispiel der Ölbaum, schützen sich daher durch die Ausbildung kleinerer Blätter vor der Verdunstung. Andere, so die Sukkulenten, können in ihren fleischigen Blättern oder den Stämmen Wasser speichern. Der Olivenbaum, gleichsam das Symbol der griechischen Flora, benötigt gerade die längere sommerliche Trockenzeit zum Ausreifen seiner Früchte.
Stärker als in den meisten europäischen Ländern ist die natürliche Vegetation durch menschliche Eingriffe zurückgedrängt worden. Anstelle der mediterranen Laub- und Nadelwälder sind Ersatzgesellschaften getreten. Zu den typischen Vertretern der heutigen Busch- und Gestrüppformationen (Macchie) und den immergrünen Hartlaubgewächsen zählen Zistrosen, Myrte, Mastixstrauch, Steineichen, Erdbeerbäume und Lorbeer. Ihre Verbreitung, wie auch die der Aleppokiefer, beschränkt sich vor allem auf die Küsten- und Tiefländer.

Mit zunehmender Höhenstufe nehmen die Sommerniederschläge zu und die Temperaturen ab. Das begünstigt besonders in Nord- und Mittelgriechenland zwischen 700 und 1200 m den Wuchs laubabwerfender Bäume, wie Buchen, Kastanien und Platanen. Oberhalb der Baumgrenze beherrschen alpine Matten das Landschaftsbild, sofern die verkarsteten Kalksteinhöhen überhaupt Vegetation zulassen.
Heute sind nur noch rund 20% der Gesamtfläche bewaldet. Mit der Vernichtung der einst üppigen Wälder wurde bereits in der Antike begonnen. Das Holz wurde für den Schiffbau und als Feuermaterial verwendet. Heute geht die größte Gefahr von den alljährlichen Waldbränden aus, die den Bestand drastisch reduzieren. Die Schäden sind meist irreparabel. Die ungeschützte Humusschicht wird von Regen und Wind fortgetragen - Bodenerosionen gewaltigen Ausmaßes sind die Folge. Zurück bleiben der nackte Fels und die verkarsteten Berghänge. Nur ein geringer Teil der Flächen wird wieder aufgeforstet. Aber auch dann dauert es Jahrzehnte, bis sich wieder ein ausgewogenes Ökosystem entwickelt hat.
Ausgelöst durch Monate langer Trockenheit und Hitze, aber auch zum Teil durch gezielte Brandstiftungen von Bodenspekulanten, erfährt Griechenland im August 2007 die schlimmsten je bekannt gewordenen Waldbrände. Besonders betroffen sind die Insel Euböa (nach Kreta die zweitgrößte Insel des Landes) sowie die Halbinsel Peleponnes.

Ägäis

Zu den faszinierendsten Erscheinungen Griechenlands gehört seine Inselwelt. Ein Fünftel des Gebiets verteilt sich auf mehr als 2000 Inseln, von denen aber nur weniger als zweihundert bewohnt sind.
Vor der Westküste liegen die Ionischen Inseln mit Korfu, Paxos, Levkas, Kefallinia, Ithaka, der Heimat des Odysseus, und Zakynthos. Die meisten Inseln liegen in der Ägäis, dem vom griechischen Festland, Kleinasien und Kreta umschlossenen Ostteil des Mittelmeers. Unmittelbar dem Festland vorgelagert ist Euböa. Nordöstlich schließen sich die Nördlichen Sporaden mit Skiathos, Skopelos, Alonissos und Skyros an. Ganz im Norden liegen Thasos, Samothraki und Limnos. Unmittelbar der türkischen Küste vorgelagert sind Lesbos und Chios. Vor der Südwestküste Kleinasiens reiht sich zwischen Rhodos und Samos in enger Folge die Kette der Südlichen Sporaden auf, deren größter Teil zum Dodekanes gehört. Von Attika bis nach Kreta erstrecken sich die Kykladen mit so bekannten Inseln wie Mykonos, Paros, Naxos, los, Milos und Santorin.
Die meisten Inseln der Ägäis sind die Restpfeiler der an zahlreichen Brüchen in die Tiefe abgesunkenen Faltengebirgsstränge und Massive, die im erdgeschichtlichen Altertum Griechenland mit Kleinasien verbanden. Die große Zahl der Inseln begünstigte in der Antike die Seefahrt und machte Griechenland schon früh zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Zentrum zwischen den drei Erdteilen der Alten Welt. Sie förderte auch die Ausbildung einer kulturellen und ethnischen Vielfalt.
So unterscheiden sich die ägäischen Inseln nicht nur vom griechischen Festland, jede Insel ist eine Welt für sich. Die griechischen Nationalfarben Weiß und Blau findet man indes auf allen Inseln wieder: im blauen Meer und seiner weißen Brandung, in den weißen Wolken am blauen Himmel und den weißen Häusern mit ihren blauen Türen. Der weiße Kalkanstrich der kubischen Häuser reflektiert die Sonnenstrahlen und hält die Wände kühl. Flachdächer fangen das begehrte Regenwasser auf und leiten es in Zisternen. Eng sind die Gassen in Dörfern und Städten, und blumengeschmückte Treppen führen ins Innere.

Dieses vielgezeichnete, besonders gern für Ansichtskarten und Reiseprospekte benutzte Bild trifft wohl am augenscheinlichsten auf die Inselwelt der Kykladen zu. Immer mehr Menschen folgen alljährlich diesem Bild, werden angezogen von der Vielfalt der Landschaft, dem ständigen Wechsel der Formen, der bis in den Sommer hinein andauernden Farbenpracht und dem unvergleichlichen Eicht der Ägäis.
Die Insel Rhodos hat sich zu einem Zentrum des Tourismus entwickelt. Die gleichnamige Hauptstadt zeigt Spuren ihrer langen Geschichte: Ruinen aus mykenischer Zeit, ein antikes Theater, byzantinische Mauern, gotische Bauten und ein 4 km langer, mächtiger Befestigungsring der Johanniterzeit, eine türkische Moschee und ein türkisches Bad.

Wirtschaft
Viele Menschen der Ägäis leben vom Tourismus. Er ist die wichtigste Einnahmequelle, denn Landwirtschaft und Industrie sind nur auf wenigen Inseln von Bedeutung. Thasos bildet mit seinen Erdölvorkommen und den Blei-, Zink- und Eisenerzlagern die Ausnahme. Die Vorkommen an Eisen auf Serifos, Baryt auf Milos, Magnesium auf Andros und Korund auf Naxos haben nicht den Grundstein für eine industrielle Entwicklung legen können.
Die Landwirtschaft stößt hier auf die gleichen Schwierigkeiten wie auf dem Festland: geringe Niederschläge, die in den wasserdurchlässigen Kalkschichten versickern, Kahlschlag der einst üppigen Wälder, der der Bodenerosion Vorschub leistet, starke Winde, die eine Wiederaufforstung erschweren und Überweidung durch Schaf- und Ziegenherden. So geben der nackte Fels und der Olivenbaum, der sich als einziger über Jahrhunderte hinweg auf kargem Boden zu behaupten vermochte, den Inseln heute ein weithin unvergleichliches Bild.
Aufgrund der mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten verlassen immer mehr, besonders junge Menschen als "Arbeitsemigranten" ihr Land oder siedeln von den Inseln in die städtischen Zentren des Festlands über.
Außerhalb der Saison verfallen viele der Inseln, verlassen von Touristen und den vielen Saisonarbeitskräften des Hotel- und Fremdenverkehrsgewerbes, in eine Art Dämmerschlaf - wartend auf den allsommerlichen Massenansturm der Touristen, die ihrer Hektik entfliehen und in das paradiesische Idyll der Ägäis einkehren wollen.
Die Coronavirus-Pandemie lässt 2020 den Tourismus zum Erliegen kommen - das nicht nur in Griechenland.

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Foto: Friedrich Schober, Mai 2008.


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Foto: Friedrich Schober, Mai 2008.


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Foto: Friedrich Schober, Mai 2008.

Kreta

"Ein Schiff mit drei Masten war Kreta, mit seinen großen Berggipfeln, den Weißen Bergen, dem Psiloritis und dem Diktys, und es fuhr dahin vom Meerschaum umspült. Ein Meeresungeheuer war es, eine Meerjungfrau mit vielen Brüsten, und sie sonnte sich, auf den Wellen ausgestreckt ... Mir sind mehrere Freuden im Leben geschenkt worden, ich darf mich nicht beklagen; doch diese hier, Kreta auf den Wellen zu sehen, gehört zu den größten." (Nikos Kazantzakis, 1885-1957)

Wechselvolle Geschichte
Kreta bietet nicht nur eine Landschaft von ganz eigenartigem Reiz. Seine Bewohner gelten als die stolzesten in Griechenland. Ihre Freiheitsliebe ist besonders stark ausgeprägt. Kreta war oft besetzt, seine Menschen deshalb jedoch nie unterwürfig. Von Kreta hat der politische Liberalismus in Griechenland seinen Ausgang genommen. Eleutherios Venizelos (1864-1936), der große griechische Staatsmann und Vorkämpfer der Vereinigung Kretas mit Griechenland, stammte von der Insel.
Nach den Römern, den Arabern und den Venezianern - der letzten Epoche entstammt der bedeutende Maler Dominikos Theotokopoulos, genannt El Greco (um 1541 bis 1614) - kamen 1645 die Osmanen als Eroberer. Die orthodoxe Religion wurde verboten. Vom Glaubenswechsel und der Steuerlast bedrängt, flohen viele Kreter in die Berge und nahmen den Kampf gegen die türkische Besatzung auf.
1898 erhielt Kreta auf Druck der europäischen Großmächte eine selbständige Verwaltung unter türkischer Oberhoheit. 1913 folgte der Anschluss an Griechenland.

Der Erste Weltkrieg verschonte die Insel. Im Zweiten Weltkrieg jedoch landeten 1941 deutsche Fallschirmjäger auf Kreta, das wegen seiner Mittellage zwischen Europa und Nordafrika von großer strategischer Bedeutung war. Die "Schlacht um Kreta" begann. Nach zehn Tagen waren die dort stationierten britischen Soldaten - Großbritannien war mittlerweile Verbündeter Griechenlands - von der Insel vertrieben. Die leidenschaftlich am Kampf gegen die Invasoren teilnehmende Bevölkerung hatte den neuen Herren zwar herbe Verluste beigebracht, doch der Widerstandskampf forderte zahlreiche Opfer. Das am Nordhang des Psiloritis gelegene Dorf Anojia etwa wurde dem Erdboden gleichgemacht, seine Bewohner liquidiert. Erst im Mai 1945 zogen die deutschen Besatzungstruppen ab.
Der nach dem Zweiten Weltkrieg in Griechenland ausbrechende Bürgerkrieg griff 1947 auch auf Kreta über. Mit der Landung von Regierungstruppen begannen die Kämpfe gegen die Partisanen, die sich in der Schlucht von Samaria geschlagen geben mussten. Bei den Wahlen von 1964 stimmten die Kreter mit großer Mehrheit für Georgios Papandreou (1888-1968), der eine liberale Erneuerung Griechenlands versprach. Als die Obristen die Macht abgaben, war die liberale Haltung der Kreter nicht gebrochen: Seit dem Jahr 1974 findet die Zentrumspartei bei den Kretern ein großes Wählerpotential, und vor allem die PASOK-Sozialisten von Andreas Papandreou (1919 bis 1996), dem Sohn des Georgios.

Stützpfeiler der Wirtschaft
Kreta zählt mehr als eine halbe Million Bewohner. Mit gut 120.000 Einwohnern ist Herakleion (Iraklion) die größte der kretischen Städte und gleichzeitig die Hauptstadt. Bis 1972 war Chania mit heute gut 70.000 Einwohnern Inselhauptstadt. Rethymnon mit ca. 20.000 Einwohnern kann als das geistig-kulturelle Zentrum der Insel betrachtet werden, befindet sich doch hier die philosophische Fakultät der Universität von Kreta.
Die Insel ist sehr gebirgig und deshalb für den Ackerbau wenig geeignet. Er konzentriert sich auf die fruchtbaren Täler, besonders an der Nordküste, und die Mesaraebene im Süden. In den letzten Jahren hat sich die sehr ertragreiche Kultur von Gemüse und Zierpflanzen in Gewächshäusern verbreitet. Es werden typische Mittelmeerprodukte wie Oliven, Zitrusfrüchte und Tafeltrauben angebaut. Im Gebirge wird extensive Schaf- und Ziegenzucht betrieben. Nennenswerte Eisen- und Lignitvorkommen finden sich im Westen bei Kastelli. In Herakleion haben sich Unternehmen der Nahrungsmittelbranche niedergelassen. Viele traditionelle Gewerbe, wie das Töpferhandwerk oder die Webkunst, sind durch die maschinelle Produktion verdrängt worden.
Angezogen von der großartigen Landschaft und dem außergewöhnlich reichen Kulturerbe, bevölkern besonders von Frühjahr bis Herbst ausländische Touristen die Insel. Bei Rundfahrten und Wanderungen entdecken sie die Schönheiten der kretischen Gebirge (im Ida 2456 m hoch), und wer möchte, kann die 18 km lange Schlucht von Samaria durchwandern. Viele Touristen kommen auch nur zum Baden und Sonnen.
Kulturelle Anziehungspunkte sind neben Zeugnissen aus der venezianischen Zeit (u. a. Kastelle in Chania und Rethymnon) und verschiedenen griechisch-orthodoxen Klöstern (z.B. Arkadi), die archäologischen Stätten von Knossos und Phaistos. Knossos war die bedeutendste Anlage der minoischen Kultur auf Kreta. Der englische Archäologe Sir Arthur Evans grub den riesigen Palast des sagenhaften König Minos Anfang dieses Jahrhunderts aus und ließ ihn teilweise in Beton rekonstruieren. Umgeben war der Herrschersitz von palastartigen Villen mit Fresken und Stuckreliefs; um 1400 v.Chr. soll er zerstört worden sein. Die Funde aus dem Inneren des Palastes beherbergt heute das Archäologische Museum von Herakleion.

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Geschichte

Griechenland wird mit einigem Recht die "Wiege des Abendlandes" genannt. Auf griechischem Boden entstanden die ersten Hochkulturen Europas. Die frühesten dieser Kulturen, die kretische (2600-1150 v. Chr.) und die kretisch-mykenische (1600-1150 v. Chr.), blieben indes noch ganz an Kreta und die Argolis auf dem Peleponnes gebunden.
Die griechische Antike ist von ihnen durch die Zeit der dorischen Völkerwanderungen (1100-900 v. Chr.) getrennt, mit denen eine andere Sozial- und Kulturgeschichte begann.
Homers Bericht von der Zerstörung Trojas kündet auch vom Untergang der kretisch-mykenischen Kultur. Um 700 v. Chr. hatten die dorischen Stämme in Griechenland fest Fuß gefasst. Die Dorer bezeichneten das Land, in das sie eingewandert waren, als "Hellas".

Wenn wir dagegen von Griechenland sprechen, so folgen wir den Römern, die Griechenland "Graecia" nannten.
Wer sich heute solcher Namen bedient, denkt an eine nationale politische Einheit. Eine solche Einheit hat jedoch im antiken Griechenland niemals bestanden. Es gabe vielmehr kleine Gemeindestaaten der Stämme, die "Poleis". Von diesem Stammespartikularismus war auch die Geschichte der griechischen Stadtstaaten bestimmt. Sie begann im 7. Jahrhundert v. Chr. Die führenden Stadtstaaten in Mittelgriechenland waren Athen und Theben, auf dem Peleponnes Argos, Korinth und Sparta. Diese bekriegten sich oft auch mit den Persern. Dennoch konnte sich in den griechischen Städten der Antike, zumal in Athen, die weltgeschichtlich einflussreichste Kultur der Alten Welt ausbilden.
Alexander der Große (356-323 v. Chr.), der Griechenland seinem makedonischen Königreich angegliedert hatte. erweiterte den von Griechen beeinflussten Kulturkreis auf seinen Feldzügen bis Ägypten, Persien und Indien. Schließlich wurde die neue Weltmacht Rom zum Träger des "Hellenismus", der mit orientalischen Elementen verschmolzenen Kultur der griechischen Spätzeit. Die Römer hatten die zerstittenen hellenistischen Reiche erobert. Bei der Teilung des Römischen Reichs 395 fiel Griechenland an das Oströmische Reich.

Seit dem 15. Jahrhundert geriet das Land unter türkische Herrschaft. Im Zeitalter des aufkeimenden Nationalbewusstseins erhoben sich 1821 die Griechen gegen die Fremdherrschaft. Als die Türken mit großem militärischem Aufgebot die zunächst erfolgreiche Unabhängigkeitsbewegung niederzuschlagen drohten, griffen 1827 Großbritannien, Frankreich und Rußland zugunsten der Griechen in den Konflikt ein. 1830 wurde Griechenlands Souveränität anerkannt, und 1832 wählte die Nationalversammlung auf Vorschlag der Großmächte den bayerischen Prinzen Otto von Wittelsbach (1815-1867) zum König der Hellenen. Außenpolitisch blieb Griechenland aber vor allem mit Großbritannien verbunden.
Zur größten Belastung wurde der auch nach 1830 fortdauernde Konflikt mit der Türkei über die weiterhin von Türken beherrschten Gebiete, d. h. über Kreta, die ägäischen Inseln, Makedonien und die griechischen Siedlungen in Kleinasien. Nach langen Auseinandersetzungen kamen fast alle Gebiete in den Balkankriegen (1912/1913) und in der Folge des Ersten Weltkrieges in griechische Hand. Der griechische Vormarsch ins Innere Anatoliens (griechisch-türkischer Krieg 1920-1922) endete jedoch mit einer verlustreichen Niederlage der Griechen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Griechenland von deutschen Truppen besetzt. Die Zerstrittenheit der zum Teil von Alliierten unterstützten Widerstandsgruppen führte nach Abzug der Besatzungstruppen in einen Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Republikanern. Mit ausländischer Unterstützung siegten die Regierungstruppen. Seither hat sich die Eingliederung Greichenlands in die westliche Welt vollzogen.

Ioannis Metaxas entstammt der adeligen Familie Metaxa
OXI - NEIN

Warum die Griechen so gern NEIN sagen:
Mussolini forderte am frühen Morgen des 28. Oktober 1940, dass sich Griechenland Italien unterwerfen soll, anderenfalls gebe es Krieg. Der griechische General Ioannis Metaxas antwortete: »[...] „Alors, c’est la guerre“ („Nun, dann ist Krieg“). Grazzi (der italienische Botschafter Emanuele Grazzi, der das Ultimatum übergeben hat; Einfügung muz-online.de) erwiderte daraufhin „Pas nécessaire, mon excellence“ („Nicht notwendigerweise, Exzellenz“), woraufhin Metaxas entgegnete „Non, c'est nécessaire“ (etwa: „Doch, es ist notwendig“). Dieser Dialog wird im Nachhinein mit einem schlichten „Nein“ (όχι, ochi) verkürzt. [...] Die Schlagzeile der Tageszeitung Elliniko Mellon vom 30. Oktober 1940 zu den Ereignissen lautete „Ochi“, dies trug wesentlich zur Verbreitung dieser Verkürzung bei.[...]«
Wenn auch das NEIN Metaxas den Einmarsch italienischer Truppen besiegelte und Griechenland in den 2. Weltkrieg hineinzog, wird der 28. Oktober jedes Jahr wegen des Mutes zur Verweigerung als "Ochi-Tag" gefeiert. Dieses NEIN von 1940 erklärt womöglich auch, weshalb den Griechen im Sommer 2015 auch ein NEIN zum Diktat der Eurogruppe zum Thema "Sparprogramm" vergleichsweise leicht fällt und noch immer der Nazi- und Faschistenvergleich Usus ist (vgl. Nazi-Symbole schmücken deutsche Regierungsvertreter) .
Zitat: "de.wikipedia.org/wiki/Ochi-Tag", Ochi-Tag
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Der Staat

Die ersten Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren gekennzeichnet von den Konfrontationen zwischen Kommunisten und Antikommunisten. Sie führten zwischen 1946 und 1949 zum blutigen Bürgerkrieg. Mit ausländischer Unterstützung konnte sich die konservative Seite durchsetzen und verkündete 1952 erneut die konstitutionelle Monarchie. Der Antikommunismus wurde zur Staatsdoktrin erklärt, geschützt durch das Militär. Rechtswidrige Verwaltungspraktiken boten der Exekutive Möglichkeit zur Unterdrückung oppositioneller Kräfte. Als diese jedoch Mitte der 1960er Jahre zunehmend an Einfluss gewannen, griff das Militär ein und übernahm 1967 die Macht. Während der siebenjährigen Obristendiktatur unter Georgios Papadopoulos (*1919; †1999) wurden die Verfassung außer Kraft gesetzt und die bürgerlichen Rechte massiv beschnitten. Der Zypernkonflikt zwang das Militär 1974 zum Rücktritt. Konstantin Karamanlis (1907-1998), Führer der rechtsgerichteten "Neuen Demokratie", stellte eine bürgerliche Regierung der Nationalen Einheit zusammen. In einer Volksabstimmung entschied sich die Mehrheit der griechischen Bevölkerung gegen die Wiederherstellung der Monarchie und für die Republik als parlamentarische Demokratie. Die neue Verfassung von 1975 räumte dem vom Parlament in Zweidrittelmehrheit auf fünf Jahre gewählten Staatspräsidenten eine starke Stellung ein. Das politische Leben begann sich zu normalisieren, die Kommunistische Partei wurde legalisiert und die Linke nach ihrer Ausgrenzung von 1949 reintegriert.
In den Wahlen von 1981 ging die "Panhellenische Sozialistische Bewegung" (PASOK) unter Andreas Papandreou (*1919; †1996) mit rund 48% der Stimmen als Gewinner hervor und bildete die erste sozialistische Regierung in der Geschichte Griechenlands.
Doch nach achtjähriger Regierungszeit der PASOK waren die Ideale der Parteianhänger in Skandalen und Korruptionsfällen untergegangen. 1981 wurde "Allaghi", die Politik des großen Wandels, versprechen. Acht Jahre später redete man nur noch von der "Katharsis", der Reinigung des mächtigen Staatsapparats.

Staatsoberhäupter

Ioannis Antonios Graf Kapodistrias (*1776; †1831) war das erste Staatsoberhaupt des durch den griechischen Unabhängigkeitskrieg vom Osmanischen Reich befreiten Griechenlands.

Erstes Königreich Griechenland

»[...] Im Jahr 1832 wurde dann der bayerische Prinz Otto, Sohn König Ludwigs I. von Bayern als Otto I. Griechenlands erster (neuzeitlicher) König. [...] Ottos Herrschaft wurde 1862 durch einen unblutigen Aufstand beendet. Ihm folgte Georg I., der am 30. März 1863 zum König von Griechenland gewählt wurde. [...]«1 Von 1913 bis zu seiner erzwungenen ersten Abdankung 1917 war Konstantin I. König. Ihm folgte Alexander. Von 1920 bis zu seinem Sturz 1922 war noch einmal Konstantin I. König. Mit Georg II. (1922 bis 1. Mai 1924) endete das Erste Königreich Griechenland. Griechenland wird Republik.

"Erste Republik"

Pavlos Kountouriotis (*1855; †1935) war von 1924 bis April 1926 und August 1926 bis 1929 Staatspäsident der neuen Griechischen Republik (zuvor Vizekönig).
Theodoros Pangalos (*1878; †1952) »[...] war 1922 einer der Hauptakteure der Militärrevolte, bei der der König Konstantin I. gestürzt wurde. Pangalos ergriff im Juni 1925 die Macht und setzte im Januar 1926 die Verfassung außer Kraft.[...] Der bisherige Präsident der Republik Pavlos Kountouriotis wurde im April 1926 von Pangalos gezwungen zurückzutreten und er ließ sich in einer Scheinwahl selbst zum Präsidenten wählen. Im August 1926 setzte Georgios Kondylis den Diktator in einem unblutigen Putsch ab. [...]« 2
Alexandros Zaimis war Staatsoberhaupt von 1929 bis 1935. Mit ihm endete die sogenannte "Erste Republik".

Ioannis Metaxas (*1871; †1941), ausgebildet an der preußischen Kriegsakademie in Berlin, wurde 1936 von König Georg II. zum Regierungschef und Außenminister ernannt. Er errichtete ein autoritär-antidemokratisches Regime ("Regime des 4. August"). »[...] Nur Georgios Papandreou [...] und die kommunistische Partei stellten sich offen gegen Metaxas. Sein "Neuer Staat" (Neon Kratos) stellte sich in Anlehnung an den deutschen Begriff des "Dritten Reichs" als "Dritte Griechische Zivilisation" dar. [...] Als Metaxas wenig später im Januar 1941 starb, hinterließ er ein Machtvakuum in Athen. Ab dem April 1941 griffen deutsche Truppen auf italienischer Seite in den Krieg ein und Griechenland wurde im Rahmen des Balkanfeldzugs von den Achsenmächten besetzt. [...]«3

Zweites Königreich Griechenland

Georg II. (1935 – 1. April 1947) -- durch Volksabstimmung zurückgerufen, 1941–46 im Exil
Paul (1. April 1947 – 6. März 1964)
Konstantin II. (6. März 1964 – 8. Dezember 1974) -- seit 1967 wegen der Militärdiktatur im Exil, Abschaffung der Monarchie 1974

Vizekönige:
Georgios Zoitakis (13. Dezember 1967 – 21. März 1972)
Georgios Papadopoulos (21. März 1972 – 1. Juni 1973)

"Zweite Republik"

Georgios Papadopoulos war von 1967 bis 1974 Chef der Obristen-Diktatur. In dieser Zeit kam es zu Massenverhaftungen vor allem linksgerichteter Oppositioneller. Sie wurden eingesperrt, gefoltert, ermordet oder ins Exil getrieben, darunter der Komponist, Dichter und Politiker Mikis Theodorakis (*1925; im August 1967 von der Junta verhaftet; im Januar 1968 freigelassen; im August 1968 ins Bergdorf Zatouna verbannt; Ende 1969 schließlich ins Konzentrationslager Oropos überführt; eine internationale Solidaritätsbewegung bildete sich; am 13. April 1970 durfte Mikis Theodorakis ins Exil nach Frankreich gehen).
Von 1973 bis 1974 war Phaidon Gizikis Staatspräsident. Er rief Konstantinos Karamanlis aus seinem Pariser Exil zurück nach Griechenland.
Sein Nachfolger wurde von 1974 bis 1975 Michail Stasinopoulos (*1903; †2002).
Dem folgte Konstantin Tsatsos (*1899; †1987).
Konstantin[os] Karamanlis (*1907; †1998) war von 1980 bis 1985 und von 1990 bis 1995 Staatspräsident. In den Jahren 1974 bis 1980 war er Ministerpräsident (er vollzog den Übergang von der Diktatur zur Demokratie: die "politische Wende").
Christos Sartzetakis (*1929) war von 1985 bis 1990 Staatspräsident.
Konstantinos Stefanopoulos war von 1995 bis 2004 Staatspräsident.
Sein Nachfolger wurde 2005 Karolos Papoulias. Im Dezember 2014 scheiterten drei Anläufe zur Wahl des nächsten Präsidenten. Gemäß griechischer Verfassung findet deshalb im Januar 2015 eine vorgezogene Parlamentswahl statt.
Von März 2015 bis Januar 2020 war Prokopis Pavlopoulos (*1950; Rechtswissenschaftler und Politiker) Staatspräsident.
Seit Januar 2020 hat Griechenland erstals eine Staatspräsidentin: Katerina Sakellaropoulou.

1 "de.wikipedia.org/wiki/Griechenland", Griechenland
2 "de.wikipedia.org/wiki/Theodoros_Pangalos_%28General%29", Theodoros Pangalos
3 "de.wikipedia.org/wiki/Ioannis_Metaxas", Ioannis Metaxas

Gerade an der Person des Andreas Papandreou lassen sich elementare Grundzüge des politischen Systems und der politischen Kultur in Griechenland aufzeigen. Mit der PASOK, die aus der Widerstandsbewegung "Panhellenische Befreiungsbewegung" gegen die Militärdiktatur hervorgegangen war, hatte er eine für griechische Verhältnisse moderne und gut organisierte Partei geschaffen. Gleichzeitig aber hat Papandreou seine Partei wie ein Autokrat geführt, hat Opponenten massenweise aus ihren Reihen entfernt und den Personalismus in der griechischen Politik verfestigt. Einerseits hat er sich zu Oppositionszeiten durch niemanden in nationalistischen Attacken gegen die Türkei überbieten lassen, andererseits hat er Anfang 1988 den Weg nach Davos zum Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Özal gefunden und einen Dialog eingeleitet, der jedoch ohne greifbare Erfolge blieb.
Die griechische Wählerschaft erteilte Papandreou die erwartete Quittung. Die "Neue Demokratie" wurde unter Konstantin Mitsotakis (* 1918) stärkste Partei. Mitsotakis konnte Papandreou 1990 als Ministerpräsident ablösen. Bei den Parlamentswahlen 1993 gewann die PASOK jedoch wieder die absolute Mehrheit und Papandreou kehrte ins Amt des Regierungschefs zurück, das er 1996 aufgrund einer schweren Erkrankung niederlegen musste.

Sein Nachfolger wurde Konstantinos Simitis (* 1936), der nach dem Tode Papandreous auch die Führung der PASOK übernahm. Er führte die Partei bei vorgezogenen Wahlen 1996 wieder zur absoluten Mehrheit im Parlament, die bei den Wahlen im April 2000 verteidigt werden konnte. Das politische Hauptziel von Simitis war eine Reform der wirtschaftlichen Strukturen Griechenlands. In der Außenpolitik waren nach wie vor die Bindungen an den Westen bestimmend.
Von 2004 bis 2009 war Konstantinos Alexandrou Karamanlis Ministerpräsident.
Von 2009 bis 2011 war Giorgos Andrea Papandreou Premierminister des Landes. Er ist Enkel von Georgios Papandreou und Sohn von Andreas Papandreou. Ihm folgte am 11. November 2011 der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Loukas Papadimos (parteilos; Papadimos verzichtete auf sein Gehalt als Ministerpräsident). Im Mai 2012 wurde Papadimos vom bisherigen Verwaltungsrichter Panagiotis Pikrammenos abgelöst. Ab Juni 2012 war Andonis Samaras (ND) Ministerpräsident. Er wurde 2015 abgelöst vom "Sozialisten" Alexis Tsipras (SIRIZA), der - obwohl zuvor gegenteilig propagandiert - die gleiche Klientel-Politik betreibt, wie seine Vorgänger. Regierungskritiker werden unterdrückt, die Pressefreiheit wird weiter eingeschränkt, die Sparpolitik wird fortgesetzt.
Griechenland ist gefangen im NATO-EU-Bündnis mit allen negativen Begleiterscheinungen, wie z.B. dem Fortschreiten der Massenverarmung bei Schonung der gesellschaftlichen Eliten. Außerdem bleibt Griechenland weiterhin hoch verschuldet. Dennoch verzeichnet das Land mit einem Anteil von 2% des BIP die zweithöchsten Rüstungsausgaben innerhalb der NATO (hinter den USA) und mit einem Anteil von 55% des BIP die dritthöchsten öffentlichen Ausgaben innerhalb der EU.
Griechenland ist für das West-Bündnis geostrategisch bedeutsam. Abhängig vom Geldzufluss aus Weltbank, IMF und EU hat Griechenland auch kaum Spielraum für souveräne Entscheidungen.
Auf einst von Touristen beliebten Inseln, wie z.B. Lesbos, sind ab 2015 zehntausende Flüchtlinge aus den Kriegs-/Konfliktgebieten Syrien, Irak, Afghanistan u.a. gestrandet. Wie auf einem Verladehafen im Vorhof der EU warten sie darauf, in andere EU-Länder verschoben oder in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden.

1952 trat Griechenland der NATO bei. Zeitweise scherte es nach der türkischen Zyperninvasion 1974 aus der militärischen NATO-Struktur aus. 1981 wurde Griechenland Mitglied der EG. Im Mai 2000 stimmte das Europäische Parlament dem Beitritt Griechenlands zur Europäischen Währungsunion zum Januar 2001 zu.


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Hellenismus

Im Jahre 776 v. Chr. hielten die Hellenen, denen wir das Wort "Demokratie" verdanken, die ersten Olympischen Spiele ab. Sie betrachteten dieses Ereignis als zeitgeschichtlichen Ausgangspunkt und entwickelten von da an eine Zivilisation, die die heutige grundsätzlich beeinflusst hat. Viele der Werte, die unserer westlichen Kultur zu eigen sind, haben größtenteils ihren Ursprung in den Denkmodellen der Griechen.
Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. breitete sich eine Vielzahl griechischer Stadtstaaten über den östlichen Mittelmeerraum aus, von denen jeder einzelne seine Eigenständigkeit streng verfolgte. Die Seewege gewährleisteten Mobilität, während die zerklüftete griechische Landschaft den Hang zur Unabhängigkeit förderte - beides beeinflusste die politische, soziale und kulturelle Entwicklung der griechischen Stadtstaaten.
Die Monarchie wich der Oligarchie (der Herrschaft Weniger), welche wiederum durch angesehene Alleinherrscher herausgefordert wurde. Diese "Tyrannen" brachen die Macht der alten aristokratischen Familien und ebneten den Weg für offene Regierungsformen, wie es sie zuerst in Athen im 6. Jahrhundert gab. Andere Staaten jedoch, besonders Sparta, hielten sich an das repressivere, oligarchische System.

Das "goldene Zeitalter"
Nach dem Zurückschlagen der Perser (490-479 v. Chr.) begann das goldene Zeitalter der Griechen mit einer außergewöhnlichen Blüte in den Bereichen Kunst, Architektur, Literatur und Philosophie. Athen, inzwischen Hauptstadt der Seemacht, war sowohl treibende Kraft dieser kulturellen Aktivitäten als auch der "Demokratie", der Volksherrschaft. Alle Bürger Athens nahmen an den exekutiven und legislativen Funktionen des Staates teil.
Alexander der Große (356-323 v. Chr.), dehnte seine Eroberungen bis jenseits des Indus aus. Als Schüler des Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) verbreitete er die hellenistisch-griechische Zivilisation soweit wie möglich und gründete mehr als 70 Städte.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde Griechenland von Rom eingenommen. Durch diese Eroberung breitete sich der griechische Einfluss jedoch weiter aus. Durch den Niedergang Roms im 5. Jahrhundert n. Chr. verlor der Westen eine Zeitlang den Kontakt zu seiner klassischen Quelle. Im Osten konnte das Byzantinische Reich mit Konstantinopel als Zentrum jedoch wichtige Elemente dieser Kultur erhalten und als Konstantinopel 1453 fiel, waren es griechische Ideen, die zur Entwicklung der europäischen Renaissance beitrugen - dem Grundstein des westlichen Humanismus.

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Santorini-Katze

Die Menschen

Über 10,6 Millionen Menschen leben heute in Griechenland. Infolge eines hohen Geburtenüberschusses hat sich die Einwohnerzahl seit 1940 um rund 25% erhöht. Dieser Bevölkerungszuwachs rief mehrere Auswanderungswellen hervor, die immer in enger Verbindung mit der konjunkturellen und politischen Entwicklung des Landes standen. Abgesehen von kleinen nationalen Minderheiten, wie Makedonier, Türken, Albaner und Bulgaren, besteht die Bevölkerung des Landes zu rund 99% aus Griechen. Trotz historisch bedingter regionaler Unterschiede und starker geografischer Zersplitterung haben die Griechen ihre kulturelle Identität bewahrt und ein starkes Nationalbewusstsein entwickelt. Dabei spielen Sprache und Religion eine wichtige Rolle.

Nahezu alle Griechen sprechen Neugriechisch, das sich aus dem Altgriechischen entwickelt hat. Sie gehören fast ausnahmelos der orthodoxen christlichen Kirche an, die als Staatskirche eine herausragende Stellung einnimmt. Ihr Einfluss im privaten wie auch im öffentlichen Leben ist ungebrochen, wenngleich auch ein Wertewandel nicht zu übersehen ist.

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Entwicklungen 2020 - 2017

Coronavirus-Pandemie

Die sich seit März 2020 in Europa ausbreitende "Coronavirus-Pandemie" hat auch Griechenland getroffen. Seit dem 23. März 2020 herrscht in Griechenland der Ausnahmezustand. Von der Regierung wurde eine generelle Ausgangssperre verhängt, die zunächst bis zum 4 Mai gilt.

Von der Ausgangssperre ausgenommen sind: Wege von und zur Arbeitsstätte, Apotheken- und Arztbesuche, Lebensmitteleinkäufe sowie sonstige notwendige Beschaffungen (z.B. Bank), Rückkehr an den Wohnort, Gänge zu hilfebedürftigen Personen, für bis zu zwei Personen und bei Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,5 Metern auch sportliche Betätigung, Ausführen von Haustieren sowie die Teilnahme an Taufen, Hochzeiten und Bestattungen bis maximal zehn Personen. In Pkws dürfen höchstens zwei Personen (inkl. Fahrer) befördert werden.

Wie inzwischen in vielen anderen Ländern auch gelten spezielle Hygienevorschriften, wie z.B. das Tragen von Gesichtsschutzmasken, bestimmte Kontaktsperren, Versammlungsverbote, Abstandsregelungen zum nächsten Menschen (1,5 - 2 Meter). Die meisten Geschäfte (Ausnahme Supermärkte, Apotheken, Bäckereien, Tankstellen und Take-away-Restaurants), Einrichtungen wie Museen, Theater, Gerichte, Kinos, Sportstudios, Clubs, archäologische Stätten und Spielplätze sowie sämtliche Bildungseinrichtungen sind geschlossen. Alle Touristenunterkünfte (u.a. Hotels, Campingplätze, Jugendherbergen und Ferienwohnungen) sind zunächst bis zum 30.04. geschlossen - Ausnahmeregelungen gibt es für die Beherbergung bestimmter Gruppen (z.B. medizinisches Personal, Streitkräfte, Studierende). Fähr- und Luftverkehr zu den Inseln ist nur Bürgern gestattet, die einen festen Wohnsitz nachweisen können, oder medizinische oder berufliche Gründe belegen können.

Die Ein- bzw. Ausreise über den Landweg nach/aus Griechenland ist derzeit für deutsche Staatsangehörige nicht möglich! Es wird dringend von Versuchen abgeraten, den Landweg zu nutzen! Ebenso ist die Ein- bzw. Ausreise über den Seeweg nach/aus Griechenland derzeit für deutsche Staatsangehörige nicht möglich! Passagierflüge von Griechenland nach Deutschland und umgekehrt sind bis zum 15.05. eingestellt. Eine Ausnahme hiervon sind Flüge von und nach Athen - allerding gibt es keine Direktflüge von und nach Athen. Wer nach Griechenland einreist, muss sich einem Test und einer 14-tägigen Quarantäne unterziehen.

Ein großer Teil der Beschäftigten kann wegen geschlossener Betriebe nicht zur Arbeit, viele werden arbeitslos. Die Tourismusbranche steht kurz vor ihrem Untergang. Die Coronavirus-Pandemie wird sehr wahrscheinlich die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen zunichte machen.

Seit August 2020 ist die Verbreitung sogenannter Verschwörungstheorien bezüglich der "Corona-Pandemie" und das Aufrufen zum Brechen der staatlichen Corona-Regeln strafbar. Desweiteren muss jeder, der über Land nach Griechenland einreisen will, einen negativen Corona-Test vorweisen. Reisende sollen sich mindestens 24 Stunden vor Einreise elektronisch registrieren lassen und angeben, von woher sie einreisen und wo sie sich in Griechenland aufhalten werden. In zahlreichen Regionen gelten ab August wieder verschärfte Maßnahmen wegen angeblich erhöhter "Infektionszahlen".

In Griechenland waren bis zum 3. September 2020 nach offiziellen Angaben ca. 10.700 Menschen mit dem Virus infiziert (d.h. positiv getestet). 220 Menschen seien angeblich an oder mit dem Virus gestorben.

Siehe auch:  Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

Flüchtlingskrise und kein Ende

Griechenland hat spätestens seit 2011 ein beachtliches Flüchtlingsproblem. Insbesondere auf einigen Inseln (u.a. Lesbos) sind Flüchtlingslager dermaßen überlastet, dass die Einhaltung der Menschenrechte nur schwer möglich ist. Ende 2019 lebten rund 41.000 Menschen in den Lagern der Inseln. Die Coronavirus-Pandemie wird das Flüchtlingsproblem weiter verschärfen.

Neue Regierung

Am 9. Juli 2019 wurde die neue konservative Regierung unter Regierungschef Kyriakos Mitsotakis (Sohn des früheren Regierungschefs Konstantinos Mitsotakis) vereidigt.

2017: Die Wirtschaft erholt sich langsam

Griechenland hat immer noch Schulden in einer Höhe von mehr als 320 Milliarden Euro. Dennoch verzeichnet das Land nach Jahren der Rezession erstmals wieder ein Wachstum (1,4%).
2017 betrug die Arbeitslosenquote 21,5%. Besonders hoch ist immer noch die Jugendarbeitslosigkei (unter 24 Jahren), die 2016 bei 48,1% lag.

Entwicklungen 2008 - 2016

»[...] Schwere Unruhen:
Im Dezember 2008 brachen die schwersten Unruhen aus, die das Land in den letzten Jahrzehnten gesehen hatte. Auslöser war der Tod des 15-jährigen Schülers Alexis Grigoropoulos, der am 6.12.2008 von einem Polizisten im Athener Stadtteil Exarchia erschossen worden war.

Anders, als der Polizist anfänglich darstellte, gehörte der Jugendliche nicht zu einer Gruppe von Anarchisten, die kurz zuvor den Schützen und seinen Streifenkollegen angegriffen haben sollen. Nach den Aussagen von Augenzeugen schoss der Beamte gezielt auf eine Gruppe von Jugendlichen, die an dem Abend in dem Viertel unterwegs war. Beide Polizisten wurden in Untersuchungshaft genommen; am 12.6. wurden sie wegen Mordes bzw. Beihilfe zum Mord angeklagt. Am 11. Oktober 2010 wurde der Todesschütze zu lebenslanger Haft und der Mittäter zu zehnjähriger Haft verurteilt. Gegen dieses Urteil legten beide Berufung ein.
Nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tod des Schülers brachen in Athen erste Unruhen aus, an denen anfangs vorwiegend die anarchistische Szene beteiligt war, sich bald aber auch Schüler und Studenten beteiligten. Allerdings beschränkte sich die Mehrheit auf friedliche Proteste. Die Unruhen griffen von der Hauptstadt rasch auf Saloniki und andere Universitätsstädte über. Fahrzeuge und Geschäfte wurden in Brand gesetzt, es kam zu Plünderungen. Auch Polizeistationen wurden angegriffen. Schulen und Universitäten wurden besetzt und Einrichtungen zerstört; viele Universitätsdozenten fanden ihre Dienstzimmer verwüstet und geplündert vor. In Athen wurde die Bibliothek der Juristischen Fakultät in Brand gesteckt. In zahlreichen Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Unruhen und Ausschreitungen, die sich auf die Zentren der Städte, insbesondere in Athen und Saloniki, konzentrierten, hielten bis kurz vor Weihnachten an. [...]



Giorgos Papaioannou, Vertreter des griechischen "Bündnis der Radikalen Linken" ("SY.RIZ.A.") und Mitglied der in diesem Bündnis mitarbeitenden marxistisch-leninistischen KOE.

[...] Die Welle der Gewalt und Proteste, die im Dezember 2008 Griechenland heimsuchte, war zu einem nicht geringen Teil Ausdruck der Hilflosigkeit und Frustration einer Schüler- und Studentengeneration, die sich als Opfer eines maroden Bildungssystems sieht. [...] Mittlerweile absolvieren weit über 50% der Jahrgänge ein Hochschulstudium; die Zahl der derzeit an Hoch- und Fachhochschulen Eingeschriebenen beträgt ca. 500.000 (1960: 20.000). Seit den 1960er Jahren wurden 15 neue Universitäten gegründet, zugleich wurden die alten überfüllten Universitäten mit ihren Problemen allein gelassen. So leidet die größte Universität des Landes, die Aristoteles-Universität in Saloniki, an akutem Raummangel. Die Universitäten bilden oft am Arbeitsmarkt vorbei aus, was sich in einer hohen Akademikerarbeitslosigkeit niederschlägt. Gleichzeitig klagen Arbeitgeber, dass sie viele Stellen nicht oder nur mit Leuten, die nicht hinreichend qualifiziert sind, besetzen können. Dementsprechend hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit, die in der EU nur von Spanien noch übertroffen wird. [...]

Streiks und Blockaden:
Am 21.10.2008 führten die Gewerkschaften des staatlichen und des privaten Sektors einen ganztägigen Generalstreik durch, der sich gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung richtete, insbesondere gegen die Rentenreform, die eingeleitete Privatisierung der staatlichen Fluggesellschaft Olympic Airways und die reduzierten Sozialausgaben des Staates. Bei einer Demonstration in Athen wurde gefordert, den Mindestlohn auf 1400 € zu verdoppeln und die Änderungen im Rentensystem wieder rückgängig zu machen. Weitere Generalstreiks fanden am 10.12. und am 2.4.2009 statt.
Protestierende Bauern blockierten ab dem 20.1.2009 mit über 10.000 Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen ca. 70 Hauptverkehrsstraßen und die Grenzübergänge zu Bulgarien, Mazedonien und der Türkei. [...] Die Bauern forderten wegen sinkender Weltmarktpreise und EU-Subventionshilfen mehr staatliche Hilfen. [...]
Wirtschaft:
Am 7.10.2008 wurde die Erhöhung der Staatsgarantie für Bankeinlagen von 20.000 auf bis zu 100.000 € bekanntgegeben. Am 15.10. hieß es von Seiten der Regierung, man werde den Banksektor mit 28 Mrd. € unterstützen. Laut Wirtschafts- und Finanzminister Alogoskoufis seien die Banken zwar nicht stark von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen worden und kaum mit toxischen Finanzprodukten belastet, weil sie meist in regionalen Geschäften engagiert seien, sie müssten aber in die Lage versetzt werden, international konkurrenzfähig zu bleiben. Angesichts der hohen Staatsverschuldung wurden bis Dezember 2008 hohe Aufschläge auf die griechischen Staatsanleihen verzeichnet; der Anstieg der Zinsdifferenz im Vergleich zu bundesdeutschen Staatsanleihen verdreifachte sich bis Januar 2009 auf rd. 300 Basispunkte. Griechenlands wirtschaftliche Probleme resultieren nicht zuletzt aus der in den letzten Jahren zurückgegangenen Wettbewerbsfähigkeit. Die Produktivität bewegte sich weiterhin auf niedrigem Niveau. Dies spiegelte sich 2008 auch in einem Leistungsbilanzdefizit von 12,7% des BIP wider. Die EU-Kommission prognostizierte in ihrem Frühjahrsgutachten für 2009 einen Rückgang des BIP um 0,9% und ein Haushaltsdefizit von 5,1% des BIP. Die Staatsschuld dürfte bis 2010 von 97,6% (2008) auf 108% steigen. Die Regierung kündigte im Frühjahr 2009 an, die Gehälter im Öffentlichen Dienst zum Teil einzufrieren und eine einmalige Sondersteuer für Besserverdienende zu erheben. [...]
Obwohl Griechenland weniger stark als andere Länder von der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen war, stellte die hohe Staatsverschuldung eine enorme Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung dar. [...]«

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 223 ff.

Dezember 2009: Kreditwürdigkeit Griechenlands wurde herabgestuft

Die Ratingagenturen Fitch sowie Standard & Poor’s haben im Dezember 2009 ihre Note für die Kreditwürdigkeit Griechenlands von "A-" auf "BBB+" gesenkt. Standard&Poor’s warnte zugleich davor, sie könne die Bonitätsnote weiter absenken. Die Ratingagenturen haben ebenso gewarnt, dass Griechenland zahlungsunfähig werden könnte.

Am 4. Januar 2010 hat die Regierung dann ihr erstes großes Sparprogramm präsentiert. So sollen Gehälter in staatlichen Betrieben gekürzt und die Zahl der Beamten drastisch verkleinert werden. Außerdem sollen die Immobiliensteuer und die Mehrwertsteuer erhöht und die Preise für Tabak und Spirituosen angehoben werden. Zu diesem Zeitpunkt hat Griechenland rund 300 Milliarden EURO Staatsschulden. Das Haushaltsdefizit liegt bei 12,7%.

Die New Yorker Bank Goldman Sachs hat Griechenland offenbar dabei geholfen, das Ausmaß der Staatsschulden zu verschleiern, um für die Aufnahme in die EURO-Zone die Anforderungen der Europäischen Union zu umgehen. Nach dem Vertrag von Maastricht von 1999 darf z.B. das Defizit eines Landes 3 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht überschreiten.

Insider packt aus über Euro: "Das verrottete Herz Europas: Der schmutzige Krieg um Europas Geld", 20.2.2010. Interessant ist hier weniger das Werk des Insiders (Bernard Connolly] als vielmehr der Kommentar von "alexee" auf dieser Seite vom 20.2.2010. Hier nur ein kurzer Auszug: »[...] Die EU ist die stärkste Wirtschaftszone der Welt… noch vor den USA und China [...]. Der wirtschaftliche Einfluß Griechenlands auf die Union entspricht etwa dem des Bundestaats Ohio auf die USA. Tatsächlich ist die WIRTSCHAFTSKRAFT Griechenlands so niedrig, dass sie im großen und ganzen für die Stabilität des Euros KEINE Rolle spielt. Ihre Auswirkungen sind einzig und alleine psychologischer Natur… sie haben dem Euro vielleicht 10 Cent gegenüber dem Dollar gekostet… ein Umstand, über den wir eigentlich froh sein sollten, denn unsere Währung ist international eher zu stark als zu schwach. Die Griechen sind DANKBAR für die Währung, denn ohne den Euro wäre der Drachme heute besseres Klopapier und das ist ein FAKT! [...] Bernard Conolly arbeitet für AIG, einem der HAUPTSCHULDIGEN an der Finanzkrise. Der Spiegel bezeichnete AIG 2009 als "Die gefährlichste Firma der Welt" und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, "Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb". [...]«

In der Nacht zum 23. Februar 2010 hat eine massive Streikwelle Griechenland erfasst.

»[...] Staatsverschuldung ist am Siedepunkt und explodiert

Angesichts der Verunsicherung über die finanzielle Stabilität Griechenlands gehen europäische Banken auf Nummer sicher. Einige Häuser haben begonnen, ihre Kreditlinien für griechische Institute zurückzufahren. Die Situation der griechischen Banken in den kommenden Tagen wird sich noch verschlechtern. Dies gilt trotz des nun fest vereinbarten Hilfsprogramms der Euro-Länder für den Notfall.
Die BIZ hat heute die Liste der Gläubigerbanken Griechenlands veröffentlicht. Französische Institute stehen an erster Stelle, mit 76 Milliarden Dollar, dann die Schweizer Banken mit 64 Milliarden und die Deutschen mit 43 Milliarden. Die Banken reduzieren ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen und begrenzen ihre Geschäftsbeziehungen mit Instituten des Landes. Es ist also nichts gelöst, es wird nur schlimmer. Jetzt dreht man Griechenland erst recht den Geldhahn zu. [...]«
Zitat: alles-schallundrauch.blogspot.com, 12. April 2010

23.4.2010. Die griechische Regierung bittet die EU und IWF um finanzielle Hilfe: 30 bis 45 Milliarden Euro für Griechenland

Experten vermuteten bereits, dass Griechenland bis 2015 mindestens 230 Milliarden Euro an finanzielle Hilfen benötigen werde.

Am 27. April 2010: Standard & Poor’s hat Griechenlands Kreditwürdigkeit auf BB+ herabgesetzt

Mai 2010: EU und IWF unterstützen Griechenland mit Krediten bis 110 Milliarden Euro - wie es heißt für die nächsten 3 Jahre. Die Auszahlung der Kredite ist an weitere Sparmaßnahmen geknüpft.

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Generalstreik

Gegen die von der griechischen Regierung in Kraft zu setzenden Sparmaßnahmen, haben am Mittwoch, 5. Mai 2010, bis zu 200.000 Menschen protestiert. Parallel zu den Protestaktionen, fand ein 24-stündiger Generalstreik statt.
Unterdessen rutschte der EURO im Börsenhandel auf unter 1,30 EUR (zu 1,00 USD) ab. Die Ankündigung der Rating-Agentur "Moody's", Portugals Kreditwürdigkeit um mindestens zwei Stufen herabzusetzen, ließ den EURO weiter an Wert verlieren.

Euro-Rettungspaket

Um einem weiteren Verfall des EUROs und möglichen Staatspleiten entgegenzuwirken, entschieden die EU-Staaten ein Rettungspaket, das Kredite über bis zu 750 Milliarden Euro als mögliche Hilfen für angeschlagene Länder vorsieht. Der Anteil Deutschlands für Kreditgarantien beliefe sich dabei auf bis zu 148 Milliarden Euro.

Weitere gefährdete Länder sind derzeit Rumänien, Portugal aber auch Italien und Spanien als viertgrößtes Land der Eurozone.

14. Juni 2010: Moody's stuft Kreditwürdigkeit Griechenlands herab

Die Ratingagentur Moody's hat am 14. Juni 2010 die Kreditwürdigkeit Griechenlands um vier Stufen zurückgestuft: von "A3" auf "Ba1". Begründet wird dieser Schritt u.a. damit, dass von den Bedingungen für die milliardenschweren Kreditpakete der EU und des IWF große Risiken ausgingen. Griechenland sei nun gezwungen, ein strenges Sparprogramm durchzusetzen - und das ist eben nicht gut für die Konjunktur... Aha... und das nur wenige Tage nach dem Bilderberg-Treffen in Sitges... Die Entscheidung von Moody's wurde von Athen zumindest kritisiert, doch an der Abwärtsbewegung an den Börsen und des Euros konnte das nichts ändern. Schaun wir mal, was als nächstes kommt. Es steht ja am 26./27. Juni das G8- und G20-Treffen in Huntsville, 225 Kilometer nördlich von Toronto, an.

August 2010: Absturz der griechischen Wirtschaft. Arbeitslosigkeit klettert mancherorts auf bis zu 70 Prozent

Das radikale Sparpaket der Regierung stürzt bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Wirtschaft in eine tiefe Rezession und die Menschen in eine tiefe Depression.

März 2011: Weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit

Griechenland kommt nicht zur Ruhe ! Die Wirtschaft lahmt und kommt nicht in die Gänge. Das Sparprogramm der Regierung provoziert immer wieder zu intensiven Streiks und lässt die griechische Bevölkerung weiter verarmen. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.
Anfang März hat die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Griechenland schließlich um drei Noten von "Ba1" auf "B1" herabgestuft. Aufgrund der anhaltenden negativen Stimmung im Land, dürfte es mittelfristig zu weiteren Herabstufungen kommen.

Mai 2011: Standard & Poor's setzt die Kreditwürdigkeit Griechenlands um weitere 2 Stufen auf "B" herab.
Die Staatsschulden sind bereits auf 330 Milliarden Euro angewachsen. Es wird damit gerechnet, dass der Schuldenberg bis 2013 auf 160 Prozent der Jahres-Wirtschaftsleistung (BIP) wachsen werde.

Die Antwort auf ein weiteres "Sparpaket" ist klar: GENERALSTREIK

Mir hat kürzlich ein junger griechischer Student erzählt, dass Griechenland ein total korrupter Staat sei. Bestechungsgelder würden ständig an Staatsbedienstete und Unternehmer gezahlt werden (laut Transparency International hätten die griechischen Haushalte 2009 insgesamt 787 Millionen Euro an Bestechungsgeld gezahlt, davon 462 Millionen Euro an Staatsdiener und 325 Millionen Euro im privaten Sektor), Vetternwirtschaft sei selbstverständlich und die Elite des Landes sei überhaupt nicht bereit, sich an der Gesundung des Landes zu beteiligen - im Gegenteil ! Die von der Regierung ausgegebenen Sparpakete - letztendlich kleine Tropfen auf dem heißen Stein angesichts des Schuldenberges - würden das Land nur weiter lähmen, da diese ausschließlich die Leute treffen, die ohnehin schon am wenigsten haben.
Die Elite des Landes würde selbst Vorschlägen zustimmen, ein paar Inseln zu verkaufen - von 3054 Inseln sind nur 87 bewohnt. Die Elite des Landes würde selbst das ganze Volk verkaufen - was ja bereits geschieht - und würde sich daran noch bereichern. Trost: Die Elite anderer Länder ist nicht besser.

Der Ausverkauf beginnt

23. Mai 2011: Um den Patienten zu heilen, wird ihm sein Blut abgesaugt. Ergebnis: Patient tot. Ärzte: "Dafür sind wir nicht verantwortlich..."
Genau dies geschieht gerade mit Griechenland. Da das Land dringend auf neue Finanzhilfen angewiesen ist und die Geldgeber Bedingungen stellen, will die griechische Regierung nun unter dem Druck von EU und IWF alles an Staatsbesitz verkaufen, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, so z.B. Teile der Wasser- und Energieversorgung sowie der Flughafen Athen und andere kleine Flughäfen.

Was den Griechen wohl bleibt sind ihre Inseln, die nach aktuellem Stand weder verpfändet noch verkauft werden sollen. Immerhin ! Ansonsten wird den Griechen das Blut abgesaugt. Am Ende wird ihnen nichts mehr bleiben - außer eben besagte Inseln. Ohne sich noch selbst versorgen zu können, werden sie zu hoch verschuldeten, verarmten Bittstellern, zu Sklaven degradiert, die vom guten Willen ihrer Geldgeber, ihrer Ernährer, abhängig sein werden. Griechen, wollt ihr das wirklich ??? Wann merkt ihr, dass ihr auf dem falschen Weg seit, die falschen Wertvorstellungen habt und den falschen Führern vertraut ???

Attac: Griechenland zur Plünderung freigegeben

»[...] Attac und der Verein "Gemeingut in BürgerInnenhand" (GiB) haben einen sofortigen Stopp der Privatisierungsvorhaben für Griechenland gefordert. Stattdessen verlangten sie die vollständige Offenlegung aller im Zusammenhang mit Privatisierungen stehenden Verträge und die öffentliche Überprüfung aller griechischen Staatsschulden (Audit). [...] Purer Wahnsinn ist das Vorhaben, in Griechenland einen Privatisierungsfonds nach Vorbild der deutschen Treuhandgesellschaft einzurichten. Die Treuhand ist das Paradebeispiel für die Verschleuderung von Volksvermögen und einen beispiellosen Betrug an den Steuerzahlerinnen und -zahlern. Wer die Treuhand zum Vorbild erklärt, will Griechenland nicht retten, sondern zur Plünderung freigeben. Dass dieser Prozess schon im Gange ist, zeigt auch die steigende Kapitalflucht aus Griechenland. [...] Die wahnwitzige Privatisierungswelle entbehrt jeglicher demokratischer Legitimation. Wie der Sozialkahlschlag, der viele Menschen in Griechenland und anderen europäischen Ländern in Armut stürzt, ist sie das Resultat der neoliberalen Krisenpolitik von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds. [...]«
Zitiert aus: www.attac.de, Griechenland zur Plünderung freigegeben, 25. Mai 2005

"Wutbürger" (Οργή πολιτών), eine Bewegung die mittlerweile mindestens 10.000 Sympathisanten zählt, fordern: Austritt aus der Euro-Zone, Rückkehr zur Drachme, Nichtanerkennung der Staatsschulden


14. Juni 2011: Weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit

Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Bonität Griechenlands von B auf CCC herab.

15. Juni 2011: Generalstreik
Im Zentrum von Athen versammelten sich rund 20.000 Menschen, um gegen die Sparmaßnahmen zu protestieren. Die Gewerkschaften hatten zuvor einen 24-stündiger Generalstreik gegen den Sparkurs der griechischen Regierung ausgerufen.

Sparpaket wird Griechen als "alternativlos" verkauft.
Immer mehr Griechen erkennen, »[...] dass die "Hilfe" aus den EU-Ländern nicht ihnen gilt, sondern den Banken, die sich verzockt haben und nun darum fürchten, dass die von ihnen vergebenen Kredite und die darauf zu zahlenden Zinsen nicht mehr bedient werden können. Die griechische Regierung hat nur die Wahl, entweder eine geordnete Staatsinsolvenz durchzuführen oder die Kreditzahlungen an die Banken durch Ausplünderungen des Volkes zu gewährleisten. Im ersten Fall würde sie auf einen massiven außenpolitischen Widerstand stoßen, da eine Staatsinsolvenz mit dem Austritt aus der Euro-Zone verbunden sein könnte und die Position der EU insgesamt schwächen würde. Im zweiten Fall würde sie auf massiven innenpolitischen Widerstand stoßen und dürfte kaum in eine neue Amtszeit gewählt werden.
Mehr Aussichten auf Erfolg bei kommenden Wahlen in Griechenland dürften Politiker haben, die wie Ex-Linken Chef Oskar Lafontaine kürzlich in einer Rede die einfache Wahrheit aussprechen:
"Im Moment haben wir doch keine Rettung Griechenlands, wir haben auch keine Rettung Portugals, wir haben wiederum eine Rettung der Banken, die den Leuten hier verkauft wird als Rettung der faulen Griechen oder der unvollkommenen Portugiesen."[...]«

Zitiert aus: www.hintergrund.de, Griechenlands Regierung verkauft neoliberale Radikalkur als "alternativlos", 7. Juni 2011

Juni 2011: Proteste gegen Sparmaßnahmen

»[...] Am Rande der grössten Protestaktion gegen den staatlichen Sparkurs wurden bei Zusammenstössen zwischen hunderten Demonstranten und der Polizei mindestens zehn Menschen verletzt. [...] Auf dem zentralen Syntagma-Platz in der Hauptstadt warfen Jugendliche Brandbomben und Steine und zertrümmerten die Fensterscheiben eines Luxushotels. Die Polizei setzte Tränengas ein. Mülleimer standen in Brand, Tische und Stühle umliegender Cafés lagen auf der Strasse.
Die Menge forderte auf dem Syntagma-Platz in Sprechchören den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. [...]«
Zitiert aus: www.20min.ch, Aufstand gegen Einschnitte. Das griechische Volk ist wütend. 15. Juni 2011

Um Griechenland nachhaltig vor einer Pleite zu retten, sollte nach Meinung eines niederländischen EZB-Ratsmitglieds der EU-Rettungsschirm verdoppelt werden: auf sage und schreibe 1,5 Billionen Euro - 1500 Milliarden, die 1,5 Millionen Menschen zu Millionären machen könnten.

Streit zwischen Frankreich und Deutschland:

Deutschland fordert als Bedingung für weitere "Hilfen" aus dem EU-"Rettungsschirm" die Beteiligung von griechischen Privatinvestoren (Banken etc.). Gedacht ist dabei an einer Beteiligung von mindestens 30 Prozent, ein weiteres Drittel soll von der EU und IWF kommen, die restlichen 30 Prozent muss Griechenland selbst aufbringen durch z.B. Privatisierungen.
Frankreich blockiert den deutschen Vorschlag, weil französische Banken sehr viele griechische Staatsanleihen gezeichnet haben. Die Banken dürfen natürlich nicht gefährdet werden. Frankreich gerät wegen der Griechenland-Krise nun selbst unter Beschuss seitens der Rating-Agentur Moody's.

Schließlich haben sich die französische und die deutsche Regierung auf einen Kompromiss geeinigt: Die Beteiligung privater Gläubiger an der Sanierung der griechischen Staatsfinanzen solle nun auf freiwilliger Basis erfolgen.
Deutlicher gehts nimmer ! Wem dienen also all die Sparpakete: den Banken.

29./30. Juni 2011: Sparpaket wurde vom Parlament beschlossen

Das griechische Parlament hat am 29. Juni das von IWF, EZB und EU geforderte Sparprogramm bewilligt und am 30. Juni die zur Durchführung erforderlichen Einzelgesetze beschlossen. Hierbei geht es um ein Sparvolumen in Höhe von 78 Milliarden Euro. Das Paket sieht Leistungskürzungen, Steuererhöhungen (28 Mrd. €) und Privatisierungen (50 Mrd. €) vor.
Mit der Zustimmung zum Sparprogramm ist der Weg nun frei für die fünfte Überweisung aus dem 110-Mrd.-Euro-Rettungstopf für Griechenland. 12 Mrd. € sollen vorerst die Pleite des Staates abwenden.
Zehntausende griechische Bürger wollen sich mit weiteren Sparmaßnahmen und einer weiteren Verschlechterung ihrer Lebensqualität nicht abfinden. Mittlerweile eskaliert die Gewalt in Athen.

27. Juli 2011: Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit um zwei Stufen auf "CC" herabgestuft.

Wem gehören die Rating-Agenturen ?

Die drei großen angelsächsischen Rating-Agenturen "Standard & Poors", "Moody's" und "Fitch" gehören »[...] zu einer Finanzoligarchie bestehend aus einzelnen Banken, Trusts, Hedge-Fonds und Politikern, die gemeinsam so viel Macht besitzen, um die Märkte entscheidend beeinflussen und davon profitieren zu können.[...]«
Zitat: BOERSENMAGAZIN am 19.07.2011

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21. September 2011: Weitere drastische Sparmaßnahmen angekündigt.

Zu den Maßnahmen gehören:
  • Renten von mehr als 1200 Euro pro Monat werden um 20 Prozent gekürzt
  • Rentner, die jünger sind als 55 Jahre, erhalten 40 Prozent weniger, wenn sie mehr als 1000 Euro erhalten.
  • das steuerfreie Mindesteinkommen sinkt von 8000 Euro auf 5000 Euro pro Jahr
  • 30 000 statt wie bisher geplant 20 000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst werden bis Ende 2011 mit 60 Prozent ihres Grundeinkommens in Kurzarbeit geschickt.
Unmittelbar nach Bekanntgabe der Pläne waren in Athen Demonstranten auf die Straße gegangen.

22. September 2011: Moody's stuft acht griechische Banken herab

27. Oktober 2011: Schuldenerlass

Am 27. Oktober 2011 wurde auf dem EU-Gipfeltreffen beschlossen, dass die privaten Gläubiger Griechenland 50 Prozent seiner Schulden erlassen werden. Der Anteil der privaten Gläubiger (Banken, Versicherungen und andere private Gläubiger) an Griechenlands Schulden von insgesamt ca. 363 Mrd. EURO beträgt etwa zwei Drittel, also rund 240 Mrd. EURO.
Mit einem Erlass von 50 Prozent, also rund 120 Mrd. EURO, wird Griechenland nicht sonderlich geholfen sein. Die Staatsschulden würden vielleicht im verabredeten Zeitraum bis 2020 (!!!) von ca. 170 Prozent auf ca. 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Sie liegen damit aber immer noch weit oberhalb der Maastricht-Obergrenze von 60 Prozent und sogar weit oberhalb des EU-Durchschnitts (ohne Griechenland) von 80 Prozent. Das Ergebnis des Gipfeltreffens der breiten Masse als Rettung Griechenlands und des Euros zu präsentieren ist ein schlechter Witz!

1. November 2011: Militärputsch abgewendet ?

Nur wenige Tage nachdem der Schuldenerlass auf dem EU-Gipfel beschlossen worden war, überraschte der griechische Ministerpräsident die EU und die internationalen Finanzmärkte mit der Ansage, über die Beschlüsse des EU-Gipfels und den damit verbundenen Sparauflagen eine Volksabstimmung durchführen zu lassen. Fast zeitgleich wurde die gesamte oberste Militärführung entlassen, die dann durch NATO-treue Offiziere ersetzt wurde. Das Militär verfolgte anscheinend seit Längerem den Plan, gegen Papandreou zu putschen. Mit der Ankündigung, ein Referendum gegen die Sparmaßnahmen durchführen zu lassen, hat Papandreou möglicherweise einen Putsch abgewendet, der Gerüchten zufolge, während des G20-Gipfels in Cannes Anfang November durchgeführt werden sollte.

4. November 2011: Referendum vom Tisch

Drei Tage später ist das von Papandreou angekündigte Referendum zu den Sparmaßnahmen nicht länger aktuell. Nun, ein drohender Militärputsch konnte ja verhindert werden, indem die Militärführung ausgetauscht wurde, und Gespräche über eine neue Regierung der "Nationalen Einheit" mit der konservativen Nea Dimokratia signalisieren Veränderung hin zu parlamentarischer Stabilität. Außerdem gibt es ja noch die EU, allen voran Deutschland und Frankreich, die weitere Geldtransfers aus dem EU-Rettungstopf von einer Zustimmung zu den EU-Sparbeschlüssen abhängig machten. Also wurde Griechenland auch noch von der EU erpresst: Mehr Geld gibt es nur, wenn das Volk für die Sparbeschlüsse stimmt. Das ist Demokratie á la Brüssel.

10. November 2011: Papandreou hat am Abend in einer TV-Ansprache formell seinen Rücktritt erklärt. Der frühere EZB-Vizepräsident Lukas Papademos wird nun neuer Ministerpräsident einer Übergangsregierung

Loukas Papadimos (* 11. Oktober 1947 in Athen) ging nach seinem Abitur 1966 zum Studium in die USA. Dort erwarb er den Bachelor in Physik, einen Master in Elektrotechnik und einen Doktor in Ökonomie. Er war u.a. 1980 leitender Volkswirt der Federal Reserve Bank in Boston und von 2002 bis 2010 Vizepräsident der Europäischen Zentralbank.

11. November 2011: Die Übergangsregierung vereidigt

Nur noch Iran liefert Öl an Griechenland.


Dezember 2011: Griechenland verhindert Ölembargo gegen Iran.

Weil Griechenland nur noch Öl von Iran auf Kredit erhält, hat die griechische Regierung den Versuch der EU (allen voran Großbritannien) vorerst verhindert, eine komplette Öl-Blockade gegen Iran durchzusetzen.

8. Dezember 2011: OECD bescheinigt Griechenland völlige Reformunfähigkeit

3. Januar 2012: Euro-Ausstieg Griechenlands kein Tabu mehr


4. Januar 2012: Jeder fünfte Grieche lebt unter der Armutsgrenze

Die Armutsgrenze wird in Griechenland auf etwa 15 000 Euro Einkommen jährlich für eine Familie mit vier Mitgliedern berechnet.

Zum Vergleich Deutschland: Nach dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands 2011 sind in Deutschland 12 Millionen Menschen von Armut bedroht (ca. jeder 7. bzw. 14,5%). Armutsgefährdet ist, wer als Single weniger als 60% des Durchschnittseinkommens Netto bezieht. Die Grenze liegt hier bei 826,00 EURO/Monat.

Ein weiterer Vergleich: Zu den reichsten Menschen der Welt darf sich zählen, wer mindestens 27.000 EURO Nettoeinkommen im Jahr bezieht. Das sind rund 1 Prozent der Menschheit. 29 Millionen Menschen davon leben in den USA, 4 Millionen in Deutschland.

28. Januar 2012: Berlin will Athen teilweise entmündigen

Griechenland benötigt ein zweites Hilfspaket. Dieses soll sich auf 130 Milliarden Euro belaufen. Deutschland verlangt, mit Unterstützung von Frankreich, allerdings eine teilweise Abgabe der griechischen Budgethoheit an die EU. Einer derartigen Entmündigung würde sich Griechenland sicherlich verweigern. Und immer nur mehr Geld wird Griechenland nicht wirklich helfen.
Weitere Lohn- und Gehaltskürzungen um bis zu 20% halten viele für nicht mehr zumutbar.
Bedeutende Politiker und die Ratingagenturen S&P und Fitch gehen mittlerweile davon aus, dass der Staatsbankrott nicht mehr abzuwenden sei.

10. Februar 2012: Generalstreik. Um weitere Finanzhilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro aus dem EU-Rettungsschirm zu erhalten, wurde die griechische Regierung gezwungen, ein weiteres Sparpaket zu verabschieden. Es sieht u.a. vor, dass Löhne, Gehälter und Renten gekürzt und das Brutto-Mindesteinkommen von 751 Euro auf 586 Euro gesenkt werden. Daran angepasst, würde auch das Arbeitslosengeld nach unten korrigiert werden. Außerdem soll der öffentliche Dienst erheblich ausgedünnt werden.
Unterdessen sind die griechischen Medien dabei, gezielt ein Feindbild gegen Deutschland aufzubauen. Deutschland und die deutsche Kanzlerin werden immer öfter in Verbindung mit Nazi-Symbolen abgebildet.
Anmerkung: Ein großer Teil der Bevölkerung wurde bereits durch Arbeitslosigkeit und Mittellosigkeit völlig ihrer Menschenwürde beraubt, und die anderen, die noch eine bezahlte Arbeit haben, werden mehr und mehr zu billigen Lohn-Sklaven degradiert. Mehr als 40 Jahre Gehirnwäsche haben gewirkt. Bei leicht zu kontrollierender Gegenwehr kann das niedrige Niveau von Sozialleistungen und Einkommen dann auch auf die reicheren EU- und EURO-Länder übertragen werden. Die betroffenen Menschen schlucken mehrheitlich eh alles bereitwillig, sie resignieren, verstummen, sterben eher, während die anderen leben.

Seht euch in diesem Zusammenhang mal diesen Film aus dem Jahr 1988 an: "They Live" - Sie leben (John Carpenter).

12./13. Februar 2012: Das griechische Parlament hat nach hitziger Debatte das umstrittene Sparpaket gebilligt

Nach der Abstimmung über das Sparpaket ist es in Athen und Thessaloniki zu schweren Ausschreitungen gekommen. Banken und zahlreiche andere Gebäude wurden in Brand gesetzt. Offiziellen Angaben zufolge sollen sich in der Nacht mindestens hunderttausend Menschen an den Protesten beteiligt haben.

22. Februar 2012: Die Ratingagentur Fitch stuft Griechenland von "CCC" auf "C" herab

Nach "C" kommt nur noch "D" - und das bedeutet: ein Staatsbankrott steht kurz bevor.

28. Februar 2012: Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands von "CC" auf "SD" herab - das beudetet "teilweiser Zahlungsausfall". Sollte der Schuldenschnitt, also der Umtausch der Staatsanleihepapiere, erfolgreich durchgeführt werden, dann könnte Griechenland mit einer Heraufstufung des Ratings auf "CCC" hoffen.

März 2012: Schuldenschnitt durchgeführt -- Rating hochgestuft ("B+" Fitch)

Wie würde sich ein Staatsbankrott auf Griechenland und die EU auswirken ?

»[...] Die Schweizer Bank UBS hat im November 2011 schon (zur Vorplanung) folgendes Szenario entworfen: Pro Kopf kostet die Pleite eines (EURO) EU­Peripherielandes 9500 bis 11.500 € im ersten Jahr und 3000 bis 4000 € in den Folgejahren. Das Bankensystem bricht vollends zusammen, in der Folge ebenso die Privatwirtschaft; die Währung wertet man (dann z.B. in Griechenland) um 60 Prozent ab, das Handelsvolumen halbiert sich. Dazu kommen soziale Unruhen, Aggression, Streiks und Chaos, man denke dabei nur an Argentinien 2001/02. Laut Forbes kommt ein Bankrott eines Peripherielandes dessen "Todeswunsch" gleich.[...]«
Zitat: eterna.sl, Die Weltbank warnt jetzt vor globalem Finanz-Crash, 18.01.2012

4. April 2012: Der Selbstmord eines Rentners auf dem Athener Syntagmaplatz am 4. April 2012 löst Massenproteste aus. Die Forderung nach einer umfassenden Reform von Wirtschaft und Politik wird immer lauter. "Revolution" erscheint vielen Griechen als unausweichliche Konsequenz, da keine Hoffnung besteht, dass das derzeitige politische System eine Verbesserung der Situation herbeiführen könne. Die Frustrationsgrenze der von Verarmung bedrohten bzw. erfassten griechischen Bevölkerung wurde mit dem Selbstmord des Rentners um ein weiteres Mal überschritten. Die Betroffenheit der meisten Griechen über diesen Vorfall macht nur allzu deutlich, dass es mittlerweile sehr viele Griechen in ähnlicher Situation gibt. Selbst weniger von Armut betroffene Griechen solidarisieren sich immer stärker mit den protestierenden Mitbürgern.

Wie der pensionierte Apotheker in einem Abschiedsbrief schrieb, wolle er lieber würdevoll sterben bevor er in Mülltonnen nach Essbarem suchen müsse. »[...] Anders als zunächst dargestellt, war der Mann offenbar nicht verschuldet.[...]«

Zitat: www.swp.de, Selbstmord löst Krawalle aus-Der-Tod-eines-Rentners-im-Athener-Zentrum-schockiert-Griechenland

April 2012: Vernichtendes Urteil für Griechenland

Wie der IWF in seiner aktuellen Griechenland-Analyse feststellt, werde das Land auf ein "Dritte-Welt-Niveau" zurückfallen - und das für mindestens 30 Jahre... Dann sollte doch die griechische Regierung dem Rat aus Argentinein folgen, ab sofort sämtliche Zahlungen einzustellen.

2. Mai 2012: Standard & Poor's stuft das Rating auf "CCC" herauf. Wie es von Seiten der Rating-Agentur heißt, sei der langfristige Ausblick "stabil" --- :-) stabiles Elend ... Mission erfolgreich ... Leute, lasst euch nicht veräppeln ... Das ist purer Zynismus ... Griechenland ist am Ende des EURO-Tunnels angelangt ... Der Austritt aus dem EURO ist nur noch eine Frage der Zeit...

6. Mai 2012: Bei den Parlamentswahlen am 6. Mai gewinnen die Parteien des linken und rechten Rands deutlich mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen. Erstmals wird nun die ultra-nationalistische Partei "Unabhängige Griechen" im Parlament vertreten sein.

15. Mai 2012: Am 17. Juni werden Neuwahlen stattfinden, da eine Regierung wegen der großen Differenzen zwischen den Parteien nicht gebildet werden konnte. Einen Tag später herrscht Verunsicherung im Land. Viele Griechen räumen ihre Bankkonten. Innerhalb kürzester Zeit sollen mehr als 700 Millionen Euro von den Konten abgehoben worden sein... Es wird nun vermutet, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann die Banken ihren Betrieb einstellen.

17. Mai 2012: Panagiotis Pikramenos, höchster Richter des Verwaltungsgerichtshofes, führt nun bis zu den Neuwahlen eine Übergangsregierung.

 muz-online.de: die Neue Weltordnung

17. Juni 2012: Die Parlamentswahlen konnte die konservative Partei Nea Dimokratia (29,66 %) für sich entscheiden.

20. Juni 2012: Fast alles beim Alten ! Die neue Regierung ist eine Koalition bestehend aus Mitgliedern der konservativen Partei Nea Dimokratia, sozialdemokratischen Pasok und gemäßigten Demokratischen Linken. Ministerpräsident: Antonis Samaras (Nea Dimokratia). Die zweitstärkste Partei, das radikale Linksbündnis Syriza, erhielt 26,89 % der Wählerstimmen und geht in die Opposition.

Juli 2012: Griechenland steht am Rand einer gesellschaftlichen Explosion

Saran Baroou, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsverbands, beschreibt die Situation in Griechenland als düster und sagt: "Wenn eine Nation die Hoffnung verliert, beginnt der Glaube an die demokratischen Institutionen erschüttert zu werden und der gesellschaftliche Aufruhr ist mehr als wahrscheinlich."
Aus: www.griechenland-blog.gr, griechenland-steht-vor-gesellschaftlicher-explosion, 3. August 2012

August 2012: Griechenland ist faktisch zahlungsunfähig

Öffentliche Ausgaben wurden drastisch zurück gefahren, offene Rechnungen an private Unternehmen werden nicht mehr bezahlt. Ebenso betroffen von den staatlichen Sparmaßnahmen ist die Gesundheitsversorgung, die bei leeren Kassen nur noch schwer aufrecht zu erhalten ist. Die Auszahlung der Beamten-Gehälter und Renten bleibt noch unangetastet.

Jeder vierte Grieche ist arbeitslos

Die Arbeitslosigkeit lag im Mai 2012 bei rund 23 Prozent - bei den unter 25-Jährigen waren es rund 55 Prozent (60 Prozent der Arbeitslosen erhalten keinerlei Stütze) ... Täglich gibt es 1000 Arbeitslose mehr... Für 2013 wird mit einer Arbeitslosigkeit von bis zu 29 Prozent gerechnet... Die reale Arbeitslosigkeit soll bereits bei über 30 Prozent liegen - auf dem Stand von 1958... Die Wirtschaftsleistung schrumpft unterdessen weiter. Die Kaufkraft der Bezieher des Mindestlohns liegt derzeit auf dem Niveau von 1979, die der Durchschnittsverdiener liegt auf dem Wert der frühern 1980er Jahre.

Siehe: www.abendblatt.de, Gewerkschaft erwartet Arbeitslosigkeit von 29 Prozent, 3. September 2012
Siehe auch: www.heise.de, Griechenland im Sparirrsinn, 17.09.2012

26. September 2012: Generalstreik lähmt das Land

November 2012: Weitere Sparmaßnahmen ... weiterer Generalstreik

Dezember 2012: Erneute Herabstufung auf "SD" und dann kurz vor Weihnachten ein kräftiges Plus auf "B-".
Wohin flossen die rund
200 Milliarden Euro Hilfsgelder ?
Attac hat nachgerechnet:

58 Milliarden für die Aufstockung des Eigenkapitals griechischer Banken

55 Milliarden für die Rückzahlung auslaufender Staatsanleihen

11 Milliarden für den Rückkauf alter Schulden

35 Milliarden für "Zuckerstückchen", um großen Banken, Versicherungen und Investmentfonds der Welt die Beteiligung am Schuldenschnitt des Jahres 2012 "schmackhaft" zu machen (wie es sueddeutsche.de ausgedrückt).

"Selbst von den knapp 47 Milliarden Euro, die tatsächlich im griechischen Staatshaushalt ankamen, musste Athen dem Bericht zufolge 35 Milliarden umgehend als Zinszahlungen an die Besitzer von Staatsanleihen weiterleiten", schreibt sueddeutsche.de.

Mehr als 10 Milliarden wären laut Attac für Rüstungsaufträge auf Druck aus Paris und Berlin geflossen, um Stornierungen gegenüber deutschen und französischen Rüstungskonzernen zu verhindern.

"Mindestens 77 Prozent der Hilfsgelder lassen sich direkt oder indirekt dem Finanzsektor zuordnen" und "Unsere Regierungen retten Europas Banken und Reiche!" , wird Attac zitiert.

Zu diesen gehört u.a. die griechische Milliardärsfamilie Latsis. Außerdem: Griechische Reeder zahlen auch 2013 noch keine Steuern, dabei ist die Reederei Griechenlands stärkster Wirtschaftszweig. Bluten dafür lässt die Troika die Masse der griechischen Bevölkerung mit "einer brutalen Kürzungspolitik, die die bekannten katastrophalen sozialen Folgen hat".
Aus: randzone-attendorn.buyandsnap.com, Attac hat nachgerechnet, 17.06.2013.
Quelle: www.sueddeutsche.de, Schuldenkrise in Griechenland - An den Menschen vorbei, 17.03.2013
Korruption: Griechenland ist der korrupteste Staat in Europa, gefolgt von Italien.
Nach der jüngsten Studie von "Transparency International" ("Corruption Perceptions Index" 2012) liegt Griechenland auf Platz 94 von 174 untersuchten Staaten, gleichauf mit Benin, Kolumbien, Djibouti, Indien, Moldavien, Mongolei und Senegal. Italien, in Europa auf Platz 2 der korruptesten Staaten, liegt im weltweiten Ranking auf Platz 72.

20. Februar 2013: Generalstreik
Mehr als 60 Prozent der jungen Leute unter 24 Jahren sind ohne Arbeit. Perspektive: negativ.

11. Juni 2013: Die griechische Regierung lässt staatlichen TV- und Hörfunksender ERT abschalten
Die 2600 Staatsbedienstete des Senders werden entlassen. Alle griechischen Journalisten sind aus Solidarität mit ihren Kollegen am 12. Juni in den Streik getreten. Angeblich habe die sogenannte "TROIKA" gefordert, die Staatsbediensteten des Senders zu entlassen, was diese aber zurückweist: die griechische Regierung habe die Entscheidung selbst getroffen.
Die griechische Regierung argumentiert damit, dass der Sender zu teuer sei. Es sei aber geplant, nach der Sanierung von ERT einen neuer Sender aufzubauen mit rund 1200 nicht-beamteten Mitarbeitern. Dieser Sender soll dann NERIT ("Neuer griechischer Rundfunk, Internet und Fernsehen AG") heißen. Doch die griechische Bevölkerung kann das nicht beruhigen und spricht von einem Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Tatsächlich gab ERT der regierungskritischen SYRIZA-Partei eine Plattform für Ihre Kampagnen gegen die strenge Sparpolitik der TROIKA-treuen Regierung. Mit dem plötzlichen Schritt, ERT über Nacht zu schließen und das Senden von ERT-Inhalten über andere Kanäle zu verbieten, kann in der Tat davon ausgegangen werden, dass es bei der Abschaltung von ERT um weit mehr geht, als nur einen in sich korrupten und verschwenderischen Sender zu schließen.
Das Programm der  Neuen Weltordnung soll zügig fortgeführt werden. Die Schließung von ERT erfolgte nur wenige Tage nach dem Bilderberg-Treffen in England.
Siehe auch: www.griechenland-blog.gr, Medienzensur in Griechenland bedroht Stabilität der Regierung, 13. Juni 2013

17. Juni 2013: Schließung von ERT rechtswidrig
Das höchste griechische Verwaltungsgericht in Athen hat die Schließung von ERT per einstweiliger Verfügung für nichtig erklärt. Es wurde festgestellt, dass die Regierung nicht das Recht habe, diktatorisch einen von der Verfassung her garantierten öffentlichen Sender zu schließen. Die Schließung von ERT war damit ein Vergehen gegen die griechische Verfassung. ERT soll wieder auf Sendung gehen. Wie es zunächst aus Regierungskrisen hieß, solle nun an anderer Stelle gespart werden.
Doch offenbar wird die Ausstrahlung von ERT weiterhin von den zuständigen Ministern der Regierung blockiert, ohne Rücksichtsnahme auf den Beschluss des obersten Verwaltungsgerichts. Ein paar Dutzend Protestler halten das Gebäude seitdem besetzt. Siehe hierzu: www.ertopen.com, Nein zur Politik des Obskurantismus, 24.06.2013

6. November: Generalstreik
Gegen weitere von der Regierung und Gläubigertroika geplante Massenentlassungen hat am 8. November ein Generalstreik den Verkehr und staatliche Einrichtungen in Athen lahmgelegt. Dieser Streik fiel im Vergleich zu vorangegangenen Streiks relativ schwach aus. Auch war die Beteilung an den Demonstrationen relativ gering. Nur die Kommunisten konnten ein paar Tausend Menschen mobilisieren. Gewerkschaften und Sozialdemokraten, selbst die linke Syriza, brachten nur jeweils ein paar Hundert Menschen auf die Straße.

Sicherheitskräfte räumen Sendehaus von ERT
Am 7. November wurde das Gebäude des Senders ERT im Athener Vorort Agia Paraskevi von der Polizei geräumt. Zuletzt hielten nur noch wenige Ex-Mitarbeiter des Senders das Rundfunkgebäude besetzt. Vor dem Gebäude protestierten gegen den Polizeieinsatz rund 200 Leute. Mit Tränengas wurde diese Aktion aufgelöst.

Dezember 2013: Die Arbeitslosigkeit steigt auf ein Rekordhoch von über 27 Prozent
Neben den vielen Arbeitslosen (offiziell 27,4% = 1.376.463) gelten inzwischen drei Millionen Griechen als armutsgefährdet. Bereits 2012 musste jeder zweite davon mit nur 300 Euro monatlich auskommen (die Armutsrisikogrenze liegt bei ca. 470,00 Euro für einen Single-Haushalt). Seitdem hat sich die Lage noch verschlechtert. Sorgen bereitet auch das Schrumpfen der Mittelschichtseinkommen. Lag das monatliches Durchschnittsgehalt im Jahr 2011 noch bei 900,00 Euro, liegt es mittlerweile deutlich unter 800,00 Euro (Netto).

November 2014: Proteste gegen Sparpolitik reißen nicht ab
Am 1. November versammelten sich mindestens 20.000 Menschen im Zentrum Athens zur Demonstration gegen die Sparpolitik der Regierung. Aufgerufen zum Protest hatte der Gewerkschaftsbund PAME. Die Demonstranten forderten unter anderem einen Mindestlohn von 751 Euro, 600 Euro Arbeitslosengeld und kostenlose Gesundheitsversorgung.
Nachdem die Regierung unter Druck der sog. "Troika" (EZB, IWF, EU-Kommission) weitere Kürzungen im Bildungsektor verabschiedet hat, protestierten am 6. November mehr als 4000 Studenten, Lehrer und Universitätsmitarbeiter im Zentrum Athens (die Ausgaben für die Bildung betragen nur noch 2,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, im EU-Schnitt sind es mehr als 5 Prozent).
Für den 27. November wurde ein landesweiter Generalstreik angekündigt.
17. November: Der diesjährige Gedenkmarsch zur Erinnerung an den Studentenaufstand gegen die von den USA unterstützte Militärjunta im Jahre 1973 eskalierte in Athen zu schweren Krawallen. Die martialisch auftretende Polizei versuchte die mit Steinen bewaffneten Demonstranten mit Tränengas und Blendgranaten zu zerstreuen. Autos und Mülltonnen brannten, Demonstranten rissen die brutal agierenden Polizisten von ihren Motorrädern (Delta und Dias Motorrad-Brigaden). Über 40.000 Demonstranten forderten "EU, IWF raus!". Vor den Toren der US-Botschaft kam es ebenfalls zu schweren Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften, wobei es zu zahlreichen Verletzten auf beiden Seiten kam. Auch Journalisten waren unter den Verletzten. Es wurden EU- und USA-Flaggen verbrannt. Über 70 Demonstranten wurden festgenommen.
Die Gedenkmärsche richten sich seit ein paar Jahren gegen die Troika-hörige Regierung und deren Sparpolitik. Wie die Demonstranten feststellen, ist von Demokratie in Griechenland nicht mehr viel zu spüren. Es herrscht heute eine Diktatur des Kapitals. Was regiert, ist eine Finanzelite, die nur ein Ziel kennt: rücksichtslose Profitmaximierung, Herrschaft über die Länder und ihre Völker, die entrechtet, verarmt und zu Lohnsklaven degradiert werden.

Anmerkung:
Der Kampfgeist der griechischen Demonstranten sollte ein Beispiel für die vielen Menschen in Europa sein, die unverschuldet in Verarmung und soziale Unsicherheit gestürzt wurden und werden. Es gilt, gemeinsam mit dem Kampfgeist der griechischen Studenten von 1973, gegen die aktuellen Zustände zu kämpfen, um die Demokratie wieder herzustellen. Wichtig ist aber auch der Kampf gegen die Korruption im Land, die Mobilmachung gegen das rücksichtslose, antisoziale Verhalten der griechischen Eliten, die mit aller vorstellbaren Missachtung sozialer Mitverantwortung ihr Land ausplündern. Ein grundsätzlicher Mentalitätswandel ist hier unbedingt angesagt - im Großen wie auch im Kleinen.
Das aktuelle Finanz- und wirtschaftspolitische Desaster sowie die Ausplünderung von Land und Leuten durch die gesellschaftliche Elite ist nichts Neues in Griechenland. Außerdem darf auch gefragt werden, wie sich denn die Eliten anderer Staaten dem Rest der Bevölkerung gegenüber verhält. Immerhin sind bei 9 von 10 Korruptionsfällen in Griechenland deutsche Firmen beteiligt.



25. Januar 2015: Parlamentswahlen

Das Linksbündnis SY.RIZ.A. hat mit 36,3% der Wählerstimmen (149 Sitze) zwar die Wahlen gewonnen - für eine alleinige Regierungsbildung reicht dieses Ergebnis aber nicht - hierzu wären 151 Sitze nötig. Das Linksbündnis muss sich also mit einem oder mehreren Koalitionspartnern arrangieren, was sehr wahrscheinlich die Durchsetzung wesentlicher SYRIZA-Positionen ausbremsen wird. Zweitstärkste Partei wird die liberal-konservative NEA DIMOKRATIA "Neue Demokratie" (ND; 27,8%) gefolgt von der rechten Partei CHRYSI AVGI "Goldene Morgenröte" (6,3%).

26. Januar: Regierung steht. Das SYRIZA-Bündnis arrangiert sich mit der rechtspopulistischen Partei AN.EL. "Unabhängige Hellenen", die bei den Wahlen 4,8% der Wählerstimmen erhielt. Beide Parteien wollen die Sparprogramme sofort stoppen und keine Kredite mehr an die internationalen Geldgeber zurückzahlen. Ministerpräsident ist Alexis Tsipras (SYRIZA), Finanzminister ist der Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis.

19. Juni 2015: Kommt nun der Ausstieg aus dem Euro?

Auf den Druck der "Troika" auf die griechische Regierung antwortet die Tsipras-Regierung konsequent und gelassen. Die Forderung der "Troika" nach entschiedenen Reformen - ohne Reformen keine weiteren Hilfsgelder - werden zurückgewiesen. Eigene Reformvorschläge finden bei den Gläubigern keine Beachtung, bzw. werden belächelt. Der griechische Finanzminister und Ministerpräsident werden von den Bossen von IWF und EU-Kommission mit respektlosen Bemerkungen belegt - ein letztes kraftloses Zucken vor dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone? Von Seiten Deutschlands, dem verlängerten Arm der anglo-amerikanischen Machtelite, wird kräftig Propaganda für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone betrieben. Ein unterhaltsames Theater. Vieles spricht für einen Austritt aus der Eurozone - für Griechenland und die meisten Griechen wäre das sicherlich der bessere Weg. Aber die Entscheidung für oder gegen den Euro wird sehr wahrscheinlich woanders gefällt.
Griechenland ist faktisch schon lange pleite. Hinzu kommt, dass die wohlhabenden Griechen in den letzten Monaten viele Milliarden Euro außer Landes gebracht haben (die schwerreichen Reeder hatten ihr Geld bereits 2009 ins Ausland transferiert), die Steuereinnahmen drastisch eingebrochen sind und auch die weniger betuchten Leute ihre Konten plündern. Frisches Geld fließt nicht mehr in die Banken, sodass Bargeld knapp wird, weshalb die EZB mal eben mit ein paar Milliarden Euro an Notkrediten aushilft, damit die Banken weiterhin Auszahlungen vornehmen können. Reformen, wie sie von der "Troika" gefordert werden, soll es nach Aussage der Regierung dennoch nicht geben. Die griechische Regierung will von ihrem Wahlversprechen nicht abrücken - und hinter ihr steht die Mehrheit der Bevölkerung. Diese will keine weitere Demütigung und Erpressung von Seiten der EU - aber den Euro und die EU wollen die meisten doch. Um das aktuelle Vorgehen der Regierung noch einmal bestätigt zu bekommen, soll es am 5. Juli ein Referendum zu den EU-Forderungen und damit zum Euroverbleib geben.
Von Deutschland, in Griechenland immer wieder mit Nazi-Symbolen versehen, fordert die griechische Regierung 300 Mrd. Euro (ca. die griechische Schuldenlast) als Reparationsleistungen für die von den Nazis im 2. Weltkrieg angerichteten Schäden, was von der deutschen Regierung als Unsinn zurückgewiesen wird - noch. Aber wer weiß, was in letzter Minute passiert - die USA machen bereits Druck auf die EU, Lösungen für den Verbleib Griechenlands in der EU zu finden. Die Firma Deutschland und mit ihr das Personal, werden vielleicht eine Anweisung aus der höheren Etage (i.e. die anglo-amerikanischen Machtelite nebst verbündete Vermittler und Vollstrecker) erhalten, Griechenlands Wunsch gefälligst zu erfüllen. Geopolitisch war Griechenland für den Westen immer von größter Bedeutung, nicht von ungefähr ist Griechenland militärisch auch so gut ausgestattet (am besten in Europa! Es wird auch von Seiten der NATO nicht erlaubt, das Militärbudget zu kürzen; das lag 2014 bei 2,2% des BIP = 4 Mrd. Euro) - und nicht zu vergessen die Erdöl- und Gasvorkommen vor der griechischen Küste, wovon kaum gesprochen wird.
Die aktuelle Bewegung Griechenlands in Richtung  Russland löst im Westen Entsetzen aus - zumindest sieht es oberflächlich betrachtet so aus. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, wie die europäische Entwicklung weiter geht. Am 22. Juni sollte die Entscheidung für oder gegen den Euro fallen. Doch aus dem Entscheidungsgespräch wurde ein weiteres Vermittlungsgespräch. Im Grunde fallen die 10 Millionen Griechen nicht sonderlich ins Gewicht, aber... fällt Griechenland, dann können schnell andere Wackelkandidaten, wie z.B. Kroatien, folgen - so die medial verkaufte Befürchtung der Europa- und Euro-Freunde. Immerhin ist der Euro ein recht hilfreiches Instrument zur Umverteilung von Geld und Sachwerten von "unten" nach "oben" - und so soll es auch bleiben.

Montag, 29. Juni 2015.
Die Eurogruppe hat am 28. Juni verfügt, das Hilfsprogramm wie geplant am 30. Juni 2015 zu beenden. Eine am 30. Juni fällige Rate von knapp 1,6 Mrd. Euro an den IWF hat die griechische Regierung nicht überwiesen, was Zahlungsunfähigkeit bedeutet verbunden mit den entsprechenden Konsequenzen. Die griechischen Banken wurden aufgefordert, nun außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen. Seit dem 29. Juni gibt es für zunächst eine Woche Kontrollen des Kapitalverkehrs (capital controls). An den Geldautomaten können die Griechen mit ihren im Land ausgestellten Kreditkarten nur noch 60 Euro/Tag abheben - Dank Notkredite der EZB. Bei im Ausland ausgestellten Debit- und Kreditkarten gibt es an den Geldautomaten noch kein Limit, so denn die Automaten nicht leer sind. Ebenso sind Online-Überweisungen ins Ausland derzeit nur nach offizieller Genehmigung durch das Finanzministerium möglich. Auch wird der Handel im weiteren Verlauf die Geschäfte mit dem "Plastikgeld" zurückfahren. Die Banken und die griechische Börse sollen für mindestens eine Woche geschlossen bleiben. Am kommenden Sonntag sollen die Bürger dann in einem Referendum über das von der Eurogruppe eingeforderte Sparprogramm abstimmen. Ein "NEIN" zum Spardiktat der EU würde nach Meinung vieler einem Austritt aus der Eurozone gleichkommen. Ein einseitiger Austritt oder Rauswurf aus dem Euro ist aber laut EU-Gesetzeslage nicht vorgesehen. Um aus dem Euro auszutreten, müsse das Land aus der EU austreten - und das will Griechenland nicht, und das will die EU und das wollen die USA nicht. Und die griechische Regierung lässt sich nicht erpressen - meint sie. Wie auch immer das Referendum am 5. Juli ausfällt, Griechenland wird ein vom Ausland abhängiges und im Grunde zahlungsunfähiges Krisenland bleiben.

1. Juli: Für die Rentner, die keine Plastikkarte haben, haben am 1. Juli etwa 1000 Banken geöffnet, damit ein Teil der Rente ausgezahlt werden kann. Viele besorgte Bürger stürmten am 1. Juli das Finanzministerium.

Zum Referendum vom 5. Juli siehe www.epochtimes.de: Hiernach hatte der IT-Dienstleister Singular Logic mit Sitz in Athen und Thessaloniki die Auszählung des Referendums übernommen. Diese Firma stellte Soft- und Hardware, sowie die Menschen, die den Wahlprozess durchführten und begleiteten. Zitat: »[...] Das Unternehmen arbeitet offiziell im Auftrag der Regierung und wird von der EU finanziert. Nach Angaben von Udo Ulfkotte wurde dieser Auftrag mit den USA und Mitarbeitern aus dem Umfeld der US-Geheimdienste abgesprochen. [...] Zusammenfassend gesagt: Im Hintergrund des griechischen Referendums agiert ein von Ex-CIA-Mitarbeitern gelenktes Unternehmen und hat die Technik, die Software und – als einziger – alle Datensätze des Abstimmungsergebnis.[...]«

Armes, reiches Griechenland
Bereits jetzt leben 35 Prozent der Griechen an der Armutsgrenze (rund 430 Euro pro Monat), rund 24 Prozent leben darunter (ca. 230 Euro/Monat). 26 Prozent der arbeitsfähigen Menschen sind arbeitslos gemeldet, mehr als 50 Prozent der jungen Leute haben keinen Job, nahezu 30 Prozent können sich keine Krankenversicherung mehr leisten, weil zu teuer -- aber auf den Inseln ist von Krise nichts zu spüren.

5. Juli 2015: Die Mehrheit der Griechen stimmt für den Kurs der Regierung
Bei dem Referendum zum EU-Sparprogramm stimmten 61,3 Prozent der Stimmberechtigten für όχι (NEIN). Damit wurde das EU-Sparprogramm abgelehnt, was zunächst wie eine große Schwächung der Eurogruppe und insbesondere der deutschen Regierung als Hauptverfechter des EU-Sparprogramms aussieht. Offizielle Darstellung für den Rücktritt von Yanis Varoufakis: Um den Regierungschef bei seinen weiteren schweren Aufgaben zu helfen, trat Yanis Varoufakis am 6. Juli von seinem Amt als Finanzminister zurück. Als wichtigsten Grund nannte er, dass einige europäische Partner und Regierungsvertreter ihn bei den EU-Meetings nicht dabei haben wollten und seinen Abgang wünschten. Dass er im Hintergrund weiterhin für die Partei arbeitet, bleibt von dieser Entscheidung - die im Regierungslager höchste Anerkennung erfährt - unberührt. Tatsächlich wollte Varoufakis Schuldscheine drucken und eine harte Linie gegenüber der EZB aufrecht erhalten. Im Kabinett wurde er jedoch überstimmt. Neuer Finanzminister wird Euklid Tsakalotos (Gründungsmitglied von SYRIZA, Philosoph, Politologe, Wirtschaftswissenschaftler, PhD).

Geplanter "bail-in" und "Nationaler Notstand"
Sollte es bis zum 10. Juli keine Einigung im Schuldenstreit geben, stellt die EZB die Zahlung der Notkredite ein. Gleichzeitig wird die Rückzahlung der Schulden mit sofortiger Wirkung fällig. Die EZB wird dann möglicherweise einen "bail-in" für Sparguthaben über 8.000 Euro und die Schließung aller Banken verfügen. Um das zu vermeiden, fordert ein bedeutender Teil der SYRIZA-Mitglieder, den NATIONALEN NOTSTAND auszurufen, die Kontrolle über das griechische Bankensystem zu übernehmen und die Zentralbank zu beschlagnahmen. Im Falle, dass es nicht so weit kommen sollte, müssten die Banken dennoch refinanziert werden - von einem Bedarf von 25 Mrd. Euro ist die Rede (diese sollen im günstigsten Fall über die Privatisierung von Staats- bzw. Volksvermögen generiert werden). Über die Einlagensicherung können die Banken aber auch auf die Einlagen der Bürger zugreifen, d.h. oberhalb von 8000 Euro könnten dann von jedem weiteren Euro rund 30 Prozent in die Refinanzierung der Banken fließen.

Europäische Flüchtlingskrise
Zusammenbruch des Transportwesens und drohende humanitäre Katastrophe bei Flüchtlingen
Mittlerweile ist das Transportwesen weitestgehend zusammengebrochen, weil es aufgrund der Einschränkungen im Zahlungsverkehr keine Möglichkeit mehr gibt, die Lastwagen u.a. ausreichend zu betanken. Außerdem droht eine humanitäre Katastrophe in den Flüchtlingslagern auf den Ägäischen Inseln (hier sind ca. 30.000 Flüchtlinge untergebracht, 20.000 allein auf Lesbos, Probleme gibt es auch auf Kos). Die Catering-Firmen haben ihre Lebensmittelversorgung am 7. Juli eingestellt, weil sie seit Monaten nicht bezahlt werden. Die Programme zur Versorgung mit Essen sind ausgelaufen. In den Flüchtlingslagern finden derzeit ca. 1,6 Millionen Menschen Obdach und täglich kommen etwa 1000 Flüchtlinge dazu. Viele Flüchtlinge, die in die  Türkei einreisen wollen, werden von dort wieder nach Griechenland zurück geschickt, was die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei belastet. Tausende Flüchtlinge reisen von Thessaloniki nach  Mazedonien, um über Serbien in den reicheren Norden Europas zu gelangen.
Siehe:
 Deutschland
 Österreich
 Schweden

Grenzkonflikte
Luftraumverletzungen - Konflikt mit der Türkei
Einige Griechen sehen in dem türkisch-griechischen Flüchtlingskonflikt den Keim für einen größeren militärischen Konflikt zwischen beiden Ländern. Kriegerische Verwicklungen der Türkei mit dem IS und den kurdischen Gruppierungen in Syrien und Irak würden am Ende Russland veranlassen, die Türkei militärisch zu überrennen. Tatsächlich wird spätestens seit Anfang 2014 von Hunderten Verletzungen des griechischen Luftraums durch türkische F-16-Jagdflugzeuge berichtet. Umgekehrt kommt es ebenso zu Verletzungen des türkischen Luftraums durch griechische Kampfflugzeuge, jedoch in weit geringerer Zahl. Beobachter sprechen davon, dass diese Vorfälle als Vorzeichen für einen größeren militärischen Konflikt angesehen werden könne.

Kapitulation
10 Juli 2015: Das griechische Parlament stimmt für Reformpläne.
Mit Hilfe Frankreichs hat die griechische Regierung der EU ein Reformpapier vorgelegt, das den 60 Prozent der griechischen Bevölkerung, die zuvor mit NEIN zu weiteren Sparreformen gestimmt hat, wie eine groß angelegte Verarschung vorkommen muss. Um weitere Milliarden, diesmal über den ESM, zu erhalten (zum Zwecke der Schuldenrückzahlungen), soll es eine Rentenreform (Rente mit 67; wer 40 Jahre gearbeitet hat, darf Rente mit 62; Einschnitte bei der Frühverrentung) und eine Steuerreform geben, die u.a. eine Erhöhung der Mehrwertsteuer beinhaltet. Außerdem will sich die Regierung der Privatisierung griechischer Staatsobjekte, wie z.B. den Hafen von Thessaloniki und den Stromnetzbetreiber Admie, öffnen. Selbst der Verkauf von Inseln ist kein Tabu mehr. Der linke Flügel der SYRIZA-Partei wird Tsipras Handeln, das unterstützt wird von der stärksten Oppositionspartei NEA DIMOKRATIA, mehrheitlich ablehnen, womit die nächste Krise nahen dürfte. Die USA und ihre Verbündeten in Europa sind ohnehin nicht von diesem SYRIZA-ANEL-Bündnis begeistert, womit klar sein dürfte, dass der Druck auf Tsipras seitens der USA sehr stark gewesen sein dürfte (möglicherweise war sogar das Leben von Tsipras in Gefahr). Was nicht sein darf, darf eben nicht sein. Einer der wohl wichtigsten europäischen Mitgliedsstaaten der NATO ist Griechenland und demzufolge darf Griechenland dieses USA-NATO-EU-IMF-Bündnis NICHT infrage stellen, denn es geht um die Existenz des Konstrukts der USA als stärkste Weltmacht.

13./14. Juli: Nach 17-stündigem Verhandlungsmarathon der EU-Staatschefs ist es am Morgen des 13. Juli zu einer Einigung für weitere Hilfsgelder aus dem EU-"Rettungsfonds" gekommen (rund 80 Mrd. Euro in den nächsten drei Jahren; Pessimisten glauben aber, dass der Finanzbedarf bei rund 50 Mrd. Euro jährlich liegen dürfte). Die von der Tsipras-Regierung am 10. Juli vorgelegten Reformvorschläge wurden auf dem Gipfel um einige Punkte ergänzt, dann war der deutsche Vorschlag zum "vorübergehenden Grexit" vom Tisch (vor allem die deutsche Regierung hat den Druck auf Griechenland erhöht und weitere Zugeständnisse eingefordert, so z.B. dass griechischer Staatsbesitz an eine private Holding in Luxemburg übertragen werden soll - dieser Forderung wurde in abgeschwächter Form zugestimmt: es wird ein Treuhandfonds eingerichtet, an den griechisches Staatsvermögen im Werte von angedachten 50 Mrd. Euro übertragen werden soll - davon sollen 25 Mrd. € in die Refanzierung der Banken gehen, 12,5 Mrd. € in den Schuldendienst und 12,5 Mrd. € als Investition in die Wirtschaft).
Die Reformvorgaben hat das griechische Parlament in der Nacht zum 15. Juli abgesegnet (229 von 300 Parlamentarier stimmten für die Reform; 39 lehnten die Reform ab, 32 Parlamentarier der SYRIZA-Fraktion stimmten mit einem klaren NEIN, darunter der Ex-Finanzminister Varoufakis, die zuvor zurück getretene Vize-Finanzministerin, die Parlamentspräsidentin - sie sprach sogar von Völkermord). Noch am 15. Juli sollen die Renten- und Teile der Steuerreform (Erhöhung der Mehrwertsteuer) aktiviert werden. Die Schuldenbegleichung an IWF und EZB wird ebenfalls wieder aufgenommen. Nichts Neues also. Es geht um die Rettung internationaler Großbanken und den Ausverkauf des Landes an die internationalen Investoren bzw. an jene griechischen Reichen, die nie Steuern im Land gezahlt haben, die viele Milliarden Euro außer Landes gebracht haben und sich nun zum Schnäppchenpreis das Staats- bzw. Volksvermögen aneignen können. Man darf gespannt sein, wie der vergleichsweise kleine EU-EURO-kritische Teil der griechischen Bevölkerung diese Demütigung² beantwortet und wie auf sie dann reagiert wird. Die meisten Griechen (70 Prozent sind für das Sparprogramm) leben lieber in einem USA-EU-Protektorat als in einem BRICS-Verbund und würden wohl auch ein schärferes Vorgehen gegen die "Unruhestifter" befürworten (vgl. USA, Ägypten, Spanien, Türkei und viele mehr, wo die Meinungs- und Versammlungsfreiheit drastisch eingeschränkt wurden und "Unruhestifter" bereits bei Geringfügigkeit als "Terroristen" strafrechtlich verfolgt werden können). Bereits in der Nacht zum 13. Juli gab es in Athen Proteste autonomer Gruppen gegen weitere Reformen zu Lasten der griechischen Bevölkerung. Auch in der Nacht zum 15. Juli gab es heftige Krawalle in Athen.

Montag, 20. Juli 2015: Die Banken öffnen wieder. Die Kapital-Kontrollen bleiben vorerst aber noch bestehen.

Militärische Aufrüstung in Europa und Russland
Während das Griechenlandthema die westliche Medienlandschaft bestimmt, gelangen aus den USA Militärgüter in beachtlichem Umfang (Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und anderes Militärgerät) nach  Deutschland, um dann in die baltischen Staaten, nach Polen, Rumänien und Bulgarien verlagert zu werden. Etwa ein Drittel der Ausrüstung wird stationiert im deutschen Grafenwöhr, einem der größten Truppenübungsplätze Europas. Als Grund für die Aufrüstung werden der  Ukraine-Krieg, sowie die angebliche Bedrohung durch  Russland genannt. Das erst im Juni vom Pentagon herausgegebene Strategiepapier (National Military Strategy 2015) nennt Russland als Hauptfeind der USA. Der künftige Chef des US-Generalstabs, Joseph Dunford, hält Russland für noch gefährlicher als die Terrororganisation IS (Islamic State).
Aufgrund der Bedrohung Russlands durch die NATO, rüstet nun auch Russland sein Militär kräftig auf. Die Rüstungsbetriebe arbeiten rund um die Uhr im 3-Schichten-Rhythmus.

Ab 24. Juli 2015: Die Türkei greift IS- und PKK-Stellungen in Irak und Syrien an

Mehr Infos zur Türkei  hier.

Ende Juli 2015: IMF beteiligt sich nicht an einem dritten "Hilfspaket" für Griechenland
Der IMF ist der Meinung, dass die Schulden Griechenlands eine Höhe erreicht haben, die mit den aktuellen Werkzeugen nicht mehr zurückzuzahlen seien. Ein weiteres Hilfspaket, an dem sich der IMF beteiligen würde, müsste zuvor sicherstellen, dass Griechenland wieder positiv wirtschaften kann, d.h. die Schuldentragfähigkeit von Griechenland müsse wieder hergestellt werden. Hierzu müsse es zunächst einen größeren Schuldenschnitt geben. Außerdem müssten die Reformen, wie schon vor dem Antritt der SYRIZA-Regierung formuliert, entschlossen umgesetzt werden. Der IMF kritisiert auch die Konzeption des Treuhandfonds zur Abwicklung staatlicher Vermögenswerte. Diese würden nicht die erwünschten 50 Mrd. Euro einbringen, sondern eher höchstens ein Zehntel, also maximal 5 Mrd. Euro. Nach Darstellung des IMF habe man den Treuhandfonds auf der Grundlage falscher Zahlen konzipiert.

20. August 2015: Herr Tsipras ist zurückgetreten - Neuwahlen
Da Ministerpräsident Tsipras bei der Abstimmung über das "Dritte Hilfspaket" nicht den nötigen Rückhalt seiner Partei SYRIZA erhielt, ist er am 20. August von seinem Amt zurückgetreten und macht damit den Weg für Neuwahlen frei. Bei den für den 20. September angesetzten Wahlen erhofft sich Tsipras ein neues Mandat zum Regieren. Inzwischen wird kräftig antideutsche Propaganda von Seiten des ehemaligen griechischen Finanzministers Varoufakis betrieben. Er ist der Meinung, dass das dritte Hilfsprogramm für Griechenland geplant worden sei, um Griechenland in den Grexit zu treiben. Die Umsetzung des in Rede stehenden Reformprogramms würde die Wirtschaft des Landes endgültig "versenken". Könne Griechenland seine Reformzusagen nicht einhalten, würde der deutsche Finanzminister Dr. Schäuble die Hilfe an das Land einschränken - der Grexit sei ganz klar das, was Schäuble verfolge. Neben Griechenland sei Schäubles Ziel der französische Sozialstaat, das Arbeitsrecht, die multinationalen Firmen. Schäuble wolle das Griechenland-Memorandum exportieren. Die Furcht vor einem Grexit habe den Abbau der französischen Widerstände zum Ziel, nicht mehr und nicht weniger, so Varoufakis. Dass Herr Schäuble, wie alle anderen transatlantisch verpflichteten Politakteure auch, nur ein Vollstrecker übergeordneter Interessen ist, sollte Herr Varoufakis doch wissen.

21. August: Spaltung der SYRIZA-Partei
Der linke Flügel von der bislang regierenden Syriza Partei hat sich abgetrennt und die eigenständige Parlamentsgruppe "Volkseinheit" (Lae) gebildet. Zu dieser Gruppe gehört auch die Präsidentin des griechischen Parlamentes, Zoe Konstantopoulou, die aber auch eine eigene Anti-Tsipras-Partei gründen will.

21. August: 23 Mrd. Euro wurden als erste Tranche aus dem "dritten Hilfspaket" auf das griechische Konto überwiesen.

27. August 2015: Erstmals Frau als Regierungschefin und die Angst vor der Krise
Die Präsidentin des höchsten Gerichtshofes (Areopag), Vasiliki Thanou (*1950), wurde am 27.08.2015 mit der Bildung einer Interimsregierung beauftragt, nachdem sie zuvor als Übergangsregierungschefin vereidigt worden war. Damit ist erstmals eine Frau Regierungschefin in Griechenland.
Am 20. September soll das Parlament neu gewählt werden. Dabei rechnet sich der zurückgetretene Regierungschef, Alexis Tsipras, zwar gute Chancen aus, wieder Regierungschef zu werden. Doch nach jüngsten Umfragen steht eher zu befürchten, dass keine Partei ein überzeugendes Regierungsmandat erhalten wird. Inzwischen geht die Angst vor einer politischen Krise im Land um. Die Austeritätspolitik soll der Vergangenheit angehören. Zu viele Griechen gerieten deshalb ins Elend, so Frau Thanu. Auch sie lehnt die Reformvorgaben Brüssels ab. ab.

20.09.2015: Alles, wie gehabt - Alexis Tsipras wird Ministerpräsident
Nach den Wahlen am 20. September steht fest: Alexis Tsipras wird Ministerpräsident. Seine Partei SYRIZA koaliert, wie auch zuvor, mit der rechtspopulistischen Partei AN.EL. "Unabhängige Hellenen".

Konklusion: Die von der OECD bekannt gegebenen Angaben zu Griechenland sind erschütternd. Der Rückgang des Pro-Kopf-BIP seit 2007 bis 2015 erreichte 27,5%.
Die Arbeitslosigkeit liegt bei 30%, bei den jungen Leuten doppelt so hoch.
Die ärmsten Haushalte haben fast 86 Prozent Einkommen verloren, die reichsten 17 bis 20 Prozent. Laut einer Studie des deutschen Bertelsmann-Instituts ist Griechenland wegen der Krise und der Memoranden das Land mit den größten sozialen Ungerechtigkeiten in der EU.
Das sind Zahlen, »[...] denen man in Ländern nach einem Krieg und speziell nach einem Krieg begegnet, den sie verloren haben.[...]«

Und mir wurde von einem Griechen vor wenigen Tagen gesagt, dass die Griechen keine Lust zum Arbeiten hätten, sie den ganzen Tag in den Cafés sitzen und reden würden... Freunde, die vor kurzem in Thessaloniki waren, konnten von Krise nicht viel spüren, die Menschen würden lachen, gut drauf und optimistisch sein. Es wurde auch beobachtet, dass die im Land produzierte Milch ca. 2,50 Euro und die EU-Milch ca. 1,00 Euro koste. Die ärmeren Leute würden natürlich die billige Milch kaufen, ähnlich sei es mit vielen anderen Produkten. Aus diesen Aussagen kann geschlussfolgert werden, dass die im Land produzierten Produkte nicht wettbewerbsfähig sind.
Zitat: griechenland-blog.gr, Warum auch diese Regierung Griechenlands scheitern wird, 30.10.2015

12. November 2015: Generalstreik wegen weiterer Sparmaßnahmen
Zu diesem 24-stündigen Generalstreik haben neben den Gewerkschaften sogar die Tsipras-Regierung aufgerufen. Wie es aus Regierungskreisen hieß, wolle man gegen eine "unsoziale, extrem neoliberale Politik" der Gläubiger ankämpfen.
Die Auszahlung von weiteren EU-Hilfsgeldern in Höhe von zwei Milliarden Euro wurde nun auch verschoben. Griechenland müsse zunächst geforderte Reformen umsetzen. Doch hier scheint die griechische Regierung bremsen zu wollen. So wolle man u.a. Pfändungen von Immobilienbesitz bei überschuldeten Privathaushalten verhindern.

Mai 2016: weitere Sparmaßnahmen für weitere "Hilfsgelder"
Die Wirtschaftsleistung Griechenlands hat sich seit 2010 um 30 Prozent verringert, Armut nimmt stetig zu. Von den vielen Milliarden Euros aus dem Europäischen "Rettungsfonds" floss bislang so gut wie nichts in die Wirtschaft, so dass die Masse der Bevölkerung davon hätte profitieren können. Das Geld floss an die Banken. Und dennoch soll weiter im Sozialsystem gespart und die Bevölkerung mit zusätzlichen Abgaben und Steuererhöhungen belastet werden. Ein neu eingerichteter Privatisierungsfonds, der zwar unter der Kontrolle der Gläubiger des Landes steht, soll staatseigene Firmen verkaufen. Der Ausverkauf des Landes schreitet voran. Verlierer ist und bleibt die Masse der Bevölkerung. Die Perspektiven für Griechenland sind düster.
Griechenland erhält aus dem EU-Topf nun weitere 10,3 Milliarden Euro, die zur Schuldentilgung bei der EZB verwendet werden. Zur Einigung kam es vor allem auf Druck der USA: »[...] In Griechenland hat der Bau einer neuen US-Pipeline begonnen. Washington will die Stabilität des Landes nicht gefährdet sehen.[...]«
Zitat: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de, bau-einer-us-pipeline-griechenland-muss-im-euro-bleiben, 25.05.16

September 2016: Einschränkung der Medienvielfalt
Die Tsipras-Regierung hat vier TV-Senderlizenzen gewinnbringend versteigert. Die Lizenzen gingen am 2. September für 246 Millionen Euro an drei Reeder und einen Bauunternehmer (auch die bisherigen Sender gehörten meist Reeder und Bauunternehmern). Wie es von Seiten der Regierung hieß, wolle man dieses Geld für die Unterstützung der sozial Schwächeren ausgeben. Die Lizenzen wurden für 10 Jahre vergeben.
Die größeren Sender Alpha TV und Star TV, sowie der kleinere Sender Mega TV (bedeutsame Opposition zu Syriza mit den höchsten Einschaltquoten, aber wirtschaftlich desolat) verloren ihre Lizenzen und müssen ihren Betrieb bis Ende November einstellen. Die neuen Lizenzen gewannen die bereits existierenden Sender Skai (Besitzer ist der Reeder Yiannis Alafuzos) und ANTENNA1 (Besitzer ist der Reeder Thodoris Kyriakou). Hinzu kommen zwei neue Sender, Alter Ego (Besitzer ist der Reeder und Inhaber des Athener Fußballklubs Olympiakos Evangelos Marinakis) und Kalogritsas (Besitzer ist der Bauunternehmer Ioannis Vladi Kalogritsas). Marinakis und Kalogritsas stehen der Links-Rechts-Regierungskoalition nahe. Kalogritsas hat angeblich das Bauunternehmen von Alexis Tsipras Vater gekauft und sei dafür mit staatlichen Bauaufträgen belohnt worden.
Mit dem Vorgehen der Regierung wurden die landesweit sendeberechtigten Fernsehkanäle von sieben auf vier begrenzt.
Das Vorgehen der Regierung wird von der gesamten Opposition kritisiert. Man habe es bei der staatlich verfügten Reduzierung der sendeberechtigten TV-Sender mit staatlicher Willkür, vermischt mit Berufsverboten zu tun. Außerdem sei man besorgt, dass die Regierung auch andere regierungskritische Medien verstärkt unterdrücke. Griechenland werde zu einer Autokratie, heißt es.
»[...] Die Regierung ist dagegen der Ansicht, der griechische TV-Markt sei wegen des Rückgangs der Werbung im Zuge der Finanzkrise nicht in der Lage, alle bisherigen Privatsender zu finanzieren. Regierungschef Alexis Tsipras hat den Besitzern der Privatsender außerdem wiederholt vorgehalten, Teil des etablierten Vetternwirtschaftssystems zu sein. Tsipras versuche ein neues Mediensystem zu etablieren, das ihm politisch näherstehe, hieß es seitens der Opposition.[...]«
Zitat: digitalfernsehen.de, Lizenz-Auktion beendet: Griechische TV-Landschaft wird kleiner, 2. September 2016

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.469 f.

www-Links

 muz-online.de: Alexander der Große

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