Finnland

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Offizieller Name: Republik Finnland; finn. Suomi
Hauptstadt: Helsinki
Fläche: 338.145 km²
Landesnatur: Überwiegend Hügel- und niedrige Berglandschaften, im W Binnen- und Küstenebenen, im äußersten NW Gebirge. Die wald- und morrreiche finnische Seenplatte im S zählt über 60.000 Seen
Klima: Kühlgemäßigtes, kontinental beeinflusstes Klima
Hauptflüsse: Kemijoki, Ounasjoki, Oulujoki
Höchster Punkt: Haltiatunturi 1.324 m
Regierungsform: Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 5 Provinzen, Sonderstatus der Ǻlandinseln
Parlament: Einkammerparlament mit 200 für 4 Jahre gewählten Abgeordneten
Nationalfeiertag: 6. Dezember
Einwohner: 5.165.000 (1999); 5.500.000 (geschätzt 2019)
Bevölkerungsdichte: 15 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 65%
Bevölkerung unter 15 Jahren: 18%
Analphabetenquote: 1%
Sprache: Finnisch, Schwedisch
Religion: Protestanten 86% (evang.-lutherisch)

Land und Leute

"Land der tausend Seen" nennt man Finnland in bescheidener Untertreibung: in Wahrheit sind es an die 55.000. Über Jahrhunderte hinweg wurde die Entwicklung Finnlands von den benachbarten Großmächten Schweden und später Russland bestimmt. Dennoch gelang es den Finnen, die sich in Sprache und Kultur deutlich von den skandinavischen und slawischen Völkern unterscheiden, ihre nationale Identität zu wahren.
Heute verfügt finnland über gute Beziehungen zu Russland, und die kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zu den skandinavischen Nachbarn und zu Mitteleuropa sind eng. Dies verschafft dem Land die Möglichkeit, als neutraler Mittler zwischen West und Ost aufzutreten. Die Wahl Helsinkis als Tagungsort der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hat Finnlands wichtige Rolle in der Völkergemeinschaft deutlich gemacht.
Bezogen auf die witschaftlichen Wachstumsraten und insbesondere auf dem Gebiet der Bildung (2001), nimmt Finnland heute in Europa die Spitzenstellung ein.

IM DUNKEL DER GESCHICHTE
Aus dem Osten kamen vor einigen tausend Jahren die Vorfahren der heutigen Finnen. Viel weiß man nicht über ihre Kultur und Lebensweise, doch hat die Sprachforschung etwas Licht in die Vergangenheit gebracht. Die meisten Sprachwissenschaftler gehen heute davon aus, dass es einmal eine gemeinsame finnisch-ugrische Grundsprache und ein geschlossenes Verbreitungsgebiet gegeben hat, das vermutlich zwischen Wolgaknie und Ural gelegen haben dürfte.


Helsinki

Von dort haben sich vor etwa vier bis fünf Jahrtausenden Bevölkerungsgruppen in die Weite des eurasischen Tieflandes aufgemacht. Als dem Finnischen verwandt gilt das Estnische und im weiteren Sinne ebenso das Ungarische. Auch die vereinzelt noch im Norden Skandinaviens gesprochene Sprache der Lappen gehört zur gleichen Sprachfamilie.
Wann die Vorfahren der heutigen Bevölkerung Finnland erreicht haben, ist nicht genau nachzuweisen. Um das 1. Jahrtausend v.Chr. waren sie im Baltikum ansässig, von wo sie wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung nach Südfinnland zogen.
In engeren Kontakt mit der abendländischen Welt gerieten die finnen durch christliche Missionare, die seit dem 11. Jahrhundert von Schweden aus nach Finnland kamen. Etwas später verbreiteten griechisch-orthodoxe Missionare von Nowgorod aus ihren Glauben im Osten Finnlands. Heute noch bekennt sich eine kleine Minderheit der sonst überwiegend protestantischen Finnen zur orthodoxen Kirche.

Turku - Die älteste Stadt Finnlands
Turku (altrussisch: turgu "Marktplatz") wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Die rund 177.000 Einwohner zählende Stadt an der Südwestküste war zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert die wichtigste Stadt des Landes.
 Google search: Turku 

Der faktischen Einbeziehung folgte im 13. Jahrhundert die offizielle Eingliederung des größten Teils Finnlands in das schwedische Herrschaftsgebiet.

Da Schweden die Nord- und Ostgrenze Finnlands immer weiter ausdehnte, kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland. Als Folge der Napoleonischen Kriege musste Schweden seine Vorherrschaft über Finnland aufgeben. Zar Alexander I. (1777-1825) ließ das Land 1808 erneut von russischen Truppen besetzen; und Finnland wurde ein eigenständiges Großfürstentum unter russischer Herrschaft.

DER UNABHÄNGIGE STAAT
Im 19. Jahrhundert erstarkte das finnische Nationalbewusstsein, das auf der eigenen Sprache, Kultur und Geschichte beruhte. Zar Nikolaus II. (1868-1918) sah darin eine Bedrohung der russischen Oberherrschaft und entzog 1899 im Rahmen einer allgemeinen Russifizierungspolitik Finnland die Autonomie, was jedoch heftigsten Widerstand hervorrief.
Die Loslösung von Russland gelang Finnland erst in den Wirren der russischen Oktoberrevolution von 1917. Die nationale Flagge wurde jedoch vom Klassenwiderspruch überlagert, der in einem kurzen, aber blutigen Bürgerkrieg zwischen den bürgerlichen und den progressiven Parteien seinen Höhepunkt fand. Unter Führung Carl Gustaf Freiherr von Mannerheims (1868-1951) siegten die von deutschen Truppen unterstützten "Weißen Garden" über die "Roten Garden", die für die revolutionäre Umgestaltung der finnischen Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild eintraten. Nachdem sich der Plan einer finnischen Monarchie 1918 als undurchführbar erwiesen hatte, nahm der Reichstag 1919 eine republikanische Verfassung an und schuf damit die Grundlage für ein demokratisches Staatswesen. Im Jahre 1920 erkannte die neue sowjetische Führung im Frieden von Dorpat die Selbständigkeit Finnlands an. Das Bestreben der Sowjetunion, den politischen Einfluss auf Finnland zu verstärken, führte jedoch 1939 zum Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg. Das auf sich allein gestellte Finnland konnte dem mächtigen Nachbarn nur kurze Zeit Widerstand leisten und musste im Moskauer Frieden von 1940 beträchtliche Gebietsverluste hinnehmen. Um die verlorenen Gebiete zurückzuerhalten, kämpfte Finnland im Zweiten Weltkrieg seit 1941 auf deutscher Seite. Als seine Lage jedoch aussichtslos wurde, vereinbarte Finnland 1944 mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand. Die in Nordfinnland operierenden deutschen Truppen zerstörten daraufhin bei ihrem Rückzug zahlreiche Straßen, Brücken, Eisenbahnlinien und Ortschaften. Die am Polarkreis gelegene Stadt Rovaniemi wurde nahezu völlig zerstört. Durch Auflagen des Friedensvertrages von 1947, insbesondere auch durch die Verpflichtung zu Reperationsleistungen, geriet Finnland in wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von der Sowjetunion. Die finnische Staatsführung verstand es jedoch, jeden Konflikt mit russischen Interessen zu vermeiden und zugleich die Selbständigkeit des Landes zu bewahren.

FINNLAND ENDE DES 20. JAHRHUNDERTS
Finnland hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg zu einer modernen Industriegesellschaft entwickelt. Bis vor wenigen Jahrzehnten bestand gegenüber Schweden noch ein deutliches Wirtschaftgefälle, das viele Menschen veranlasste, in dem reichen Nachbarland Arbeit zu suchen. Dennoch war und ist das Zusammenleben zwischen Finnen und der schwedischsprachigen Minderheit im Lande frei von Spannungen. Der Anteil der "Finnschweden" ist in den letzten Jahrzehnten vor allem durch Auswanderung deutlich zurückgegangen und liegt Ende der 1990er Jahre bei etwa 6 bis 7% der Bevölkerung.
Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse ergaben sich auch Möglichkeiten zur Verwirklichung der Idee eines modernen Sozialstaates. Mit gewisser Verzögerung und vielleicht nicht so ausgeprägt wie in den skandinavischen Nachbarländern wurde schließlich in den 60er und 70er Jahren das soziale Netz weiter ausgebaut.

Anfang des 21. Jahrhunderts kann Finnland im Hinblick auf Sozialfürsorge, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen seinen Staatsbürgern ein höheres Leistungsniveau bieten als die meisten anderen Länder Europas.
Seit 1995 ist Finnland Mitglied der Europäischen Union und seit 1999 Mitglied im €-Raum.

Rauchen: Bereits seit 1978 ist Werbung für Tabak und Zigaretten in Finnland verboten. Seit 1995 gilt ein generelles Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen. Rauchen ist nur an ausgewiesen Plätzen erlaubt. Die Zahl der Raucher ist von 1970 bis Ende 1999 um 40% zurückgegangen.
Seit dem 1. Juni 2007 gilt auch für Gaststätten allgemeines Rauchverbot.

Entwicklungen

April 2020: Coronavirus-Pandemie
Während viele Länder einen Mangel an Schutzmasken, Schutzkleidung und anderer Schutzausrüstung beklagen, hat Finnland als eines der wenigen Länder stets dafür gesorgt, im Ernstfall gut vorbereitet zu sein - und das seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der "Corona-Pandemie" muss Finnland erstmals nach 1945 auf seine Notversorgung zurückgreifen - zum ersten Mal wegen eines Gesundheitsnotfalls. Weil die meisten der 2200 Infizierten in Helsinki leben, hat man die Stadt vom Rest des Landes isoliert.

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

Wirtschaftlicher Ausblick 2020
Ab 2016 erholte sich Finnlands Wirtschaft. Die Wachstumsrate stieg nach Jahren der Rezession im Jahr 2019 auf 1,4%, die Arbeitslosenrate konnte von 9,3% auf 8,8% im Jahr 2016 und gesenkt werden. Ein Vorteil hierfür war die Absenkung der Lohnstückzahlen. Für das Jahr 2020 erwartet Finnland aufgrund der globalen Corona-Pandemie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung auf 1,1% und einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Doch statt harter Sparmaßnahmen will das seit 2019 regierende Mitte-Links-Bündnis investieren. Klimaneutral (Verzicht auf sog. fossile Energieträger) will Finnland 2035 sein.

November 2015: Finnlands Wirtschaft schrumpft im 4. Jahr in Folge
Mit einem um 0,6 Prozent schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Sommer 2015 ist Finnland das Schlusslicht in der Eurozone - noch hinter Griechenland. Als Hauptgründe für die wirtschaftliche Schwäche werden die Schrumpfung der IT-Industrie und die Rezession in Russland genannt. Desweiteren leidet die seit jeher wichtige Papierindustrie unter der rückläufigen Nachfrage durch die zunehmende Digitalisierung. Die Besorgnis, dass Finnland der "neue kranke Mann in Europa" sei, ist somit leider gerechtfertigt. Die Bevölkerung soll nun auf einen harten Sparkurs eingestimmt werden. Angesichts der düsteren wirtschaftlichen Lage werden sogar Rufe laut, den Euro abzuschaffen. 50.000 Finnen haben eine Petition unterzeichnet, die ein Referendum zum Austritt aus der Eurozone erwirken will. Wie die Organisatoren (MEP Vayrynen) der Petition meinen, habe der Euro mehr Nach- als Vorteile für Finnland gebracht.

September 2015: Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung und Streiks
»Mit einer Großkundgebung in der Hauptstadt Helsinki haben zehntausende Finnen gegen die Sparpolitik ihrer Regierung protestiert. Es kam auch zu umfangreichen Streiks. Finnland, einst Musterschüler der Eurozone, steckt seit Jahren in der Rezession. [...] In der vergangenen Woche kündigte Regierungschef Juha Sipilä Pläne zur Stärkung der Wirtschaft an. Unter anderem soll es weniger Urlaubstage, weniger Wohngeld für Rentner sowie weniger Zuschläge für Überstunden und Wochenendarbeit geben. Einer Umfrage zufolge unterstützen rund 70 Prozent der Finnen die Sparpläne der Regierung voll oder teilweise.[...]«
Zitat: unternehmen-heute.de, Protest gegen Sparpolitik in Finnland, 18.09.2015

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.398 f.

www-Links

 Neue Weltordnung - Illuminati, Bilderberger etc.

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