Dänemark: Färöer

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Einsam im Nordatlantik zwischen Norwegen, Island und Schottland liegt die kleine Inselgruppe der Färöer. Die 18 größeren Inseln und die zahlreichen kleineren Eilande, zusammen 1400 km² groß, bilden einen autonomen Teil Dänemarks. Ihre bizarre Gestalt der Naturgewalten lässt schon etwas von dem ständigen Kampf der Naturgewalten ahnen, der die Färöer geprägt hat.
Hier begann die Schöpfungsgeschichte vor 60 Millionen Jahren. Glutflüssige Gesteinsschmelze quoll aus langgestreckten Spalten der Erdkruste und ergoss sich über den Meeresboden. Schicht legte sich auf Schicht: ein mächtiges Plateau aus schwarzem Vulkangestein und roter Asche entstand. Später bearbeiteten die Gletscher der Eiszeit das Gestein, schürften tiefe Täler in den Untergrund, hobelten und polierten den schwarzen Basalt. Als sich die Gletscher zurückzogen und das Meer in die Täler eindrang, erhielten die Färöer ihre heutige Gestalt: steilabfallende Fjells, die den Eindruck ungeheurer Höhe erwecken, jedoch an keiner Stelle 882 m überschreiten, Inseln und Inselchen mit zahlreichen kleineren Flüssen und Wasserfällen, mit vermoorten Senken und seenerfüllten Talzügen mit grünen Wiesen und weiten Heidefluren.

Zu den Färöern gehören die kräftig wehenden Winde, die brausenden Stürme und die starke Meeresbrandung, die mit ihrer zerstörerischen Kraft dazu beiträt, eine einzigartige, wilde Küstenlandschaft zu formen: Brandungspfeiler und Klippen, die in jedem Frühjahr von Hunderttausenden nistender Seevögel bevölkert werden, schroffe Küsten von atemberaubender Steilheit.
Der Golfstrom beschert den Inseln ein milderes Klima, als die Nähe zum Polarkreis vermuten lässt. Zu den Färöern gehören aber auch das Glitzern der Sonne im stillen Wasser der Fjorde, die Mitternachtssonne, die kaum unter den Horizont sinkt, und das farbenreiche Schauspiel des Lichtes, das die Landschaft wie den Betrachter gleichermaßen verzaubert. Und schließlich die rotgestrichenen, mit Grassoden bedeckten Häuser, der Klippfisch auf den Holzgestellen und die vielen neugierigen Schafe, die den Inseln ihren Namen gaben.

Die Wikinger und ihre Nachkommen

Wikinger waren es, die die "Schafsinseln" vor mehr als 1000 Jahren in Besitz nahmen. Viele der ersten Siedler kamen als Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen hatten, um der Herrschaft Harald Schönhaars, des nicht gerade friedlichen Einigers Norwegens, zu entgehen. Andere trieb wohl mehr die Abenteuerlust in den "Wilden Westen" am Rand der damals bekannten Welt. Die Geschichte der Landnahme, wie sie uns in den Sagas überliefert ist, war eine nicht endende Folge von Raubzügen und Mordtaten. Von dem Bemühen, schon im 11. Jahrhundert einen Bischofssitz auf den Inseln zu begründen und die Färinger zum Christentum zu bekehren, zeugt der Magnusdom von Kirkjub°ur - ein bis heute unvollendet gebliebenes Dokument gotischer Baukunst am äußersten Rande Europas.

Färöer

Die Nachkommen der wilden Wikinger sind friedfertige Menschen, stolz auf ihre Tradition, aber aufgeschlossen für die moderne Welt. Rund 50.000 Färinger leben heute (2013) auf den Inseln, davon allein ein Drittel in der Hauptstadt Tórshavn, die unbestritten politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Inseln ist. Über Tórshavn führt mit Ausnahme des Flugverkehrs alles, was die Inseln mit der Welt verbindet - und das ist mehr, als "romantische" Gedanken an Wikinger erwarten lassen. Denn die Zeiten, da die Färöer abgeschnitten von der übrigen Welt den Stürmen des Atlantiks ausgeliefert waren, sind Dank der Technik vorbei.

Fisch und nochmals Fisch

Lebendigstes Zeugnis aus der Zeit der Wikinger ist die Sprache. Aus Norwegen wurde sie mitgebracht und blieb auf den abgelegenen Inseln lange Zeit frei von fremden Einflüssen. Aber mit dem Verlust der Eigenstaatlichkeit Norwegens im Jahre 1380 gerieten die Färöer unter dänische Herrschaft, und das bedeutete, dass bis vor wenigen Jahrzehnten in den Amtsstuben, Schulen, Pfarrhäusern und Handelskontoren nur noch dänisch gesprochen wurde.
Das Bewusstsein der kulturellen Eigenständigkeit war auch in den Jahrhunderten dänischer Verwaltung nie verlorengegangen. An politische Selbständigkeit aber hatten die Färinger kaum je gedacht. Dies änderte sich, als 1940 deutsche Truppen Dänemark besetzten, die Inselgruppe der Färöer hingegen Stützpunkt der Alliierten wurde.

Fünf Jahre lang war die Verbindung nach Kopenhagen unterbrochen. Jahre, in denen Forderungen nach Unabhängigkeit laut wurden. Dänemark kam diesem Wunsch teilweise entgegen und gewährte den Inseln nach Kriegsende einen Autonomiestatus, der die Befugnisse des Lagting, eines der ältesten Parlamente Europas, wesentlich erweiterte und unter anderem ermöglichte, eine eigene Fischereipolitik zu betreiben. So entschieden sich die Färinger aufgrund der Reglementierung der Fischfangquoten gegen einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft, denn Fischfang und Fischverarbeitung bilden die Lebensgrundlage der Inselbewohner. Rund ein Viertel der Erwerbstätigen ist in der Fischerei beschäftigt. Das allzu feuchte Klima macht Ackerbau zu einem hoffnungslosen Unterfangen, nur hier und da werden ein paar Flecken Land zum Kartoffelanbau genutzt. Deshalb ist Fisch, geräuchert, gesalzen, aber auch fangfrischer Speisefisch und Fischmehl, mit einem Anteil von über 95% das wichtigste Exportprodukt.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.312 f.

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