Estland

[Estland] [Geschichte, Unabhängigkeit] [www-Links] [Literatur]


Translate this page

Offizieller Name: Republik Estland
Hauptstadt: Tallinn (Reval)
Fläche: 45.226 km²
Landesnatur: Eiszeitlich geformtes flachwelliges Land mit Seen, Mooren und Sümpfen; im N Steilabbruch zum Finnischen Meerbusen; zahlreiche vorgelagerte Ostsee-Inseln
Klima: Feucht-gemäßigtes Klima
Höchster Punkt: Munamägi 318 m
Regierungsform: Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Präsident
Verwaltung: 15 Regionen, 6 Stadtbezirke
Parlament: Reichstag mit 101 Mitgliedern, Wahl alle 4 Jahre
Nationalfeiertag: 24. Februar
Einwohner: 1.408.556 (2003); 1.266.375 (geschätzt Juli 2013)
Bevölkerungsdichte: 15 Ew./km²
Stadtbevölkerung: 74%
Bevölkerung unter 15 Jahren: 18,6%
Analphabetenquote: 0,2%
Sprache: Estnisch, Russisch
Religion: Evangelisch-lutherische Christen
Importgüter: Maschine- und Ausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Bekleidung, Nahrungsmittel
Exportgüter: Maschinen und Ausrüstungen, Holz und -waren, Textilien
Handelspartner: Finnland Schweden, Russland, Deutschland

Estland ist das nördlichste und kleinste der drei baltischen Länder. Es erstreckt sich vom finnischen Meerbusen bis zum Rigaer Meerbusen, von der Ostsee bis zum Peipussee. Zu seinem Territorium gehören mehr als 70 Inseln vor der stark gegliederten West- und Nordküste der Ostsee. Die größten Inseln sind Ösel (Saaremaa) mit 2710 km² und Dagö (Hiiumaa) mit 960 km². Estland ist ein eiszeitlich geformtes ebenes bis flachwelliges Land mit vielen Seen, Sümpfen und Mooren, stark gelichteten Wäldern und üppigen Wiesen. Das Klima ist gemäßigt kontinental, im Norden rauh.
Die Bevölkerung besteht zu rund 65% aus den namengebenden Esten. Größte Minderheit bilden mit 28% die Russen, die vor allem im Nordosten des Landes leben. Sie sind im Zuge einer planmäßigen Russifizierung nach 1945 angesiedelt worden. Daneben leben noch Ukrainer sowie Weißrussen und Finnen im Land.
Der überwiegende Teil der Bevölkerung bekennt sich zum evangelisch-lutherischen Glauben.
Die Wirtschaft Estlands basiert auf der vielseitigen Industrie und der Nutzung der hochwertigen Ölschiefervorkommen. Maschinenbau, Chemie-, Baustoff-, Textil-, Nahrungsmittel- und Papierindustrie gehören neben der Ölschiefergewinnung und -verarbeitung zu den führenden Industriezweigen. Von Bedeutung sind auch die intensive Landwirtschaft, meist Viehwirtschaft, und der Fischfang in der Ostsee. Der Hauptfang ist der Hering. Der Ausrichtung von Industrie und Handel auf die sowjetische Wirtschaft begegnete Estland nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit 1991 durch eine konsequent marktwirtschaftliche Orientierung, die auch die Wirtschaft nach 1994 auf Wachstumskurs brachte. Dies befähigte das Land, das seine Währung an die Deutsche Mark koppelte, zu einem der ersten Kandidaten aus dem Kreis der ostmitteleuropäischen Reformstaaten für eine EU-Mitgliedschaft.

Seit 2004 ist Estland Mitglied der EU, des Europarats, der NATO sowie der OSZE und seit 2010 der OECD. Am 1. Januar 2011 hat Estland den EURO als Landeswährung offizielle eingeführt. [...] Zwei Tage vor der Einführung kleistern Euro-Gegner jenen Platz mit Protest-Plakaten zu, an dem zu Silvester die Willkommensfeier veranstaltet wird. Die Plakate stellen den Euro etwa als sinkende Titanic dar. [...] Wie Umfragen zuvor ergaben, sprachen sich etwa nur 50 Prozent der Esten für die Einführung des Euros aus. Zitat: diepresse.com, Euro als sinkendes Schiff: Stiller Protest in Estland, 30.12.2010

Geschichte, Unabhängigkeit

Im 13. Jahrhundert kam Estland in den Besitz des Deutschen Ordens. Bis ins 19.Jahrhundert bildeten deutsche Patrizier in den Städten und deutsche Gutsbesitzer auf dem Lande eine fremdsprachige Oberschicht. 1710 wurde Estland von Peter dem Großen im Nordischen Krieg gegen Schweden erobert und blieb - wie das gesamte Baltikum - bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil Rußlands. Während das russische Zarenreich zerbrach, erreichte Estland seine Unabhängigkeit. Sie wurde 1920 im Frieden von Dorpat von Sowjetrußland anerkannt.
Die Selbständigkeit dauerte nur zwanzig Jahre. Durch den "Hitler-Stalin-Pakt" 1939, in dem die beiden Diktatoren ihre Interessensbereiche in Ostmitteleuropa absteckten, geriet Estland in die sowjetische Interessenssphäre und wurde 1940 von der Roten Armee besetzt und in die UdSSR eingegliedert.

Tallinn

Danach begann die Zeit der Enteignung von Industrie und Landwirtschaft und der Deportierung von annähernd 60.000 Esten. Der Einmarsch deutscher Truppen 1941 wurde daher auch als Befreiung vom sowjetischen Joch empfunden.
Ab 1944 wieder unter sowjetischer Herrschaft, wurden Estlands Wirtschaftsstruktur und Gesellschaftsordnung weiter der sowjetischen angepaßt. Die parallel mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft vorangetriebene Industrialisierung des Landes veränderte grundlegend die Struktur der Wirtschaft. Immer mehr Russen wurden als Industriebevölkerung oder Funktionärsschicht angesiedelt.

Im April 1988 wurde die unabhängige Volksfrontbewegung für Perestrojka ins Leben gerufen, die sich einer verstärkten Industrialisierung und der damit verbundenen Umweltzerstörung durch den Ölschieferabbau widersetzte sowie für die Wiederherstellung der Souveränität eintrat. Im Herbst 1989 erklärte der Oberste Sowjet Estlands, daß hinfort estnische Gesetze Vorrang vor gesamtsowjetischen haben sollten.

Die Unabhängigkeit
1990 setzten die Esten neben die sowjetischen Behörden eigene Staatsorgane. Nach dem Scheitern des kommunistischen Rutsches gegen die Reformpolitik Gorbatschows erklärte Estland am 21.8.1991 endgültig seine Unabhängigkeit, die schließlich am 6.9.1991 von der Sowjetunion anerkannt wurde. Es war einer der Höhepunkte im langen Streben nach Unabhängigkeit, als in Tallinn die nationale blau-schwarz-weiße Flagge des unabhängigen Estland gehißt wurde. Bereits am 17.9.1991 wurde Estland zusammen mit den anderen beiden baltischen Staaten in die UNO aufgenommen. Eines der schwierigsten Probleme der neuen parlamentarischen Demokratie blieb der Ausgleich mit der russischen Minderheit, die nicht die estnische Staatsbürgerschaft erhielt, sondern sich erst nach Erfüllung bestimmter Auflagen einbürgern lassen konnte.

up

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.386 f.

up

www-Links


up