Dänemark

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Offizieller Name: Königreich Dänemark
Hauptstadt: Kopenhagen
Fläche: 43.094 km² (ohne Färöer und Grönland)
Landesnatur: Flachwellige bis hügelige Inseln und Halbinseln mit vielgestaltigen Küsten
Klima: Kühl-gemäßigtes Seeklima
Hauptflüsse: Gundenå, Skjern
Höchster Punkt: Yding Skovhoj 173 m
Regierungsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt: Königin
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 14 Verwaltungsbezirke, 2 Stadtgebiete (Frederiksberg, Kopenhagen)
Parlament: Einkammerparlament (Folketing) mit 175 Abgeordneten, für 4 Jahre gewählt; außerdem je 2 Repräsentanten der Färöer und Grönlands
Nationalfeiertag: 16. April
Einwohner: 5.282.000 (1999); 5.543.453 (geschätzt Juli 2011)
Bevölkerungsdichte: 123 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 86% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 18,5% (1999)
Analphabetenquote: 1% (1999)
Sprache: Dänisch
Religion: Protestanten 90% (evang.-lutherisch)
Importgüter: Erdöl u. -produkte, Fahrzeuge, Maschinen, chem. Erzeugnisse, Eisen, Stahl, Garne
Exportgüter: Fleisch- und Molkereiprodukte, Maschinen, Fahrzeuge, Textilien, Arzneimittel, Fisch

Überall ist Dänemark mit seinen rund 470 größeren und kleineren Inseln und seinen ungezählten Halbinseln aufs engste mit dem Meer verzahnt - kein Ort des Landes ist mehr als 50 km von der Küste entfernt.
Innerhalb der skandinavischen Staaten, die kulturhistorisch zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen, nimmt das Königreich Dänemark eine besondere Stellung ein.

Als natürlicher Übergang vom europäischen Festland zur skandinavischen Halbinsel kommt ihm eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Staaten Mittel- und Nordeuropas zu. Es schlägt aber auch eine Brücke zwischen Nord- und Ostsee - und damit zwischen Atlantik und einem Binnenmeer, das den Weg weit in den kontinentalen Osten Europas öffnet. Obwohl klein an Fläche und gering an Bevölkerungszahl, war das Kernland zeitweilig weitausgreifendes Zentrum einer politischen Macht, die vom Nordkap bis zur Elbe, von Grönland bis Estland reichte und zudem als Kolonialmacht Handelsstützpunkte in der Karibik, in Westafrika und in Indien besaß.

Geschichte

Nicht immer waren die Beziehungen Dänemarks zu seinen Nachbarn im Norden und Süden so gut wie in heutiger Zeit. Oft genug kam es im Laufe der Geschichte zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Als brandschatzende Seeräuber waren dänische Wikinger vom 9. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts an den Küsten Westeuropas gefürchtet. Besonders die Britischen Inseln, aber auch Frankreich, Portugal und selbst Italien hatten unter den Beutezügen der ungebetenen Besucher zu leiden. In ihrer Heimat begann im 9. Jahrhundert unter König Godfred, dem ersten historisch bekannten Wikingerkönig, der Bau der Grenzwälle, des Danewerk, gegen die nach Jütland vordringenden Franken. Nachdem die dänischen Kleinkönigtümer im 10. Jahrhundert durch König Gorm den Alten zu einem Gesamtstaat geeint und von Harald "Blauzahn" zum Christentum bekehrt worden waren, begann die Zeit der Expansionspolitik. So gerieten Teile Englands, Holstein, Hamburg und Lübeck sowie Mecklenburg, Pommern, Rügen und Estland zeitweise unter dänische Herrschaft. Unter Margarete I. (1353-1412) wurde durch die Kalmarer Union von 1397 nahezu ganz Skandinavien der dänischen Krone untertan.

Doch mit dem schwedischen Unionsaustritt 1523 begann der langandauernde Konflikt um die politische Führung im Ostseeraum, in dessen Verlauf Schweden die Vorherrschaft gewann, während Dänemarks Macht mehr und mehr schrumpfte. Mitte des 17. Jahrhunderts verlor es seine Ostprovinzen, das heutige Südschweden, 1814 auch die Herrschaft über Norwegen und 50 Jahre später die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. 1920 fand jedoch nach den Vereinbarungen des Versailler Vertrags eine Volksabstimmung statt, der, entsprechend dem Votum der Bevölkerungsmehrheit Nordschleswigs, eine Grenzkorrektur zugunsten Dänemarks folgte.

Während des Zweiten Weltkrieges, als Dänemark trotz erklärter Neutralität von deutschen Truppen überfallen und besetzt wurde, gewann Island seine Unabhängigkeit, und nach Kriegsende erhielten Grönland und die Färöer weitgehende Autonomie.

Von dem einst so mächtigen Königreich ist den Dänen nicht viel übriggeblieben, doch ihr Nationalbewusstsein wurde dadurch nicht getrübt. König Christian IX (1818-1906) und Königin Louise (1817-1898), deren 6 Kinder in bedeutende europäische Fürstenfamilien einheirateten, gelten als die "Schwiegereltern Europas" (Foto). Überall leuchten einem die dänischen Landesfarben entgegen, und überall spürt man die starke Verbundenheit der Menschen mit ihrem Land. Die große Popularität von Königin Margarete II. (* 1940), die 1972 die Nachfolge ihres verstorbenen Vaters antrat, trägt entscheidend dazu bei, dass das System der parlamentarischen Monarchie von der eindeutigen Mehrheit der Bevölkerung befürwortet wird.

Die politische Macht des Monarchen wurde schon 1849 durch eine liberale Verfassung beschränkt, die die höchste Gewalt des Landes fortan in die Hände des gewählten Parlaments, des Folketing, legte.

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Kopenhagen

Einst Mittelpunkt einer ausgedehnten Ostseemacht, heute an der Peripherie eines kleinen Königreiches gelegen, ist Kopenhagen dennoch unbestritten politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Dänemarks. Und so wie Dänemark ein wenig verspielt und ungezwungen erscheint, so wirkt auch seine Hauptstadt. Der Individualismus, die Toleranz, die Heiterkeit und Vitalität sowie die schöpferische Kraft der Dänen prägen die Atmosphäre der Stadt. Das architektonische Gesamtbild, aber auch das Flair einer allen Traditionen zum Trotz jung wirkenden Weltstadt machen den Charme Kopenhagens aus.
Das Wahrzeichen Kopenhagens - die Plastik der "Kleinen Meerjungfrau" (Foto oben), geformt nach einer Märchengestalt Hans Christian Andersens - ist gleichermaßen unscheinbar wie liebenswürdig.

Von der Händlersiedlung zur Hauptstadt
Verfolgt man die Entwicklung der Stadt zurück, so findet man am Anfang eine kleine Fischer- und Händlersiedlung am Öresund. 1167 erhielt Bischof Absalon aus Roskilde dieses Fleckchen Land von König Waldemar I. geschenkt. Er erkannte die strategisch gute Lage und sicherte die Überfahrt nach Schweden durch den Bau einer Burg, die die kleine Siedlung vor Seeräubern schützte. Damit war eine wichtige Voraussetzung für die Ausweitung von Handel und Verkehr geschaffen. Aus dem schlicht "Havn" genannten Ort wurde bald "Købmandens Havn", also Kaufmannshafen, und schließlich das heutige København.
Als die Hanse erkannte, dass sich hier eine unliebsame Konkurrenz entwickelte, zerstörte sie 1369 Burg und Siedlung. Doch die Gunst der Lage ließ sich damit nicht beseitigen. Schon 1416 wurde die wiederaufgebaute Siedlung Residenz des Königs, und 1443 musste Roskilde offiziell die Hauptstadtfunktion an Kopenhagen abtreten.

Eine bemerkenswerte Blüte erlebte die Stadt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter der Regentschaft König Christians IV. Aus seiner Zeit stammen etliche der schönsten bis heute erhaltenen Gebäude der Stadt, darunter die Börse (Foto) mit dem kurios aus stilisierten Drachenschwänzen verzwirbelten Turm, die Holmenskirche und Schloss Rosenborg in dem typischen, von der niederländischen Architektur beeinflussten Renaissancestil.

Börse

Epidemien, Feuer und Krieg
Kopenhagens Geschichte spiegelt sich auch in der Not und im Elend eines Großteils der Einwohner wider: Im 18. Jahrhundert verlor durch Epidemien rund ein Drittel der auf engstem Raum wohnenden Bevölkerung das Leben. Durch Feuersbrünste versank fast die gesamt Altstadt in Schutt und Asche. Was davon übrig blieb oder neu aufgebaut wurde, wurde 1807 zum Teil durch Beschuss englischer Kriegsschiffe erheblich zerstört.

Oeresundbruecke

Mit dem Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts zogen viele Menschen aus den ländlichen Gebieten nach Kopenhagen. Der Platz innerhalb der alten Befestigungsanlagen reichte bald nicht mehr aus. Nachdem diese geschleift worden waren und das Glacis zur Bebauung freigegeben war, dehnte sich die Stadt zunächst entlang der Hauptausfallstraßen aus.

Die Öresundregion

»[...] In der Öresundregion leben (2007) 3.598.410 Einwohner auf einer Fläche von 20.859 km². [...] Die Öresundregion verdankt ihre Entstehung der Fertigstellung der Öresundverbindung mit der Öresundbrücke und dem Drogdentunnel. [...] Die Öresundregion ist eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen im Ostseeraum. Laut der Zeitschrift "The Economist" im Jahr 2007 weist die Region die wirtschaftsfreundlichsten Bedingungen der Welt auf. [...]«
Zitat: de.wikipedia.org, Öresundregion

Die Brücken, die nach Westen, Norden und Osten über die früheren Befestigungsgräben führten, wurden namengebend für die Vororte Vesterbro, Nørrebro sowie das "vornehmere" Østerbro. Zum Teil saniert und modernisiert, werden diese Viertel heute überwiegend von Arbeitern, alten Menschen oder Studenten bewohnt.

Entwicklungen

März - April 2020: Coronavirus
Die "Corona-Pandemie" veranlasste auch Dänemark, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu ergreifen. Dänemark hat Test- und Impfpflicht angeordnet. Man wolle die Maßnahmen notfalls mit dem Militär durchsetzen (FR, 02.04.2020).
Nach einem Monat der strikten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 hat sich die dänische Regierung nun entschlossen, ab dem 15. April den langsamen und vorsichtigen Weg zurück zur Normalität einzuleiten. So werden als erstes die Kitas und Schulen bis zur fünften Klasse wieder geöffnet. Dabei sind allerdings Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Corona

Februar 2015: erster Terroranschlag in Dänemark
14.02.: Bei einer Veranstaltung im Kopenhagener Kulturcafé "Krudttønden" mit dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks fallen Schüsse. Der schwedische Filmregisseur Finn Nørgaad wird getötet, mehrere wurden verletzt, darunter drei Polizisten.
Bei einem weiteren Anschlag auf eine Synagoge im Stadtzentrum starb ein jüdischer Wachmann. Den mutmaßlichen Täter beider Anschläge, Omar Hamid al-Hussein, tötete die Polizei am frühen Sonntagmorgen.
Viele tausend Dänen im ganzen Land gedenken der Opfer und demonstrieren für ein freies und einiges Dänemark.

Merkel ehrt Mohammed-Karikaturisten
»[...] Ungeachtet der Kritik und unabsehbarer Reaktionen aus der islamischen Welt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch eine Auszeichnung des Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard für eine energische Verteidigung der Pressefreiheit gegen religiöse Fanatiker genutzt. Unter massiven Polizeischutz wurde der 75-jährige Däne Westergaard in Potsdam mit dem Medienpreis M100 für seine Unbeugsamkeit für die Meinungsfreiheit geehrt. Merkel würdigte diesen Mut als Hauptrednerin der Veranstaltung. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte die Kanzlerin. [...]«
Zitat: "www.stern.de/panorama/medienpreis-m100-merkel-ehrt-mohammed-karikaturisten-1601713.html", 8. September 2010

»[...] Karikaturenstreit: Im Prozess um die Mohammed-Karikaturen, die im Frühjahr 2006 einen weltweiten Sturm islamischer Proteste ausgelöst hatten (...) sprach das Gericht in Århus am 26.10. 2006 die Verantwortlichen der Zeitung Jyllands-Posten von der Anklage frei, Muslime beleidigt oder in deren Ehre verletzt zu haben. Sieben muslimische Organisationen, angeführt von der Islamischen Glaubensgemeinschaft, hatten mit einer Forderung von 100.000 dänische Kronen Schadensersatz den Weg der Zivilklage beschatten, nachdem die Staatsanwaltschaft die Aufnahme eines Strafverfahrens wegen Blasphemie oder Rassismus abgelehnt hatte. Aus Protest gegen das Urteil kehrte Imam Raed Hlayel mit seiner Familie Anfang November in seine Heimat Libanon zurück. Er zählte zu den dänischen Imamen, von denen die Welle des Protestes gegen Mohammed-Karikaturen seit Oktober 2005 ausging.
Neuen Zündstoff lieferte die Ausstrahlung eines Amateurvideos im Staatsfernsehen am 6.10.2006. Es zeigte eine Gruppe jugendlicher Mitglieder der rechtsextremen DF bei einem Zeichenwettbewerb, in dem es um die erniedrigendste Karikatur des Propheten Mohammed ging. Vertreter muslimischer Organisationen in Dänemark verurteilten die Entscheidung, das Video von Machwerken zu senden, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen seien, riefen aber zur Zurückhaltung auf. Ministerpräsident Rasmussen distanzierte sich von den Verhöhnungen "auf das Schärfste" und suchte einem erneuten außenpolitischen Desaster durch eine diplomatische Offensive in der islamischen Welt vorzubeugen. Gleichwohl gab es empörte Reaktionen in einigen Staaten, neben Ägypten, Pakistan und Indonesien vor allem in Iran. Das Parlament Irans verlangte den Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen zu Dänemark und in Teheran griffen Demonstranten die dänische Botschaft mit Brandbomben an.

Ehrenmordprozess: Das Kopenhagener Oberlandesgericht verurteilte am 28.6.2006 wegen eines sogenannten Ehrenmordes alle Angeklagten zu langen Haftstrafen und erregte damit internationales Aufsehen. Entgegen der auch in Deutschland gängigen Justizpraxis, nur den direkten Täter zu verurteilen (...), wertete das Gericht auch die indirekte Beteiligung von Familienangehörigen und Bekannten als Mord bzw. Beihilfe dazu. Es bestrafte den Vater der ermordeten 18-jährigen Pakistanerin zu lebenslanger Haft, ihren Bruder, von dem sie zwei Tage nach ihrer von der Familie missbilligten Hochzeit erschossen worden war, zu 16 Jahren. Sieben weitere Angeklagte erhielten Strafen zwischen acht und 14 Jahren. Die Tat, bei der der afghanische Ehemann der Ermordeten schwer verletzt wurde, war nach Erkenntnis des Gerichts in der Familie minutiös vorbereitet worden, um die "verlorene Familienehre" wiederherzustellen.

Rauchverbot: Ministerpräsident Rasmussen kündigte am 20.3.2007 ein umfassendes Rauchverbot im öffentlichen Raum zum 15. 8. an. Dänemark folgte damit dem Beispiel anderer europäischer Länder.

Wohlfahrt: Nach einer Ende Juli 2006 veröffentlichten ersten "Weltkarte des Glücks", die an der britischen Universität Leicester erstellt wurde, fühlen sich die Dänen als glücklichstes Volk der Erde. Unter 178 Staaten nahm Dänemark vor Schweiz und Österreich unangefochten den ersten Platz ein. Für die Studie wurden die Daten von rd. 100 empirischen Untersuchungen ausgewertet. Ein Forscherteam der Universität Cambridge, das sich mit dem Wohlbefinden der Menschen in der EU-15 befasste, bestätigte Mitte April 2007 den Spitzenplatz der Dänen. Umfragen zufolge bezeichnen sich mehr als zwei Drittel der Dänen als glücklich. [...]«

Aus: Der Fischer Weltalmanach 2008: Zahlen Daten Fakten, S. 117 f.


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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.306 f.

www-Links


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