Bosnien-Herzegowina

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Offizieller Name: Bosnien-Herzegowina (Bosna i Hercegovina)
Hauptstadt: Sarajevo
Fläche: 51.197 km²
Höchster Punkt: 2387 m im Maglíc
Regierungsform: Parlamentarische Bundesrepublik
Staatsoberhaupt: Vorsitzender des Staatspräsidiums (dreiköpfiges Staatspräsidium bestehend aus Vertretern der drei konstitutiven "Völker" - Bosniaken, Serben, Kroaten)
Verwaltung: Föderation Bosnien-Herzegowina (26.110 km²) mit 10 Kantonen; Republik Srpska (24.857 km²); Distrikt Brĉko (493 km²) und gemeinsam verwaltete Hauptstadt
Einwohner: 3.839.000 (1999); 3.875.723 (geschätzt für Juli 2013)
Bevölkerungsdichte: 75 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 43% (1999)
Sprache: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
Religion: Sunnitische Moslems 48%, serbisch-orthodoxe 34%, römisch-katholische Christen 15%
Importgüter (2007): Maschinen u. Apparate (16%), mineralische Brenn- u. Schmierstoffe (15%), chemische Erzeugnisse (9%), Transportausrüstungen (7%), Nahrungsmittel
Exportgüter (2006): Maschinen u. Apparate (13%), Aluminium- u. produkte (11%), Holz- und Holzprodukte (9%), mineralische Brenn- u. Schmierstoffe (8%), chemische Erzeugnisse (7%), Eisen u. Stahl (7%)
Währung: Marka (BAM); 1 Marka = 100 Fening; Kurs: 1 US-$ = 1,39 KM; 1 = 1,95583 BAM
Unabhängigkeit: 1. März 1992 (von Jugoslawien)
Nationalfeiertag: 25. November (Ausrufung der Republik Bosnien-Herzegowina am 25. November 1943); in der Republik Srpska sind weder der 1. März noch der 25. November Feiertage; hier werden statt dessen der 9. Januar als Tag der Republik sowie der 21. November (Tag des Dayton-Abkommens) gefeiert.

Bosnien-Herzegowina hatte bis 1992 den Charakter eines Vielvölkerstaates: Mehr als 40% seiner Einwohner waren Bosnier, etwa ein Drittel Serben, 18% Kroaten, der Rest verstand sich als "jugoslawisch" oder gehörte kleinen Volksgruppen wie Montenegrinern, Ungarn, Türken und Albanern an. Serben waren vor allem im Osten und an der bosnisch-kroatischen Grenze ansässig, die meisten Kroaten in der westlichen Herzegowina, die Bosnier mehrheitlich im Zentrum. Bosnier, Serben und Kroaten lebten seit Jahrhunderten in einem unentwirrbaren ethnischen Siedlungsgemenge.

Im frühen Mittelalter war Bosnien ein selbständiges Fürstentum; dem nur kurzlebigen Königreich Bosnien im 14. Jahrhundert gehörten Teile Kroatiens und Dalmatiens an. 1463 wurde Bosnien dem Osmanischen Reich einverleibt. Das Herzogtum des Heiligen Sava, die Herzegowina, erlitt 1482 das gleiche Schicksal. Unter der türkischen Herrschaft entwickelte sich Bosnien zu einer islamischen Enklave zwischen serbisch-orthodoxen und römisch-katholischen Nachbarn. Die Gasi-Husrebeg- und Ali-Pascha-Moschee in Sarajevo, die dortige Islamische Theologische Fakultät - die einzige in Europa - sowie Moscheen und Minarette überall in Bosnien-Herzegowina sind sichtbare Symbole einer eigenständigen moslemischen Kultur.
1878 wurde Bosnien-Herzegowina der Verwaltung Österreich-Ungarns unterstellt und 1908 von der Doppelmonarchie annektiert. 1918 wurde es unselbständiger Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen.
Im Zweiten Weltkrieg bemächtigte sich der faschistische kroatische Ustascha-Staat des größten Teils der heutigen Republik. Nach Kriegsende wurde Bosnien-Herzegowina Teilrepublik der jugoslawischen Föderation.

Medjugorje ...
Ein Dorf in der Gemeinde Citluk in Ost-Herzegowina.

Medjugorje wurde ab Anfang der 1980er Jahre [...] zu einem der bekanntesten und meist besuchten Pilgerorten der katholischen Welt. Der Name Medjugorje ist slavischen Ursprungs und bedeutet "Gebiet zwischen den Bergen".[...]
Zitiert aus: www.friedenskoenigin.de, Medjugorje



[...] Seit Juni 1981 erscheint Maria, die Mutter Jesu in Medjugorje, einem Dorf in Bosnien/Herzegowina. Durch ihr Kommen möchte sie uns zu einer lebendigen und tiefen Begegnung mit Christus führen und der Welt einen Weg zum Frieden zeigen. Erfahren Sie hier mehr dazu.[...]
Zitiert aus: www.medjugorje.de

Jahrhundertelang prägte Toleranz das Zusammenleben zwischen Moslems, orthodoxen und katholischen Christen sowie einer großen sephardischen jüdischen Gemeinde. Diese Toleranz schlug im Zweiten Weltkrieg in ihr radikales Gegenteil um. In Bosnien-Herzegowina fanden nicht nur die wichtigsten Schlachten der Tito-Partisanen gegen die deutschen und italienischen Besatzer statt, hier spielten sich auch die schrecklichsten Grausamkeiten des Bürgerkriegs zwischen den Kommunisten, den königstreuen serbischen Tschetniks und der kroatischen Ustascha ab.
Die nationalen und religiösen Gegensätze führten, trotz der Bemühungen des Präsidenten, des Moslems Alija Izetbegovic, Bosnien-Herzegowina aus dem serbisch-kroatischen Konflikt herauszuhalten und eine neutrale Position einzunehmen, gegen den Willen der Serben im Oktober 1991 zur Unabhängigkeitserklärung. Nachdem sich eine Mehrheit der Bevölkerung in einem von den Serben boykottierten Referendum für die Unabhängigkeit ausgesprochen hatte, brach im März 1992 der bewaffnete Konflikt zwischen den Serben und den übrigen Volksgruppen aus.

Der mehr als zweieinhalbjährige Krieg wurde von allen Seiten mit großer Härte und Grausamkeit geführt. Massaker und Vertreibungen der jeweils anderen Bevölkerungsgruppe ("ethnische Säuberungen") führten zu 2,7 Millionen Flüchtlingen. Diplomatische Bemühungen und Wirtschaftssanktionen zur Beendigung des Krieges blieben erfolglos, bis das Eingreifen der NATO und militärische Rückschläge der Serben 1995 den Weg frei für das Friedensabkommen von Dayton zwischen Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien machte. Bosnien-Herzegowina blieb als Gesamtstaat zwar erhalten, de facto aber geteilt in eine moslemisch-kroatische Föderation und eine Serbische Republik ("Entitäten"), regiert von einem Hohen Repräsentanten der internationalen Staatengemeinschaft mit umfassenden Vollmachten und militärisch besetzt von einer multinationalen Friedensgruppe, der Stabilization Force (SFOR).

Die weiter bestehenden Gegensätze zwischen den infolge des Krieges "entmischten" Nationalitäten, sichtbar etwa an der zwischen Moslems und Kroaten geteilten Stadt Mostar, und territoriale Streitigkeiten wie über den Posavina-Korridor bei Brčko machen Bosnien-Herzegowina zu einem politisch instabilen Gebilde, das zur Wiederherstellung von Wirtschaft und Infrastruktur auf ausländische Finanzhilfe angewiesen ist. Positiven Ansätzen wie der Aufbau einer gemeinsamen Grenzpolizei 1999 oder der Wahlsieg der nicht ethnisch definierenden Sozialdemokraten (SDP) 2000 folgten wieder Rückschritte, etwa Anfang 2001 die Proklamation bzw. Wiederbelebung einer eigenen kroatischen Teilrepublik in der Herzegowina durch nationalistische Kroaten.

Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina im Oktober 2002 haben sich mit mehr als 90% der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von nur 55% die nationalistischen Kandidaten für das Dreier-Präsidium durchgesetzt.
Für die bosnischen Serben wird der Präsident der bosnisch-serbischen Teilrepublik, Mirko Sarovic, in dem Gremium sitzen. Er gilt als Anhänger von ExSerbenführer Radovan Karadzic. Für die moslemisch-nationalistische Demokratische Aktionspartei siegte Sulejman Tihic. Die Kroaten vertritt Dragan Covic, der zur Nationalistenpartei HDZ gehört.
Auch bei den Parlamentswahlen sind die Nationalisten klar an der Spitze.
Das von der internationalen Staatengemeinschaft als herber Rückschlag betrachtete Wahlergebnis lässt zurecht befürchten, dass notwendige rasche wirtschaftliche und politische Reformen nicht zustande kommen werden. Eher wahrscheinlich ist, dass sich die ethnischen Konflikte wieder verschärfen.

Seit 2006 unterstehen die Streitkräfte der Staatspräsidentschaft und dem 2004 geschaffenen Verteidigungsministerium der Staatsebene. Angestrebt wird die Integration des Militärs in europäische und euroatlantische Strukturen und die Beteiligung an UN-Einsätzen. Im gleichen Jahr trat Bosnien-Herzegowina der NATO-"Partnerschaft für den Frieden" bei, ein EU-Beitritt wird bis 2020 angestrebt.
Seit 2010 beteiligt sich der Staat an internationalen Militäreinsätzen (Afghanistan mit 53 Soldaten).
Die USA sind in Bosnien-Herzegowina stark engagiert, was in der Republik Srbska auf wenig Gegenliebe stößt. In der Republik Srbska regiert der Serbe Milorad Dodik (SNSD, Allianz der unabhängigen Sozialdemokraten). Dodik ist mehr als zwielichtig. Er leugnete z.B. den Völkermord von Srebrenica (1995), außerdem soll Dodik im April 2011 gesagt haben, dass er dafür sei, Zagreb zu beschießen, woraufhin er wegen Kriegsverbrechens von kroatischer Seite belangt werden sollte. Gegen ihn und einigen Ministern und Geschäftsleuten wurde 2009 von Seiten der bosnischen Ermittlungsbehörde SIPA strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet, was allerdings im Sande verlief. Diesen Personen wurde die "Bildung einer verbrecherischen Organisation mit Premier Dodik an der Spitze" vorgeworfen.

Das Regierungssystem in Bosnien-Herzegowina gilt als kompliziert. Die Macht im Lande ist zwischen den drei wichtigsten Volksgruppen (Serben, Kroaten, Bosnier/Muslime) aufgeteilt. Vorsitzender des Staatspräsidiums ist ein Vertreter der drei Volksgruppen, der alle acht Monate wechselt. [...] Der Gesamtstaat, die Entitäten und die 10 Kantone haben jeweils eigene legislative und exekutive Strukturen. Dazu unterliegt das Land noch einem internationalen Mandat.[...]
Zitat: de.wikipedia.org, Bosnien und Herzegowina

Entwicklungen

März 2020: Coronavirus-Pandemie führt zum Ausnahmezustand
Seit dem 18. März 2020 herrscht der Ausnahmezustand, der harte Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten umfasst.

 Vogelgrippe - Schweinegrippe - Coronavirus

Bosnien, Einfallstor für sunnitischen Terror in Europa
Laut dem Artikel der britischen Zeitung The Sunday Mirror, "www.mirror.co.uk/news/world-news/isis-set-up-stronghold-heart-6094785", 18. July 2015, hätten Aktivisten des sogenannten Islamic State (IS) Land im abgelegenen Dorf Osve gekauft, um in einem dort eingerichteten Camp Terroristen auszubilden. Das von dichten Wäldern umgebene Terrorcamp des IS dient als strategisch günstiger Ort für Terroristen aus Syrien, dem Irak und Nordafrika und könnte als Basis für Terrorangriffe in Europa dienen, so die Vermutung westlicher Geheimdienste. Bosnien ist aufgrund seiner geografischen Lage und instabilen politischen Situation ein ideales Land für Djihadisten, die illegal von Syrien über die Türkei nach Griechenland und dann durch Mazedonien und Serbien reisen. In den Besitz von Waffen könne man in Bosnien auch leichter gelangen als in anderen europäischen Regionen.

Zum Thema "IS"
 Neue Weltordnung

Februar 2014: Armut - Verelendung - Arbeitslosigkeit - Korruption
Bosnien erlebt in diesen Tagen die größten Protestaktionen seit dem Ende des Bosnienkrieges (1992-95). Die Menschen sind verzweifelt. Während die Elite des Landes sich hemmungslos bereichert, verelendet das Volk immer mehr. Die Arbeitslosigkeit liegt inzwischen bei offiziellen 44 Prozent. Und die meisten, die Arbeit haben, müssen sich mit dem Mindestlohn zufrieden geben, der bei 420 Euro liegt, oder es wird gar kein Lohn ausgezahlt (z.B. in Tuzla warten viele Menschen, die in den privatisierten, ehemaligen Staatsbetrieben angestellt sind, seit Monaten auf ihren Lohn). Etwa 700.000 Menschen (20%) leben unter der Armutsgrenze, viele leiden Hunger. Die Wirtschaftslage ist katastrophal. Die Protestanten fordern nun den Rücktritt der Regierung, sie fordern ein Ende des Diebstahls an der Bevölkerung.


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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.198 f.

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