Andorra

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Offizieller Name: Fürstentum Andorra
Hauptstadt: Andorra la Vella
Fläche: 468 km²
Landesnatur: Felsgebirge in den Pyrenäen, durch schmale Hochtäler gegliedert
Klima: Schneereiches, wintermildes Klima mit kühlen, feuchten Sommern
Höchster Punkt: Coma Pedrosa 2946 m
Tiefster Punkt: 840 m
Hauptflüsse: Valira, Valira del Orient, Valira del Norte
Regierungsform: Souveränes Fürstentum
Staatsoberhaupt: Staatspräsident von Frankreich und der spanische Bischof von Urgel
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 7 "Täler" (Gemeindebezirke)
Parlament: Generalrat mit 28 auf 4 Jahre gewählten Mitgliedern
Einwohner: 75.000 (1999); 85.293 (geschätzt für Juli 2013)
Bevölkerungsdichte: 160 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 63% (1999)
Sprache: Spanisch, Katalanisch
Religion: Katholiken

Zu den geopolitischen Besonderheiten Europas zählt ohne Zweifel der Pyrenäenstaat Andorra. Das Fürstentum, von Frankreich und Spanien eingeschlossen, umfasst das von Hochgebirgsketten umgebene, teilweise bewaldete Talbecken des Valira mit einigen Seitentälern. Ihre Entstehung geht auf die Eiszeit zurück, in der Gletscher die ursprünglich engen Täler verbreiterten und das mitgeführte Schuttmaterial als Moränen ablagerten.
Leitlinien der Besiedlung sind die Talzüge des Valira del Norte, des Valira del Orient und des eigentlichen Valira, der nach der Vereinigung der beiden Querflüsse bei Andorra la Vella, der Hauptstadt des Landes, in südlicher Richtung nach Spanien fließt.
Als gesichert gilt, dass sich in den andorranischen Tälern im Zuge der Völkerwanderung Reste verdrängter Westgoten mit baskischen Eroberern sowie der keltoiberischen Urbevölkerung vermischten.

Erste Hinweise auf Andorra finden sich im Zusammenhang mit der Verteidigung Frankreichs unter Karl dem Großen gegen die maurische Invasion. Die Talschaft war eine bedeutende christliche Bastion im Hinterland des spanischen Bischofssitzes von Seo de Urgel in der 795 entstandenen Spanischen Mark. In der langen Phase maurischer Bedrohung orientierte sich Andorra stärker nach Norden, was die engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zum Frankenreich begründete.

Nach der Vertreibung der Mauren wurden seit dem 12. Jahrhundert von Frankreich und Spanien Annexionsversuche unternommen. Der institutionelle Status Andorras ist eng verknüpft mit dem Friedensvertrag von Lérida aus dem Jahre 1278. In diesem Abkommen ("Paréage") wurde die Herrschaft über den souveränen Staat Andorra zwischen Frankreich, vertreten durch den Grafen von Foix, und Spanien, vertreten durch den Bischof von Seo de Urgel, aufgeteilt. Die Rechte des Grafen gingen im 17. Jahrhundert an die französische Krone und später auf den französischen Staatspräsidenten über. Größere Mitbestimmungsrechte blieben der Bevölkerung über lange Zeit weitgehend versagt. Zwar erhielt Andorra mit dem sogenannten Generalrat der Täler eine Volksvertretung - sie durfte erst ab 1970 auch von Frauen gewählt werden -, doch besaß diese keine direkte legislative Gewalt.

Erst in den 1990er Jahren änderte sich das institutionelle Arrangement. Am 14. März 1993 erhielt das Land eine Verfassung, die es zum parlamentarischen Fürstentum erklärte. Die beiden ausländischen Schutzherren bleiben Staatsoberhäupter mit rein repräsentativer Funktion. Sie besitzen allerdings ein Vetorecht in auswärtigen Angelegenheiten. Heute ist Andorra Mitglied des Europarats und der Vereinten Nationen. Das Parlament, das für eine Legislaturperiode von 4 Jahren gewählt wird, hat 28 Mitglieder. Regierungschef ist Marc Forné Molné. Amtssprache ist Katalanisch; Französisch und Spanisch dienen als Verkehrssprachen.

Die gebirgige Landschaft Andorras lässt eine ackerbauliche Nutzung nur in gerigem Umfang zu. Diese beschränkt sich im wesentlichen auf die terrassenförmig angelegten und künstlich bewässerten Anbauflächen in den Tälern.
Die wirtschaftlichen Grundlagen sind seit dem 15. Jahrhundert die Weidewirtschaft, aber auch Textilherstellung und die auf der Basis lokaler Lagerstätten erfolgende Eisenerzeugung. Später kam noch der Tabakanbau hinzu.
Vor dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Gemeinschaft war Andorra auch ein preisgünstiges Versorgungszentrum, das besonders von Spanien aus stark frequentiert wurde. Diese "Grenzmarktfunktion" hat durch den Beitritt Spaniens zur EG sowie durch die Einführung des Europäischen Binnenmarktes 1993 an Bedeutung verloren. Andorra hat daher verstärkte Anstrengungen unternommen, andere Einnahmequellen zu erschließen und den Tourismussektor ausgebaut, vor allem den Bereich des Wintersports. Außerdem soll künftig der Ausbau des Bankensektors und damit verbunden die Entwicklung eines weiteren europäischen Steuerparadieses verstärkt erfolgen.

In Andorra gibt es keinerlei direkte Steuern, weder Einkommen- noch Körperschaftsteuer, weder Vermögen- noch Erbschaftsteuer. Deswegen gibt es auch gar kein Finanzamt in Andorra, was einmalig ist auf dem europäischen Kontinent.

Das Bankgeheimnis bröckelt
[...] Bankgeheimnis: Bestimmendes Thema des Wahlkampfs war der wachsende Druck aus dem Ausland, die internationalen Standards zum Austausch von Informationen in Steuerbelangen zu erfüllen. Seit 2005 befand sich der Kleinstaat auf einer sog. schwarzen Liste von "Steueroasen" der OECD, gemeinsam mit Liechtenstein und Monaco. Nachdem der französische Staatschef Nicolas Sarkozy, der gemeinsam mit dem Bischof von Seu d'Urgell die andorranische Fürstenherrschaft versieht, am 5.2.2009 hatte erklären lassen, sein Land werde die Beziehungen zu Andorra überdenken müssen - womit er indirekt seinen Rücktritt als Co-Fürst androhte -, lenkte die Regierung ein. Ministerpräsident Pintat unterzeichnete am 12.3. in Paris eine Erklärung, nach der sich das Fürstentum verpflichtet, bis Mitte November ein Gesetz zur Aufhebung des Bankgeheimnisses zu verabschieden. [...]
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 83.

Währungsabkommen mit EU ruht
[...] Aufgrund neuer unannehmbarer Forderungen der EU, unter anderem auch ein Niederlassungsrecht für alle Banken in der EU und die Anpassung an die EU Finanzmarktregeln, wurden die Verhandlungen über ein Währungsabkommen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. [...]
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bemängelt die zunehmende Staatsverschuldung und das Wirtschaftsmodell des Fürstentums und stuft deshalb die Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Andorra von A+ auf A herunter. [...]
Zitat: www.andorra-intern.com, Juni 2010

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.60 f.

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