Alexander der Große von Makedonien

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Alexander der Große wurde am 20. Juli 356 v.Chr. geboren. Er war 20 Jahre alt, als er 336 den Thron bestieg. Er begann als Herr eines kleines Volkes von Hirten und Bauern und endete als mächtigster Mann des Erdkreises.
Alexander wurde in der königlichen Residenz Pella geboren. Pella war seit dem 5.Jahrhundert der Mittelpunkt des bewegten politischen, gesellschaftlichen und geistigen Lebens Makedoniens. Zwei Jahre nach seiner Geburt bestieg sein Vater Philipp II. den Thron.

Was für ein Mensch war dieser Alexander?
Cäsar hat, als er 50 Jahre alt war, vor dem marmornen Haupt Alexanders Tränen vergossen, weil jener mit 33 Jahren die Welt schon erobert hat, während er mit 50 noch nicht einmal Herr in Rom sei.
Die christlich Kirche Äthiopiens hat Alexander zum Heiligen gemacht, der von vier Greifern zum Himmel getragen wird.
Die Ägypter machten Alexander zu ihrem Pharao und damit zu einen Gott.
Die Soldaten seines Heeres haben ihn geliebt.Dareios III., der König der Könige, der Herrscher Asiens, hat tief in seinem Herzen den Mann, der ihn vernichtete, bewundert. Es wird von Alexanders Humor, von seinem Witz, seiner Großherzigkeit und der Historie seiner Grausamkeiten berichtet. Dabei war er der einzige Staatsmann der Antike, der zuweilen Mitleid gezeigt hatte, eine Regung des Herzens, die unter seinen Zeitgenossen als unmännlich galt.
Von seinen Widersachern wie Demosthenes, der Verteidiger der griechischen Demokratie und der athenischen Freiheit wurde Alexander gehasst.
Die Abneigung der Athener wurde durch die Tatsache verstärkt, dass fast während seiner ganzen Regierungszeit in Hellas eine mehr oder weniger große Knappheit an Getreide herrschte. Während Alexander den Geist Hellas über den Erdkreis verbreitete, hungerten die Hellenen.
Alexander wurde das Leitbild der Fürsten für die griechisch-römische Welt. Weil Alexander sich rasierte, haben es ca. 500 Jahre lang alle Herrscher des Westens getan. Erst als die byzantinischen Kaiser mehr und mehr das persische Hofzeremoniell übernahmen, kam der Bart, der alte, stolze Schmuck der Herrscher des Ostens, wieder in Mode.
Alexander eroberte das persische Weltreich. Dieses war das Reich der königlichen Familie der Achaimeniden. Ihre Heimat war die Landschaft Persis mit den alten Königsresidenzen Pasargadai und Persepolis. Die Persis ist die Kernprovinz des Hohen Iran. Aus Persis aufbrechend hat Kyros der Große in der Mitte des 6.Jahrhunderts das erste Reich der Perser, das Reich der Achaimeniden, geschaffen. Die Hochebene des Iran hat von der irakisch-persischen bis zur persischafghanischen Grenze, gemessen von Westen nach Osten, einen Durchmesser von 1400 Kilometer. Das persische Reich reichte von der Küste der Ägäis bis zur Hauptstadt des Reiches im unteren Mesopotamien. 2000 Kilometer betrug die Entfernung über die persische Königsstraße von Ephesus über Sardeis nach Susa. Von Susa bis zur Ostgrenze des Reiches waren es noch einmal 2600 Kilometer. Afghanistan, selbst der Punjab; das Fünf-Stromland mit dem Indus und seinen Seitenströmen, ist schon am Ende des 6.Jahrhunderts vorübergehend von Persern besetzt gewesen. Die Herrschaft der Achaimeniden hat sich also zeitweise von Anatolien bis nach Indien über eine Entfernung von 4600 Kilometer erstreckt. Wer waren die Makedoner?
Alexander dürfte sich als Hellene gefühlt haben. Herkunft und Erziehung berechtigten ihn dazu. Gleichzeitig war er der Heerfürst einer Schar todesmutiger, unbesiegbarer Männer, die noch halbe Barbaren waren. Als Hellene hat Alexander immer wieder versucht, sich Respekt und Zuneigung der Athener zu verschaffen. Er hat damit nicht viel Erfolg gehabt.
Am Hofe König Philipps II. soll es bei Festen wüst hergegangen sein. Es steckte neben dem Bäuerlichen noch viel Barbarisches in diesem Volk. In ihrem Charakter und ihren Tugenden waren die Makedoner den Persern ähnlicher als den Griechen.
Sogar als die Makedoner in der Nachfolge der Perser die Weltherrschaft angetreten hatten, waren es persische Laster, denen sie verfielen, waren es persische Sünden, die schließlich zum Untergang auch der Makedoner führte. Es ist in dieser Geschichte kaum je vorgekommen, dass ein Sohn den Thron seines Vaters übernehmen konnte, bevor er nicht einige andere Prätendenten besiegt/vertrieben oder umgebracht hatte. Auch Alexander ist bei seiner Thronbesteigung gegen seine Nebenbuhler mit äußerster Rücksichtslosigkeit vorgegangen.

In Makedonien gab es noch in der Mitte des 4.Jahrhunderts, als Alexander zur Welt kam, nur zwei Gesellschaftsschichten. Das waren eine Schwertaristokratie und der Stand der Bauern und Hirten. Ein Bürgertum, das eine Rolle hätte spielen können, existierte nicht. Jeder erwachsene Makedone war zugleich Soldat. Das Verhältnis zwischen dem Stand der Bauern und Hirten und dem Königshaus war charakterisiert durch loyale Ergebenheit auf Seiten der Untertanen, durch patriarchalische Fürsorge von Seiten des Herrscherhauses. Jeder Soldat hatte ohne Schwierigkeiten Zutritt zu seinem Fürsten. Die Rechtssprechung befand sich, wie das gerade unter einfachen Verhältnissen oft der Fall ist, auf hohem Stand. Man kann das ebenso aus der Strenge schließen, mit der Alexander auch seine höchsten Beamten bestrafte, wenn sie das Volk unterdrückt hatten. Nach der makedonischen Verfassung galt der König erst dann als legitimer Herrscher, wenn die in der Heeresversammlung vereinigten waffenfähigen Männer ihre Zustimmung zur Krönung gegeben hatten.
Ursprünglich hat den Makedonern nicht mehr gehört als zwei Gebirgstäler an der Grenze von Epeiros, die Landschaften Orestis Elimiotis. In langwierigen Kämpfen arbeiteten sie sich zunächst einmal bis an den Rand des Gebirges vor, von wo aus man in die Ebene und aufs Meer schauen konnte. Am Rand des Gebirges gründeten die Makedoner Aigai. Aigai blieb auch in späterer Zeit der geheiligte Mittelpunkt des Reiches. Hier wurden die Herrscher begraben. Es gab eine Prophezeiung, dass, wenn einmal ein König nicht in Aigai zur Ruhe gebettet würde, Makedonien aufhören würde ein selbständiger Staat zu sein.
Der erste nicht in Aigai begrabene makedonische Herrscher ist Alexander der Große gewesen. Die Prophezeiung ist in Erfüllung gegangen. Unter Philipp II. war Makedonien eine Art riesige Festung, deren Zugänge im Norden gegen die Einfälle der Barbaren leicht verteidigt werden konnten. Makedonien reichte von der Nordgrenze Thessaliens bis tief nach Serbien. Es umfasste das ganze heutige Bulgarien. Die Grenze im Norden war die Donau, im Osten die Küste des Schwarzen Meeres mit dem Bosporus, im Süden die ganze Nordküste des Marmara-Meeres mit Ausnahme der freien Stadt Byzantion und die Nordküste der Ägäis mit Thrakien und der Halbinsel Chalkidike. Nur die Adriaküste erreichte Makedonien nirgends. Zu den Einflussgebieten gehörten Hellas außer Sparta, Epeiros und die Länder einer unbestimmten Zahl von Tributpflichtigen Barbarenstämmen jenseits der nördlichen Grenze. Die Schwäche des Makedonischen Reichs lag darin, dass es keine eigentliche Seemacht war.
Makedonien war vom Norden her von den Barbaren bedroht. Des öfteren mussten diese in harten Kämpfen vertrieben werden. Im Süden waren es wechselnde Konstellationen in der politischen, diplomatischen und militärischen Auseinandersetzung der um die Vorherrschaft in der Ägäis kämpfenden Großmächte Athen, Theben, Sparta und Persien, welche Makedonien unablässig im Auge behalten musste. Die ständige Gefahr, in der das Land sich befand, war ein Grundelement der Umwelt,in der Alexander aufwuchs.
Vom Beginn seines politischen Bewusstseins an war die Gefahr die strenge Herrin, welche ihn die Wichtigkeit kriegerischer Stärke lehrte. Wenn der Staat Makedonien und sein gesellschaftliches Leben bis zu Philipp II. bäuerlich-patriarchalisch war, über das Leben bei Hofe war der glänzende Schein hellenischer Bildung gebreitet.
Durch seine Mutter Olympias stammte Alexander von Achilleus ab, dessen Zorn Homer in der Ilias besingt (Alexander nahm ein von Aristoteles kommentiertes Exemplar der Ilias mit in den Krieg, welche er Nachts unter seinem Kopfkissen verwahrte - die ehrwürdigste Überlieferung der Hellenen).
Da die Mutter des Achilleus die Meergöttin Thetis (mit ihren meist verliebten 49 Schwestern) und Herakles (der zu den Ahnen seines Vaters gehörte) ein Sohn des Zeus war, konnte Alexander den Anspruch erheben, dass schon von seiner Abstammung her einige Tropfen Unsterblichkeit durch seine Adern flossen.
Den Schild des Achilleus, den er in Troja im Tempel der Athene fand, tauschte er gegen den eigenen ein. Es war seines Ahnherrn Schild. Achilleus und Herakles waren die Leitbilder seiner Jugend.

Das Erbe der Thetis war das lichteste und leichteste Element in Alexanders Erbgut. Daneben gab es viel Dunkles, Schwerblütiges, Dämonisches, das ihn im Lauf seines Lebens immer wieder und gegen Ende seiner Mission mehr und mehr überwältigte.
Olympias, seine Mutter, muss ein Mädchen von außergewöhnlicher Schönheit gewesen sein. Sie hatte einen starken Schuss illyrischen, also barbarischen Blutes. Jahr für Jahr zog sie zur Zeit der Dionysischen Mysterien lebendige Schlangen schwingend, mit einer Schar von Frauen durch die Wälder, und es mag wohl vorgekommen sein, dass bei einem solchen Zug ein Hirte, der zufällig unter die Schar der Frauen geriet, nach der alten Sitte des Menschenopfers von den Frauen bei lebendigem Leib zerrissen wurde. Immer hat diese Frau sich Schlangen gehalten. Man spricht von ihr von einem Wesen eines eifersüchtigen und zornigen Weibes. Alles spricht dafür, dass Olympias bei der Ermordung Philipps ihre Hand im Spiel hatte. Die ganze barbarische Schrecklichkeit ihres dämonischen Charakters enthüllte Olympias aber erst nach dem Tod Alexanders. In furchtbarer Weise nahm sie Rache an allen, von denen sie je einmal gekränkt wurde, bis sie schließlich von den Verwandten der von ihr ermordeten gesteinigt wurde. Von diesem stolzen, gewalttätigen, furchtbaren Charakter seiner Mutter hatte Alexander vieles geerbt. Dass er die dämonischen Tiefen seines Ichs fast sein ganzes Leben hindurch beherrscht hat, gehört zu den am wenigsten beachteten, aber am meisten zu bewundernden Leistungen dieses Mannes. Die wenigen Male, da die Leidenschaft die königliche Selbstbeherrschung durchbrach, wirken wie Ausbrüche eines Vulkans.
Auch von der Seite seines Vaters hatte Alexander illyrisches Blut. Seine Großmutter väterlicherseits, Eurydike, war die Tochter eines Fürsten Sirrhas von Elimiotis. Was mag in der Seele dieses von Natur mit Edelmut begabten Knaben vorgegangen sein als er eines Tages erfuhr, dass die liebe Großmama eine mehrfache Mörderin sei. Man weiß nicht, was Alexander über diese dramatische Familienchronik gedacht hat. Jedenfalls hat die Tatsache, dass so wenige makedonische Könige eines natürlichen Todes gestorben sind, auch ihn, als er mit 20 Jahren den Thron bestieg, veranlasst, kaltblütig 3 Kronprätendenten, die legitime Ansprüche erhoben oder erheben konnten, auszuschalten. Philipp war ein körperlich sehr kräftiger Mann, noch in höherem Alter den unglaublichsten Strapazen gewachsen, hochintelligent, in außerordentlichem Maße mit politischem Talent begabt und dazu ein genialer Soldat. Dazu war er ein hervorragender Organisator. Er brachte das makedonische Heer auf einen so hohen Stand, dass es unter der Führung seines Sohnes das Persische Reich erobern konnte. Er war ein großer Trinker, ein Liebhaber der Musik, der Künste, der Wissenschaften, der Frauen und Weiber. Philipp machte Aristoteles zum Erzieher Alexanders. Sieben Jahre verbrachte Aristoteles am Hofe zu Pella. Erst nach der Thronbesteigung Alexanders zog er sich zurück. Sein Vater Nikomachos war Leibarzt des Königs Amyntas III., des Vaters Philipps II.
Die ersten Jahre seines Aufenthaltes in Makedonien verbrachte Aristoteles mit dem Prinzen Alexander und einigen jungen Adligen in Miza auf dem Lande. In dieser Lehrzeit erwarb Alexander sich die souveräne Klugheit und Wendigkeit in der Lösung politischer Probleme. Ganz bewusst auch hat Aristoteles in seinem Schüler die Überzeugung eingepflanzt, dass, wenn Hellas einmal staatlich geeinigt sein werde, die Spannkraft des griechischen Geistes sich als mächtig genug erweisen werde, die Welt zu beherrschen. Aristoteles bildete nicht nur Alexanders Geist, sondern auch seinen Charakter, indem er ihn lehrte, nach Arete zu streben, jener aus den Tugenden der Gelassenheit und der Selbstbeherrschung bestehenden gehobenen Form innerer Harmonie. In Alexander ist das Streben nach Arete sein ganzes Leben hindurch ein wirksames Gegengewicht zu den dunklen Mächten seines Erbes gewesen.

Bukephalos

Ein Beispiel Alexanders Begabungen ist die Geschichte, wie er zu seinem berühmten Leitpferd Bukephalos kam: Ein Pferd, welches an Philipp verkauft werden sollte, erschien als unbrauchbar, weil es weder einen Reiter aufsitzen ließ, noch die Stimme von irgendeinen aus Philipps Gefolge ertragen konnte, sondern sich gegen jedermann bäumte. Das Pferd sollte fortgeführt werden. Da sagte Alexander: "Ach was für ein Pferd geht da verloren! Sie können's nur nicht reiten, weil sie zu ungeschickt sind und Angst haben!"
Alexander wollte es besser machen. Falls er es nicht reiten konnte, dann sollte er für seinen Vorwitz bestraft werden. Alexander wollte in diesem Fall das Pferd selbst bezahlen. Alles lachte. Darauf machte man die gegenseitige Festsetzung hinsichtlich des Geldes. Alexander beherrschte aber das Pferd. Das ganze Gefolge Philipps war anfänglich in einer tödlichen Angst. Aber als Alexander regelrecht schwenkte und umkehrte, ganz stolz und vergnügt, da erhoben alle einen Jubelschrei. Sein Vater aber vergoss, wie man erzählt, vor Freude eine helle Träne, küsste ihn nachdem er abgestiegen war und sagte nur: "Knabe, suche dir ein passenderes Königreich! Makedonien ist für dich zu klein."
Der Preis für das Pferd belief sich auf 13 Talente was etwa 60.000 Goldmark entsprach. Bukephalos war ein großer Rappe mit weißem Kopf. Das Ross hat Alexander bis Indien treu gedient. Dort ist es gestorben (326 v.Chr. mit 30 Jahren). Es wurde mit hohen Ehren begraben. Sogar eine Stadt hat Alexander nach ihm benannt (Alexandreia Bukephalos; vermutlich die heutige Stadt Jhelum).

In der Nähe von Rawalpindi in Pakistan, in der Landschaft, in der Alexander Bukephalos gründete, gibt es einen buddhistischen Stupa, der noch Heute von den Eingeborenen als das Grab des Bukephalos verehrt wird. Es gibt in der ganzen Weltgeschichte kein Pferd, das so berühmt ist wie das Leitross Alexanders des Großen.

Seine ersten politischen Erfolge

Für die Hochschätzung und den väterlichen Stolz, den Philipp für seinen Sohn empfand, für das bedingungslose Vertrauen, das er zu seiner politischen Begabung hatte, gibt es mehrere Beweise. Den 16-jährigen schon machte König Philipp, als er zur Belagerung von Byzantion aufbrach, zum Reichsverweser und vertraute seinem Sohn das Siegel des Reiches an.
Alexander benutzte den Aufstand eines thrakischen Stammes dazu, mit der später an ihm so berühmt gewordenen Schnelligkeit seinen ersten Krieg zu führen. Als er ihn siegreich beendete, schickte er Philipp mit der Nachricht von dem Aufstand zugleich die Nachricht seiner Niederwerfung. Mit 18 Jahren entschied Alexander an der Spitze der makedonischen Reiterei die Schlacht von Chaironeia, die das Ende der griechischen Freiheit bedeutete.

Konfrontation mit Philipp

Was es für Alexander, bei allem Respekt, unmöglich machte, seinen Vater zu lieben, war die Behandlung, die Philipp der Olympias zuteil werden ließ. Schon wenige Jahre nach der Geburt seiner jüngeren Schwester Kleopatra, zerbrach die Ehe. Es folgten mehrere Heiraten Philipps und zahlreiche Liebschaften. Das ganze Reich musste an den Jammer des Frauengemachs mittragen. Als Philipp eine Aristokratin aus altem makedonischen Adel heiratete, wurde aus schwelendem Zwist offene Feindschaf. Es ist erschreckend zu erfahren, wessen Alexander, der in diesem Alter all die Eigenschaften, die ihn zu einen großen Staatsmann machen sollten, besaß, seinem Vater gegenüber fähig war. Bei der Hochzeitsfeier forderte Attalos, der Onkel der Braut, die Gesellschafft auf, die Götter nunmehr um einen echten Thronfolger zu bitten. Damit war die Legitimität und zugleich die Thronfolge Alexanders in Frage gestellt. Der beleidigte Kronprinz schleuderte, aufs äußerste erregt, einen Pokal nach Attalos mit den Worten: "Du Schurke ! Bin ich ein Bastard?" Philipp, der in einer seiner vielen Schlachten ein Auge verloren hatte, trug, die leere Augenhöhle zu verdecken, schräg über die Stirn gesetzt einen goldenen Lorbeerkranz. Mit dem ihm verbliebenen anderen, vor Wut funkelndem Auge blitzte er seinen Sohn an, erhob sich, zog sein Schwert und rannte gegen Alexander. Zum Glück für beide glitt Philipp zufolge des Weines aus, stürzte hin und blieb liegen. Darauf sagte Alexander: "Seht nur hin! Das ist der, der sich anschickte, von Europa nach Asien hinüberzugehen! Und wenn er von einen Tisch zum anderen will, fällt er hin!" Welch grausamer Hohn! Und dass dies jemand sagte, der nachher in seinem Leben unzählige Male Großmut zeigte, Verständnis hatte, Verzeihung gewährte, macht die Sache nur um so schlimmer. Alexander hat keine glückliche Jugend in Pella gehabt. Alexander nahm seine Mutter Olympias aus der Residenz fort und brachte sie zu ihren königlichen Verwandten nach Epeiros. Selbst im Zorn noch zeigte er seine politische Klugheit und sein diplomatisches Talent. Nachdem er seine Mutter in Sicherheit gebracht hatte, blieb er nicht in Epeiros. Das hätte eine Versöhnung mit seinem Vater, an der ihm natürlich trotz allem gelegen war, unmöglich gemacht. Er ging in einer Art von freiwilliger Verbannung nach Illyrien, dem Land, aus dessen Tiefen alles Unglück seiner Jugend stammte.

Vor dem Feldzug

Vor seinem großen Feldzug über die Dardanellen, Kleinasien, Anatolien, Persien verfügte Alexander über genug geographische Kenntnisse. Von der Geographie des Indus hat er indes eine unzulängliche Vorstellung gehabt. In den Dispositionen, die er für den Nachschub seines Ostfeldzug traf, hat er keinen Fehler gemacht. Der einzige Versager auf dem Gebiet des Nachschubs, den es in Alexanders Kriegszügen gegeben hat, war das Ausbleiben der Verpflegung bei dem Marsch vom Indusdelta durch die Gedrosische Wüste nach Karmanien. Aber das war kein Fehler Alexanders, sondern Sabotage eines Etappenkommandanten. Alexander selbst war ein Geograph von Rang. So gehörte zum Stabe des makedonischen Hauptquartiers eine Vermessungstruppe, die sogenannten Bematisten. Die Bematisten waren Schrittzähler, die alle die riesigen zurückgelegten Entfernungen vermaßen und auf Karten eintrugen. Soweit die von den Bematisten ermittelten Distanzen überliefert sind, stimmen sie mit neueren Messungen gut überein. Alexander, der in mancherlei Hinsicht ein Träumer war, war ebenso auch ein kühler Realist. Er hat sich nie etwas vorgenommen, was nicht ausführbar gewesen wäre.
Die Idee, den Geist von Hellas über die Welt zu verbreiten, war die Leitidee Alexanders. Das von ihm geschaffene Weltreich blieb, auch wenn es nach seinem Tode zerfiel, fast 300 Jahre lang bestehen als ein Commonwealth der Bildung und der Gesittung, der Wissenschaft, der Kunst und des Handels. Dies zu erreichen hat Alexander sein königliches Leben gelebt. Die wichtigsten historischen Darstellungen stammen von Ptolemäus, dem Sohn des Lagos, der ganzen Feldzug an hoher Stelle im Stab Alexanders oder als Truppenbefehlshaber mit großen, selbständigen Aufgaben mitgemacht hatte. Sein Werk hat er in seinen späteren Jahren als König von Ägypten verfasst. Alexander dürfte der einzige König sein, der sogar zum Biographen einen König hatte.

Der Feldzug

An einem strahlenden Frühjahrsmorgen des Jahres 334 überquerte Alexander die Meerenge, welche Europa von Asien trennte. In der Mitte der hier nur 4 Kilometer breiten Meerenge, die Dardanellen, spendete Alexander dem Poseidon, dem Herrscher des Meeres, ein Trankopfer. Die goldene Schale, die er dabei benutzte, warf er zum Abschluss der Zeremonie ins Meer. Als Alexanders Schiff sich dem Strande Trojas näherte stand der König an Bug, hoch aufgerichtet, in voller, in der Sonne funkelnder Rüstung, mit im Winde flatterndem weißem Helmbusch. Zu diesem Zeitpunkt ist er gerade 21 Jahre alt. Als der Kiel auf Grund lief, schleuderte Alexander seinen Speer an Land. An dieser Stelle wurde ein Altar errichtet.
Der Hügel von Troja ist keine 50 Meter hoch. Zu Alexanders Zeiten stand auf dem Hügel von Troja ein Tempel der Athene, in dem der Schild des Achilleus aufbewahrt war, bis Alexander ihn gegen den seinen tauschte. In klassischer Zeit waren die Dardanellen wichtigster Schifffahrtsweg Athens.
Aus den fruchtbaren Ländern an der Nordküste des Schwarzen Meeres, kam das billige Getreide für das damals übervölkerte Attika. Mit der Möglichkeit, diese Verbindung Athens mit seinen Getreidelieferländer zu unterbrechen, besaß Alexander ein stets zur Verfügung stehendes Druckmittel gegen die ihm nie freundlich gesonnene Stadt.
Der Übergang über den Hellespont war mit einem erheblichen Risiko verbunden, denn auf See waren die Perser überlegen. Doch die unterschätzten Alexander. So konnte er mühelos übersetzen. Während der König bei Troja übersetzte, überschritt sein Heer die Meerenge 10 Meilen dardanelleneinwärts. Der Übergang wurde von Parmenion geleitet, dem ältesten und erfahrensten General der Armee. Das Heer bestand aus 30.000 Mann zu Fuß und 5000 Reitern. Diese Masse von Menschen und Tieren auf die kleinen Schiffe der damaligen Zeit zu verladen muss Tage gedauert haben. Die Schlacht gegen die Perser, an dem Fluss Granikos,2 Tagesmärsche von der Stelle entfernt an der das Heer asiatischen Boden betrat, wurde aufgrund unkluger Schlachtführung der Perser von Alexander gewonnen. Alexanders Gegner war Dareios III., welcher der militärischen Begabung, dem politischen Scharfblick und dem Elan Alexanders in keiner Phase ihrer Auseinandersetzung gewachsen war. Über Dareios III. ist später riesiges Unglück hereingebrochen. Er verlor seine Schlachten, sein Reich, seine Familie, seine letzten Anhänger und schließlich sein Leben. Dank der vielen taktischen Fehler Persiens konnte Alexander die anatolischen Häfen in seine Hand bringen. Während Athen spottete und Susa beriet, marschierte das Heer in glänzender Stimmung nach Sardeis. Die Gefallenen von Granikos waren mit großen Ehren bestattet worden. Den Witwen und Waisen in Makedonien wurden alle Steuern erlassen.
Sardeis war das Zentrum der persischen Macht und Mittelpunkt der Verwaltung in diesem Teil der Welt. Sardeis liegt etwa 100 Kilometer landeinwärts, etwa auf der Höhe von Smyrna. Die Stadt wurde kampflos übergeben. Die historische Bedeutung des Sieges am Granikos liegt nicht darin, dass Alexander das militärische Potential der Perser in Kleinasien zerstörte. Sie liegt in dem, was Alexander aus dem Sieg machte. Er erwies sich als einer der humansten Sieger, die die Geschichte kennt. Er nahm die Übergabe der Stadt Sardeis an. Er gab ihren Bürgern und den übrigen Lydern ihre Freiheit zurück. Er erlaubte ihnen, die Verfassung ihrer Väter wieder einzuführen. Die großen Herren des Iran waren später für Alexander wertvolle Mitarbeiter, ohne die er sein in so kurzer Zeit erobertes Reich kaum hätte zusammenhalten können. Nach Sardeis wandte er sich wieder dem Meer zu. Sein Ziel war Dareios und seine ganze militärische Macht herauszufordern und zu besiegen. Den ganzen ihm offenstehenden Osten Anatoliens ließ er achtlos hinter sich.
Von Sardeis aus marschierte Alexander und sein Heer nach Ephesus, damals die Königin unter den ionischen Städten. Er erbaute hier den Artemistempel, der zu den sieben Weltwundern zählte. Nach Ephesus folgte Milet, nur etwa 50 Kilometer entfernt. Hier konnte er durch taktische Klugheit ohne Kampf die persische Seeflotte zum Abziehen bringen. Sein Ziel war nun die persische Flotte auszuschalten, was ihm nach zwei Jahren härtester Kämpfe gelang.
Von Milet nach Halikarnassos. Helikarnassos wurde erobert und zerstört. Dort stieß Alexander auf seinen großen Gegenspieler Memnon. Kurz vor dem Feldzug starb Memnon. Alexander heiratete zwei Jahre später seine Frau Barsine. Sie gebar ihm später in Baktrien einen Sohn, welcher den Namen Herakles erhielt. Als dieser 20 Jahre alt war, wurde er mit seiner Mutter ermordet.
Nach Halikarnassos teilte Alexander sein Heer. Parmenion mit dem größten Teil des Trosses schickte er zur Überwinterung nach Gordian, das in Zentralanatolien ungefähr 100 Kilometer westlich des heutigen Ankara liegt. Alexander selbst machte sich mit einer kleinen mobilen Truppe auf, die Häfen der Südküste Kleinasiens zu besetzen, damit auch sie der persischen Flotte nicht mehr als Stützpunkte dienen könnten. Nachdem der König fast den ganzen Winter in Pamphilien und Kilikien, teils kämpfend, teils marschierend, verbracht hatte, ging er schließlich über einen Pass des westlichen Taurus nach Norden zurück, um sich in Gordion wieder mit Parmenion zu vereinigen.

Das große Jahr 333 war gekommen

Vor ihm lagen auf seinem Weg nach Süden die berühmten Kilikischen Tore, der einzige Pass der aus dem Innern Anatoliens nach Syrien und Ägypten über das westliche Taurusgebirge führte. Bei sachgemäßer Verteidigung war er so gut wie unbezwingbar. Die Kilikischen Tore wurden von den Persern erstaunlicherweise kaum verteidigt. Alexander besetzte Tarsos, die Hauptstadt des fruchtbaren Kilikien. In Tarsos wurde Alexander durch eine heftige Krankheit für einige Zeit am Weitermarsch gehindert. Ende Oktober 333 setzte er seinen Weg nach Süden fort. Alexander hatte erfahren, dass Dareios irgendwo in Syrien zwischen dem Euphrat und der Küste, ein gewaltiges Heer sammle. An der Spitze stand der Großkönig selbst. Die Schlacht fand an der Küste bei Issos statt. Die Schlacht gegen Dareios führte Alexander so glänzend, dass sie mit einer katastrophalen Niederlage des Dareios endete. Dieser Sieg beseitigte die Bedrohung seiner Flanke von der Landseite her. Mit allen Kräften wandte Alexander sich sofort wieder seinem strategischen Ziel zu, die Ausschaltung der persischen Seemacht durch die vollständige Besetzung der Küste des östlichen Mittelmeeres. Alexander erreichte sein Ziel und besiegte Dareios. Die persische Schiffsflotte löste sich schließlich auf.
Nach der Niederlage des Dareios schlug dieser Alexander vor, Frieden miteinander zu schließen. Doch ging Alexander darauf nicht ein. Statt dessen forderte er Dareios auf, ihn als König von Asien anzuerkennen und sich ihm zu unterwerfen.

König von Ägypten

Fast wäre Alexander ohne Unterbrechung nach Ägypten gelangt, doch weigerte sich Tyros, die mächtigste und reichste Stadt Phönikiens, Alexander in seinen Mauern zu empfangen. Alexander beschloss, den Trotz dieser stolzen Bürger zu brechen. Dieser Entschluss kostete sieben Monate. Tyros ist die Heimat der Prinzessin Europa. Tyros war der letzte Alliierte des Perserkönigs im Mittelmeer. Die Unterwerfung dieser Stadt war für Alexander so wichtig, weil Tyros den Persern eine große Flotte zur Verfügung gestellt hatte und natürlich auch weiterhin für sie bereit hielt. Es war der phönikische Handel zur See, der hier gegen den griechischen Handel zur See kämpfte.

Nach der Eroberung von Tyros eilte Alexander weiter nach Süden auf seinem Weg die Küste entlang. Gaza musste noch im Sturm genommen werden, wobei er schwer verwundet wurde. Ägypten nahm ihn als Befreier auf. Hier war es vor allen Dingen die Wiederherstellung der religiösen Freiheit, welche ihm die Sympathien einbrachte.
Im November 332 war Alexander Herr des östlichen Mittelmeers. Was die Perser bisher verloren hatten, waren Randgebiete ihres rieseigen Reiches. Das ganze Mesopotamien, das Land zwischen Euphrat und Tigris, war noch in ihrem Besitz. Und selbst dieses Land - von der Residenz Susa aus gesehen - war nur ein Vorland. Erst am Rande dieses Vorlands befand sich Alexander. Und der Iran selbst war gegen den Westen durch das rauhe, fast wegelose Hochgebirge des Zagros geschützt. Dareios schlug in einer zweiten Botschaft die Teilung dieser Welt vor. Die Grenze sollte der Euphrat sein. Alexander wies diesen Vorschlag zurück.
Von Memphis aus unternahm Alexander seinen berühmten Ritt durch die lybische Wüste zum Tempel des Zeus Ammon in der Oase Shiwa. Die Priester des Ammon waren klug genug, den König von Makedonien als den neuen Pharao zu begrüßen. Damit war die Frage von Alexanders Göttlichkeit entschieden. In Ägypten wurde jeder Pharao, der zur Herrschaft kam, zum Sohn Ammon Ra. An der Nordküste Ägyptens gründete Alexander Alexandria. Hier entstand in Freiheit, in einer über einen langen Zeitraum sich erstreckenden Entwicklung, unter dem Schutz des makedonischen Herrscherhauses der Ptolemaier, was Alexander begonnen hatte: Hier wurde die Verschmelzung des Ostens mit dem Westen Wirklichkeit.

Das Imperium des Ostens

Im Sommer 331, im 5. Jahr seiner 13-jährigen Regierung brach Alexander auf, sein Imperium des Ostens zu gründen.
Aus Ägypten wieder zurück in Syrien stellte er sein Heer neu auf. Dann trat er den Marsch gen Osten an. Er durchquerte den Nordteil der syrischen Wüste. Er überschritt Euphrat und Tigris. Hinter dem Tigris traf er auf das neue gewaltige persische Reichsheer. Es kam zu der dritten der großen Alexanderschlachten, der Schlacht von Gaugamela.
Alexander machte sich auf nach Babylon. Babylon öffnete Alexander seine Tore. Er zog auf einen Blumenteppich und unter Jubel in die Stadt ein. Im November des Jahres 331 zog Alexander in die Hauptstadt des Persischen Weltreiches ein. Susa wurde kampflos übergeben.
Im Dezember 331 brach Alexander von Susa auf. Nach zwei heftigen Kämpfen erreichte er im Januar 330 Persepolis. Mit dieser Eroberung beendete Alexander in Asien die Herrschaft der Achaimeniden. Er führte einen kleineren Feldzug zur Eroberung Karmeniens.

Tod des Dareios

Quer durch Karmenien ging ein Karawanenweg, der über den Mullapass zum Unterlauf des Indus führte. Während des Feldzugs im Frühjahr 330 erfuhr Alexander von einer Verschwörung gegen Dareios III., der von den verbliebenen Fürsten gegen Zusicherung der Unabhängigkeit ausgeliefert werden sollte. Durch Intrige kam es schließlich zur Ermordung des Dareios durch seine letzten Anhänger.
Im Juni 330 brach Alexander nach Norden auf, nach Medien, in der Hoffnung dort in einer letzten Schlacht die letzte Entscheidung herbeizuführen. Als Alexander vor der königlichen Residenz Ekbatana eintraf, erfuhr er, dass Dareios fünf Tage vorher die Stadt verlassen hatte und nach Osten geflüchtet sei. Von Ekbatana aus schickte Alexander die nicht mehr dienstfähigen Veteranen, reich beschenkt, in die Heimat zurück.
Mit dem Abmarsch von Ekbatana nach Osten begann die fünfte Phase seiner Kriegsführung: die Vernichtung der Reste der achaimenidischen Macht. Auf dem ersten Drittel von Ekbatana nach Herat (ca.600 Kilometer) gab es kein militärisches Risiko. Dieses erste Drittel endete in Hyrkanien. Von hier aus öffnete sich gen Nordosten die Steppe Turkmenistans. Hier endete die Verfolgung Dareios, hier begannen die neuen Gefahren.
Als Alexander die Perser erreicht hatte, hatte er von seiner Armee nur noch eine kleine Gruppe Berittener. Die Führenden, die Dareios begleiteten, hatten unter der Führung Bessos den Großkönig gefangengesetzt.
Als die Perser die Ankunft Alexanders vernahmen, wussten sich die Verschwörer nicht anders zu helfen als den unglücklichen Dareios zu ermorden. Mit großer Mühe gelang es, Dareios aufzufinden. Er lag tot auf einen führerlosen Ochsenkarren, welcher knarrend durch die Steppe zog. Als Alexander ihn so sah, trat sein Schmerz über dieses traurige Ende seines Gegners deutlich hervor. Er nahm seinen Mantel von den Schultern und legte ihn über den Leichnam. Ein König hat dem Dareios die letzte Ehre erwiesen.
Alexander blieb solange in Hyrkanien, bis er die wirtschaftlich und militärisch wichtige Landschaft an der Südostecke des Kaspischen Meeres gesichert hatte. Dann brach er zur Verfolgung des Fürsten Bessos auf. Alexander erachtete es als seine Pflicht, den Königsmörder zu bestrafen, so sehr empfand er sich als den rechtmäßigen Erben des Thrones der Großkönige. Bessos war ein persischer Patriot, der hoffte, den Nordosten des Reiches vor Alexander retten zu können.

Auf dem Weg nach Indien und Tod des Bessos

Alexander übernahm bestimmte Elemente des persischen Hofzeremoniells und trug gelegentlich die sogenannte medische Tracht, welche sehr ungriechisch aussah.
Außerdem fügte er dem makedonischen Heer persische Kontingente zu, was unter den Veteranen eine zunehmende Spannung gegenüber Alexander auslöste. Alexander hoffte mit dieser Maßnahme, die Entwicklung zur Gleichberechtigung der Makedonen und Perser zu fördern. Im Laufe der Zeit nahm Alexander Kontingente fast aller von ihm unterworfenen Völker in seine Armee auf. Im Herbst 330 kam es im Hauptquartier zu einer Verschwörung gegen das Leben des Königs.
Unglücklicherweise war darin der Sohn Parmenions, Philotos, verstrickt, der unter Foltereinwirkung auch Parmenion selbst belastete. Beide wurden getötet.
Der Krieg ging weiter. Ohne Wiederstand zu finden nahm Alexander vom ganzen südlichen Afghanistan Besitz. Dann wandte er sich nach Norden ins Tal des Kabul, wo die Rast des Winters von 330 auf 329 gehalten wurde. Durch dieses Tal führte die Seidenstraße nach Indien.
Noch ehe der Schnee geschmolzen war überschritt Alexander mit seinem Heer den Hindukusch, hinter dem sich Bessos mit seinem Heer befand und Alexander erwartete. Um aber Bessos zu überraschen, nahm Alexander den östlichsten der Pässe, welcher der höchste und schwierigste ist. Dieser Übergang über das Hochgebirge, der fast noch im Winter stattfand, ist in seiner Kühnheit nur mit dem Übergang Hannibals über die Alpen zu vergleichen. Er dürfte sogar noch schwieriger gewesen sein.
Die Passhöhe betrug mehr als 3000 Meter. Es gelang Alexander, den Gegner so gründlich zu überraschen, dass es nach dem Überschreiten des Gebirges zunächst zu kriegerischen Handlungen überhaupt nicht mehr kam. Bessos floh über den Oxos nach Norden. Er wurde später von seinen Mitverschworenen an Alexander ausgeliefert. Der König schickte den Königsmörder nach Ekbatana zurück, wo man ihn nach persischer Gewohnheit kreuzigte.

Obwohl die Besetzung Baktriens zunächst ohne Kämpfe ablief, brach nach Überschreiten des Oxos im Rücken des makedonischen Heeres ein Aufstand los, der nur nach schweren Verlusten besiegt werden konnte. Da die Bevölkerung an der Niederschlagung des Aufstandes weitgehend beteiligt war, glaubte Alexander ein besonders strenges Strafrecht abhalten zu können. Eine nicht geringe Zahl von Menschen wurde umgebracht.
Diese Strenge bewährte sich nicht. Von neuem brach der Aufstand los. Zwei Jahre brauchte Alexander, um dieser Lage Herr zu werden. Zum Befehlshaber Baktriens hatte Alexander den Kleitos vorgesehen, ein alter, verdienter General. Während des 2. Herbstes des Feldzugs in der Transoxiana (Sogdiana), als die Kämpfe zu einem gewissen Abschluss gekommen sind, entlud sich in Samarkand das schreckliche Gewitter, das sich durch die Spannungen im Hauptquartier schon seit langem angekündigt hatte. Während eines Gelages geschah die Ermordung des Kleitos durch Alexander. Nach einer heftigen Auseinandersetzung hatte Alexander sich nicht mehr unter Kontrolle. Mit einer Lanze stürzte er sich auf Kleitos und durchbohrte ihn. Die Heeresversammlung stellte sich auf die Seite des Königs. Sie erklärte die Tötung des Kleitos für gerecht. Trotz dieser Rechtfertigung fiel, nach der brutalen Ermordung des Parmenion, ein weiterer, noch tieferer Schatten auf das Glück Alexanders.

Alexander scheute nicht die Mühe, ein halbes Dutzend unbedeutender Burgen in den abgelegenen Tälern des Karakorum zu erobern. Jeder dieser Burgbarone war ein kleiner König. Jeder von ihnen hatte das Zeug dazu, anderntags der Führer eines neuen Aufstandes zu werden. Das einer von ihnen sogar das Zeug hatte, anderntags der Schwiegervater des Eroberers zu werden, war selbst für Alexander eine Überraschung. Es war der Pfeil des Eros, der ihn traf.
Nach der Eroberung der Burg des Fürsten Oxyartes wurden die Gefangenen am König vorbeigeführt. Als Alexander der Rhoxane, Oxyartes' Tochter, ansichtig wurde, ergriff ihn übermächtige Liebe zu der gefangenen Prinzessin. Bedroht davon, in die Sklaverei verkauft zu werden, wurde Rhoxane in einem einzigen Augenblick zur Herrin des mächtigsten Reiches. Wenn auch die Heirat mit Rhoxane nicht ganz frei von politischen Motiven war, ist es doch das einzige Mal, dass man erfährt, Alexander habe eine Frau von Herzen geliebt. Rhoxane hat Alexander später einen Sohn geboren. Allerdings ist er erst nach dem Tode des Vaters zur Welt gekommen. Er erhielt den Namen Alexandros. Aber so wie Rhoxane glanzvoll aus der tiefsten Tiefe des Unglücks zur höchsten Höhe aufgestiegen war, stürzte sie von ihrer königlichen Herrlichkeit in die Schlucht des Unglücks wieder hinab. 13 Jahre nach dem Tod Alexanders wurde sie zusammen mit ihrem Sohn in Amphipolis in Thrakien von Kassandros, einem kaltherzigen Nachfolger Alexanders in der Herrschaft über Makedonien, aus politischen Gründen ermordet. Jedenfalls aus dieser Heirat, einer aus seinem Herzen diktierten Handlung, erwuchs Alexander politischer Erfolg. Unter den kleinen Fürsten nördlich und südlich des Hindukusch gibt es immer noch einige, die ihre Abstammung mit Stolz auf Alexander zurückführen.

Es mag zu diesem Zeitpunkt gewesen sein, dass Alexander den seinem Charakter so angemessenen Entschluss fasste, eine Politik des Großmuts zu betreiben. Was ihm fehlte und auch später bei ihm nicht in Erscheinung trat, war Zynismus. Alexander ging völlig vorurteilslos an die Dinge heran. Ihm stand die Phantasie zur Verfügung, sich für die allerverschiedenartigsten Probleme die allerverschiedensten Lösungen einfallen zu lassen. Daraus folgte, dass Alexander als Staatsmann zum Vorbild wurde. Er erhob niemals den Anspruch, göttlicher Herrscher der Welt zu sein oder sein zu wollen. In Ägypten war er absoluter Herrscher und Gott. In Asien war er absoluter Herrscher, aber kein Gott. In Hellas war er ein Gott, aber kein absoluter Herrscher. In Makedonien war er weder ein absoluter Herrscher noch ein Gott, sondern ein halbkonstitutioneller König, demgegenüber sein Volk sich einiger überlieferter Privilegien erfreute. Die phönikischen Könige waren unterworfene Verbündete. Die Könige von Kypros waren freie Verbündete. Der Hohepriester in Jerusalem regierte unter Alexanders Oberhoheit weiterhin Judäa nach dem Gesetz des Moses. Die Tempelstaaten Kleinasiens durften ihre seltsamen mutterrechtlichen und theokratischen sozialen Systeme unverändert beibehalten. In Lydien und in Babylon seiner späteren Residenz, schränkte Alexander seine Rechte zugunsten einiger alter Gebräuche seiner neuen Untertanen freiwillig ein. Seistan, eine Landschaft im Osten des Iran, in der persische Nomaden ihre Herden weideten, war autonom. Zu den Völkern im Punjab hatte Alexander überhaupt keine Beziehung. Er war, und auch das nur kurze Zeit, der nominelle Souverän einiger Rajahs, die in diesen Gebieten herrschten. Alexanders Beziehungen zur Welt der Griechen waren in ähnlicher Weise verwickelt. Alexander, der bis zuletzt durch seine Priester die Eingeweide der Opfertiere über die Zukunft befragen ließ, war in seiner psychologischen Größe von einer Modernität, die etwas unheimliches hat. Ganz bewusst hat Alexander die goldene Aura um seine Person sowohl geschaffen als auch immer wieder in ihren Glanz erneuert. Am Ende genügte es, dass er den Ruf der Unbesiegbarkeit hatte, um unbesiegbar zu sein. Nichts war bis zu seinen letzten Tagen so ungetrübt wie gerade die Klarheit seiner Entscheidungen. Modernere Psychologen erklären zwar, dass Alexander in späteren Jahren zum Größenwahn neigte. Man kann ihnen nicht einmal wiedersprechen. In der Tat hat er sich eingebildet, Alexander der Große zu sein. Während seines Feldzuges unterbrach Alexander so oft wie nur möglich die kriegerischen Aktionen, um gymnastische und künstlerische Wettkämpfe zu veranstalten. Er ging gerne auf die Jagd. Auch war er ein vorzüglicher Reiter. Die Leibesübungen waren eine so wichtige Angelegenheit, dass im Hauptquartier lederne Zelte von über 300 Meter Länge mitgeführt wurden. Auf diese Weise konnte man auch in heißen Gegenden im Schatten trainieren. Alexander war in seinem alltäglichen Verhalten maßvoll und ausgeglichen. Gern saß er, ein für seine Liebenswürdigkeiten berühmter Gastgeber, mit seinen Freunden beim Wein. Seine Fähigkeit zu schlafen war schlechthin bewundernswert. Keine noch so gespannte Lage konnte ihn hindern, sich zu entspannen. Nach Gelagen habe er zuweilen 36 Stunden geschlafen.

Indien - Das Ende der Welt

Im Frühling des Jahres 326, dem fünften Jahr des Alexanderfeldzuges, zog der Hauptteil des Heeres unter den Generälen Perdikkes und Hephaistion aus dem oberen Kabultal zum Indus hinab. Ohne Kampf drangen sie bis dorthin vor. Doch gab es dort andere unangenehme Überraschungen: Es gab Moskitos, Skorpione, Giftschlangen, Malaria, Tiger, Dysenterie(Ruhr). Es gab den tropischen Monsunregen, der alles Leder schimmeln, alles Eisen rosten ließ. Es gab eine Menge Krankheiten, an denen die Pferde zugrunde gingen. Während der Hauptteil des Heeres in bequemen kleinen Tagesmärschen zum Indus marschierte, führte Alexander einen schwierigen Feldzug in den unwegsamen Gebirgen, die sich vom Westhang des Himalaya nach Süden und Südwesten zu Kabul hinabziehen. Alexander, ein Pedant der Sicherheit, hielt es für notwendig, zur Deckung seiner linken Flanke die Bergvölker in diesen schwer zugänglichen Hochtälern zu unterwerfen.
Der Indus ist einer der größten Ströme der Erde. Seine Quellen liegen in den Bergen Tibets. Der Indus war den Griechen nicht unbekannt. Zumindest in der Mythologie waren sie schon einmal bis hierher vorgedrungen. Dionysos, der Gott des Weines und des Rausches, hatte auf seinem Zuge durch die Welt auch Indien erobert. Dieses Ereignis war im Bewusstsein der Antike von gegenwärtiger Lebendigkeit. In einem Tempel Kleinasiens wurden noch zu Lebzeiten Alexanders Stoßzähne gezeigt von Elefanten, welche den Gott Dionysos aus Indien nach Anatolien begleitet hatten. Dieser Mythos ist vielleicht eine sehr alte Erinnerung daran, dass die zur Zeit Alexanders am Indus und am Ganges herrschenden Völker selbst Eroberer gewesen und mit den Griechen verwandt waren. Ihre Sprachen gehören zum gleichen indoeuropäischen Sprachstamm wie das Griechische und das Persische. Auch sind diese Indoeuropäer auf dem selben Weg gekommen wie Alexander. Namen berühmter Brahmanenfamilien sind an den Ufern des Amu Darja als Ortsnamen erhalten geblieben.
Mit dem Übergang über den Indus begann Alexander die letzte Phase seiner militärischen Aktionen in Asien. Noch etwa 500 Kilometer weit drang er auf dem indischen Kontinent nach Osten vor. Alexander wollte ans Ende der Welt.
Was bedeutete das? Die Gelehrten in Alexanders Stab hatten ihm gesagt, dass von den Höhen des Hindukusch aus der die Erdscheibe umfließende Okeanos zu sehen sein werde. Welch vernünftiger Gedanke Alexanders bis zu einer Grenze gehen zu wollen, jenseits derer es keine Feinde mehr gab. Auf keine andere Weise hätte er wenigstens diese eine Grenze seines Weltreichs endgültiger sichern können. Bis zu diesen Punkt, von dem die Männer der Wissenschaft ihm versichert hatten, dass er dort den OZEAN FINDEN WERDEN WERDE, ist Alexander gekommen. Doch erreichte er dort den Ozean nicht.

Am Hydaspes kam es noch einmal zu einer großen Schlacht, die Alexander mit vielen Kriegslisten einleitete, um sie schließlich glanzvoll zu gewinnen. Sein Gegner war ein mächtiger Rajah, König Poros. Noch auf dem Schlachtfeld versöhnte sich der Sieger mit dem Besiegten. Alexander vergrößerte das Reich des Poros und machte ihn damit zum anhänglichen Bundesgenossen, zur zuverlässigen Stütze seiner Herrschaft. Hier am Hydaspes hat Alexander, lange vor der Umkehr am Hyphasis, den Befehl gegeben, jene mächtige Flotte zu bauen, mit welcher er nachher den Indus hinabfuhr.

Es war das imperiale Problem der Grenzen, dem sich Alexander, als er den Indus erreicht hatte, gegenübersah. Die Versicherung seiner Geographen, dass man östlich des Hindukusch auf die ideale Grenze, den Okeanos, stoßen werde, hatte sich als falsch erwiesen. Der Okeanos war, eine Fatamorgana der Wissenschaft, gen Osten entwichen, und niemand konnte ihm sagen wie weit. Auch im Norden hatte der König feststellen müssen, dass sich zwischen den alten Nordgrenzen des Persischen Reiches und dem nördlichen Okeanos ungeheure, unbekannte Weiten erstreckten, die von wilden, kriegerischen Völkern bewohnt waren.

Die Unterwerfung Indiens endete am Hyphasis. Auch hier sah Alexander sich genötigt, eine Außenzone in Kauf zu nehmen, deren militärisches Potential er nicht übersehen konnte. Der Unterschied zu Mittelasien war nur der, dass hier die Außenzone nicht ein Land von Barbaren, sondern ein Gebiet hochentwickelter Kulturen war. Auch die Disziplin des Heeres ließ mehr und mehr nach. Viele der letzten Makedoner waren der Verzweiflung nahe und sehnten sich zurück in die Heimat zu kommen. Durch die Länge der Feldzüge waren den Pferden die Hufe abgenutzt, durch die Menge der Schlachten die Waffen der Krieger stumpf und zerbrochen. Hellenische Kleider hatte niemand mehr. Lumpen barbarischer und indischer Beute, elend aneinander geflickt, umhüllten die narbenbedeckten Leiber der Welteroberer. Außerdem förderte der Monsunregen nicht gerade Kampfmoral oder das Interesse neue Gebiete zu erobern. Der Widerstand gegen eine Fortsetzung der Kampfhandlungen oder anderer offensiven Operationen wuchs. Um den Ausbruch einer offenen Meuterei zu verhindern, gab Alexander der Truppe Gelegenheit, durch hohe Offiziere, den Wunsch nach Rückkehr in die Heimat vorzubringen. Der Widerstand seiner Soldaten bot ihm die wunderbare Möglichkeit umzukehren, ohne besiegt zu sein.
Am Ufer des Hyphasis, des östlichsten der von Alexander erreichten Nebenflüsse des Indus, errichtete das Heer zwölf mächtige Altäre. Es waren zwölf Denkmäler der Vernunft eines großen Mannes. Nach Opfern und Spielen begann der Weg zurück. Das Jahr 326 ging seinem Ende entgegen.

Die Fahrt den Indus hinab ging nicht ohne Zwischenfälle vor sich. Die meisten Völker an den Ufern des mächtigen Stromes waren klug genug, das prächtige Schauspiel einfach an sich vorüberziehen zu lassen. Es waren an die tausend Schiffe. Einige Stämme leisteten Alexander jedoch Widerstand, was sie schwer büßen sollten. Auf der Hälfte des Weges zum Okeanos schickte Alexander den größeren Teil seiner Armee mit den Elefanten, den Verwundeten und dem Tross über den Mullapass nach Karmanien. Im Sommer des Jahres 325 erreichte der König mit der Flotte das Delta, das der Indus bei seiner Mündung ins Meer bildet. Hier war es, wo die Eroberer das ihnen noch unbekannte, gewaltige Phänomen der Gezeiten eines Weltmeeres kennenlernten.

Auf dem Weg nach Westen - Ende des Feldzugs

Vom Indusdelta aus sollte eine kleine Hochseeflotte an der Südküste Persiens entlang die Mündung des Euphrat anlaufen, während Alexander selbst zur Deckung und Unterstützung des maritimen Unternehmens versuchen wollte, auf dem Landweg, zunächst der Küste entlang durch Credosien, dann über Karmanien und die Persis Susa zu erreichen. Der Sinn dieses Unternehmens war die Eröffnung des Seeweges von Indien zum Persischen Golf und zum Roten Meer, die Herstellung einer von den Gefahren und Mühen asiatischer Karawanenwege unabhängigen Handelsverbindung zwischen dem reichen Indien und der Welt des Mittelmeeres. Das Unternehmen ist vollständig gelungen.

Die Flotte, die aus etwa hundert Schiffen bestand, erreichte unter dem Befehl von Nearchos wohlbehalten einen Hafen an der Südküste Karmaniens. Nur vier Schiffe gingen verloren.
Alexander musste mit seinem achttausend Mann starkem Heer noch eine entbehrungsreiche Strapaze überstehen. Er stieß auf ein Gebirge, das ein weiteres Vorrücken am Wasser entlang unmöglich machte. Alexander musste den Kontakt mit der Küste aufgeben und sich landeinwärts wenden. Er musste eine fast wasserlose Strecke von dreihundert Kilometern überwinden. Der Hitze entging man, indem man nachts marschierte. Dem Durst entging niemand. Die Verluste der Truppe scheinen noch gar nicht einmal so schlimm gewesen zu sein. Schließlich war es eine Elite von Soldaten, die Alexander auf diesen Marsch mitgenommen hatte. Der Tross hingegen ist wohl zum größten Teil in der Wüste zugrunde gegangen.
Am Eingang zum Persischen Golf, bei Salmus, traf Alexander wie auch die von Krateros aus Indien herangeführte Heeresabteilung mit der Flotte von Nearchos zusammen. Daraufhin gab es ein riesiges Fest mit Kampfspielen und künstlerischen Wettbewerben. Dann wurde der Marsch nach Westen fortgesetzt.

Das Hochzeitsfest von Susa

Im Frühjahr 324, ein Jahr vor seinem Tod, erreichte Alexander mit dem Heer endlich Susa. Hier erfuhr er in welchen Zustand sich sein Reich befand. Es herrschte eine riesige Unordnung. Die Abwesenheit des Herrschers wurde teilweise dazu benutzt sich unrechtmäßig zu bereichern. Von durch höhere Offiziere ausgeführten Gewalttaten aller Art wurde ihm berichtet. Die kostbaren Pferde der zahlreichen Herden des königlichen Gestüts in Nisaia waren zu einem großen Teil verschwunden. Alexanders eigener Schatzmeister, ein Freund aus den Tagen von Miza, war mit fünftausend Talenten verschwunden.
Kleomenes, der Satrap von Ägypten, hatte sich eine höchst ungesetzliche Monopolstellung im ägyptischen Getreidehandel aufgebaut. Während Hellas unter seinen Wucherpreisen stöhnte und hungerte, scharrte er ein Vermögen von achttausend Talenten zusammen. Das waren Beträge, die sogar für den Erben der Schätze von Susa und Persepolis Bedeutung hatten. Der reichste Mann in Hellas wurde zu jener Zeit auf einhundertsechzig Talente geschätzt. Am heftigsten war Alexander darüber empört, dass sogar das Grab des Kyros in Pasargadai aufgebrochen und geplündert worden war. Es war eine Woge von Treulosigkeit, Habgier, Verrat und Dummheit, die gegen den Thron brandete. Vorbei war die Zeit des Großmuts, den Alexander doch immer so gerne walten ließ.
Der Loyalität der alten makedonischen Generale aus der Generation seines Vaters war er seit dem Tod des Parmenion nicht mehr sicher. Dass er sich auch auf seine Soldaten nicht mehr ohne weiteres verlassen konnte, bezeugt die Meuterei, die kurz darauf in Opis ausbrach. Die Bewunderung und Ergebenheit der persischen Granden hatte sich in politische Berechnung verwandelt. Vorbei war auch die Zeit, in der Alexander Untaten um alter Freundschaft willen hatte verzeihen können.
Verglichen mit dem, was wir von Alexanders Leben bis dahin wissen, hat das Strafgericht, mit dem der König die begangenen Verbrechen sühnte, etwas Düsteres. Einige der Schuldigen flüchteten vor des Königs Zorn. Sie gingen irgendwo elend zugrunde. Andere wurden hingerichtet. Gnade wurde nicht gewährt. Es ist oft gesagt worden, dass des Königs Maßnahmen in diesen letzten Tagen zuweilen brutal gewesen seien. Wer wollte ihm das verdenken? Die Menschen hatten ihn gezwungen, sie kennenzulernen.
In Susa feierte Alexander wiederum ein großes Fest. Achtzig seiner Offiziere verheiratete er mit Töchtern aus den vornehmsten Familien des iranischen Adels. Er selbst und Hephaistion heirateten Dareios' Töchter Stateira und Drypetis. Gleichzeitig heirateten zehntausend Soldaten persische Mädchen. Gleichzeitig traf Alexander die Anordnung, dass die persischen Frauen nicht in die Heimat mitgenommen werden dürften. Er mochte hoffen, auf diese Weise bei den Soldaten die Bereitwilligkeit zu erhöhen, sich in einer der von ihm in Asien neugegründeten Städte niederzulassen.

Meuterei in Opis und Versöhnung

Dem Hochzeitsfest in Susa folgte nur wenig später die Meuterei des Heeres in Opis. Auf einer Heeresversammlung trat Alexander vor die Meuterer und sprach zu ihnen mit folgenden Worten: "... Ich hatte im Sinn, die Kampfesmüden unter euch zur Bewunderung und zum Stolz unserer Heimat zu entlassen. Ihr aber wollt alle gehen. So geht! Und wenn ihr zu Hause angekommen seid, erzählt, dass ihr euren König Alexander verlassen und, statt ihn zu schützen, den besiegten Barbaren übergeben habt. Das zu verkünden wird euch gewiss Ruhm vor den Menschen bringen und auch den Göttern fromm erscheinen lassen. Geht!"
Mit diesen Worten wandte er dem Heer den Rücken.
Noch einmal riskierte Alexander alles, um alles zu gewinnen. Überall ließ er Makedonen durch Perser ablösen. Die Meuterer wagten nicht, etwas dagegen zu unternehmen. Und als ihnen schließlich klar wurde, dass Alexander nichts von dem was er zu ihnen gesagt hatte, zurücknehmen werde, brach ihr Trotz zusammen. Klagend und jammernd kamen sie in Rudeln zum Schloss gelaufen, legten ihre Waffen nieder und begehrten ihren König zu sehen. Tagelang warteten sie auf ein Zeichen seiner Gnade. Endlich ließ Alexander sich erweichen. Er trat unter sie. Es kam zur Versöhnung. Dass Alexander aus dieser Auseinandersetzung mit seinem Heer als Sieger hervorging, war ein Schritt vorwärts auf dem Weg zur Homonoia, zur Eintracht zwischen den Völkern seines Reiches. Er, der Sieger, hatte den besiegten Persern die Gleichberechtigung erkämpft.
Um der Versöhnung mit seinen Soldaten einen würdigen Abschluss zu geben, befahl der König noch vor dem Aufbruch aus Opis ein großes Gastmahl auszurichten. An die neuntausend Gäste waren geladen. Die Opfer für die Götter wurden zugleich von hellenischen Sehern und iranischen Magiern dargebracht.
Das Fest von Opis war der Höhepunkt und zugleich der letzte glückliche Augenblick in Alexanders Leben.

Tod des Hephaistion

Im Herbst des Jahres 324 als in Ekbatana gerade die Dionysien gefeiert wurden, bestehend aus Opferungen, Kampfspielen, farbenfrohen Umzügen und künstlerischen Wettbewerben, umrahmt von rauschenden Festen, da erkrankte Hephaistion an einem heftigen Fieber. Am siebten Tag starb er. Für Alexander war dieser Tod ein furchtbarer Schlag. Hephaistion ist der einzige wirkliche Freund gewesen, den er in seinem Leben gehabt hat. Für Alexander war der Tod des Freundes das Zeichen, dass auch seine Tage gezählt seien. Das Fest wurde abgebrochen. Leiern und Flöten verstummten. Heer und Volk trauerten mit Alexander. Die Magier löschten das heilige Feuer in den Tempeln, als ob ein König gestorben sei.

Alexander stirbt am 1. Juli 323 v. Chr. in Babylon

Auf dem Weg von der Sommerresidenz Ekbatana nach Babylon, durch die herbstliche Pracht der Hochebene mit den Bergen zur Linken, die schon von Schnee bedeckt waren, vorbei an dem gewaltigen Felsrelief von Bisutun, das hoch über der Straße den Ruhm Dareios' des Großen noch heute verkündet, machte Alexander halt für seine letzte militärische Aktion, einen Feldzug gegen die Kossaier. Der Feldzug dauerte nur vierzig Tage. Dann war das letzte freie Volk im Zagrosgebirge unterworfen. Alexander nahm Residenz in Babylon. Er hatte beschlossen, die große und reiche Stadt am Euphrat mit ihren nach allen Seiten hin ausgezeichneten Verkehrsverbindungen zur Hauptstadt seines Reiches zu machen.
Alexander begann neue Pläne zu schmieden. Noch einmal war es das Problem, das ihn von jeher fasziniert hatte, das Problem des Okeanos, dem er seine wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuwandte. Den Seeweg von Indien zum Persischen Golf hatte er dem Handel geöffnet. Der Seeweg vom Persischen Golf zum Roten Meer hingegen scheint zu Alexanders Zeiten nicht mehr befahren worden zu sein. Jedenfalls war er keine regelmäßige Handelsroute. Da niemand eine Vorstellung hatte, wie groß dieses Arabien eigentlich war, ließ Alexander ein Erkundungsschiff aus dem Golf von Suez auslaufen. An der Westküste Arabiens entlangsegelnd, gelangte man bis zum Weihrauchland Jemen. Über die Meerenge, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, das heutige Bab el-Mandeb, ist dieses Schiff nicht hinausgekommen. Ein anderes Schiff unter Hieron von Soloi, das den Auftrag hatte, von der Euphratmündung aus nach Suez zu segeln, gelangte nur bis Ras Musandam, dem Kap, bei dem der Persische Golf sich in den Indischen Ozean öffnet. Hieron meldete Alexander, dass Arabien ebenso groß sein müsse wie Indien.

Eine der letzten Regierungshandlungen Alexanders war der Befehl zu einem neuen Kanal bei Pellakotas; an einer von ihm selbst gefundenen günstigen Stelle, sollte der Kanal durch den Fels gesprengt werden.

Nach Rückkehr in die Residenz begann die Totenfeier für Hephaistion, den als Heros zu verehren das Orakel des Zeus Ammon erlaubt hatte. Kurz darauf erkrankte Alexander an einem heftigen Fieber, das wahrscheinlich auf eine Malaria zurückzuführen ist. Am 10. Juni des Jahres 323 v. Chr. starb Alexander III. von Makedonien. Die Nachwelt nennt ihn Alexander den Großen.

Rainer Kurka, 1989

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